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Freiheit durch Jesus                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 6. November 2005

Predigttext: Lukas 11,14-26

Und Jesus trieb einen Dämon aus, der war stumm. Und es geschah, als der Geist ausfuhr, da redete der Stumme. Und die Menge verwunderte sich. Einige aber unter ihnen sprachen: Er treibt die bösen Geister aus durch Beelzebul, ihren Obersten. Andere aber versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel. Er aber erkannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet und ein Haus fällt über das andre. Ist aber der Satan auch mit sich selbst uneins, wie kann sein Reich bestehen? Denn ihr sagt, ich treibe die bösen Geister aus durch Beelzebul. Wenn das tatsächlich so wäre: Welche Kraft gebrauchen dann eure Leute, wenn sie Dämonen austreiben? Sie selbst werden euch das Urteil sprechen. Wenn ich aber durch Gottes Finger die bösen Geister austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen. Solange ein Starker, mit Waffen gut ausgerüstet, seinen Palast bewacht, ist sein Besitz in Sicherheit. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seine Rüstung, auf die er sich verließ, und verteilt die Beute. Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, so durchstreift er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht; dann spricht er: Ich will wieder zurückkehren in mein Haus, aus dem ich fortgegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er's gekehrt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt sieben andre Geister mit sich, die böser sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie darin, und es wird mit diesem Menschen hernach ärger als zuvor.

Liebe Gemeinde,

in den Evangelien wird uns oft von Dämonenaustreibungen berichtet. Heute befremdet uns dieser Sachverhalt, denn wir verbinden das Ganze mit Aberglauben, Gruselfilmen und Hexenverfolgungen.

Man möchte diesen Bereich viel lieber bei der Psychologie aufgehoben wissen. Wenn jemand mit Zwängen und psychischen Problemen zu kämpfen hat, dann ist dafür ein guter Psychologe zuständig und nicht die Kirche, so der allgemeine Konsens.

Und so könnte ich mir gut vorstellen, dass ein Psychologe diesen Abschnitt folgendermaßen kommentieren würde: "Dem Stummen hat es durch ein Trauma die Sprache verschlagen, darum konnte er keine Worte mehr finden – Jesus aber gab ihm durch seine Zuwendung und Liebe wieder die innere Sicherheit, um sich äußern zu können."

Aber um das Neue Testament verstehen zu können, müssen wir uns wohl dennoch die Mühe machen müssen, auf der Ebene des neuen Testamentes zu denken. Wenn nicht, wird uns vielleicht manches vom Sinn der Botschaft Jesus verloren gehen.

Denn Evangelium bedeutet, Gottes Reich beginnt und das Reich des Bösen verschwindet.

Reich des Bösen bedeutet, dass Menschen nicht mehr Herr ihrer selbst sind, nicht mehr frei entscheiden können, sondern dass sie unter dem Einfluss einer fremden bösen Macht stehen. Manche Menschen stehen unter solch starkem Einfluss dieser bösen Macht, dass ihr Verhalten krankhaft ist. Ja, wie in diesem Fall, dass ein Mensch keinen Zugriff mehr zu seinem Sprachzentrum hat und stumm ist.

Das Neue Testament nun hinter solchen Zwängen böse Geister oder auch Dämonen.

Diese Wesen sind eine Art Virus im Denken, Fühlen und Wollen eines Menschen. Ein Virus, der mit einem zerstörerischen Programm einen Menschen und seine Umgebung vernichten will.

Von den Versen 24-26 ausgehend lässt sich folgendes über sie sagen:

  1. Dämonen haben eine eigene Persönlichkeit, einen eigenen Charakter. Sie sind zum Beispiel unterschiedlich in ihrer Boshaftigkeit. Sie haben ganz bestimmte Vorlieben für ihre Boshaftigkeit. Einer macht einen Menschen taub, ein anderer erzeugt Angstzustände, ein dritter lässt einen Menschen verkrümmen beziehungsweise bildet ihm eine Krankheit ein.

