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Glaube, Liebe, Hoffnung                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 17. September 2006

1. Thess 1, 2-10

2 Wir danken Gott allezeit für euch alle und gedenken euer in unserm Gebet
3 und denken ohne Unterlass vor Gott, unserm Vater, an euer Werk im Glauben und an eure Arbeit in der Liebe und an eure Geduld in der Hoffnung auf unsern Herrn Jesus Christus.
4 Liebe Brüder, von Gott geliebt, wir wissen, dass ihr erwählt seid;
5 denn unsere Predigt des Evangeliums kam zu euch nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft und in dem Heiligen Geist und in großer Gewissheit. Ihr wisst ja, wie wir uns unter euch verhalten haben um euretwillen.
6 Und ihr seid unserm Beispiel gefolgt und dem des Herrn und habt das Wort aufgenommen in großer Bedrängnis mit Freuden im Heiligen Geist,
7 sodass ihr ein Vorbild geworden seid für alle Gläubigen in Mazedonien und Achaja.
8 Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen nicht allein in Mazedonien und Achaja, sondern an allen Orten ist euer Glaube an Gott bekannt geworden, sodass wir es nicht nötig haben, etwas darüber zu sagen.
9 Denn sie selbst berichten von uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch bekehrt habt zu Gott von den Abgöttern, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott
10 und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, den er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns von dem zukünftigen Zorn errettet.

Liebe Gemeinde,

wenn man so richtig im Stress ist, wenn einem die Probleme rechts und links über den Kopf wachsen, wenn man von allen Seiten angefeindet wird, wie reagiert man dann?

Krempelt man vielleicht die Ärmel hoch und organisiert neue Lösungswege?

Oder sucht man sich ganz aus der Verantwortung zu stehlen im Sinne von "Ihr könnt mich mal" und lässt dabei alles liegen und stehen?

Paulus und seine zwei Mitarbeiter Timotheus und Silas, die den 1. Thessalonicher verfasst haben, machen etwas anderes. Sie setzen sich zusammen und halten eine Gebetsgemeinschaft. Regelmäßig beten sie zusammen. Und immer, wenn sie beten, dann denken sie dabei an die Gemeinde in Thessalonich.

Sie wissen, dass es viele Probleme dort gibt, dass die Schwestern und Brüder dort ziemlich viel Gegenwind, ja sogar richtig Verfolgung erfahren haben. Sie kennen auch die Probleme und Schwierigkeiten dort.

Und darum wundert es mich, dass sie nicht klagen, dass sie nicht von Bitten und Flehen berichten, sondern dass sie schlicht staunend für die Gemeinde in Thessalonich danken.

Sie bekommen praktisch neue Kraft und neuen Mut für sich und für ihre geliebte Gemeinde in Thessalonich, indem sie danken.

Ich glaube jeder, der im Glauben Verantwortung übernommen hat, jeder, der wie Paulus schon für andere Christen zuständig ist und für sie Sorge trägt, der kann hier vom Apostel lernen.

Regelmäßig in Gebetsgemeinschaft für die Seinen zu danken. Dank stärkt nicht nur den Beter selbst. Dank lockert auch sozusagen den Boden für den Segen Gottes.

Das ist im menschlichen Bereich ganz ähnlich. Stellen Sie sich vor, sie dürften einem Schüler eine Art Stipendium geben. Sie dürften sozusagen entscheiden, wem sie diesen Vorzug des Stipendiums geben. Zuvor würden sie aber noch prüfen, was denn die Eltern über den jeweiligen Schüler sagen.

Würden Sie die Schenkung eher einem Kind geben, dessen Eltern über das Kind schimpfen, klagen und jammern – oder viel mehr, wenn die Eltern Gutes von dem Kind reden.

Ich glaube doch eher, dem Bewerber, dessen Eltern in ehrlichen lobenden und anerkennenden Wort reden.

Ähnlich konzentriert segnet Gott viel lieber die Gemeinden und Hauskreise und Jugendgruppen, wo die Leiter für ihre Leute dankbar sind.

Darum konzentriert sich Paulus auf die guten Dinge und dankt Gott für das, was in seiner Gemeinde Gutes läuft. Erst dann kommen seine Bitten und Ermahnungen.

