|
|
|
|
Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 23. März 2003Liebe Gemeinde, in der vergangenen Woche fand im Kolpinghaus in Eupen die Veranstaltung Pro Christ statt. In ca. 1300 Orten wurde mittels Satellit live aus Essen in Musik, Anspielen, Interviews und in Predigten Jesus Christus bezeugt und dazu aufgerufen, ihm nachzufolgen. Übrigens findet heute Abend um 19.30 Uhr die Abschlussveranstaltung statt. In unserem heutigen Predigttext werden auch wir gefragt: Bist
Du bereit, Jesus nachzufolgen – mit allen Konsequenzen? Hören wir dazu den für
diesen Sonntag vorgeschlagenen Predigttext. Unterwegs wurde Jesus von einem Mann angesprochen: "Ich
will mit dir gehen, ganz gleich wohin." Jesus gab ihm zu bedenken: "Die Füchse
haben ihren Bau, die Vögel ihre Nester, aber der Menschensohn hat hier keinen
Platz, an dem er sich ausruhen kann." Einen anderen forderte Jesus auf: "Gehe
mit mir!" Als dieser erwiderte: "Ja, Herr, aber vorher lass mich noch meinen
Vater beerdigen", antwortete ihm Jesus: "Überlass es denen, ihre Toten zu
begraben, die nicht auf Gott hören und nichts vom ewigen Leben wissen wollen. Du
aber sollst verkünden, dass Gott seine Herrschaft aufrichtet." Noch einer sagte
zu Jesus: "Ich will mit dir gehen, Herr. Wenn ich mich von meiner Familie
verabschiedet habe, komme ich mit." Ihm antwortete Jesus: "Wer seine Hand an den
Pflug legt und schaut zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ Als Jesus dazu aufgefordert hatte, hören wir in V. 59 eine ganz menschliche Antwort: „Herr, aber vorher...“ Jesus sagt hierzu: „Überlass es denen, ihre Toten zu begraben, die nicht auf Gott hören und nichts vom ewigen Leben wissen wollen. Du aber sollst verkünden, dass Gott seine Herrschaft aufrichtet.“ Jesus spricht bildhaft von den Toten. Von denen, die nichts von seinem ewigen Leben wissen wollen. Ja, tot, das ist eine andere Ausdrucksform für Erstarrung und Trägheit: Wie oft antworten wir, wenn wir konkret zu Jesus „Ja“ sagen könnten: „aber vorher ...“. Jesus ruft uns auf der Stelle vom Platz weg , denn er weiß um das ewige Leben. Er will es uns nicht vorenthalten, sondern uns den Himmel und die Herrlichkeit schmecken lassen. Ja, er will uns als seine Mitarbeiter. Er will, dass wir Gottes Herrschaft auf dieser Erde sichtbar werden lassen. „Du aber sollst verkünden, dass Gott seine Herrschaft aufrichtet.“ Gott wünscht und sehnt sich nach dem DU. Er will nicht ohne
uns sein und ohne uns regieren. Will nun Jesus wirklich, dass wir alle familiären Bindungen einfach abschneiden? Mit Familie sind stellvertretend wohl alle Bindungen angesprochen, die uns von einem Leben mit Jesus abhalten.
Wer sich nicht davon lossagt, sondern „aber“ spricht, ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Es ist nicht leicht davon loszukommen. Besonders beeindruckt hat mich der Bericht von Sadhu Sundar Singh, einem indischen Wandermönch, wie schmerzlich solch eine Trennung von seiner Familie aussehen konnte. „Am nächsten Tag predigte ich in ein paar Dörfern in der Nähe und ging dann nach Rampur. Auch dort hörten die Leute aufmerksam zu. Gegen Abend ging ich in mein Elternhaus. Zuerst weigerte sich mein Vater, mich zu sehen, oder mich hereinzulassen; denn dadurch, dass ich Christ geworden, hatte ich die Familie in Unehre gebracht. Doch nach einer kleinen Weile kam er heraus und sagte: „Wohlan, du magst diese Nacht hier bleiben; aber du musst früh am Morgen abziehen; zeige mir dein Gesicht nicht noch einmal.“ Ich schwieg und am Abend ließ er mich in einiger Entfernung sitzen, damit ich nicht sie oder ihre Gefäße beschmutze. Dann bracht er mir zu essen und gab mir Wasser zu trinken. Er hob ein Gefäß in die Höhe und goss es in meine Hände, wie man tut, wenn man einem Kastenlosen zu trinken gibt. Als ich sah, wie er mich behandelte, konnte ich die Tränen nicht zurückhalten: Sie stürzten aus meinen Augen, weil mein Vater, der mich sonst so sehr zu lieben pflegte, mich jetzt hasste, als ob ich unberührbar wäre. Aber trotz alledem war mein Herz von unaussprechlichem Frieden erfüllt. Ich dankte ihm auch für diese Behandlung und sagte: „Es macht nichts, dass du mich verstoßen hast; denn ich habe Christus ergriffen aus Liebe zu ihm, der sein Leben für mich gegeben hat, und seine Liebe ist unwandelbar und bei weitem größer als die deine. Bevor ich Christ wurde, entehrte ich Christus, aber er verstieß mich nicht; so klage ich jetzt nicht. Ich danke dir für deine frühere Liebe zu mir und auch für die gegenwärtige Behandlung.“ Dann sagte ich höflich Lebewohl und ging fort. Draußen auf dem Felde betete ich und dankte Gott, und dann schlief ich unter einem Baum. Am Morgen setzten ich meinen Weg fort.“ Man spürt diesem Bericht einerseits einen großen Schmerz ab.
Doch wie soll man loskommen von all diesen Bindungen, die einem Weg mit Jesus
entgegenstehen? Einmal: Dranbleiben an Jesus, dem Pflug. Immer Verbindung zu
ihm halten. Dann aber auch Dranbleiben im Sinne von „nicht stehen bleiben“.
Sondern weiter den Weg mit Jesus beschreiten. Dabei, so sagt Jesus soll man
„nicht zurückschauen.“ Zurückschauen könnte uns wieder lahm legen, uns murren
lassen wie das Volk Gottes in der Wüste, das sich bei jeder Schwierigkeit nach
Ägypten zurücksehnte. Aber was hätte Israel dort erwartet? Ein Sklavendasein,
ein gebundenes Dasein. Sie würden regelrecht mit dem Rücken zu Gottes
verheißenem, fruchtbaren Land stehen. „Meine Augen sehen stets auf den HERRN.“ |
|
Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an:
webmaster@ev-Kirche-Eupen-NeuMoresnet.org
|