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Gemeindeaktivist                                    

   

Predigt von Vikar Darius Tomczak am 25. September 2005

Liebe Gemeinde,

ich möchte, dass wir heute uns eine wichtige Frage stellen: Wer bin ich? Bin ich ein Kind Gottes oder bin ich nur ein Gemeindeaktivist?

Manchmal glauben wir, wir hätten keine Kräfte mehr. Ich höre: jemand ist krank, der andere steckt in finanziellen Schwierigkeiten, noch andere finden keine Arbeit mehr, die Mutter hat Probleme mit ihrem Sohn usw.. 

Dazu möchte ich aus dem Johannes Evangelium 18,10 vorlesen.

Simon Petrus aber hatte ein Schwert und zog es und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus.

Petrus zog sein Schwert und schlug das Ohr des Knechtes des Hohenpriesters ab. Er dachte, er musste unbedingt handeln. Er konnte nicht einfach passiv zuschauen, wie Jesus gefangen genommen wird.

Doch gerade mit dieser Aktion des Petrus war unser Herr nicht einverstanden. Darum sprach der Herr zu ihm: stecke dein Schwert in die Scheide. Und Jesus heilte den verwundeten Mann.

In dieser Geschichte sehen wir, wie Petrus sich in einen schnellen Aktivisten verwandelt, ohne das er dazu von Gott einen Auftrag bekommen hat.

Auch in unseren Gemeinden haben wir viele solche Aktivisten. Ohne den Herrn zu fragen, wissen sie ganz genau was zu tun ist. Heute fehlen Gott keine Aktivisten mehr. Es fehlt ihm an Menschen, die bevor sie etwas tun, zuerst Gott fragen, was zu tun ist.

Ein frommer kirchlicher Aktivist versucht sein Ziel mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu erreichen. Er kann sogar die Gabe der Prophetie missbrauchen, um so z.B. die anderen Christen für sich manipulieren zu lassen.

Heute versuchen leider viele Menschen auf solche Weise für Gott aktiv zu sein. Sie kleben sich das Evangelium an ihre Gefühle und sie verkündigen ihre Ziele im Namen des HERRN. Doch ihre Prophezeiungen erfüllen sich nicht.

Ich möchte dass wir uns niemals in so einen Aktivisten verwandeln, denn ein solcher Mensch bewirkt nur eine große Verwirrung in der Gemeinde Gottes.

Ein weiteres Merkmal eines Gemeindeaktivisten ist, dass er sich nicht wirklich im HERRN freuen kann. Er ist zwar sehr aktiv in der Gemeinde Gottes, aber er hat keine tiefe Gemeinschaft mit Gott. Das kann jedem von uns passieren. Vor allem dann, wenn wir von der Arbeit überwältigt sind.

Auch ich machte vor kurzem eine solche bittere Erfahrung. Ich habe mich bemüht den Menschen zu helfen, die bei mir um Hilfe gebeten haben, ich war beschäftigt mit der Renovierung im Pfarrhaus, und ich habe versucht alle Termine in meiner Agenda zu halten. Und das alles zur gleichen Zeit.

Auf diese Weise hatte ich fast keine Zeit für unseren HERRN. Und weil das Gebet bei mir zu kurz kam, hatte ich auch keine Freude mehr an der Arbeit.

Ich hatte meinen HERRN vergessen, aber er hat mich nicht vergessen. Er machte mir die Augen auf, und er heilte mein Herz. Nicht was ich tue, sondern wer ich bin [ein Kind Gottes] - soll die Quelle meiner Freude sein.

Es gibt Christen, die können nicht nein sagen. Überall wo Not auftritt meinen sie, sie seien von Gott berufen diese Not zu lindern. Es gibt Christen, die klagen sehr unter der Last der christlichen Arbeit.

Diesen Kreis leiten, bei dieser Veranstaltung dabei sein, dies und jenes und hier auch noch. Solche Christen fühlen sich ständig überfordert.

Martin Luther sagte einmal: Es kommt nicht darauf an gute Werke zu tun, sondern Gottes Willen, auch wenn ich die ganze Welt bekehren könnte.