Für drei Dinge dankt er, die in den Versen 4-10 nochmals näher erläutert werden. Schauen wir uns dies mal näher an:

1. Paulus dankt für das Werk des Glaubens.

Was ist das Werk des Glaubens? Das Werk des Glaubens hat zwei Pole. Einerseits gehört zum Werk des Glaubens, dass Gott in Thessalonich Menschen erwählt hat.

Stellen Sie sich vor, sie kommen in eine fremde Stadt. Sie kennen dort keinen einzigen Menschen. Die Stadt ist voller Lärm, voller Hektik und die Menschen dort haben nur ein Ziel: Geld zu machen und das Geld zum Vergnügen verprassen.

Und nun kommt ein kleiner unscheinbarer Mann, der nicht mal besonders wortgewandt ist. Keiner kennt ihn. Doch er fängt mit gebrochenen Worten an zu reden.

Durch ein Wunder hören die Menschen zu und das Feuer Gottes ergreift sie. Sie erkennen plötzlich, dass sie völlig verkehrt gelebt haben, dass alles, woran sie zuvor geglaubt haben, falsch war, ja sogar schädlich für sie und sie öffnen sich für Gott und erleben eine nie gekannte Freude.

Liebe Gemeinde, so etwas kann kein Mensch machen. So etwas geht nur durch Erwählung.

Mein Freund Bernhard Grupp, schrieb in seinem letzten Missionsbrief, dass fremde Missionare in das Dorf kommen, in dem er tätig ist, und den Indianern Geld geben, wenn sie sich bekehren und taufen lassen. Klar, dass sich dann manche arme Indianer taufen lassen. Aber sie sind dann immer noch die alten – ich denke eher, dass sie noch mehr an die Macht des Geldes glauben als an Jesus.

Erwählung heißt, dass man nichts weltliches bieten kann, keine mitreißende Rede, keinen volltönenden Gospelchor, kein Geld. Und dennoch wirkt das Wort Gottes. Die erwählten Menschen werden hellhörig, wenn Gottes Wort und Gottes Geist wirken. Denn Gott kannte sie, er wusste, dass sie sich nach ihm sehnen, dass sie sich für ihn öffnen und darum schickte er Paulus zu ihnen, um sie zu retten.

Der andere Pol vom Werk des Glaubens, ist der Schritt, den die Thessalonicher selbst gegangen sind.

Sie glaubten an irgendwelche heidnischen Götter oder an philosophische Lehren der Antike. Jeder tat das dort. Doch als sie plötzlich den wahren Gott erkannten, ließen sie allen Götzendienst sein. Keine Opfer mehr an die alten Götter, auch wenn die ganze Familie es gerne hätte, kein Gang mehr zum Wahrsager oder Totenbeschwörer, keine Gebete mehr in den vielen Heiligtümern.

Das ärgerte die Angehörigen und sie setzten ihren Leuten zu: Vielleicht bekam manche Ehefrau Schläge oder wurde vor die Tür gesetzt, mancher wurde wohl enterbt und verlor sein ganzes Vermögen, andere wurden verspottet, Drangsalierung seitens der Behörden. Der neue Glaube an Jesus kostete sie etwas. Und dennoch ließen sie es sich nicht nehmen. Im Gegenteil, sie wurden noch überzeugten und von großer Freude erfüllt.

Über dieses Wunder kann Paulus nur staunen und danken, dass bei seinen Leuten der Glaube an den lebendigen Gott lebendig geblieben ist.

2. Paulus dankt für die Arbeit der Liebe

Liebe ist ja nicht nur eine schönes Gefühl der Sympathie. Manchmal denkt man, wenn man von einem Menschen begeistert ist, dass man ihn liebt. Aber biblisch gesehen ist Liebe etwas anderes. Wer liebt, kommt dem anderen mit Geist, Seele und Körper entgegen. Wer liebt, möchte dem anderen etwas Gutes schenken, er möchte für ihn da sein, ihm seine Zeit widmen.

Wer liebt – nach biblischen Maßstäben, der fragt nicht: Was springt dabei für mich heraus, sondern: Was kann ich für den anderen tun.

