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Predigt von Vikar Darius Tomczak am 14. April 2006 - KarfreitagLiebe Gemeinde, ich glaube, dass Gott heute für uns etwas zu sagen hat. Das Wort dass ich Ihnen predigen werde ist wie das Fundament, das man heute auf allen Kanzeln der Welt predigt. Der Titel meiner Predigt klingt abschreckend „die Schädelstätte“ = Golgatha. Ich lese Ihnen den Predigttext aus Lk. Ev. 23,33. Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken. Liebe Gemeinde, heute möchte ich aus dem Herzen des
Evangeliums schöpfen. Heute werde ich schöpfen aus dem, was mein Leben
verwandelt hat. Vielleicht ist jemand unter uns der Ansicht, dass ich nicht an
die christliche Freude glaube. Heute möchte ich Ihnen von der Freude predigen, von der Freude des Kreuzes. Ist das ein Paradox? Nein, es ist kein Paradox, denn das Kreuz verwandelte mein Leben. Obwohl man in heutiger Zeit immer weniger von Golgatha in den Medien hört, Golgatha war eine Tatsache. Golgatha, das waren reale Tage und Stunden. Vielleicht war jemand unter uns im Spital, hatte einen Autounfall, oder hatte Zahnschmerzen in der Nacht bekommen. Dann wissen Sie wie die Stunden langsam vergehen, wenn es weh tut, wenn es weh tut und niemand Ihren Schmerz begreifen kann. Von solchen Golgathas möchte ich heute predigen. Von Golgatha, die Ihre und meine Ewigkeit verändern hat. Nichts hat mein Leben so verwandelt wie Golgatha. Einige von uns haben fremde Länder besucht. Man sagt, wenn man nach Italien gereist ist, und man hat Rom oder Venedig nicht gesehen hat, dann hat man Italien auch nicht richtig kennen gelernt. Und wenn man Paris besucht hat, und man hat den Eifelturm oder den Louvre nicht gesehen, dann ist man auch nicht in Paris gewesen. Niemand kann sagen: Ich gehöre der Gemeinde Jesu an ohne auf Golgatha gewesen zu sein. Die Schädelstätte Golgatha war ein Platz, wo die schlimmsten Verbrecher hingerichtet wurden. Golgatha war ein Platz, wo die Schuldigen gekreuzigt wurden, wo die Kriminellen zur Schau gestellt wurden. Für die damaligen Menschen war das nichts Neues, dass Jesus auf Golgatha gekreuzigt wurde. Er war nicht der Erste und nicht der Letzte, der dort hingerichtet wurde. Und viele Menschen von heute sagen sich deshalb: Was soll an dieser Kreuzigung besonders gewesen sein? Hunderte von Menschen wurden dort gekreuzigt. Und dennoch: Es ist etwas Einmaliges an dieser Kreuzigung. Es ist nichts besonderes an der Kreuzigung, sondern besonders ist wer gekreuzigt wurde. Und der Prophet schreibt: Jes 53,12b: ... dafür dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleich gerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten. Und als die Menschen aus der Stadt vorbeigingen konnten sie zählen: Eins, zwei, drei. Heute werden drei gekreuzigt. Als ich noch in der Schweiz studierte, arbeitete ich in einer Krisenstation. Ich sprach mit einem Mörder, der kürzlich aus dem Gefängnis entlassen wurde. Er kam in die Krisenstation um den Rest seiner Strafe zu verbüßen. Und wissen Sie, wie dieser Mörder sich gegenüber mir verhielt? Er sagte mir, wenn Gott wirklich existiert, warum hilft er mir nicht? Wenn Gott existiert, warum erfüllt er nicht meine Wünsche? Obwohl der Übeltäter als Schuldiger am Kreuz hing, lästerte er Jesus. Und dieser Mörder am Kreuz sprach: Lk 23,39 Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! Und so starb er in allen seinen Sünden, so wie er lebte. Lk 23,40. Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wissen Sie, was diese Worte bedeuten? Der zweite Übeltäter bekannte sich zu seiner Schuld und er glaubte an Christus. Weil er Buße am Kreuz tat, weil er an Jesus glaubte, wurde er gerettet. Er starb abseits seiner Sünden, denn die Sünden wurden ihm von Jesus vergeben. Aber der in der Mitte starb weder in seinen Sünden noch abseits seiner Sünden. Denn er starb ohne Sünden, auch ohne vergebene Sünden. Er starb für die Sünden. Und hier ist der erste Unterschied. Er starb für die Sünden. Die zwei Anderen hatten viele Sünden aber dieser in der Mitte hatte keine Sünde getan. Und doch