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Der Friede von Weihnachten                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 27. Dezember 1998

Liebe Gemeinde

wie stellt man sich Weihnachten vor? Vielleicht so:

Weihnachten beginnt bereits mit den Vorbereitungen. Man kauft heimlich schöne Geschenke, backt feine Plätzchen und plant leckeres und gutes Essen. Die Wohnung wird geschmückt mit Kerzen und Kugeln, mit einem Bäumchen. Herrliche Düfte erfüllen das Haus und die schönen Melodien alter Weihnachtslieder. Man nimmt sich Zeit für schöne Dinge. Und man wünscht sich für diese Tage eine Ladung Schnee, der die ganze Landschaft mit einem schönen, hellen und weißen Kleid überzieht. Heilig Abend darf dann noch ein klein wenig hektisch sein, denn Aufregung steigert die Vorfreude auf das Fest, man macht sich noch fein zurecht, zieht seine schönste Hose und beste Bluse an. Mit dem feierlichen Gottesdienst in der Kirche beginnt das Fest. Anschließend wird im warmen und gemütlichen Zuhause mit der ganzen Familie gefeiert. Geschenke werden ausgepackt, als Zeichen, wie sehr man sich lieb hat, und man freut sich über erfüllte Wünsche. Man isst, trinkt und singt zusammen, als Zeichen dafür, dass man zusammen gehört. So ungefähr wünscht man sich Weihnachten - als ein Fest des Friedens und der Liebe.

Doch nicht immer gelingt unser Weihnachtsfest, das für uns Christen etwas von der himmlischen Fest, etwas von der Liebe und dem Frieden widerspiegeln soll, worauf wir hoffen.

Doch ein schönes Weihnachtsfest ist sehr gefährdet. Der Frieden von Weihnachten ist nie sicher, weil es Menschen wie Herodes gibt.

Ich lese aus Mt. 2,13-18.

Als die Weisen aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und blieb dort bis ich dir´s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen.

Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“

Als Herodes nun dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Kinder in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erkundet hatte. Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht: In Rama hat man ein Geschrei gehört, viel Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen.

Ja, Menschen wie Herodes stören alle menschliche Weihnachtsidylle, den Frieden, den Maria und Joseph, die Weisen aus dem Morgenland in Stall von Bethlehem erlebt hatten.

Als junger Mann war Herodes voller Pläne und Ideale. Er wollte sein Land von Terroristen und Räubern, welche die Straßen und Dörfer unsicher machten, reinigen. Er hatte den Wunsch verfallene Städte wieder aufzubauen und ein Land zu regieren, in dem Frieden und Wohlstand herrschten.

Diese Ziele erreichte er mit Hilfe der Großmacht Roms nach vielen Jahren, erbitterten Kämpfen, listigen Intrigen und großen Anstrengungen.

Denn Herodes wollte herrschen und nicht dienen, er wollte regieren und nicht gehorchen. Und dadurch wurde er zum Handlanger des Bösen – zum Sklaven seiner eigenen Angst und zum Feind Gottes.

Er erschrak, als die Weisen aus dem Morgenland plötzlich anklopften und ihm gratulieren wollten, weil der wahre König Israels auf die Welt gekommen sei. Denn tief in seinem Herzen wusste er: „Das bin ich nicht, auch wenn es alle Hofschmeichler behaupten.“ Nein, das war er nicht, er war ja nicht einmal ein leiblicher Nachkomme des Königs Davids – des Königs von Gottes Gnaden. Er war nur ein König von Gnaden des römischen Kaisers, also der weltlichen Macht.

Darum versuchte er listig dem wahren König eine Falle zu stellen. Denn wäre der außer Gefecht, so wäre seine Macht wiederum gesichert. Scheinheilig versprach er das neugeborene Kind anzubeten – das hieße auch – ihm zur gegebenen Zeit den Thron abtreten. Aber in Wirklichkeit wollte er es beseitigen. Doch seine Falle schnappte nicht zu. Er hatte menschlich gerechnet und nicht mit Gott. Er, der betrügen wollte, wurde selber betrogen. Und nichts kann einen Machtmenschen mehr in Wut versetzen, als ein Spiel zu verlieren. Nun musste er einen weniger eleganten Weg suchen, um seine Machtposition wieder zu festigen.

Ich kann mir vorstellen, wie er auch diese Tat zu beschönigen versuchte: „Wenn das abergläubische Volk durch die Jupiter - Saturn - Konstellation am Himmel glaubt, der richtige König sei geboren, dann wird es einen Aufstand geben. Ein Aufstand muss auf alle Fälle vermieden werden – und ich habe schließlich für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Er erkundigt sich: „Wie viele Einwohner zählt Bethlehem und Umgebung?“ - Ca. 800. Das bedeutet dann, dass, wenn es hoch kommt, 40 Kinder im Alter zwischen 0 und zwei Jahren leben. Im Gegensatz zu den Gräueln eines Bürgerkrieges kann man ein Opfer von 20 höchstens 30 männlichen Kleinkindern in Kauf nehmen. Denn nach dieser Aktion kommt niemand mehr auf den Gedanken, dass dort der rechtmäßige Herrscher um die Zeit des leuchtenden Sternes geboren sein kann.

