Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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Ermutigung                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 23. September 2006

Liebe Gemeinde,

das Leitbild unserer Gemeinde lautet:

Jesus ist unsere Quelle, darum sind wir eine lebendige, offene, leuchtende Oase der Annahme und Vergebung, in der wir lieben und segnen.

Das heißt, wir wollen eine Gemeinde werden, in der Menschen auftanken können, in der sie sich angenommen fühlen, in der sie Seelsorge und guten Rat bekommen, in der sie erfrischt werden, weil sie hier von der Quelle des Lebens, von Jesus gespeist werden.

Da wollen wir hinkommen – das ist unser Ziel. Immer wieder denke ich über unser Ziel nach und immer mehr sehe ich darin die Berufung, die Aufgabe Gottes für unsere Gemeinde.

Man kann dieses Ziel auch mit einem Wort wiedergeben:

Ermutigung

Ich glaube, dass wir eine Gemeinde der Ermutigung werden sollen.

Darum widme ich die nächsten Lobpreisgottesdienste hier in Neu-Moresnet diesem Thema: Die Kraft der Ermutigung.

Ich will immer wieder den folgenden Fragen nachspüren:

  • Wie ermutigt Gott seine Leute?

  • Wie finden wir Ermutigung?

  • Und: Wie können wir einander ermutigen.

Vielleicht fragst du dich jetzt. Wieso soll man der Ermutigung eine ganze Predigtreihe widmen?

Ich sage, es ist sehr wichtig. Denn oft liegt es an der Ermutigung, ob man als Christ auf dem Weg der Heiligung bleibt, oder ob man noch einmal eine Ehrenrunde drehen muss, oder ganz abdriftet.

Stellt euch einmal vor, ihr wärt Mitarbeiter bei unseren Pfadfindern. Kurz vor der Teamstunde schaut der Pfarrer schnell mal vorbei und meckert wieder herum, weil letztes Mal die Stühle nicht sachgemäß aufgeräumt waren. Kaum ist er weg, kommt eine Mutter, die ihr Kind abmeldet, weil es so viele Termine schon die ganze Woche über hat. Und da müsste man das langweiligste radikal streichen. Und als dann die Teamstunde begonnen hat, schimpft zuletzt noch das Team, weil es nicht schon wieder die Reise nach Jerusalem spielen will.

Wird dieser Mitarbeiter beschwingt seine Teamstunde halten? Wird er fröhlich nach Hause gehen und Gott danken, dass er Mitarbeiter bei den Pfadfindern sein darf? Nein, er wird sich vielleicht überlegen, ob er seine Zeit nicht besser anders einsetzen soll.

Anders ist es, wenn er ermutigt wird. Wenn z.B. der Pfarrer ihn freundlich grüßt und fragt, ob er irgendwie noch Hilfe braucht, wenn dann ein Vater sein Kind abgibt und erzählt, dass die Mädels die Teamstunde kaum abwarten können und die ganze Woche fragen: Wann ist endlich Samstag? und wenn noch ein anderer Mitarbeiter kommt und sagt: Ich habe den Eindruck, dass Gott heute unser Treffen ganz besonders segnen wird.

Ein solcher Mitarbeiter wird eher beschwingt und guter Dinge nach Hause gehen und wird eher Gott danken für seine Hilfe und den ganzen Nachmittag mit den Kindern.

Der Ermutigte kann nämlich ganz anders in den Dienst treten, als der Entmutigte.

Ich glaube auch, dass in naher Zukunft im Reich Gottes große Aufbrüche bevorstehen, dass viele Menschen wieder ganz neu nach Gott zu fragen beginnen, dass gleichzeitig aber auch die Kämpfe härter werden, dass Christ-Sein nicht mehr eine nette kleine Nebenbeschäftigung, eine Art Hobby sein wird, sondern dass man als Christ überall gefragt und gefordert und angegriffen sein wird.

Wenn es dann keine Zentren der Ermutigung gibt, keine Gemeinden der Ermutigung, dann können diese Kämpfe nicht durch gestanden werden.

Ohne Mut, ohne Zuversicht kann man keinen Kampf gewinnen.

