Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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Wenn Gott sich zu erkennen gibt...                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 16. Januar 2005 anlässlich der 150 Jahrfeier der Neu-Moresneter Gemeinde

Liebe Gemeinde,

einer der größten Männer der Weltgeschichte ist Mose. Er hat nach den Berichten der Bibel erstaunliches erreicht. Erstaunlich ist, dass er nicht skrupellos und gewalttätig vorging, wie anderer Herrscher der Weltgeschichte und dennoch hatte er im Verhältnis mehr erreicht als die anderen Großen.

Das war meiner Ansicht nach nur möglich, weil Mose im Auftrag Gottes handelte und dadurch mit einer Vollmacht ausgestattet war, die stärker war, als die stärkste Armee der damaligen Zeit. Etwas vom Geheimnis der Vollmacht von Mose erfahren wir in seiner Berufungsgeschichte.

2. Mose 3,1-14

*1 Und Mose weidete die Herde Jethros, seines Schwiegervaters, des Priesters von Midian. Und er trieb die Herde hinter die Wüste und kam an den Berg Gottes, an den Horeb.

*2 Da erschien ihm der Engel Jahwes in einer Feuerflamme mitten aus einem Dornbusche; und er sah: und siehe, der Dornbusch brannte im Feuer, und der Dornbusch wurde nicht verzehrt.

*3 Und Mose sprach: Ich will doch hinzutreten und dieses große Gesicht sehen, warum der Dornbusch nicht verbrennt.

*4 Und als Jahwe sah, dass er herzu trat, um zu sehen, da rief Gott ihm mitten aus dem Dornbusche zu und sprach: Mose! Mose! Und er sprach: Hier bin ich.

*5 Und er sprach: Nahe nicht hierher! Ziehe deine Schuhe aus von deinen Füßen, denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land.

*6 Und er sprach: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verbarg Mose sein Angesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.

*7 Und Jahwe sprach: Gesehen habe ich das Elend meines Volkes, das in Ägypten ist, und sein Geschrei wegen seiner Treiber habe ich gehört; denn ich kenne seine Schmerzen.

*8 Und ich bin herabgekommen, um es aus der Hand der Ägypter zu erretten und es aus diesem Lande hinaufzuführen in ein gutes und geräumiges Land, in ein Land, das von Milch und Honig fließt, an den Ort der Kanaaniter und der Hethiter und der Amoriter und der Perisiter und der Hewiter und der Jebusiter.

*9 Und nun siehe, das Geschrei der Kinder Israel ist vor mich gekommen; und ich habe auch den Druck gesehen, womit die Ägypter sie drücken.

*10 Und nun gehe hin, denn ich will dich zu dem Pharao senden, dass du mein Volk, die Kinder Israel, aus Ägypten herausführest.

*11 Und Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zu dem Pharao gehen und dass ich die Kinder Israel aus Ägypten herausführen sollte?

*12 Und er sprach: Weil ich mit dir sein werde; und dies sei dir das Zeichen, dass ich dich gesandt habe: wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr auf diesem Berge Gott dienen.

*13 Und Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Kindern Israel komme und zu ihnen spreche: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt, und sie zu mir sagen werden: Welches ist sein Name? was soll ich zu Ihnen sagen?

*14 Da sprach Gott zu Mose: Ich bin, der ich bin. Und er sprach: Also sollst du zu den Kindern Israel sagen: "Ich bin" hat mich zu euch gesandt.

Aus der Fülle und Tiefe dieses Bibelabschnittes möchte ich drei Gedanken hervorheben:

1. Mose begegnet Gott in Ehrfurcht

Mose ist kein hauptberuflicher Priester, kein Politiker, sondern er geht einem ganz gewöhnlichen Beruf nach. Seine Zukunft sah in seiner Kindheit und Jugend als adoptierter Sohn einer ägyptischen Prinzessin, sehr viel versprechend. Er hätte am ägyptischen Hof Karriere machen können. Doch wegen seines überschäumenden Temperaments musste er fliehen und einen Art Gelegenheitsjob wahrnehmen. Wahrscheinlich wurde nur der ein Hirte, der sonst keine andere Erwerbstätigkeit bekam, denn es war ein etwas langweiliger, ein einsamer, ein gefährlicher und oft recht ungemütlicher Beruf, bei Wind und Wetter nach den Schafen zu schauen. Doch es ist die beste Vorraussetzung ein guter Führer auch für Menschen zu werden.

