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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 25. Dezember 2000Liebe Gemeinde, liebe Gäste, kürzlich brachte uns der Briefträger ein liebevoll
eingepacktes Päckchen mit vielen feinen selbst gebackenen Plätzchen von meiner
Mutter. Die Kinder stürzten sich gleich darüber her. Glücklicherweise blieb noch
etwas übrig. So konnte ich als die Kinder am Abend schliefen, mir in aller Ruhe
meine Lieblingssorten heraussuchen und sie genießen. Ich dachte dabei daran, wie
meine Mutter in der Küche stand und liebevoll Teig rührte, Formen ausstach und
Bleche in den heißen Ofen schob. Ich meinte den feinen Geruch der das ganze Haus
erfüllte zu riechen. Ich sah vor meinem inneren Auge, wie mein Vater noch eine
Karte schrieb, die Backware in einem Päckchen verstaute und in letzter Minute,
vor Schließung zur Post eilte. Ich freute mich sehr über diese Plätzchen. Nicht,
weil sie so gut schmeckten, sondern weil ich durch die Plätzchen die Liebe
meiner Eltern zu uns spürte. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen
hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Als
sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut und gingen in das Haus und fanden
das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und
taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. „Jesus, uns geht es gut. Wir leben im Wohlstand, wir sind reich, im Weltmaßstab gesehen sehr reich. Wir haben warme Wohnungen, volle Kühlschränke und festlich gedeckte Tische - das alles legen wir jetzt vor dich hin, du Kind in der Krippe, du Herr der Welt – voll Dank bringen wir es dir – und auch mit der Bitte: Nimm du, was wir haben in deine Hand. Hilf uns, richtig und verantwortlich mit materiellem Besitz umzugehen, damit wir uns nicht egoistisch an das klammern was ohnehin nicht in die ewige Welt hinüber retten können.“ Die Weisen. Sie knien nieder! Sie knien nicht vor ihrem Gold,
sondern vor dem Kind. Sie huldigen nicht ihrem wertvollen Besitz, sondern dem
Herrn der Welt. Sie beugen sich vor dem, der sie noch viel reicher machen kann,
als es Gold vermag. Denn ER schenkt den Reichtum der Liebe Gottes. ER bringt den
Schatz der Versöhnung in unsere Welt. ER schenkt uns die Würde, Kind Gottes
genannt zu werden völlig egal, wie wir äußerlich dran sind. Weihrauch kennen die römisch katholischen Christen unter uns besser. Es ist ein
wertvolles Gummiharz in Form von kleinen Kügelchen. Es fängt erst an zu wirken,
wenn man es anzündet. Dann steigt der Rauch auf, es duftet und erfüllt einen
Raum. Weihrauch galt in der Antike als Symbol für alles, was unsere Sinne
berührt. Ausdruck für das, was unsere Seele bewegt.
Wenn die Weisen Weihrauch zur Krippe stellen, bringen sie zum Ausdruck:
„Du Sohn des Allerhöchsten. Nimm unsere Seele als Geschenk entgegen. Hier ist
sie: Unsere Freude, unsere Gedanken und unsere Träume, unsere Gefühle. Sie
sollen Dir gehören.“
Weihrauch, das bedeutet letztlich: Ich richte meine Sinne ganz auf Gott aus.
Manche Christen nennen diese innere Ausrichtung zu Gott „Anbetung“.
Anbetung heißt:
Wir schenken Christus unser ganzes Vertrauen, ihm gehört unsere Freude, unser
Leben soll, wenn es in Berührung mit seinem heiligen Feuer kommt, glühen und ein
herrlichen Duft verbreiten.
Gilt meine Anbetung dem Kind in der Krippe, dem Mann am Kreuz, oder gehen meine
Gebete, meine Hoffnungen, mein Dank auch noch an andere?
Liebe ich Gott, schenke ich ihm meine Anbetung –
das ist ein Geschenk, womit ich Gott Freude machen kann. Myrrhe ist ein harziger Saft, den man Leidenden zur Linderung gab und mit dem
man Wunden heilend einreiben konnte. Das Harz sickert aus Einschnitten an
Zweigen eines bestimmten Buschbaums heraus; es tropft aus den Wunden des Baumes
in Form von Tränen herunter.
Wenn nun die drei Weisen Myrrhe zur Krippe bringen, dann zeigen sie: Auch unsere
Tränen bringen wir zu deiner Krippe. Auch die wunden Stellen in unserem Leben,
die Kerben, die Enttäuschungen, die sich angesammelt haben, und alles heimlichen
Weinen.
Unsere Leidenserfahrungen gehören in den Stall, in dem Jesus geboren wird.
Wenn wir Jesus ein Geschenk machen wollen, dann lasst uns ihm auch unsere Tränen
schenken.
Er freut sich, wenn wir ihm all die Myrrhe unseres Lebens hinlegen und ihm
schenken.
Er wird sie in kostbaren Balsam verwandeln. In Balsam, der anderen Menschen zu
Linderung dienen wird. Sie sind die besten Geschenke, die wir für das Kind in der Krippe – für den Mann am Kreuz – für den König der wiederkommen wird – machen können. Es sind sehr kostbare Geschenke. Geschenke, die einem König würdig sind. Sind Sie bereit, ihm davon etwas zu bringen. Wenn ja, wird er sich freuen. Wenn nein, wird er auf sie warten. Nur, wenn sie es ihm halbherzig schenken, wird er traurig sein, so wie wir uns weniger freuen über Geschenke, die nicht von Herzen kommen. Amen. |
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