  2. Sie haben ein Gedächtnis. Sie können sich Dinge genau merken. Sie kennen die Schwachstellen in der Biographie der Menschen und das ist ihr Einfallstor.

  3. Sie können sich untereinander austauschen.

  4. Sie leben in Beziehung zueinander, nach unserem Bibelabschnitt in einer militärischen Hierarchie. Sie müssen gehorchen. Der oberste Herr der Dämonen ist Satan.

  5. Sie haben einen Willen. Und ihr Wille ist es, einen Menschen mehr und mehr zu kontrollieren, ihn zur Sünde zu verführen, ihn von Gott abzuwenden und letztlich ihn zu zerstören. Sie wünschen die volle Kontrolle über einen Menschen.

  6. Dämonen sind eine Art Geist, das heißt, sie haben keinen Körper. Sie brauchen praktisch Menschen, damit sie ihren Willen ausführen können.

Als Christ braucht man sich im Grunde gar nicht vor dem ganzen Heer der Dämonen zu fürchten und man sollte sich auch nicht allzu viele Gedanken darum machen, denn Jesus ist stärker als sie. Er befiehlt und sie müssen ihm zähneknirschend gehorchen.

Die Menschenmenge staunt und wundert sich darüber.

Doch an dieser Stelle kommen die Theologen der damaligen Zeit. Irgendwie ist ihnen die Vollmacht von Jesus unheimlich und irgendwie sind sie neidisch auf ihn. Irgendwie wacht in ihnen das rebellische gegen Gott und sein Reich auf und auf subtile Weise versuchen diese so genannten frommen Männer Jesus bei den Leuten schlecht zu machen. Sie sagen es nicht offen, sie sagen es mit vorgehaltener Hand: "Seine Macht beruht nicht auf Gott, sondern er ist mit dem Teufel im Bunde. Darum kann er so etwas tun."

Der Name Beelzebul geht auf eine phönizische Gottheit Baal Zebul zurück. Dies bedeutet soviel wie "Herr der Fliegen". Fliegen sind ein Sinnbild für Dämonen. Die Israeliten haben sich darüber lustig gemacht und den Namen verdreht, so dass sie Gott des Mistes sagten.

Das ist doch gemein. Hier hat Jesus einem Mann, der nicht mehr reden konnte nachhaltig geholfen und dann kommen Leute und sagen, er ist mit dem Gott des Mistes im Bunde.

Aber Jesus durchschaut seine Gegner. Er macht sie aber nicht fertig, er verflucht sie auch nicht, sondern erklärt ihnen eindeutig worum es hier geht:

Es geht um zwei Reiche, die sich nicht miteinander vermischen lassen.

Das Reich Satans steht dem Reich Gottes gegenüber. Jesus nennt denn Herrn der Finsternis auch ganz klar beim Namen. "Satan" und das heißt der "Ankläger" oder auch der "Verderber". Jesus vergleicht Satan mit einem bewaffneten Kriegsherrn, der in einer kleinen Festung lebt und viele Sklaven hat.

Ich stelle mir das Reich Satans mehr noch wie eine Art Konzentrationslager vor. Und viele der Aufseher und Wächter dort sind Dämonen, die die gefangenen und geschundenen Menschen quälen.

Aber das gab es zu biblischen Zeiten noch nicht. Doch damals wusste jeder: Niemals würde ein schwächerer es wagen, sich mit solch einem Kriegsherrn anzulegen. Und niemals würde ein solcher Kriegsherr freiwillig etwas von seiner Macht abgeben. Sobald er so etwas tun würde, würde er seine Schwäche eingestehen und eine Rebellion innerhalb seiner Mauern würde losbrechen.

Mit diesem Bild überführt Jesus ganz logisch und vernünftig seine Gegner und sagt ihnen damit: "Eure Erklärung, ist einfach unlogisch. Das funktioniert nicht. Nie würde Satan etwas von seiner Macht freiwillig abgeben."