Bei Gott geht es nicht darum viel zu tun, sondern es geht darum seinen Willen zu tun. Auch wenn wir die ganze Welt bekehren könnten ist es noch nicht gesagt, dass wir Gottes Willen tun. Es kann sein, dass wir uns selbst beauftragt haben.

Das ist also ein kräftiges Wort gegen allen frommen Aktivismus. Wir machen zwar viel - aber wir hören wenig auf Gott. Wir unternehmen viel - aber wir verbringen keinen halben Tag mehr in der Stille vor dem HERRN.

Es ist mir klar, dass viele von uns unsere freie Zeit opfern damit die Gemeinschaft zu den anderen Christen erhalten bleibt. Trotzdem bewirken diese Aktivitäten nicht so viel Freude in uns.

Ziel unseren christlichen Glauben ist vor allem die Gemeinschaft mit Jesus Christus zu erhalten. Schauen Sie deshalb nicht, wie viel Sie in der Gemeinde tun. Betrachten Sie das, was Sie tun als Dienst.

Ein Gemeindeaktivist sagt: Ich habe das und das getan. Ein Gemeindeaktivist erinnert immer wieder, was er getan hat, immer wieder behält er das Recht für sich. Er wird immer konservativer in seinem Reden aber immer liberaler in seinem Tun.

Immer schlechter lebt er, immer besser redet er. Es ist eine Tragödie, wenn ein frommer Aktivist uns an alles erinnert was er tut. Sind wir gerettet aus den Werken? Die Aktivität führt in vielen Gemeinden zum Fall.

Ich habe einen Mann kennen gelernt. Früher, als er noch jung war, war er sehr in das Gemeindeleben engagiert. Er hat sogar in einer christlichen Band bei vielen Jungendgottesdiensten gespielt.

Dann hat er aber die Welt lieb gewonnen, ist nicht mehr zu den Gottesdiensten gegangen und er lebt zusammen mit einer Frau obwohl er mit ihr nicht verheiratet ist.

Aktivist, der aktiv war, und sich selbst geistlich verbrannt hat. Ich sage mir immer: Herr erlaube es nicht, dass die Flamme, die du in mir angezündet hast, eines Tages auslöscht.

Gott freut sich wenn wir in der Stille Zeit das vorbereiten, was er von uns wünscht. Das Stillsein vor Gott, das Hören auf Gott sollte jedes Kind Gottes auszeichnen. Denn nur so ein Kind kann Gott auch leiten. In Jes. 30,15 heisst es ...durch Stillsein und Hoffen werdet ihr stark sein.

Zinsendorf sagte einmal:

Gottes Führung fordert Stille,

wo der Fuß noch selber rauscht,

wird des ewigen Vaters Wille

mit der eigenen Wahl vertauscht.

Gottes Führung fordert Stille. Es ist die innere Haltung unseres Herzens damit gemeint. Das sollte jedes Kind Gottes bezeugen.

Mitten in den Stürmen unseres Lebens findet ein Kind Gottes Ruhe bei seinem Vater. Durch Stillsein und nicht durch Action baut der HERR seine Gemeinde.

Denn er hat die Geschichte der Menschheit nicht mit Action begonnen, sondern mit Ruhe. Er schuf den Menschen am sechsten Tag und am siebten Tag gab er ihm die Ruhe. Erst aus dieser Ruhe wurde die Aufgabe angepackt, die Erde zu bebauen.

Es wird nicht zu einer Wende in unserer Gemeinde kommen, wenn wir die Gemeinde nicht zur Ruhe bringen. Wir sollten nachdenken, was Gott eigentlich von uns möchte! Der fromme Aktivismus wird uns nicht sehr weit bringen!

Deshalb lasst uns die Stille Zeit nicht vernachlässigen. Ein dänischer christlicher Philosoph und Theologe, Sören Kiergegaard hat das so ausgedrückt: Beten heißt nicht nur sich selbst reden hören, sondern heißt dahin kommen, dass man schweigt, und im Schweigen verharren, und harren, bis der Betende Gott hört.