Darum soll es nun um die Kraft der Ermutigung gehen.

Heute will ich damit beginnen, wie Gott Mose ermutigt hat.

Ich lese aus 4. Mose 11 ab Vers 4:

Das Jammern [im Volk] nahm kein Ende. Unter den Israeliten waren viele Fremde, die sich dem Volk angeschlossen hatten, als es Ägypten verließ. Sie forderten nun besseres Essen, und schon fingen auch die Israeliten wieder an zu klagen: «Niemand gibt uns Fleisch zu essen!
5 In Ägypten war das anders! Da bekamen wir umsonst soviel Fisch, wie wir wollten, da gab es Gurken, Melonen, Lauch, Zwiebeln und Knoblauch.
6 Aber hier haben wir nichts. Wir hungern! Alles, was es hier gibt, ist dieses Manna!»
7 Das Manna bestand aus kleinen Körnern, ähnlich dem Koriandersamen, und war durchsichtig wie Bedellion-Harz.
8-9 Jede Nacht fiel es mit dem Tau auf das Lager. Die Israeliten sammelten es ein und zerkleinerten es mit Handmühlen oder Mörsern. Sie kochten es oder backten Fladenbrot davon, das wie Ölkuchen schmeckte.
10 Die israelitischen Familien saßen vor ihren Zelten und klagten. Als Mose das hörte, geriet er außer sich, denn er wusste, dass sie erneut den Zorn des Herrn herausforderten.
11 «Warum tust du mir das an?» fragte er den Herrn. «Ich bin zwar dein Diener! Aber musst du mir wirklich die Verantwortung für dieses ganze Volk aufhalsen? Hast du denn kein Erbarmen mit mir?
12 Bin ich etwa die Mutter dieser Menschen? Habe ich sie zur Welt gebracht? Oder bin ich ihr Pflegevater? Soll ich sie wie einen Säugling auf meinen Armen in das Land tragen, das du ihren Vorfahren versprochen hast?
13 Sie weinen und flehen mich an: 'Gib uns Fleisch zu essen!' Woher soll ich denn Fleisch für Hunderttausende von Menschen nehmen?
14 Ich kann die Verantwortung für dieses Volk nicht länger allein tragen. Ich halte es nicht mehr aus!
15 Wenn es so weitergehen soll, bring mich lieber gleich um! Wenn dir aber etwas an mir liegt, dann erspar mir dieses Elend!»

Mose ist an einem Punkt angekommen, dass er einfach nicht mehr weiter kann und weiter will. So oft trat er für seine Leute im Gebet ein, so oft erlebte er ein Wunder, so oft hatte Gott ihnen geholfen.

Nun gab es schon wieder ein Problem. Die Leute waren mit dem Essen unzufrieden. Das, was Gott ihnen gab, das Manna, obwohl man es so vielfältig verwenden konnte, obwohl es sehr gesund war, war plötzlich nicht mehr gut genug.

Diesmal kam die Rebellion auch eher von außen – also von Leuten, die Mitläufer waren, die gar keine richtigen Israeliten waren, sondern entlaufene Sklaven. Die steckten mit ihrer Unzufriedenheit das ganze Lager an.

Ob von außen oder von innen. Murren entmutigt. Es bringt Moses dazu, dass er die Last nicht mehr tragen möchte, dass er sein Amt niederlegen möchte.

Ich glaube, jeder, der eine Aufgabe von Gott bekommen hat. Das fängt an beim Mutter oder Vater sein – manchmal können z.B. pubertierende Jugendliche anstrengender sein als das ganze Volk Israel in der Wüste, über einen sozialen Beruf, dass man irgendwelche Patienten hat, die ständig irgendetwas zu beanstanden haben, bis hin zu jeglicher Mitarbeit in der Gemeinde. Jeder, der eine Aufgabe im Glauben wahrnimmt, kommt an solche Punkte, dass man sagt: "Es ist mir zu schwer. Ich kann es nicht tragen."

Gott scheint solche Augenblicke in seinen Plan mit uns bewusst einzubauen. Er braucht sie, um mit uns weiterzukommen. Gott hat kein Problem damit, wenn man mit ihm über seinen Dienst diskutiert.