Machthaber wie Herodes gab und gibt es bis heute. Und durch sie kam und kommt viel Leid und Krieg, in die Welt. Unter diesen Herrschen haben besonders die zu leiden, die sich nicht wehren können, wie kleine Kindern und deren Mütter. Sie können nur noch weinen: „In Rama hat man Geschrei gehört, viel Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es wahr aus mit ihnen.“

Aber bevor wir diesen bösen Herodes verurteilen, sollten wir uns erst einmal selbst fragen: Inwieweit verhalten wir uns wie Herodes? Gebe ich mich nach außen hin fromm und tu so, als würde ich das Kind in der Krippe anbeten. Aber in Wirklichkeit darf er kein bisschen in meiner kleinen Welt regieren.

Halte ich krampfhaft an meinen errungenen Vorrechten fest, muss ich dauernd befehlen, herrschen und siegen? Knechte ich meine Mitmenschen mit meinem Jähzorn und Wutausbrüchen, wenn etwas gegen meinen Willen geht? Setze ich sie unter Druck, indem ich ihnen klarmache, wie notwendig sie mich brauchen? Mache ich sie mir untertan, indem ich ihnen Schuldgefühle einrede?

Erkennen wir Wesenszüge von Herodes in unserem eigenen Verhalten?

Wenn ja, so müssen wir schnell unseren Blick von ihm abwenden und auf einen anderen schauen, der uns gesund machen kann, der diesen Machtmenschentyp überwunden hat. Auf Jesus Christus.

Inwiefern hat er diesen Typ überwunden? Jesus, unser Retter verzichtet auf menschliche Machtmittel. Er kommt als kleines Kind. Ein kleines Kind ist völlig hilf- und wehrlos. Es kann weder listige Intrigen spinnen noch töten und töten lassen. Jesus ist den Erwachsenen ausgeliefert. Er muss mit seinen Eltern fliehen, wo sie in einem fremden und gottlosen Land um Asyl bitten müssen.

Aber auch als Erwachsener verzichtete Jesus auf die Macht, als der Versucher sie ihm anbot. Und selbst im äußersten Leiden am Kreuz widerstand er der Versuchung vom Kreuz zu steigen und durch dieses Wunder, die Macht an sich zu reißen. Und dadurch überwand er den Machtmenschentyp, den alten Menschen, der Gott nicht Gott sein lassen will, sondern selbst regieren will.

Und deswegen hat Gott ihm alle Macht anvertraut und Gottes Geist wird dafür sorgen, dass sich alle Knie vor ihm beugen werden. Auch die Knie des Herodes.

Jesus Christus ist den Menschen nahe, die auf Gott vertrauen. Er ist Menschen nahe, wie Joseph. Joseph könnte viele Zweifel an Gott haben, denn Gott hat ihm ziemlich viel zugemutet. Er musste einem Kind seinen Namen schenken, das nicht sein eigenes war, und jetzt musste er auch noch um dieses Kindes willen in ein fremdes Land fliehen. Mitten in dunkler Nacht.

Fliehen zu müssen ist furchtbar: Einmal ist da die Angst um das eigene Leben, dann die Unsicherheit wie es überhaupt weitergehen soll. Und hat man schließlich eine Zuflucht gefunden, so wird man dort nicht willkommen geheißen, sondern sehr misstrauisch und argwöhnisch betrachtet.

Dennoch erfährt Joseph Gottes Liebe, denn der Heiland ist Ihm nahe und mit ihm der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft und ein Friede im Herzen, den die Welt nicht geben kann.

Und Joseph steht mit diesem Kind bei sich unter Gottes Obhut. Wie listig, wie wild, wie grausam auch die Welt sein mag, es kann nichts geschehen, was Gott nicht zulässt. Und wenn er Kreuz und Leid geschehen lässt, so dient dies gewiss nicht den Machtmenschen und den Feinden Gottes, sondern allein zum Segen für Gottes Reich.

Lassen Sie uns darum das alte Jahr damit beschließen, indem wir wie Joseph vertrauen fassen zu Gott, und Jesus in unserer Leben lassen, damit wir nicht wie Herodes krampfhaft an Vorrechten festhaltend, Verderben anrichten, sondern damit er uns davon freimache, und damit er uns nahe ist, wenn es in der Welt drunter und drüber geht.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010