Es gibt für Jesus nur eine Deutungsmöglichkeit der Heilung des Tauben: Hier ist ein Stärkerer. Hier ist einer, der es mit Satan aufnehmen kann, hier ist einer, der ihn überwindet, hier ist einer, der die Beute Satans, seine Sklaven befreit.

Wenn diese Befreiung geschieht, wenn das Reich der Finsternis zurückgedrängt wird, dann beginnt das Reich Gottes.

Und das ist die frohe Botschaft.

Inwiefern aber ist Jesus der Stärkere?

Satans Hauptwaffe ist die Schuld der Menschen. Satan und sein Heer verführen die Menschen zur Sünde und zur Rebellion gegen Gott. Dadurch fällt ein Mensch aus Gottes Schutzraum und durch die Sünde bekommt Satan Anrecht auf einen Menschen. Beim Sündigen hat ein Mensch sozusagen die Front gewechselt und sich auf Satans Seite geschlagen. Damit ist er bewusst oder unbewusst zum Gegner Gottes geworden. Aber auch zum Handlanger Satans.

Manche Menschen nun im Reich Satans werden mehr bzw. werden besonders gequält von dem Heer des Teufels. Sie leiden dann unter diesen Zwangszuständen.

Jesus selbst dagegen hat nie gesündigt, er hat nie die Grenze überschritten. So sehr Satan sich auch bemühte, Jesus zu verführen, Jesus blieb bis zu seinem letzten Atemzug seinem Auftrag und seinem himmlischen Vater treu.

Dabei hat Jesus gesagt: "Ich gebe nun mein Blut, das heißt mein Leben, meine Gerechtigkeit für die Menschen, die in Gottes Reich zurück wollen. Ich nehme ihre Schuld auf mich und schenke ihnen dafür meine Gerechtigkeit."

Das ist am Kreuz geschehen.

Nun hat der Teufel keine Waffe mehr, um die Menschen in seinem Haus zu halten. Jeder, der sich auf Jesus beruft ist frei. Jeder kann in Gottes Reich zurückkehren.

Und dabei können auch die Quälgeister abgeschüttelt werden.

Die Front bleibt aber nach wie vor bestehen. Das Reich Gottes und das Reich der Rebellen lassen sich nicht in Einklang miteinander bringen.

Und so macht Jesus seinen Gegnern und auch uns heute eines deutlich.

Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder man stellt ist auf die Seite Jesu und ist für ihn – oder man bleibt auf der Seite der Rebellion.

Entweder man nimmt Jesu Angebot der Befreiung an, oder man bleibt bewusst oder unbewusst ein Sklave der Dämonen und ihres Herrn Satan.

Ein Zwischending gibt es nicht.

Die Zeit, in der wir jetzt leben wird Zeit der Gnade genannt. Gnade das heißt: Du hast jetzt noch die Chance die Front zu wechseln, wenn es dich auch manches kosten mag, jetzt gibt es noch die Gelegenheit von dem Reich der Finsternis ins Reich des Lichts zu wechseln.

Doch irgendwann einmal kommt die große Niederlage Satans zutage und alle, die noch auf seiner Seite sind, stürzen mit ihm ins Verderben.

Jesus spricht sehr liebevoll und überzeugend mit seinen Gegner. Er wirbt um sie, er möchte dass sie, wie jeder Mensch zum Reich des Lichts kommt. Sein Herrschaftsbereich beruht nicht auf Manipulation, Verführung, Zwang, sondern auf Freiheit, Gehorsam aus Liebe, Gerechtigkeit und Wahrheit. Deswegen zwingt er uns auch nicht sein Angebot anzunehmen.

Doch weil er uns liebt, hofft er, dass wir heute: Sie und ich auf seiner Seite stehen und Bürger seines Reiches seien. Jetzt und in Ewigkeit.

Ich möchte auf der Seite Jesu stehen –

Wie steht es mit Ihnen?

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010