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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 3. September 2000
Liebe Gemeinde, liebe Kinder,
zuerst lese ich für die Erwachsenen den Bibelabschnitt und
dann unterhalte ich mich mit den Brüdern Werki und Glaubi. Die beiden versuchen
zu erklären, worum es in dem Abschnitt geht. Ich lese aus Galater 2, 16-21:
Trotzdem wissen wir inzwischen sehr genau, dass wir nicht durch gute Werke,
wie das Gesetz sie von uns fordert vor Gott bestehen können, sondern allein
durch den Glauben an Jesus Christus. Wir sind doch deshalb Christen geworden,
weil wir davon überzeugt sind, dass wir nur durch den Glauben an Christus von
unserer Schuld freigesprochen werden; nicht aber, weil wir die Forderungen des
Gesetzes peinlich genau erfüllen. Denn wie die Heilige Schrift sagt, findet kein
Mensch allein durch gute Werke Gottes Anerkennung. Wenn wir aber nicht durch
gute Werke, sondern nur durch den Glauben allein Anerkennung bei Gott finden
wollen, geben auch wir zu, Sünder zu sein. Bedeutet dies nun, dass Christus zum
Komplizen der Sünde wird, wenn durch den Glauben an ihn das Gesetz aufgehoben
ist? Auf gar keinen Fall! Nicht Christus, sondern ich selbst bin ein Komplize
der Sünde, wenn ich dem Gesetz wieder Geltung verschaffen will, das ich vorher
als nutzlos erkannt habe.
Durch das Gesetz nämlich war ich zum Tode verurteilt, und dieses Urteil ist
tatsächlich an mir vollstreckt worden; das heißt mein altes Leben ist beendet,
damit ich jetzt ganz neu für Gott leben kann. Durch den Glauben erkenne ich,
dass mein altes Leben mit Christus am Kreuz gestorben ist.
Jetzt habe ich ein neues Leben! Es wird nicht mehr von meinem alten Ich
bestimmt, sondern von dem auferstandenen Christus, der in mir lebt. Mein Leben
auf dieser Erde erhält seinen Sinn durch den Glauben an Jesus, den Sohn Gottes,
der mich geliebt und sich in seiner Liebe für mich geopfert hat. Niemals werde
ich Gottes unverdientes Geschenk ablehnen.
Pfr: Werki, Was willst Du mit deinem Leben erreichen?
Werki: Nun, ich möchte mit meinem Leben mir ein Leben im Himmel bei Gott
verdienen.
Pfr: Wie schafft man das?
Werki: Man muss das tun, was Gott von uns will. Er hat uns seine Gebote gegeben.
Wenn man die einhält, dann ist man ein guter Mensch und dann kann man vor Gott
bestehen.
Pfr: Was muss man zum Beispiel tun?
Werki: Man soll nur an Gott im Himmel glauben, keine Götzenbilder anbeten, nicht
fluchen, Sonntags in die Kirche kommen, zu den Eltern gut sein, nicht töten,
nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht lügen, nicht neidisch sein.
Ja, man soll zu den anderen so gut sein, wie man zu sich selbst gut ist.
Pfr: Kann das jeder schaffen. Schaffen das auch die Leute und die Kinder, die
hier in der Kirche sind.
Werki: Nein, nicht alle. Gott kann keine schmutzigen Leute bei sich brauchen.
Keine Räuber, Ehebrecher und Mörder. Wer etwas sehr Schlimmes getan hat, kann es
nie wieder gut machen. Er stinkt vor Gott. Und Gott ekelt es. Oder magst du etwa
mit jemandem zusammen essen, der schlimmer stinkt als ein Schwein. Jemand der
Böse war, hat bei Gott keine Glück mehr.
Pfr: Ich sehe da auf deiner Weste einen Schmutzfleck. Oh, wenn man ganz genau
hinschaut, dann bewegt sich etwas. Es sieht so aus, als würde ein Videoband
laufen, das gestern aufgenommen wurde. Jetzt sehe ich deine Mutter. Sie kommt zu
dir und fragt: Werki, könntest du bitte schnell zum Bäcker laufen und uns ein
paar Brötchen bringen. Und du antwortest: Lass mich doch in Frieden. Immer
kommst du daher, wenn ich gerade meine Ruhe haben möchte. Kannst Du nicht selber
schnell gehen. Schließlich bist Du als Mutter dafür zuständig. Das ist deine
Aufgabe“ – Und da, deine Mutter ist sehr traurig.