Doch dann kommt das einschneidende Erlebnis für Mose. Er begegnet Gott.

Mose sieht einen brennenden Dornbusch, der aber nicht verbrennt. Der Dornbusch ist oft ein Symbol für ein dürres Leben. Ein Leben in der Wüste, ein Leben ohne Früchte – das einzige, wozu man Dornengestrüpp gebrauchen kann, ist dass es als Zunder gut zum Feuermachen dient.

Der Dornbusch ist somit ein Symbol für das Leben von Mose. Er lebt vor sich hin, aber ohne große Früchte hervorzubringen. Auch das Volk Israel hat sich oft als Dornbusch gesehen. Doch dann kommt das Feuer Gottes. Das Feuer, das den Dornbusch umhüllt aber nicht verzehrt. Gott macht den Dornbusch zur leuchtenden Fackel. Er verdeutlicht die Größe und Souveränität Gottes.

Das geschah auch durch das Leben von Mose, es geschah durch das Volk Israel und es kann auch ähnlich mit uns so gehen.

Mose nähert sich. Aus dem Dornbusch wird er angesprochen. Er steht auf heiligem Boden, denn Gott kommt ihm nahe: "Zieh deine Schuhe aus". Mose gehorcht und verhüllt auch noch sein Angesicht. Dies sind Formen der Anbetung. Mit Schuhen wird ein Mensch ein wenig zum Trampeltier. Denn mit Schuhen werden die Füße unsensibel. Man kann auf allem möglichen herumtrampeln, ohne es zu merken.

Wenn wir in Gottes Gegenwart kommen, bedürfen wir einer gewissen Feinfühligkeit. Außerdem möchte Gott, wenn er uns begegnet, dass wir Schutzmechanismen ablegen, ja verletzlich und weich für ihn werden. Das ist ein Wesenszug von Anbetung.

Schuhe sind außerdem ein Symbol für menschlichen Reichtum. Nur etwas reichere Leute konnten sich Schuhe leisten. Vor Gott können wir uns auf keine eigenen Leistungen berufen, auf unsere Vorzüge. Wir sind wie der Dornbusch und sollen in der Begegnung mit ihm gar nicht viel vorzeigen.

Diese Haltung der Ehrfurcht ist wichtig, um auf Gott hören zu können und ihm zu begegnen.

2. Mose bekommt einen unerhörten Auftrag:

Gott gibt sich zu erkennen, als Gott der Väter. Gott ist treu. Er hat Abraham, Isaak und Jakob große Dinge versprochen, dass ihre Nachkommen zu einem großen Volk werden sollten und dass sie eines Tages das Land Kanaan besitzen werden. Gott steht zu diesen Verheißungen. Er hat sie trotz der langen Zeit, die inzwischen verstrichen ist, nicht vergessen. Und er hört auch täglich die Gebete aller Nachkommen der Väter.

Auch wir, liebe Gemeinde stehen in einer Tradition. Wir brauchen nicht meinen, dass Gott mit uns ganz neu einen Weg beginnt. Gott kannte schon die Christen vor 150 Jahren, als sie hier in Neu-Moresnet eine Gemeinde gründeten und mit großer Treue und Liebe eine Gemeinschaft bildeten. Wahrscheinlich erinnert er sich an ihrer Gebete und den Segen den wir heute erleben, liegt in Gottes Treue auch zu ihnen. Wohl den Christen, wenn sie das, was wir für sie von Gott bekommen haben, bewahren. Denn es liegt ein großer Segen darin, wenn man seine Mütter und Väter ehrt. Das ist nicht nur bei unseren natürlichen Eltern so, sondern auch bei unseren geistlichen.