Stille Zeit und Handeln gehören zusammen. Wenn Sie ein Kind Gottes sind, werden Sie dort gehen, wo Gott Sie berufen hat. Und ich fürchte nicht, dass jemand zu mir kommt und sagt: Diese Arbeit tue ich nicht mehr.

Denn wenn Sie ein Kind Gottes sind, werden Sie das tun, wozu Sie der HERR berufen hat. Und Sie werden Ihre Arbeit fröhlich auch tun.

Unsere Gemeinde sollte sich niemals in eine Tanz- und Unterhaltungsgruppe verwandeln. Ich glaube es nicht, dass Gott die Gemeinde berufen hat, damit sie bellt, kriecht und tanzt wie es viele tun. Für so etwas gibt es Discos und Bars.

Gott hat die Gemeinde berufen, damit sie den Sohn Gottes repräsentiert, sie auf ihn auf den Knien wartet und vor allem die Busse zur Vergebung der Sünden verkündigt.

Doch die Busse wurde in unseren Gemeinden fast vergessen. Der Pastor muss in vielen Gemeinde nett sein. Seine Predigt sollte illustrativ sein. Der Gottesdienst sollte ein Gottesdienst sein, bei dem die Gemeinde sich gut unterhalten kann. Kirche, die Spaß macht.

Dieses so genannte, sagen wir, neues Evangelium und modernes Evangelium sagt: Gott will dass du reich wirst, immer gesund bleibst und du keine Probleme hast.

Aber Jesus sagt so: Gott will dass Sie in das Himmelreich kommen, und Sie dieses Reich zuerst suchen sollen.

Wir singen manchmal so leicht: wir wollen sein wie Jesus. Wollen wir das wirklich? Wir haben heute am Anfang gesungen: Mein Herz zerschlagen etc. , wollen wir das wirklich?

Jesus hat nicht nur die Menschen geheilt, er hat nicht nur die Dämonen ausgetrieben. Jesus wurde von den Menschen gehasst. Man wollte ihn mehrmals umbringen, er wurde bespuckt, er hatte keinen Platz wo er sein Haupt hinlegen konnte.

Wir haben keine Kraft mehr in den Gemeinden, denn wir denken nur an die Planung. An möglichst viele Aktivitäten, aber wir gehen nicht mehr auf die Knie.

Die Erwartung auf den wiederkommenden Herrn wurde mit der Diskothek umgetauscht. Wir haben Gemeinden, die können zwei Stunden im Takt der Rockmusik hüpfen. Doch die echte Busse findet keinen Raum mehr.

Die Salbung mit dem heiligen Geist kommt nicht vom Tanz und Gesang, die Salbung vom Herrn kommt aus der Zeit, die man auf den Knien verbracht hat.

Während 5 Monaten traf sich unsere Gemeinde zwei Mal in der Woche um 6.00 Uhr morgens in der Friedenskirche zum Gebet. Doch es ist nicht einmal dazu gekommen, dass mehr als 5 Leute gemeinsam beten konnten.

Kein junger Mensch ist bei unseren Zusammenkünften erschienen. Als aber die Rockband aus der Schweiz kam, da war die Friedenskirche voll.

Der gleiche Petrus, der zuerst wie ein Aktivist wirkte, der sogar seinen Herrn verleugnete, bekehrte sich später. Er schrieb: Denn dazu sein ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen.

Wir müssen nicht viele Aktivitäten in der Gemeinde anbieten damit wir Christus folgen. Kinder Gottes zeichnet vor allem Bereitschaft den Fußstapfen Jesu zu folgen. Egal wohin wir hingehen werden, die Menschen sollten in uns Christus erblicken.

In vielen Gemeinden will man nur von Heilungen und Zeichen hören. Aber wir haben auch dieses Versprechen bekommen: Dem Sohn Gottes zu gleichen, dem Lamm Gottes.

Denn ich schicke euch wie die Schafe mitten unter die Wölfen sagt Jesus. Und weiter: Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.

Als Christen müssen wir deshalb immer wieder in dieser Welt mit der Verfolgung rechnen. In manchen Ländern werden Christen mit Gewalt angegriffen, in anderen Ländern werden sie verbal erniedrigt.

