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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 23. Oktober 2005Liebe Gemeinde, während unseres Konfirmandenwochenendes geht es um das Thema: "erwachsen werden". Es ist schon nicht einfach als biologischer Mensch ein Erwachsener zu werden. Man geht durch Höhen und Tiefen, man muss sich selbst entdecken. Doch erwachsen sein, das heißt, eine Reife zu erlangen, um als verantwortlicher und zuverlässiger Mensch seine Aufgaben und Gaben zu ergreifen. Noch schwieriger scheint mir dieser Prozess für Christen zu sein. Es gibt unzählig viele Menschen in der Kirche, die haben ein "Ja" zu Jesus gefunden. Doch sie bleiben irgendwie in den Kinderschuhen stecken. Sie lassen sich geistlich von Berufschristen versorgen, so dass sie regelmäßig ihre innerliche Erbauung bekommen, doch auch nach Jahren haben sie keine Verantwortung übernommen. Woran liegt das? Ich habe unseren Bibelabschnitt auf diese Frage hin gelesen. Und mir wurde klar, dass es an der Gemeinde liegen könnte. Und Jesus gibt uns Ratschläge, wie man dagegen angehen könnte. Ich lese aus Mt. 18,15-20: 15 Sündigt aber dein Bruder an dir, so geh hin und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen.16 Hört er nicht auf dich, so nimm noch einen oder zwei zu dir, damit jede Sache durch den Mund von zwei oder drei Zeugen bestätigt werde. 17 Hört er auf die nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und Zöllner. 18 Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein. 19 Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. 20 Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Dreierlei sollte in einer Gemeinde gepflegt werden, damit Christen erwachsen werden können. Wenn in einer Gemeinde ein Klima des Reifens entstehen soll, muss über Verletzungen gesprochen werden können. Der Grund, warum viele Menschen im Glauben Schiffbruch erleiden, oder zumindest der Kirche den Rücken kehren, liegt darin, dass man einen Groll gegen irgendeinen anderen Christen im Herzen hat. Seit 10 Jahren gehöre ich zu unserer Gemeinde. In diesen Jahren haben einige einst engagierte Mitglieder innerlich und äußerlich die Gemeinde verlassen. Der häufigste Grund für ihr Gehen sind Verletzungen gewesen. Sie sind von anderen Christen beleidigt, enttäuscht, ausgenützt beziehungsweise ungerecht behandelt worden. Oder sie haben sich zumindest so gefühlt. Aber in den seltensten Fällen hat ein klärendes Gespräch stattgefunden.. Nie hat man sich mal gesagt: "Du, ich muss mit dir mal reden. Ich bin schrecklich enttäuscht, weil …" Herr Kriese hat uns ein schönes Beispiel beim Mitarbeiterseminar erzählt. Er hatte Schwierigkeiten mit einem anderen Christen zusammenzuarbeiten und konnte es irgendwie nicht so richtig feststellen, woran es lag. So ging er zu ihm hin und sagte: "Du ich muss mit dir einfach darüber reden – aber du bist mir einfach unsympathisch." Der andere war aber nicht beleidigt, sondern er sagte freudestrahlend: "Du, mir geht es genauso." Von diesem Augenblick an war das Eis zwischen den beiden gebrochen. Sie verstanden sich. Und sie konnten weiter zusammenwachsen. So hat es Jesus vorgesehen. Er mag es, wenn Probleme direkt und offen angesprochen werden in der Gemeinde. Wie sieht unsere Wirklichkeit aus? Denken sie einmal selber nach! Wann haben sie sich zuletzt über jemanden aus der Gemeinde geärgert? Welchen Fehler hat er dabei gemacht? Und wie haben sie reagiert? Darf ich ihnen mal sagen, wie ich – menschlich gesehen immer gerne reagieren möchte – ich rede über die Sache mit anderen. Ich erzähle einem anderen – natürlich im Vertrauen – haarklein, was der oder die mal wieder gesagt oder gemacht hat. Und wissen sie was dann passiert – dieses Reden vergiftet die Gemeinde. Dieses Hintenherum Reden ist süßes Gift. Vielleicht schmeckt es im Augenblick ganz gut, aber die Wirkung lähmt die ganze Gemeinde. Wenn dann noch bei beiden Seiten Verletzungen geschehen sind, dann gibt es sogar noch Spaltungen in der Gemeinde. Weil jeder sich Verbündete sucht und über die jeweils anderen schimpft. Die Folge: Menschen, die auf Jesus neugierig geworden sind, die neu in der Gemeinde sind, wenden sich angewidert ab. Man geht ja in der Regel auch nicht in ein Restaurant essen, von dem man weiß, dass Koch und Keller miteinander Streit haben. Welch großen Frieden könnten wir gewinnen, wenn wir auf die Worte Jesus hören würden. Wir würden so viele richtige Schwestern und Brüder gewinnen. Stellen sie sich einmal das Leben als Christ wie ein Schachspiel. Sieger ist aber nicht, wer die meisten Figuren geschlagen hat, sondern wer die meisten Schwestern und Brüder gewonnen hat. Wer also am meisten das direkte Gespräch gesucht hat und dadurch so viele Schwestern und Brüder