Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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Gehe mit mir!                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 23. März 2003

Liebe Gemeinde,

in der vergangenen Woche fand im Kolpinghaus in Eupen die Veranstaltung Pro Christ statt. In ca. 1300 Orten wurde mittels Satellit live aus Essen in Musik, Anspielen, Interviews und in Predigten Jesus Christus bezeugt und dazu aufgerufen, ihm nachzufolgen.

Übrigens findet heute Abend um 19.30 Uhr die Abschlussveranstaltung statt.

In unserem heutigen Predigttext werden auch wir gefragt: Bist Du bereit, Jesus nachzufolgen – mit allen Konsequenzen? Hören wir dazu den für diesen Sonntag vorgeschlagenen Predigttext.

Ich lese aus Lk 9, 57-62:

Unterwegs wurde Jesus von einem Mann angesprochen: "Ich will mit dir gehen, ganz gleich wohin." Jesus gab ihm zu bedenken: "Die Füchse haben ihren Bau, die Vögel ihre Nester, aber der Menschensohn hat hier keinen Platz, an dem er sich ausruhen kann." Einen anderen forderte Jesus auf: "Gehe mit mir!" Als dieser erwiderte: "Ja, Herr, aber vorher lass mich noch meinen Vater beerdigen", antwortete ihm Jesus: "Überlass es denen, ihre Toten zu begraben, die nicht auf Gott hören und nichts vom ewigen Leben wissen wollen. Du aber sollst verkünden, dass Gott seine Herrschaft aufrichtet." Noch einer sagte zu Jesus: "Ich will mit dir gehen, Herr. Wenn ich mich von meiner Familie verabschiedet habe, komme ich mit." Ihm antwortete Jesus: "Wer seine Hand an den Pflug legt und schaut zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“

Was bedeutet es nun Jesus nachzufolgen? Keinen Bau, keine Nester, keinen Ruheplatz verspricht er uns. Denn dies würde Stillstand bedeuten, sich sicher fühlen, in den eigenen Gedankengebäuden. Jesus dagegen steht für Wagnis, Neuanfang, Fortschreiten im Glauben. Ja, er will unser träges Glaubensleben anfeuern, er will uns auffordern: „Geh mit mir!“

Als Jesus dazu aufgefordert hatte, hören wir in V. 59 eine ganz menschliche Antwort: „Herr, aber vorher...

Jesus sagt hierzu: „Überlass es denen, ihre Toten zu begraben, die nicht auf Gott hören und nichts vom ewigen Leben wissen wollen. Du aber sollst verkünden, dass Gott seine Herrschaft aufrichtet.

Jesus spricht bildhaft von den Toten. Von denen, die nichts von seinem ewigen Leben wissen wollen. Ja, tot, das ist eine andere Ausdrucksform für Erstarrung und Trägheit: Wie oft antworten wir, wenn wir konkret zu Jesus „Ja“ sagen könnten: „aber vorher ...“.

Jesus ruft uns auf der Stelle vom Platz weg , denn er weiß um das ewige Leben. Er will es uns nicht vorenthalten, sondern uns den Himmel und die Herrlichkeit schmecken lassen. Ja, er will uns als seine Mitarbeiter. Er will, dass wir Gottes Herrschaft auf dieser Erde sichtbar werden lassen.

Du aber sollst verkünden, dass Gott seine Herrschaft aufrichtet.

Gott wünscht und sehnt sich nach dem DU. Er will nicht ohne uns sein und ohne uns regieren.

Ein dritter sagte zu Jesus: „Ich will mit Dir gehen, Herr. Wenn ich mich von meiner Familie verabschiedet habe, komme ich mit“. Jesus antwortet: „Wer seine Hand an den Pflug legt und schaut zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Will nun Jesus wirklich, dass wir alle familiären Bindungen einfach abschneiden?

Mit Familie sind stellvertretend wohl alle Bindungen angesprochen, die uns von einem Leben mit Jesus abhalten.

  • Ideologische Bindungen

  • Finanzielle Verpflichtungen

  • Okkulte Verstrickungen

  • Ungesunde partnerschaftliche Beziehungen, in denen kein Raum mehr für Jesus ist.

  • Abhängigkeiten wie Drogen, Alkohol, Tabletten, Arbeitssucht

  • Verletzungen, die uns verschlossen machen aus Angst vor neuen Verletzungen.

