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er trug unsere Krankheit                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 7. September 2003

Liebe Gemeinde,

der Bibelabschnitt, der dieser Predigt heute zugrunde liegt, steht in Mk. 7,32-37. Dort heißt es:

[Im Gebiet von Dekapolis] bringen sie zu Jesus einen, der taub und stumm war, und bitten ihn, dass er ihm die Hand auflege. Und er nahm ihn beiseite, weg von der Menge, und legte seine Finger in seine Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel und sah auf zum Himmel und seufzte und sagt dann zu ihm: Heffata!, das heißt: Tu dich auf! Und sofort wurden seine Ohren geöffnet, und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig. Und er gebot ihnen, es niemandem zu sagen. Je mehr er es ihnen aber gebot, desto mehr breiteten sie es aus. Und über die Maßen fassungslos sagten sie: Er hat alles wohl gemacht. Die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.

Liebe Gemeinde,

sie bringen zu Jesus einen, der taub und stumm war, und bitten ihn, dass er ihm die Hand auflege.

Ich bin der Ansicht, dass das, was Jesus in der Bibel getan hat, auch heute noch durch seine Gemeinde tun will. Er hat uns mit seinem Tod am Kreuz die ganze Fülle des Heils geschenkt. Und zum Heil gehört neben der Vergebung der Sünde, neben dem ewigen Leben auch die Heilung von Krankheit. Jesus geht einen Tausch mit uns ein. Jesus ist bereit all unser Verderben einzutauschen.

Er tauscht seine Heiligkeit, seine Gerechtigkeit, seine Gesundheit ein, gegen meine Sünde, gegen mein verkorkstes Leben, und auch gegen meine Krankheit. Dafür ist er gestorben.

Besonders der Prophet Jesaja redet von diesem Tausch. Die Christenheit sieht darin Jesus:

„Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“

Können Sie das für sich annehmen? Er trug meine Krankheit, meine Strafe für meine Schuld, für meine Rebellion gegen Gott?

Wenn ja, dann können wir heute bei dem Taubstummen und seinen Freunden in die Schule gehen. Wir bringen unser Leiden, unsere Krankheit zu Jesus und bitten darum, dass er sie eintauschen möge, so wie er auch unsere Sünden eingetauscht hat. Das ist die beste Vorraussetzung und Grundlage für eine Heilung.

Aber schauen wir einmal hin, wie er den Taubstummen geheilt hat. Jede Heilung ist anders, dennoch können wir daraus einige Grundsätze für Heilung entdecken:

1. Und er nahm ihn beiseite, weg von der Menge

Jesus benutzt unsere Krankheit nicht, um vor anderen anzugeben, welch ein toller Arzt er ist, um Propaganda zu machen. Er gebraucht unsere Krankheit dazu, um uns beiseite zu nehmen. Sein großes Anliegen ist es, die Liebe des Vaters zu offenbaren. In der lärmenden Menge ist es schwer Gottes Stimme zu hören und seine Liebe zu spüren. Jesus nimmt ihn heraus. Mit dieser Geste zeigt er dem Taubstummen: Ich bin jetzt ganz für dich da. Ich habe Zeit für Dich. Du allein bist mir wichtig. Und so sollten wir in der Krankheit stets eine gewisse Chance sehen. Die Chance, dass uns Jesus aus einem Trott, aus einem Lärm heraus nimmt, um uns seine Liebe und die Liebe des Vaters zu offenbaren.

2. und legte seine Finger in seine Ohren

Jesus legt seinen Finger auf die wunde Stelle. Jesus schnipst nicht in die Finger, damit wir wieder gesund sind, sondern er will uns sagen, wo der Schaden liegt.

Krankheit kann ein Fingerzeig Gottes sein. Sollten wir krank werden, sollte Gott uns beiseite nehmen, dann müssen wir offen sein, für Jesu Fingerzeig, für die Stelle, die er uns heilen möchte. Wir sollten dann bitten: Zeige mir Herr, die Ursache.

Im Jakobusbrief wird beschrieben, was man als Christ tun soll, wenn man krank wird: Man soll Presbyter rufen, sie sollen kommen und man soll mit ihnen zusammen Sünden bekennen. D.h. man soll miteinander die wunden Punkte Jesus ausliefern. Denn die wunden Punkte, seien es Sünden, seien es Bitterkeit führen oft zu Schmerzen und Krankheit, bzw. behindern eine rasche Heilung.

