|
|
|
|
Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 17. Dezember 2006, 3. AdventPredigttext aus Jesaja 40, 1-11 1 Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott.2 Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des HERRN für alle ihre Sünden. 3 Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! 4 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; 5 denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat's geredet. 6 Es spricht eine Stimme: Predige!, und ich sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. 7 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk! 8 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich. 9 Zion, du Freudenbotin, steig auf einen hohen Berg; Jerusalem, du Freudenbotin, erhebe deine Stimme mit Macht; erhebe sie und fürchte dich nicht! Sage den Städten Judas: Siehe, da ist euer Gott; 10 siehe, da ist Gott der HERR! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen. Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her. 11 Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Er wird die Lämmer in seinen Arm sammeln und im Bausch seines Gewandes tragen und die Mutterschafe führen. Liebe Gemeinde, Was muss getan werden, damit jemand getröstet wird? Ich denke, das Vertrauen in das Leben, in die Hoffnung, dass es gut wird, muss gestärkt werden. Das deutsche Wort Trost hat dieselbe Wurzel wie das englische Wort "to trust", das ja Vertrauen heißt. Wenn jemand Trost braucht, dann muss sein Vertrauen wieder gestärkt werden, weil es in der Krise ist. Hat ein kleines Kind sich zum Beispiel verletzt, dann ist sein Vertrauen, dass es geschützt ist, verletzt, es hat Angst. Es läuft zur Mutter, diese nimmt es auf den Schoß und sagt, dass sie da ist und spendet ihm wieder Vertrauen, in das Leben und dass sie für das Kind da ist. Immer wenn unser Glaube angegriffen ist, sei, dass ein lieber Mensch aus dem Leben gerissen ist, sei es, dass wir selbst erkranken, sei es, dass wir in eine Sinnkrise kommen und unser Glaube wankt, sei es, dass uns Menschen, die wir schätzen, verletzen, dann brauchen wir Trost. Unser Vertrauen, dass Gott alle Dinge zum Besten kehrt, muss gestärkt werden. Das Vertrauen, dass Gott es gut mit uns meint, muss bekräftigt werden. Hier in Jesaja 40 hört der Prophet Jesaja plötzlich, wie eine laute Botschaft durch den Himmel schallt: "Tröstet mein Volk" – Gott befiehlt den himmlischen Kräften, Israel zu trösten. Das Volk hatte viel zu erleiden, es ist hart bestraft worden und über so eine harte Strafe kommt der Glaube sehr in Zweifel. Hat Gott endgültig seinen Bund und seine Freundschaft zu uns aufgegeben? Sind wir wirklich noch sein geliebtes Volk? Werden wir diese harte Zeit überhaupt überleben? Tröstet mein Volk – das heißt: Sagt ihm, dass die Not, das Leid, die Verzweiflung nur eine Form der Erziehung war, die nun zu Ende ist. Nun ist die neue Zeit der Gnade und Freundschaft gekommen. Muntert Gott sein Volk wieder auf, um sein Vertrauen zu stärken. Drei Botschaften enthält der Trost Gottes: 1. Gott tröstet und das heißt: Gott bahnt sich einen Weg In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; Kürzlich hatten wir Pater Maier beim Seniorennachmittag zu Gast. Er erzählte uns von der Kultur in Togo. Die Menschen dort haben so gut wie nichts von der Kultur des Mittelmeerraumes, weder von den Karthagern noch von den Arabern mitbekommen. Aus dem einfachen Grund, weil es so gut wie keinen Weg durch die Wüste Sahara gab. Es war so gut wie unmöglich, Handel und Gedankenaustausch zwischen Nord und Süd zu pflegen, weil es kaum ein Mensch durch die Wüste schaffte. Der Trost für Israel ist, dass sich Gott einen Weg mitten durch die Wüste bahnt. Ich deute die Wüste als unser menschliches Wesen. Es ist schwer einen Weg in unser Herz zu finden. So schwer wie es uns fällt, eine Wüste zu durchqueren, so schwer ist es für Gott unserem Innersten nahe zu sein. In uns ist es dürr geworden. Dort ist kein Platz für Gott, die Quelle des Leben. Es ist dort wie in Bethlehem. Dort heißt es: "Und sie fanden keine Unterkunft dort". Wüste, das heißt soziale Kälte, Unmenschlichkeit, das woran wir aneinander so leiden. Doch Gott lässt sich nicht aufhalten. Er bahnt sich einen Weg durch die Wüste. Jesus ist diesen schweren Weg durch die menschliche Wüste gegangen und hat ihn bis zum letzten Atemzug durchlitten. Aber er hat es geschafft. Er ist im Herzen vieler Menschen angekommen. Nun wird eine Straße für ihn gebaut: Die Höhen werden geschleift und die Täler aufgefüllt. Wenn man im Glaubensleben reift, dann stellt man dies genau fest. Gott baut unsere Höhen ab. Auf das, worauf wir so stolz sind, worauf wir uns etwas einbilden, das was für uns so großen Wert hat, das bedeutet Gott oft recht wenig und wenn wir den Heiligen Geist wirken lassen, dann macht er diese Berge eben. Paulus zählt einmal auf, worauf er alles stolz sein könnte, auf seine edel Herkunft, seinen Stammbaum, auf seine tolle Ausbildung bei den besten Professoren Jerusalems, auf seinen Eifer