Wer sich nicht davon lossagt, sondern „aber“ spricht, ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Es ist nicht leicht davon loszukommen. Besonders beeindruckt hat mich der Bericht von Sadhu Sundar Singh, einem indischen Wandermönch, wie schmerzlich solch eine Trennung von seiner Familie aussehen konnte.

„Am nächsten Tag predigte ich in ein paar Dörfern in der Nähe und ging dann nach Rampur. Auch dort hörten die Leute aufmerksam zu. Gegen Abend ging ich in mein Elternhaus. Zuerst weigerte sich mein Vater, mich zu sehen, oder mich hereinzulassen; denn dadurch, dass ich Christ geworden, hatte ich die Familie in Unehre gebracht. Doch nach einer kleinen Weile kam er heraus und sagte: „Wohlan, du magst diese Nacht hier bleiben; aber du musst früh am Morgen abziehen; zeige mir dein Gesicht nicht noch einmal.“ Ich schwieg und am Abend ließ er mich in einiger Entfernung sitzen, damit ich nicht sie oder ihre Gefäße beschmutze. Dann bracht er mir zu essen und gab mir Wasser zu trinken. Er hob ein Gefäß in die Höhe und goss es in meine Hände, wie man tut, wenn man einem Kastenlosen zu trinken gibt. Als ich sah, wie er mich behandelte, konnte ich die Tränen nicht zurückhalten: Sie stürzten aus meinen Augen, weil mein Vater, der mich sonst so sehr zu lieben pflegte, mich jetzt hasste, als ob ich unberührbar wäre. Aber trotz alledem war mein Herz von unaussprechlichem Frieden erfüllt. Ich dankte ihm auch für diese Behandlung und sagte: „Es macht nichts, dass du mich verstoßen hast; denn ich habe Christus ergriffen aus Liebe zu ihm, der sein Leben für mich gegeben hat, und seine Liebe ist unwandelbar und bei weitem größer als die deine. Bevor ich Christ wurde, entehrte ich Christus, aber er verstieß mich nicht; so klage ich jetzt nicht. Ich danke dir für deine frühere Liebe zu mir und auch für die gegenwärtige Behandlung.“ Dann sagte ich höflich Lebewohl und ging fort. Draußen auf dem Felde betete ich und dankte Gott, und dann schlief ich unter einem Baum. Am Morgen setzten ich meinen Weg fort.“

Man spürt diesem Bericht einerseits einen großen Schmerz ab. Doch wie soll man loskommen von all diesen Bindungen, die einem Weg mit Jesus entgegenstehen?

Ich denke, wir müssen den Pflug „Jesus“ zulassen. Wir müssen bereit sein, unser Herz durchfurchen zu lassen: Dass das untere zuoberst kommt, dass alle verborgenen Aber vom Licht, von Gottes Gnadensonne beschienen werden können. Pflügen ist eine harte Sache. Keine bequeme Angelegenheit. Auch hier muss man dranbleiben. Ein Bauer muss beim Pflügen die Hand fest an der Pflugschar halten und sie gleichzeitig in den Boden drücken. Was bedeutet dieses dranbleiben?

Einmal: Dranbleiben an Jesus, dem Pflug. Immer Verbindung zu ihm halten. Dann aber auch Dranbleiben im Sinne von „nicht stehen bleiben“. Sondern weiter den Weg mit Jesus beschreiten. Dabei, so sagt Jesus soll man „nicht zurückschauen.“ Zurückschauen könnte uns wieder lahm legen, uns murren lassen wie das Volk Gottes in der Wüste, das sich bei jeder Schwierigkeit nach Ägypten zurücksehnte. Aber was hätte Israel dort erwartet? Ein Sklavendasein, ein gebundenes Dasein. Sie würden regelrecht mit dem Rücken zu Gottes verheißenem, fruchtbaren Land stehen.

Mit Jesus sollen wir stets den Blick nach vorne werfen, den Blick auf Gottes wunderbare Herrlichkeit, das Leben in Fülle, das niemals endet. Den Blick nach vorne richten im Sinne des Wochenpsalms:

„Meine Augen sehen stets auf den HERRN.“

So kehren wir nun zu dem Motto „Pro Christ“ zurück. Denn dies kann für uns heißen: Ich bin für – also pro – Jesus Christus. Ich sage Ja zu seinen, wenn auch zunächst unbequemen Wegen, die mein Leben durchkreuzen sollen.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010