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Predigt von Pfarrer Martin Schuler anlässlich des
Erntedankfestes am 05. Oktober 2003
Liebe Kinder, liebe Gemeinde,
vorhin haben wir einen schönen Psalm gebetet.
Der Mann, dieses Gebet schrieb, staunte darüber, welch einen großen Gott wir
haben. Und er fasst es in drei Dinge zusammen. Er betet:
1. Herr, wie sind deine Werke so groß und viel
2. Du hast sie alle weise geordnet,
3. und die Erde ist voll deiner Güter.
Kommen wir zum ersten Punkt:
- Herr, wie sind deine Werke so groß und viel
Es gibt ein Sprichwort, das heißt: Man sieht vor lauter
Bäumen den Wald nicht mehr.
Ich glaube, so ähnlich ist es auch mit den Werken Gottes. Es gibt so viele und
große Werke Gottes, dass man sie schon gar nicht mehr wahrnimmt.
Vorhin haben wir von den Wundern: Feuer, Erde, Luft und Wasser gesprochen.
Greifen wir einmal die Luft heraus:
Ein Werk Gottes ist, dass er uns den Atem geschenkt hat. Man nimmt ihn kaum wahr
und doch ist er ein großes Wunder.
Machen wir einmal einen kleinen Versuch, damit wir ihn besser wahrnehmen. Wir
atmen ein und halten den Atem an. Ich zähle dann bis fünf, dann können wir
wieder ausatmen.
Alles zusammen: [Versuch]
Merkt ihr, wenn man einmal nicht atmet, wenn einem mal für einen kleinen
Augenblick die Luft wegbleibt, dann wird es ganz schön ungemütlich. Ich bekomme
dann Angst.
Für mich ist es auch immer ein Wunder, dass ich mich gar nicht anstrengen muss,
um zu atmen. Ich muss nicht sagen. So, für heute musst Du noch fünf Atemzüge
machen. Es läuft alles von selber.
Stellt euch einmal vor, wir müssten uns um den Atem sorgen wie für die Zähne.
Dann müssten eure Eltern nicht nur morgens und abends sagen: „Hast Du Deine
Zähne schon geputzt – sie müssten jeden Augenblick uns erinnern: Hast Du schon
Atem geholt?
Gut, dass der Atem automatisch weitergeht, auch wenn wir schlafen. Der Atem gibt
uns Kraft. Wenn wir uns für etwas anstrengen müssen, holen wir tief Luft und
packen eine Sache an. Bekommen wir keine Luft, dann werden wir schläfrig, müde
und kraftlos.
Eines der vielen, vielen Wundern Gottes ist der Atem. Rechnen wir mal nach, wie
viele Wunder Gott in dieser Stunde ungefähr allein hier tut. Ich zählte als ich
mich auf diesen Gottesdienst vorbereitete zwölf Atemzüge in der Minute. Wir sind
hier ungefähr eine Stunde zusammen. D.h. Gott tut hier an mir, nur weil ich
atme: 720 Wunder. Bei dreißig Leuten wären das 21.600 Wunder. Und das ist nur
eines vielen Wundern, die nur an unserem Körper tut. Wer von Euch ein Sammler
ist, der könnte ja mal die vielen verschiedenen Wunder Gottes sammeln. Diese
Sammlung würde ich mir gerne mal anschauen.
Kommen wir zum 2. Punkt:
Vor einem oder zwei Jahren wollte ich einmal
Weihnachtsplätzchen backen. Irgendwie dachte ich, dass man das auch ohne Rezept
hinbekommt und ich erinnerte mich an einen Kindervers, der hieß: Backe, Backe
Kuchen, der Bäcker hat gerufen – Butter und Schmalz, Zucker und Salz Eier und
Mehl.
Na, ja, dachte ich, das wird schon reichen. Ich werfe diese Sachen einfach so
zusammen in unsere Küchenmaschine, dann es wird schon etwas werden.
Am Anfang aber war es zu fest und man konnte gar nicht mehr rühren. Dann tat ich
noch etwas Fett dazu, dann wurde er viel zu flüssig. Schließlich war es zu süß.
Die Plätzchen sahen dann wie kleine Monster aus und mir war jede Lust vergangen
jemals wieder so etwas zu machen.
Anders ist es bei Gott, er hatte auch kein Rezeptbuch, als er uns und die Welt
erschuf. Niemand anders vor ihm hat es ausprobiert ein Weltall zu machen. Und
dennoch läuft alles phantastisch exakt ab. Hätte Gott zum Beispiel unsere Sonne
ein kleines bisschen größer gemacht, als unsere Sonne heute. Dann wäre ihre
Anziehungskraft so groß, dass sie unsere kleine Erde in sich hineinsaugen würde.
Unsere Erde wäre zerschmolzen und verdampft. Wäre die Sonne aber kleines
bisschen kleiner, dann würde unsere Erde hinaus ins weise Weltall schleudern.
Die Bahn der Sterne ist so präzise, so voller Ordnung, dass man nur staunen
kann. Auch Erde, Wasser, Feuer, Luft sind genau im richtigen Maß zueinander
verteilt. Gäbe es zuviel Wasser würden ertrinken, Gäbe es zuviel Feuer würden
wir verbrennen, ohne Luft würde uns die Erde nichts nützen: Gott, Du hast
alles weise geordnet.
Und nun zum letzten Punkt:
Achtet einmal darauf, was ihr jeden Tag esst und trinkt.
Morgens Brot, Kaffee, Müsli, Marmelade. In der Pause einen Apfel und ein
Butterbrot, Mittags Nudeln, Kartoffeln, Salat, Suppe, Würstchen, Nachmittags
einen Keks oder ein Stückchen Schokolade, Abends dann auch etwas leckeres. Alles
aus Gütern, die Gott für unser Leben bereitgestellt hat. Unsere Häuser und
Kleider sind aus Materialen hergestellt, die Gott uns zur Verfügung gestellt
hat.
Liebe Kinder, liebe Gemeinde, ich kann mir vorstellen, dass viele von Euch jetzt
ein „aber“ denken. Aber es gibt doch so viele Hungernde Menschen, es gibt doch
auch Fehler. Warum hat es dieses Jahr so wenig geregnet, warum gibt es die
Klimaerwärmung.
Heute ist Erntedank: Und Erntedank heißt für mich: Ich staune erst einmal
darüber, was Gott tut. Ich denke an die vielen, vielen Wunder und ich danke Gott
dafür. Ich freue mich über die wunderbare Ordnung, die er immer noch erhält,
auch wenn wir Menschen uns viel Mühe geben, sie zu verschmutzen und ich danke
ihm erst einmal für die Güter, die er mir geschenkt hat.
Amen.
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