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Gott lieben aus deinem ganzen Herzen...                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 2. November 2003 in Malmedy

Mk 12,28-34

Und einer der Schriftgelehrten, der gehört hatte, wie sie sich befragten, trat herzu, und als er wahrnahm, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches Gebot ist das erste von allen?

Liebe Gemeinde,

Wie würden Sie auf diese Frage antworten: Welches ist das erste, das wichtigste Gebot von allen Geboten. Welches Gebot hat höchste Gültigkeit. Manchmal kann ja ein Gebot ein anderes auflösen.

Zum Beispiel darf man nur 50 Stundenkilometer im Ort fahren. Doch dieses Gebot wird außer Kraft gesetzt, wenn ein Notarztwagen zu einem Kranken fährt. Dann ist der Schutz des Lebens eines Menschen ein noch höheres Gebot. Außerdem sind Gebote so etwas, wie eine wichtige Grenze, die unser Leben schützt. Wenn man seinen Kindern etwas befiehlt, dann ist dieses Gebot, bzw. Verbot zum Schutz des Kindes gedacht. Und sobald es übertreten wird, geraten die Kinder in Gefahr.

Welches ist nun das Gebot, das unser Leben am allermeisten schützt?

Nicht zuletzt helfen Gebote auch, sich richtig und gerecht zu verhalten. Gerade auch gegenüber Gott. Welches Gebot ist das höchste, welches Gebot hilft uns so zu verhalten, dass wir vor Gott uns recht verhalten. Welches liegt ihm am meisten am Herzen? Was würden Sie diesem Schriftgelehrten, diesem klugen Theologen antworten?

- ich lese weiter:

Jesus aber antwortete ihm: Das erste Gebot von allen ist: "Höre, Israel: der Herr, unser Gott, ist ein einiger Herr; und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstande und aus deiner ganzen Kraft". [Dies ist das erste Gebot.]

Jesus zitiert ein Gebot aus dem Alten Testament. Es ist bis heute das Glaubensbekenntnis des Volkes Israel. Was bedeutet das?

"Höre, Israel: der Herr, unser Gott, ist ein einiger Herr; und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstande und aus deiner ganzen Kraft". [Dies ist das erste Gebot.]

Der wichtigste Befehl beginnt mit „Höre!“

Vielleicht werden Sie jetzt denken. Ach, das ist doch ganz einfach. Hören tut man doch immer. Denn die Ohren kann man gar nicht verschließen wie die Augen. Hören, das geht doch ganz automatisch.

Doch wenn die Bibel von Hören spricht, dann meint sie nicht nur ein akustisches Geräusch vernehmen. Mit hören meint sie: Genau hinhorchen, Stille werden, genau darauf achten, was Gott sagt. Die große Bedeutung von genau hinhören beginnt schon auf der menschlichen Ebene. Tatsächlich hätten wir Menschen sehr viel weniger Probleme, wenn wir genau hinhören würden. Mancher Ehekrach entsteht einfach dann, weil der Mann einfach nicht hinhört, was die Frau ihm zu sagen hat. In vielen Betrieben ist dies das Problem Nr. 1, dass die Leute sich nicht zuhören. Der Vorgesetzte hört nicht, was die Leute im Betrieb im zu sagen haben und die Leute hören nicht auf ihren Chef.

In den Gemeinden ist das nicht viel anders. Die meisten Probleme, die wir in unserer Gemeinde haben, sind Kommunikationsprobleme. Wir hätten sie nicht, wenn wir besser aufeinander hören würden. Und nicht anders ist das bei Gott. Die meisten unserer Probleme kommen daher, dass wir nicht darauf achten, was Gott uns zu sagen hat.

Ein zweiter Gedanke zum Hören: Durch Zuhören zeigt man seine Liebe und seine Wertschätzung. Viele Menschen fühlen sich geliebt, wenn ein Mensch sich für sie Zeit nimmt und ihnen zuhört.

Genauso bin ich davon überzeugt, dass Gott sich von uns geliebt fühlt, wenn wir darauf achten, was er in seinem Wort zu uns sagt, wenn wir hinhören. Wir Menschen sind dazu geschaffen, Gesprächspartner Gottes zu sein. Es macht ihn froh, wenn wir mit ihm in Hörkontakt stehen, es macht ihn traurig, wenn man sich von ihm abwendet.