wurde er als schuldig gefunden. Dort auf Golgatha starben keine Unschuldigen. Und dieser in der Mitte war am meisten schuldig, denn er war schuldig mit Ihrer und meiner Schuld. So ist es liebe Gemeinde. Er war schuldig, er war schuldig mit Ihrer und meiner Schuld. Können wir es überhaupt verstehen? Hier auf dieser Erde denken wir oft, wir können alles ausprobieren, wir sind hier die Herren. Aber ich möchte Ihnen folgendes sagen: Ein Mensch hat gar nichts, alles was ich habe, habe ich von Gott bekommen. Ein Mensch hat in Wirklichkeit nur zwei Dinge: Es gibt zwei Dinge, die Ihnen gehören, die 100% Ihnen gehören. Erstens, dass sind unsere Sünden, zweitens das ist unser Grab. Es ist das, was wir haben, es ist das, was uns gehört. Unsere Sünden schaufeln uns das Grab. Und wenn die Sünde reift, gebiert sie den Tod. Unsere Sünden gehören uns. Das ist alles, was wir besitzen, unsere Sünden und unser Grab. Gott hat mit unseren Sünden keine Gemeinschaft. Wir alle haben geirrt. Jeder von uns ging seines eigenes Weges. Schauen Sie auf den in der Mitte, denn der Herr hat ihn mit der Strafe berührt, mit der Strafe, die für uns alle bestimmt war. Er war schuldig, aber er war schuldig mit Ihrer und meiner Schuld. Er hatte alles im Gegenteil zu uns. Am weitesten entfernte Galaxien, und das Holz, die Bank auf der Sie sitzen, das alles gehört Ihm. Denn in Ihm wurde alles erschaffen und es ist nichts, was nicht in Christus erschaffen worden ist. Es gibt nichts, über was ein Mensch zu Gott sprechen könnte: Das gehört dir Gott nicht! Er hatte alles, er hatte den Ruhm der Engel und er war in göttlicher Gestalt. Es gibt nur zwei Sachen, die Jesus nicht hatte: erstes das ist die Sünde, zweites das ist das Grab. Und sofern hat er unsere Sünden auf sich genommen, so musste er auch von uns das Grab sich leihen. Das war das einzige was er nicht hatte. Aus Liebe zu uns, hat er unsere Sünden getragen, sagt uns Jesaja 53. Liebe Gemeinde, heute möchte ich Ihnen kein Erfolgsevangelium predigen. Jesus sagte: Der Jünger steht nicht über dem Meister und der Knecht nicht über seinem Herrn. Mich haben sie verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen. Diese Worte sind wie unsere innere Uhr. Werden wir von außen verfolgt, sollten wir es in Demut annehmen. Ich erwarte keine Verfolgung von innen, von Gemeindemitgliedern, leider werden wir gelegentlich hier enttäuscht. Der christliche Glaube wird nicht durch Lehrsysteme, Dogmen, Werbetechniken oder Happenings vermittelt. Eine Christliche Gemeinde wächst durch Existenz-Mitteilung. Erst wenn Sie im Blute Jesu gewaschen sind, sind Sie bereit für den Himmel. Und es kommt die Zeit, wo Jesus sagen wird: Und jetzt nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach. Jetzt will ich in dir leben, und nicht dein Ego soll herrschen. Jesus hat auf Golgatha nicht gerufen: Vater, das alles hier, das ist nicht meine Schuld. Sondern er ließ sich in Demut für uns sündige Menschen kreuzigen. Er tat das aus Liebe. Ph 2,6.7a. Jesus nahm die Knechtsgestalt an, er wurde zum Diener. Wer redet heute noch vom Dienen? Wir wollen doch nicht mehr dienen, wir wollen herrschen, Macht haben, schreibt Peter Hahne in seinem Buch "Schluss mit lustig". Das Wort Dienen wurde heutzutage durch Worte wie Funktion oder Rolle ersetzt. Aber ich sage Ihnen folgendes: Der Christ ist kein Funktionär und er ist kein Schauspieler. Der Funktionär tut das, was die Gesellschaft will und nicht das, was Gott will. Nicht Charakterstärke, sondern manchmal ist sogar Charakterlosigkeit bei ihm gefragt. An die Stelle des Dieners tritt immer öfters der Funktionsträger. Die Funktionäre sind pausenlos tätig und so perfekt, dass sie ihre Schuld nicht mehr bekennen müssen. Sie versuchen die Liebe Gottes zu missbrauchen indem sie sich allen Menschen anpassen. Wer dagegen in der Nachfolge Christi der Gemeinde Christi dienen will, wird sich opfern müssen, wird – wie Paulus es einmal ausdrückte – den opfernden Schlachtschafen gleich sein. Nur diese Weise christlichen Existierens hindert uns daran, dass man den christlichen Glauben spielt, wie der dänische Philosoph und Theologe Kierkegaard es sagte. Es geht darum, echt zu sein und nicht vor sich und anderen die religiöse Begeisterung zu spielen. Das Evangelium dürfen wir auf keinem Fall verflüssigen. Das neutestamentliche Wort lautet: Wir sterben, und siehe, wir leben. Wenn wir Zeugnis geben, sollten wir bekennen, wie ich gestorben bin. Und wie Christus in mir geboren ist. Und wie Christus in meinem Nächsten lebt. Unsere Gebete sollten dem Gebet Jesu aus dem heutigen Predigttext ähnlich sein: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Was für ein Gebet war das? Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Was für eine Art des Gebetes, was für eine Art der Person! Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Vor dem Kreuz auf Golgatha läuft unser ganzes Leben durch und Jesus betet: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! So sieht ein Dienst aus und so lautet ein Gebet. So lautet das Herz des Evangeliums. Jesus war es, der seine Feinde liebte. Er betete für die, die ihn ausnützen wollten. Diese Art der Liebe kann man nicht mit den Worten beschreiben. Das Gebet eines Christen in Art: ich, mich, meines, mir – segne diese vier bezeugt oft nur dies: Solcher Christ hat Golgatha noch nicht erlebt. Doch Gott hat so gewirkt, dass Sie eines Tages vom neuen geboren sind. Golgatha ist ein Platz des Wunders. Dort wurden Sie von Gott verwandelt und Christus lebt in Ihnen. Gott hat diese Welt erschaffen, er hat den Himmel und die Erde erschaffen, aber es nichts im Vergleich dazu, dass ich vor 10 Jahren nach einem schweren Ski Unfall zum neuen Leben erwacht bin. Ich glaube fest, dass ich gewaschen wurde im Blute des Kreuzes und mein Herr neigte sich zu mir. Mein Wunder ist nichts im Vergleich dazu, dass jeder von uns eines Tages neu geboren ist. Haben Sie das, schauen Sie auf das und geben Sie das Zeugnis davon. Und so hat Jesus am Kreuz gesagt: Es ist vollbracht! Es ist vollbracht! Ich hörte einmal ein Zeugnis von einem 80-jährigen Evangelisten. Er war schon fertig mit seiner Botschaft und alle gingen alle nach Hause. Er packte seine Sachen und wollte aus dem Zelt gehen, da kamen drei junge Erwachsene auf ihn zu. Und sie fragten ihn: Was müssen wir tun, damit wir gerettet werden? Und dieser alter Evangelist sagte zu ihnen: Es ist schon zu spät. Dann sagten sie zu ihm: Wie zu spät? Weshalb sagst du das? Haben wir etwas falsch gemacht? Da wurde dem Evangelisten auf einmal ganz bewusst, dass diese drei junge Erwachsene es echt mit ihrer Frage meinten. Und dann sagte er zu ihnen: Hört zu, es ist nicht das, was ihr fragt: Was müssen wir tun, damit wir gerettet werden. Ich sage es euch, es ist schon alles getan. Es ist vollbracht. Gehet und lebet im Glauben. Es ist vollbracht. Hallelujah! Es ist vollbracht. Ich muss gar nichts tun, ich muss gar nichts tun. Vielleicht wird jemand unter uns sagen: Was für ein Paradox: es ist noch so viel zu tun. Ich muss nichts tun um für die Sünden zu bezahlen. Aber ich kann viel tun, indem ich es verkündige, dass die Sünden von Jesus bezahlt sind. Amen. Bei der Botschaft vom Kreuz, gibt es nichts, was der Mensch noch hinzufügen kann. Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss und jeder darf seitdem hineingehen. Im Alten Testament durfte nur der Hohepriester einmal im Jahr das Allerheiligste betreten. Am so genannten jüdischen Jom Kippur Tag, dem Tag der Versöhnung. Doch Gott liebte die Welt so, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. Und so versöhnte Gott die Welt mich sich selbst. Nach dem Alten Testament müsste ich ein Schaf kaufen oder wenigstens eine Taube, und einen Priester aufsuchen, wenn mein Sohn krank wäre. Doch wenn heute mein Sohn krank ist, ist der Vorhang im Tempel zerrissen. Darum kann ich zum Allerheiligsten gehen, kann ich kommen zum Herrn so wie ich bin. Und ich darf ihm meinen Sohn bringen, so wie er ist. Und das alles hat Jesus auf Golgatha vollbracht. Golgatha ist ein Platz des Wunders. Gott segne Sie alle. Amen. |
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