Darum kann uns Mose hier Mut machen: Denn unsere Verzweiflung und unsere Mutlosigkeit ist bei Gott bestens aufgehoben. Man kann mit Gott über seine Mutlosigkeit sprechen und ihn um Hilfe bitten. Denn Gott hat immer eine Lösung.

Ich lese weiter:

16 Der Herr antwortete Mose: «Such unter den Ältesten Israels siebzig Männer aus! Nimm Leute, die als zuverlässige Anführer des Volkes bekannt sind. Bring sie zum heiligen Zelt, und stell dich mit ihnen dort auf!
17 Denn ich will herabkommen und mit dir sprechen. Ich werde etwas von meinem Geist, der auf dir ruht, nehmen und auf sie legen. Sie sollen von nun an die Last mit dir teilen. Du musst die Verantwortung für das Volk nicht mehr allein tragen.

Gottes Lösung ist: Er will Menschen Mose an die Seite stellen, die ihm helfen können, die Last zu tragen. Menschen, die die gleiche Gesinnung haben wie er, Menschen, die etwas geistlich verstehen können und nicht nur an ihren Bauch und ihr Vergnügen denken.

Eines muss man dabei noch wissen.

Nachdem das Volk Israel aus Ägypten geflohen war, und sie am Sinai lagerten, kam der Schwiegervater von Mose, Jitro, zu Besuch in das Lager. Und der Schwiegervater war begeistert über das, was Gott da getan hat. Er staunte über die vielen Wunder, die geschehen waren und darüber, dass diese Sklaven nun völlig frei waren.

Doch dann sah er auch etwas anderes. Er sah, wie den ganzen Tag Leute zu Mose kamen und ihn um Rat fragten, oft hatten sie irgendwelche Streitereien und sie brauchten einen Richter. Und alle kamen zu Mose. Bis tief in die Nacht hinein.

Ein Schwiegervater musste da eingreifen und er sagte: Mose, was du da machst, ist nicht gut. Früher oder später bist du, deine Familie und das ganze Volk ausgebrannt. Das kann nicht lange gut gehen. Such dir Leute, die jeweils für 100 Bürger einen und dann wieder für 1000 einen, die einen gesunden Menschenverstand haben und die von den anderen geachtet sind und setze diese Leute an deine Stelle, damit sie Rat geben und richten.

Mose war gehorsam, setzte Stellvertreter ein und hatte dadurch einen guten Stab an Mitarbeitern bekommen. Mose war bereit zu delegieren.

Auch das können wir von Mose lernen. Bereit zu sein, Verantwortung abzugeben an Menschen, die die Fähigkeiten haben, diese Aufgabe wahrzunehmen. Gott will nicht, dass wir alles selber und alleine machen müssen. Gott liebt es, wenn Aufgaben gemeinsam getragen werden.

Als Mose dann zusammenbrach und nicht mehr weiter wusste, da konnte Gott auf den Mitarbeiterstab zurückgreifen. Auf Menschen, die Mose bereits zur Seite standen. Diese Leute konnte Gott mit dem Heiligen Geist erfüllen.

Das können wir von Mose lernen. Wenn wir wollen, dass Gott uns ermutigt, sollten wir uns und ihn immer wieder fragen: Wo gibt es Dinge, die ich abgeben kann, mit wem könnte ich meine Aufgaben teilen, was könnten vielleicht bereits die Kinder tun, oder die Teilnehmer der Frauengruppe, oder der Kollege, oder …

Ich finde das Gott uns an dieser Stelle schon verhältnismäßig weit gebracht hat. Von dem Modell, der Einmanngemeinde, wo der Pfarrer alles macht, haben wir uns verabschiedet.

Weiter machte Gott auch Mut, indem er den Glauben und den Gehorsam von Mose herausforderte. Gott sagte: Ich werde das ganze Volk mit genügend Fleisch versorgen.. Mose konnte das nicht glauben, dass so viele Leute in der Wüste plötzlich genug Fleisch bekommen sollen. Er wusste ja nicht, dass manchmal riesige Vogelschwärme sich nach langem Flug auf der Erde ausruhen. Und so diskutierte er mit Gott und wollte Gott erklären, dass dies unmöglich sei. Doch bei Gott ist kein Ding unmöglich.