Und noch ein dritter Gedanke zum Hören: Hören heißt auch gehorchen.

Im Hebräischen bedeutet dieses Wort für hören auch gehorchen. Denn nur, wenn ich nicht nur Hörer, sondern auch Täter des Wortes Gottes bin, dann kann mein Glaube wachsen.

Ist Ihnen schon einmal bewusst geworden, dass mit dem Hören und Gehorchen der Glauben wächst. Vielleicht sagen Sie manchmal: Wenn ich doch nur Glauben hätte. Kein Problem. Paulus sagt im Römerbrief: „Der Glaube kommt durch das Hören.“

Glaube kommt, wächst und gedeiht, wenn ich auf Gott, auf sein Wort hörend achte und das Gehörte, das Begriffene in mein Leben einbaue, und befolge. Dann blüht der Glaube auf. Dann wächst die Liebe zwischen Gott und mir.

Ich kann Ihnen das nur empfehlen. Probieren sie es aus. Hören sie auf Gottes Wort und immer wenn Ihnen etwas wichtig geworden ist, dann tun sie es auch. Sie werden merken: Ihr Glaube wird so senfkornstark werden.

Und gerade wir Protestanten wissen: Allein der Glaube macht uns vor Gott gerecht.

Und noch ein vierter Gedanke zum Hören: Durch das Hören erkennen wir Gott. Es heißt:

„der Herr, unser Gott, ist ein einiger Herr.“

So wie Gott unsere ungeteilte Aufmerksamkeit wünscht, so ist er auch ein einziger, ungeteilter Gott. Gott ist nicht halbherzig bei der Sache, wenn er uns liebt, er ist nicht zwiespältig und zerteilt. Nein er ist in sich eins. Er widerspricht sich nicht selber.

Wir Menschen möchten die Gottheiten immer mal wieder gegeneinander ausspielen. Der Gott der Gerechtigkeit gegen den Gott der Gnade. Der Gott des Alten Testament gegen den Gott des Neuen Testaments. Das ist aber eine heidnische Vorstellung von Gott. Die Heiden haben für jedes Problem ihren eigenen Gott. Eine Gottheit für die Liebe, eine für den Krieg, eine für die Krankheit, eine für die Stadtverwaltung, einer für Regen, ein anderer für das Meer. Eine mit weiblichen, Fruchtbarkeitselementen, wieder ein andere mit kriegerischen Elementen.

Wir glauben an den einen Gott. Jesus, der Sohn ist mit Gott dem Vater und Heiligen Geist eins. Für alle unsere Nöte, unsere ganze Anbetung - alles soll nur einem einzigen gehören: Gott allein.

Der zweite Befehl, der in diesem Gebot steckt heißt: Du sollst Gott lieben.

Lieben von ganzem Herzen. Ebenso wie Gott uns von ganzem Herzen liebt, so sollen auch wir ihn von ganzem Herzen lieben. Also nicht halbherzig. Überlegen wir uns einmal, wie es in unserem Herzen aussieht. Lieben wir Gott ungeteilt. Oder gibt es Dinge, die uns genauso wichtig sind? Man kann das leicht prüfen, indem man einen Blick auf sein Umgang mit Zeit und Geld prüft. Schauen Sie einmal in ihren Terminkalender. Wofür haben Sie am meisten Zeit. Das, wofür sie ihre kostbare Zeit, opfern, das liegt Ihnen ganz bestimmt am Herzen. Das lieben Sie von ganzem Herzen. Ebenso das Portemonnaie. Das, wofür sie Ihr Geld ausgeben, das ist es, was ihnen wichtig ist, was ihnen am Herzen liegt. Wenn Sie also sich kaum Zeit für Gott nehmen und auch kein Geld für ihn übrig haben, dann liegt er Ihnen ganz bestimmt auch nicht am Herzen. Ich kann mir vorstellen, dass Sie jetzt vielleicht sogar ein schlechtes Gewissen bekommen haben.

Jesus mutet uns hier ganz schön viel zu. Aber es wird noch schwieriger: Jesus sagt:

Und das zweite, ihm gleiche, ist dieses: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst". Größer als dieses ist kein anderes Gebot.