als Pharisäer. Und dann sagt er: Das alles ist überhaupt nichts wert. Gott hat Paulus gezeigt, dass er das gar nicht braucht. Und was ist passiert? Paulus ist menschlich geworden. Und das zweite: Der Heilige Geist füllt unsere Täler auf. In unserem Herzen gibt es oft tiefe Abgründe. Das Gefühl von Minderwertigkeit, die Angst abgelehnt zu werden, dass man sich selber irgendwie nicht mag. Diese Täler möchte Gottes Geist füllen. Er kann oft unsere Schwachheit gebrauchen, um sich zu verherrlichen. Und so ebnet sich Gott in uns einen Weg, indem er uns menschlich macht, indem er uns zufrieden macht. Indem er unseren Dünkel nimmt und unsere Minderwertigkeit auffüllt und zu einem vollkommenen, ganzen Menschen wieder macht. Dann ist für ihn der Weg bereitet und es ist ein leichtes bei uns zu Gast zu sein. 2. Gott tröstet. Und das heißt: Auf sein Wort ist Verlass. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk! Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich. Als Kind fand ich das Zug fahren immer besonders spannend. Besonders faszinierte mich der Eindruck, wenn der Zug im Bahnhof stand und daneben ein anderer Zug anfuhr. Ich hatte dann das Gefühl, das der Zug, in dem ich saß, losfuhr. Doch spätestens als das Ende des anderen Zuges in Sicht kam, merkte man, dass ich immer noch stand. Ähnlich empfinden wir vielleicht das Wort Gottes. Unser Leben ist oft so kurzlebig, so angefochten von Tod, von Gefahren, von Trostlosigkeit, dass wir den Eindruck haben, Gottes Wort vergeht und zurück bleibt der Zweifel, die Verlassenheit, die doppelte Strafe. Aber Gott sagt, das ist unsere persönliche Wahrnehmung. Das, was wirklich Bestand hat, ist das Wort Gottes. Das, was verschwindet und vergeht, das ist unser menschliches Leben, unsere Zeit, unsere Meinungen. Doch, wenn Gott etwas zusagt, dann kann der Zahn der Zeit noch so lange daran nagen, es bleibt bestehen. Man kann sich mehr darauf verlassen, als das, was wir so jeden Tag zu hören bekommen. Gott hat uns zugesagt, dass er ein Reich des Friedens bauen wird. Also wollen wir uns auf dieses Wort verlassen. Er hat uns zugesagt, dass er uns liebt. Also wollen wir uns auf dieses Wort verlassen. Er hat gesagt, dass er mit uns in seinem Reich leben will. Lasst uns darauf mehr vertrauen, als auf all das menschliche, das Zeitgeschehen. All das wird einmal rasch vergessen sein, wie die Fußballweltmeisterschaft im vergangenen Sommer. Aber seine Zusagen bleiben gültig bis ans Ende. Das ist unser Trost. 3. Gott tröstet, das heißt: Gott selbst kommt. Zion, du Freudenbotin, steig auf einen hohen Berg; Jerusalem, du Freudenbotin, erhebe deine Stimme mit Macht; erhebe sie und fürchte dich nicht! Sage den Städten Judas: Siehe, da ist euer Gott; siehe, da ist Gott der HERR! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen. Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her. Für dieses prophetische Bild muss man sich ein wenig in die Zeit Jesajas zurückdenken. Wenn ein Feind heranrückte, zog ein mutiger König mit seinem Heer der feindlichen Macht entgegen, um sein Volk und seine Stadt zu schützen. Zurück in der Stadt blieben die Alten, die Frauen und die Kinder. Manchmal waren dann die Städte leichte Beute für andere räuberische Stämme. Ziklag zum Beispiel, eine Stadt Davids wurde so einmal von den Amalekitern geplündert, als David im Krieg lag. Die Frauen, Alten und Kinder saßen also in der Stadt und bangten um die Seinen und den König. Kommt der König mit Sieg zurück? Wann kommt er denn endlich? Warum ist er noch nicht da? Hoffentlich ist ihm nichts passiert. Auf den Türmen der Stadt hielten die Wächter sehnlichst Ausschau. Und dann endlich sehen es die Wächter oben: Der König kommt siegreich mit seinem Heer. Und er kommt nicht als ein Verlierer, sondern als einer mit einer riesigen Beute. Jubel bricht in der Stadt aus. Die Nachricht verbreitet sich schnell in die anderen Städte des Landes. In diesem prophetischen Bild sieht Jesaja wie der Messias, der König Gottes selbst als großer Sieger nach Jerusalem kommt. Und mit diesem Bild tröstet er die zitternde und ängstliche Gemeinde. Mit diesem Bild tröstet er sein Volk. Wenn es auch jetzt noch so trüb aussieht. Wenn der Messias da ist, ist alles gut. Dann mischt sich noch ein zweites Bild in diese Vision vom siegenden König. Der König wird als Hirte gesehen, der eine riesige Herde vor sich hergehen lässt. Ich deute dieses Bild auf die Gemeinde. Diese Herde, die vor dem Messias hergeht, das sind wir. Wir gehören dem guten Hirten. Und er wird uns weiden und führen und hineinbringen in die ewige Stadt. Dann wird der ewige Streit zwischen Kain und Abel, zwischen Israel und den Heiden, zwischen dem großen frommen Bruder und dem heruntergekommenen, verlorenen Sohn ein Ende haben. Dann wird Gottes Friedensreich beginnen. Darauf sollen wir blicken, auf dieses Kommen, da wollen wir dabei sein in dieser Herde, das soll unser Trost sein. Amen. |
|
Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an:
webmaster@ev-Kirche-Eupen-NeuMoresnet.org
|