Aber dass Gott alle Dinge möglich sind, man zuerst glauben, dann erfährt man es erst.

Mose ist glücklicherweise gehorsam. Ein Schritt des Gehorsams macht Mut. Denn Ungehorsam führt meist zu einem schlechten Gewissen, zu inneren Anklagen, zu Unzufriedenheit. Doch wenn man weiß, was Gott von einem will und geht diesen Schritt, dann ist man hinterher in der Regel sehr froh und glücklich. Und Mose geht diesen Schritt des Gehorsams und redet mit dem Volk.

24 Da berichtete Mose den Israeliten, was der Herr ihm aufgetragen hatte. Er suchte unter den Ältesten des Volkes siebzig Männer aus und befahl ihnen, sich im Halbkreis vor dem Heiligtum aufzustellen.
25 Dann sahen sie, wie der Herr in der Wolke herabkam. Er sprach mit Mose und legte etwas von dem Geist, der auf Mose ruhte, auf die siebzig Ältesten. Im selben Augenblick begannen sie zu reden, was der Herr ihnen eingab. Das geschah jedoch nur dieses eine Mal.

Dies ist an dieser Stelle die Lösung Gottes, wie er einem entmutigten Diener hilft.

Er stellt ihm Menschen zur Seite, die vom Heiligen Geist ergriffen werden. In unserer Übersetzung hört sich das recht harmlos an. Luther übersetzt: Uns sie gerieten in Verzückung. Das heißt, sie waren in einer Art Trance und hörten Gott sprechen.

Gott schenkte Mose Menschen an die Seite, die ebenfalls begeistert sind von Gott, die ebenfalls wissen, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern von Gottes Wort und Menschen, die ihn verstehen.

Eine wunderbare Ermutigung. Und ich glaube, wir sollen und können Gott direkt darum bitten, dass er uns Menschen schenkt, die vom Heiligen Geist erfüllt sind.

Was geschieht mit Menschen, die vom Heiligen Geist erfüllt sind. Diese Menschen werden zu Heiligen und sie tragen die Früchte des Heiligen Geistes an sich: Ich geh mal kurz auf diese Früchte ein und ihr werdet merken, dass solche Menschen an der Seite ermutigende Menschen sind.

Die Früchte des Geistes sind Liebe – Gott ermutigt mit Menschen, die uns mögen, denen wir wertvoll und wichtig sind.

Freude – Gott ermutigt mit Menschen, die fröhlich sind.

Friede – Gott ermutigt mit Menschen, die den Frieden suchen und nicht den Streit.

Freundlichkeit – Gott ermutigt mit Menschen, die nett und freundlich sind, auch wenn wir ihnen nichts bieten können.

Geduld – Gott ermutigt mit Menschen, die Geduld mit uns haben, auch wenn wir wieder mal etwas falsch gemacht haben.

Sanftmut – Gott ermutigt mit Menschen, die ihre Kraft zum Helfen und nicht zum zerstören einsetzen.

Demut – Gott ermutigt mit Menschen, die gerne Dienen und nicht immer meinen, es müsse so gehen, wie sie es wollen.

Treue – Gott ermutigt mit Menschen, auf die man sich verlassen kann und nicht bei der ersten Schwierigkeit verschwunden sind.

Keuschheit – Gott ermutigt mit Menschen, die diskret sind, die nichts im Dreck rühren.

Vom Geist erfüllte Menschen sind ermutigende Menschen, darum lasst uns immer wieder um diese Lösung Gottes bitten.

Wenn wir mutlos sind, lasst uns Gott bitten, dass er uns solche Menschen zur Seite stellt.

Wenn an Menschen die Früchte des Geistes heranreifen, werden sie in schweren Zeiten einander Kraft, Mut und Zuversicht schenken.

Und je mehr Menschen mit Heiligem Geist erfüllt sind, um so mehr wird auch unsere Gemeinde, eine Gemeinde sein, die ermutigend ist.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010