gewonnen hat. Vielleicht lässt Jesus deswegen Konflikte in der Gemeinde zu, weil er uns die Chance geben will, dass wir uns als Schwestern und Brüder wirklich gewinnen. Man kann sich die Geschwister in der Gemeinde nicht aussuchen. Sie sind einfach da. Und sie sind, wie sie sind. Mit allen Ecken und Kanten. Aber durch diese Konflikte können wir sie lieb gewinnen. Wir können gewinnen, dass wir alle im Glauben weiterkommen und wachsen. Möchten sie das? Dann verschließen sie ihren Mund, Unrecht weiterzutratschen und sagen sie es nur noch dem Betroffenen persönlich. Ich kann aus eigener Erfahrung nur sagen: Man kann nur gewinnen. Es war Jesus klar, dass das nicht immer gut geht. Manchmal explodiert dann sogar ein Streit, wenn man in Wut miteinander redet. Darum weist Jesus auf einen zweiten Schritt hin: Nimm zwei oder drei Leute hinzu. Einen guten Seelsorger, jemand, der es mit beiden gut meint. Einen Menschen mit einem objektiven Blick. Solche Leute können bei dem Gespräch weiterhelfen, sie können vermitteln, sie können einen Streit schlichten, Lösungen ausarbeiten und Frieden stiften. Wenn es dann nichts bringt, dann muss die Sache in der ganzen Gruppe beraten werden. Bei gravierenden Fehlern und wenn der Verursacher des Streites überhaupt nicht einlenkt, sieht Jesus es vor, diesen Menschen aus dem inneren Kreis der Gemeinde zu schließen. Das heißt vom Abendmahl auszuschließen. Das ist insofern sinnvoll, dass nämlich die Sünde ansteckend sein kann. Die Gemeinde muss ihre Glieder vor Ansteckung schützen. Ähnlich wie auch ein Hirte hier und da besonders störrische Schafe aussondert, damit nicht die ganze Herde durcheinander bringt, so müsste eine Gemeinde im Hören auf den Heiligen Geist, auch diese Verantwortung wahrnehmen. Aber das kann sie nur, wenn sie Schritt eins und zwei gegangen ist. 2. Eine Gemeinde, in der Christen reifen können muss ihre Vollmacht wahrnehmen. "Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein." Uns ist als Christen eine geistliche Autorität anvertraut. Wir dürfen und sollen Dinge binden und lösen. Ich versuche es am Beispiel eines Polizisten zu deutlich zu machen. Ein Polizist hat als Privatperson keine anderen Rechte und Pflichten wie alle anderen Menschen auch. Doch wenn er in Ausübung seines Amtes ist, dann hat er das Recht Autos anzuhalten, Personalausweise zu sehen, Menschen festzunehmen, ja sogar so energisch vorgehen und von einer Schusswaffe Gebrauch zu machen. Das darf er nicht, weil er ein so toller Mensch ist, sondern im Dienst des Staates steht. Hinter dem Polizisten steht praktisch die Autorität des ganzen Staates. Darum kann er Menschen, im Einklang mit den Regeln des Staates - festnehmen oder auch nach Hause fahren lassen. Ähnlich haben wir, als Glieder des Leibes Jesu Christi, Dinge festlegen und lösen. Klar, auch wir müssen die Regeln des Reiches Gottes kennen, doch wir haben Vollmacht Dinge zu lösen und zu binden. Wir können im Namen Jesu Sünden vergeben, weil er sie vergeben hat und wir können im Namen Jesu böse Mächte binden, weil er sie gebunden hat. Über dieses Thema müsste man einmal besonders eingehen. Kommen wir noch zum letzten Punkt: In einer Gemeinde können Christen heranreifen, wenn in kleinen Gebetszellen gebetet wird. "19
Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum
sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. Man braucht keine große Gemeinde zu sein, um zu beten. Es reichen zwei oder drei Menschen, die miteinander eins sind. Wenn sie beten, ist Jesus mitten unter ihnen und sie können durch ihr Gebet vieles bewegen und in Bewegung bringen, was ohne Gebet nie möglich wäre. Das funktioniert auch, wenn jeder für sich alleine betet, doch durch das gemeinsame Gebet bekommt das Gebet noch eine ganz neue Kraft. Die geistliche Vollmacht potenziert sich gerade zu. In einem Psalm heißt es: einer wird mit 1000 fertig werden und zwei mit 10.000. Stellen sie sich vor, sie haben 1000 Probleme. Sie suchen Gottes Hilfe im Gebet. Und tatsächlich, sie bekommen die 1000 Probleme, die eigentlich über ihre Kraft steigen in den Griff. Nun haben sie aber eine Schwester und einen Bruder. Sie helfen sich gegenseitig und beten zusammen. Man könnte nun meinen, dass man zu zweit dann eben 2000 Probleme meistern kann. Nein, es sind 10.000. Merken sie welche Kraft Gott für das gemeinsame Gebet versprochen hat. Ich wünschte mir, dass dies uns allen vom Kopf ins Herz rutschen könnte. Dass wir heute einmal uns alle an diese drei Ratschläge Jesu ein Jahr lang halten würden: Ich glaube, in unseren Gemeinden, könnten Menschen zu reifen Christen werden, wenn wir diese drei Punkte beachten würden:
Ich glaube, wir alle würden im Glauben reifen. Amen. |
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