Ich sagte, dass Gott für seine Versprechen sorgt. Aber er will sie durch Menschen verwirklichen. Das ist eine gewaltige Herausforderung.

Ägypten war eine Weltmacht vergleichbar mit der heutigen USA. Und ein einzelner Mann soll die besten und billigsten Arbeitskräfte einfach aus dem Land nehmen und in ein anderes Land führen, das ebenfalls von starken Völkern bewohnt ist.

Ohne militärische Kenntnisse, ohne Rüstungen und Waffen, ohne logistische Erfahrung, ohne Geld, ohne Vorräte. Mose ist im Volk Israel völlig unbekannt, er hat keine Beziehungen, keinen starken Clan.

Gott mutet Mose ganz schön viel zu. Ein normaler Mensch kann so etwas nicht vollbringen. Er braucht übermenschliche Kräfte dazu. Aber Gott, der Mose beauftragt, gibt ihm auch die geistliche Autorität dafür. Damit sind wir beim dritten Punkt:

3. Mose bekommt göttliche Autorität.

Ein Beispiel. Ich kannte einen Mann, der in einer größeren Firma Einkäufer war. Von Hause aus war der Mann nicht besonders reich, doch er konnte mit seiner Unterschrift bis zu einer Million D-Mark ausgeben. Er besaß nämlich die Vollmacht, um im Auftrag seiner Firma Material einzukaufen. Die Banken wussten das und darum mussten sie ihm das Geld für Materialkäufe aushändigen.

Man traute diesem Manager so viel Geld an, weil man wusste, dass er im Sinne der Firmenleitung handeln konnte, dass er treu war.

Ähnlich ist es im geistlichen Bereich. Gott stellt uns für unsere Aufgabe seine geistliche Macht zur Verfügung.

Voraussetzung, um auf seine Kraft zugreifen zu können, ist der Glaube und dass man ihn kennt. Denn wenn man Gott nicht kennt und nicht weiß, was er will, dann könnte man mit der Autorität mehr schaden als Nutzen.

Der Manager musste genau wissen, was die Firma für welche Zwecke benötigte, um seine Aufgabe zu erfüllen.

Wenn er das Geld aber für nutzlose Dinge ausgegeben hätte, dann hätte er seiner Firma geschadet.

Darum ist es für alle, die für Gott etwas tun wollen, sehr wichtig ihn zu kennen. Denn ohne ihn zu erkennen, bekommen sie keine göttliche Autorität. Dann müssen sie alles aus eigener Kraft tun und das ist sehr anstrengend.

Darum gab sich Gott zu erkennen. Mehr als vielen anderen zeigt er sich. Er sagt ihm sogar seinen Namen: Er sagte: Ich bin Jahwe. Und das bedeutet so viel: Ich bin bei Dir. Ich stehe hinter Dir. Diesen Namen konnte Mose aufrufen, wenn er in völliger Verzweiflung war und nicht weiter wusste, diesen Namen konnte er anrufen, wenn er seinen Forderungen Nachdruck verleihen musste, diesen Namen konnte er anrufen, um das Volk zu heilen, wenn es durch seine Revolten krank geworden war. Diesen Namen konnte er anrufen, wenn er neue Kraft brauchte.

Mose konnte so viel verbringen, weil er zu Jahwe gehen konnte, der ihm half und darum wurde er einer der größten der Weltgeschichte.

Liebe Gemeinde, ich bin überzeugt, dass in der Christenheit die größte Weltmacht schlummert. Denn durch den Namen Jesus hat Gott sich noch viel mehr zu erkennen gegeben als Mose. Wenn wir Christen ehrfürchtig uns Gott nähern, wenn wir uns von ihm beauftragen lassen und vor allem, wenn Jesus immer besser kennen lernen, dann können wir wie Mose großes vollbringen.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010