Bei den Thessalonichern zeigte sich das Werk der Liebe darin, dass sie recht gastfreundlich waren. Thessalonich war eine Hafenstadt, die gleichzeitig ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in Griechenland war. Das heißt, in Thessalonich war stets viel fremdes Volk. Die ersten Christen dort haben diese Fremden nicht als eine Bedrohung angesehen und sich vor ihnen in irgendwelchen kuscheligen Gemeinderäumen versteckt, sondern sie als eine Gelegenheit gesehen, ihnen die Liebe Gottes weiterzugeben. Sie haben ihnen ein Quartier angeboten, ihnen ein anständiges Essen gekocht und ihnen zugehört. Ich möchte mal sagen: Sie waren auch Seelsorger für die Fremden, indem sie sich deren Not und Anliegen anhörten.

Diese Art von Liebe ist anstrengend. Es kostet Kraft, ein Zimmer zu richten, sich auf einen Fremden einzulassen.

Diese Art von Liebe ist ein Risiko, denn man kann dabei ausgenutzt werden. Findige Leute schienen sich wie die Made im Speck bei den Thessalonichern einzunisten, so dass Paulus im 2. Brief an die Gemeinde schrieb: "Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen."

Dennoch - diese Liebe sorgte dafür, dass viele, viele Menschen auf Jesus aufmerksam wurden. Nicht nur in Nordgriechenland, das damals Mazedondien genannt wurde, sprach man über die Christen und ihre Liebe. Sondern auch im Süden – was man Achaja nannte waren sie sehr bekannt. Allein durch das Werk der Liebe. Das, was ein Christ tut, spricht oft lauter, als das was ein Christ sagt.

Und dafür dankt Paulus für die große gastfreundliche Liebe der Thessalonicher.

Kommen wir noch zum dritten wofür Paulus Gott dankt:

3. Er dankt für die Standfestigkeit der Hoffnung.

Wir Christen haben die Hoffnung, dass Jesus wiederkommen wird und allem Leid, aller Ungerechtigkeit, aller Not ein Ende setzen wird. Wir hoffen, dass für uns alles einmal so richtig gut ausgehen wird und wir in der Gemeinschaft mit Gott voller Glück und Freude von einer Herrlichkeit zur anderen leben werden.

Damals waren die Christen fest davon überzeugt, dass Jesus in naher Zukunft kommen würde. Diese Hoffnung gab ihnen Kraft. Angesichts dieser Hoffnung konnte man es zum Beispiel ertragen, wenn man enterbt wurde, weil man Christ war. Man hoffte ja, dass Jesus bald da war und man war dann nicht mehr auf weltlichen Besitz angewiesen. Angesichts dieser Hoffnung konnte man es z.B. auch ertragen, wenn man als christlicher Sklave mehr als die anderen drangsaliert wurde. Denn man wusste ja, dass am Tag des Herrn man frei sein würde.

Aber was passiert, wenn das, worauf man wartet nicht eintrifft?

Was machen Sie, wenn sie bei Regen und Kälte beispielsweise am Bahnhof stehen, um auf einen Zug zu warten, der sie nach Hause bringt. Je kälter und ekliger es draußen ist, um so sehnlicher wartet man auf den Zug. Aber um so schwieriger ist auch das Warten. Vielen geben auf, und suchen sonst irgendwo Unterschlupf.

Ähnlich stehen Christen in der Gefahr, die Hoffnung auf die Wiederkunft Jesu aufzugeben, weil er schon so lange auf sich warten lässt.

Gestern Abend fragte mich mein Sohn: "Papa, stimmt es wirklich, dass Jesus wiederkommt." Ich sagte: "Ja". "Papa, echt?" – Ich antwortete: "Jesus hat nie gelogen und wenn er hat gesagt, dass er wiederkommt, dann können wir uns auch darauf verlassen."

Hoffen wir noch darauf, dass er kommt?

Die Thessalonicher hatten diese Hoffnung nicht aufgegeben und darum dankt Paulus.

Wir können von Paulus lernen, dass man dankt, um eine Gemeinde zu segnen.

Und von den Thessalonichern können wir lernen, dass ein fester Glaube an den lebendigen Gott, ein tatkräftiges Werk der Liebe und eine krisensichere Hoffnung Betern es leicht macht zu danken.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010