Fast alle Männer Gottes mussten viel leiden. Ich glaube, Leid formt uns, macht uns von Gott abhängig. Genauso wie Kohle durch Hitze und Druck in einen Diamanten verwandelt wird, so verwandelt Gott uns sündige Menschen in Menschen die seinem Willen folgen können.

Jesus Christus wurde verfolgt. Seine Jünger wurden später verfolgt. Doch die Reaktion des Petrus auf die Verfolgung in Garten Gethsemane war völlig falsch. Er zog sein Schwert aber es war nicht das was Gott von ihm wollte.

Ich möchte Ihnen die Geschichte von einer Schwester aus der Ukraine erzählen, die Geschichte von Waselina Szuszcz. Sie wissen, als Hitler im zweiten Weltkrieg die Ukraine angriff, wurden sehr viele Dörfer dem Erdboden gleichgemacht.

Und eines Tages kam eine Truppe der SS in ein Dorf im Gebiet von Podole. Auch dieses Dorf wollte die SS Führung vernichten.

Die Vernichtung eines Dorfes sah damals ungefähr so aus:

Die SS-Einheit kam am Morgen, man umzingelte das Dorf und trieb die Menschen zu einer Stelle, wo sie ihr eigenes Grab schaufeln mussten. Anschließend befahl man den Dorfbewohner sich in dieses Grab zu legen und man warf ein paar Granaten hinein. Erdschieber schaufelten das Loch zu und ihre Häuser wurden angezündet.

Und während einer solchen Vernichtungsaktion, die SS Männer trieben die Dorfbewohner in so ein Grab und sie hielten die Granaten und Maschinenpistolen schon parat, da trat eine Schwester namens Waselina Szuszcz aus der Reihe heraus und sie ging direkt zur Stelle, wo die Offizieren der SS sich aufhielten. Diese schauten von oben zu und die Soldaten wollten sie schon aufhalten, aber der befehlshabende Offizier sagte zu seinen Soldaten: Lasst sie zu mir kommen? Und er war davon überzeugt, dass sie um Mitleid bitten würde.

Und dann passierte etwas ganz ungewöhnliches. Der Heilige Geist kam auf dieses Mädchen. Sie kam auf ihn zu, sie streckte ihren Finger aus und im reinen Deutsch sprach sie zu ihm.

Dieses einfaches Dorfmädchen, das noch niemals in ihrem Leben die deutsche Sprache gehört hat, hat auf einmal auf Deutsch gesprochen. Und sie sagte irgend etwas zu diesem Offizier. 

Und die Menschen erzählten später, als dieses einfaches Mädchen zum SS Offizier sprach, da wurde sein Gesicht bleich, seine Augen vor Angst ganz groß und seine Hände zitterten. Diese junge einfache Schwester sprach zu ihm Worte, die sie selbst nicht verstand.

Und das möchte ich betonen, das war kein Zirkus, das war Gottes Salbung.

Der Heilige Geist ist auf dieses Mädchen gefahren. Und als sie zurückkehrte, gab der Offizier den Befehl abzurücken. Die SS Einheit packte alles zusammen und sie fuhren weg. Und dieses und die umliegende Dörfer wurden nicht mehr vernichtet, sie wurden nicht vernichten, denn es war ein Mensch Gottes im Dorf, der Gott gehorchte.

Unser Gehorsam und Hören auf Gott kann unser Leben retten. Man muss nicht das Schwert ziehen um das Leben zu retten, allein das Hören auf Gottes Wort kann unser Leben retten.

Ich bin überzeugt, der Heilige Geist kann auch unsere Gemeinde retten. Gott wirkt auch jetzt und ist da. Er ist derselbe gestern, heute und morgen. Darum lasset uns nicht unsere Gebetszusammenkünfte vernachlässigen wie es etliche tun.

Lasset uns beten, dass Busse, Vergebung und Versöhnung in den Gemeinden Gottes gepredigt wird. Das die Menschen Gott gehorchen, dass die Menschen auf Gott hören. Das dieses Evangelium gepredigt wird, bis unser HERR wieder kommt. Gott segne Sie alle.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010