Werki: Ich möchte Dir einmal etwas sagen: Meine Mutter kann ganz schön nerven.
Das sagt auch mein Vater. Und wenn man der nicht mal die Meinung sagt, dann geht
es der zu gut. Sie muss schließlich auch wissen, was sie als Mutter für ihr
Kind, das Gott ihr geschenkt hat, tun soll.
Pfr.: Du hast also nichts Böses getan?
Werki: Absolut nicht.
Pfr. Zurück zum Anfang: Du meinst also: Vor Gott kann nur bestehen, wer Gutes
getan hat.
Werki: Ja und nichts anderes. Aber hab jetzt keine Zeit, über unnütze Dinge mich
zu unterhalten. Ich muss etwas tun, damit ich Gott gefalle. Tschüss.
Pfr.: Tschüss.
Zwei Dinge stimmen mich nachdenklich. Einmal habe ich den
Eindruck, dass Werki sich in die Tasche lügt. Er beschönigt und vertuscht, dass
er Böse zu seiner Mutter war. Oder, was meint ihr Kinder? Eigentlich wird er ein
Komplize vom Bösen, wenn er es verdeckt und in Schutz nimmt.
Und dann tun mir die Menschen leid, die einmal etwas so Böses getan haben, das
man nicht mehr gut machen kann. Sie haben es nach Werki ein für allemal mit Gott
verspielt. Sie sind ein für allemal von Gott getrennt. Nie können sie vor ihm
bestehen. Ist das nicht traurig, wenn sie gar keine Chance mehr haben?
Aber fragen wir einmal Werkis Bruder Glaubi, was er meint.
Pfr: Glaubi, wozu lebst Du?
Glaubi: Ich lebe, weil ich Gott gefallen möchte.
Pfr: Und wie kann man Gott gefallen?
Glaubi: Ich gefalle Gott, wenn ich an Jesus Christus glaube. D.h. ich höre auf
ihn, folge ihm nach und vertraue, dass er mich recht vor Gott machen wird.
Pfr. Das verstehe ich nicht so richtig.
Glaubi: Schau mich an, wie sehe ich aus.
Pfr: Ich sehe einen Schmutzfleck auf deiner Weste. Oh. es bewegt sich etwas: Da
fragt dich deine Mutter: „Hast Du Deine Hausaufgaben gemacht, solange ich
Einkaufen war? Und du sagst: Ja! Dabei hast du nicht alle gemacht, sondern
heimlich Kinderkanal gekuckt.
Glaubi: Siehst Du, immer wieder erwischt es mich und ich mache etwas, was Gott
nicht gefällt. Ich muss gleich zu meiner Mutter gehen und die Sache aufklären.
Und auch Jesus bitten, dass er meine Seele reinigt. Meistens stelle ich fest,
wenn ich klar sage: Das ist nicht in Ordnung gewesen, und um Entschuldigung
bitte, dann passiert es mir nicht so schnell wieder.
Pfr: Aber der Schmutzfleck ist nun mal da, wie geht es weiter.
Glaubi: Stimmt. Dennoch vertraue ich nicht auf meine äußere Kleidung. Pfr:
Worauf sonst? Schau mal unter meine Kleidung.
Pfr: Oh, ich sehe ein strahlend weißes Feierkleid auf dem mit Gold Jesus
Christus aufgestickt ist.
Glaubi: Siehst Du, der alte Glaube, der wird verschwinden und verrotten wie ein
alter Lumpen im Freien. Aber in mir drin wächst ein neuer Glaubi. Ein Stück
Jesus. Und dieser neue Jesus – Glaubi, der kann vor Gott bestehen.
Pfr: Mensch Glaubi, dann bist du ja trotz deiner Flecken nicht ganz verloren.
Glaubi: Ja, Jesus hat seine Reinheit mir geschenkt, die nicht so leicht
beschmutzt werden kann. Darum kann ich auch so froh und unverkrampft leben, weil
es nicht mehr auf das ankommt, was ich leiste, sondern auf das, was Jesus für
mich getan hat.
Pfr: Ach, das ist das, was Paulus gesagt hat: Ich lebe, doch nun nicht ich,
sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich
im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich
dargegeben.
Glaubi: Genau das - Amen.
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