Es ist noch relativ leicht jemanden wie Gott zu lieben, also jemanden, der sehr höflich ist, sich nicht aufdrängt und nicht stört, der unsichtbar ist. Doch Gott hat sich viele lebendige Denkmäler auf Erden gesetzt. Jeder Mensch ist sein Ebenbild. Jeder Mensch ist ein "Denkmal an Gott". Denn jeder Mensch mit dem ich zu tun habe, spiegelt einen Teil von Gott wieder. Darum soll ich meine Mitmenschen lieben.

Liebe Gemeinde, ich kann mir vorstellen das erste Gebot noch aus eigener Kraft zu schaffen, indem ich mein ganzes Vermögen opfere und mich in ein einsames Kloster zurückziehe und auf Gott höre. Doch meine Mitmenschen so richtig zu lieben? Die Nachbarin, die alles genau beobachtet und dann im Dorf herumtratscht, den Mitarbeiter im Betrieb oder in der Gemeinde, der mir einfach auf meinen Nerven herumtrampelt, die Kinder im Teenageralter, die mit Ihrer Stereoanlage nur laute Klopfgeräusche hören und viel an mir zu kritisieren haben.

Genau diese Menschen soll ich lieben. Ich soll ihnen meine Zeit schenken, ihnen zuhören, gut zu ihnen sein, ihnen das Beste wünschen, nichts schlechtes über sie sagen, bereit zu sein, ihnen zu helfen. Nein, wie kann man jemanden lieben, der es gar nicht verdient. Doch genau, das gehört zur Liebe. Denn Liebe ist nur Liebe, wenn ich ohne Vorbedingungen liebe.

Viele Menschen sagen zu mir: Ja, ich bin bereit sie oder ihn zu lieben, aber erst, wenn er mehr zuhause hilft, oder wenn er liebevoller mit mir umgeht.

Das: "Ich liebe dich, wenn ..." ist keine Liebe nach den Maßstäben Jesu.

Ich sagte, Jesus mutet uns ganz schön viel zu. Die Anforderung geht aber noch eine Stufe höher: Es gibt einen einzigen Maßstab, wie die Liebe aussehen soll: Ein Standard für diese Liebe, wie Gott sie sich von uns Menschen wünscht: Dieser Maßstab heißt: "Jesus".

"Daran wird die Welt euch erkennen, dass ihr euch einander liebt, so wie ich euch geliebt habe", sagt Jesus im Johannesevangelium. So muss die Liebe aussehen. Was darunter ist, ist zuwenig.

Ich bin versucht zu sagen: Das schafft kein Mensch. Ja, ein natürlicher Mensch scheitert an diesen zwei Geboten. Und gleichzeitig bin ich überzeugt, dass dieses Gebot das wichtigste Gebot für Gott ist. Letztendlich verlangt er nur diese beiden Gebote von uns. Alles andere ist zweitrangig. Ja, sogar der Schriftgelehrte gibt Jesus recht. Ich lese V. 32

Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Recht, Lehrer, du hast nach der Wahrheit geredet; denn er ist ein einiger Gott, und da ist kein anderer außer ihm; und ihn lieben aus ganzem Herzen und aus ganzem Verständnis und aus ganzer Seele und aus ganzer Kraft, und den Nächsten lieben wie sich selbst, ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.

Was meinen Sie? Sind es die wichtigsten Gebote? Wenn ja, können wir sie erfüllen?

Ich glaube, es gibt nur einen einzigen, sehr schmalen Weg, der uns zur Erfüllung dieses Doppelgebotes führt: Das heißt Neugeburt. Wir müssen ganz neue Menschen werden. Ein normaler, weltlicher Mensch schafft es nicht. Diese Neue Geburt geschieht mit mir, wenn ich mein Leben Jesus anvertraue. Wenn ich zu ihm sage: Jesus, ich schaffe es nicht. Sei nun du mein Herr. Mach Du mich ganz neu und erfülle mich mit Deinem Heiligen Geist, dass ich lieben kann.

Dann wird das Lieblose in mir Absterben und die Beziehung zu Gott und meine Fähigkeit zu lieben wachsen. Aber ohne diese Neugeburt werde ich an diesen Geboten scheitern und fern von Gottes Reich bleiben. Der Glaube an Jesus ist der einzige Weg.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010