Das ist manchmal schmerzhaft, einen Fehler einzugestehen. Und manchmal müssen wir umdenken, bereit zu sein mit krankmachenden Gewohnheiten wie Rauchen oder Trinken aufzuhören, bereit zu sein, gesünder zu leben, seine Einstellung gegenüber einem anderen Menschen zu ändern und ihm zu vergeben.

Aber auch da gilt: Jesus hilft.

3. und berührte seine Zunge mit Speichel

Es ist, als ob Jesus dem Taubstummen sagen wolle: Durch mein Wort wirst Du gesund. Was ich sage, das geschieht. Und wenn mein Wort Dich berührt, dann geschieht Heilung.

Liebe Gemeinde, leider hat das die Gemeinde heute vergessen. Jesu Worte sind wie Medizin. Kommen sie in Berührung mit Menschen dann geschieht Heilung. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen, die mit Gott in Verbindung stehen, in der Regel schneller gesund und weniger krank sind. Als Kranke sollten wir darum mindestens so treu und beflissen unsere Dosis Gottes Wort zu uns nehmen, wie wir unsere Tabletten und Tröpfchen nach dem Essen zu uns nehmen.

4. und sah auf zum Himmel und seufzte

Jesus weist den Taubstummen darauf hin, dass Heilung von oben kommt. Und dass er es ist, der den Himmel für uns Menschen wieder öffnet. Er seufzt. Für mich ist dieses Seufzen ein Hinweis auf sein Leiden und Sterben am Kreuz von Golgatha. Jesus hat es sich etwas kosten lassen, um uns gesund zu machen. Wie schon zitiert: „Durch seine Wunden sind wir geheilt.“ Allein dass Jesus so gelitten hat, damit wir gesund werden sollen, müsste Antrieb für uns sein, mit jedem kleinen Schnupfen zu ihm zu kommen und ihn um Heilung zu bitten.

Denn er hat es für uns getan und ich kann mir vorstellen, dass er sehr traurig darüber ist, wenn wir nicht davon Gebrauch machen.

5. und Jesus sagt dann zu ihm: Heffata!, das heißt: Tu dich auf! Und sofort wurden seine Ohren geöffnet, und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig.

Jesus spricht laut das lösende Wort. Heffata – tu dich auf. Ich kann mir vorstellen, dass sich dem Kranken nicht nur die Ohren öffnen, sondern, dass sich auch der bisher verschlossene Himmel öffnet. Heffata – das sollte auch immer wieder unsere Bitte sein, wenn wir vor verschlossenen Ohren, vor verschlossenen Herzen oder vor einem verschlossenen Himmel stehen. Denn Jesus hat den Schlüssel um zu öffnen.

Eine Sache ist mir noch wichtig:

Hier wird der Kranke auf der Stelle gesund. An anderer Stelle müssen Kranke erst einen Weg zurücklegen, sie müssen sich vor der Heilung in Geduld und Glauben noch üben.

D.h. wir sollten Jesus die Freiheit lassen, den Zeitpunkt der Heilung zu bestimmen. Es kommt der Zeitpunkt, da werden wir ganz heil sein. Im Nachhinein, wird das Leiden dann recht klein erscheinen. Doch im Leiden selbst, kann es hier und da mal schwer sein. Aber wichtig ist das Vertrauen zu Gott, dass er das Beste für uns will. Auch die Heilung. Auch wenn wir sie im Augenblick noch nicht sehen.

Und wir sollten Gott auch die Freiheit lassen, uns durch Menschen, d.h. durch Fachleute, durch Ärzte und Mediziner, durch den Rat von weisen Menschen helfen zu lassen. Es zeugt nicht unbedingt von starkem Glauben, wenn man mit einer Krankheit nicht zum Arzt geht.

Aber bei allem halten sie bitten daran fest, dass es Jesus ist, der Gesundheit schenkt. D.h. wir sollten seine angebotene Hilfe nicht abschlagen. Wir sollten ihn anflehen, wir sollten zusammen mit anderen Christen und mit den Presbytern darum bitten.

Und ein letztes ist noch wichtig. Jesus verbietet in diesem Abschnitt zwar, die Heilung hinauszuposaunen, damit anzugeben. Doch eines denke ich, sollte man: Mit Dank zu ihm zurück kommen. Nehmen wir Heilung nicht als selbstverständlich, nicht als unser Werk, sondern lassen sie uns ihm für das ganze Heil danken, das er für uns zubereitet hat.

Denn er hat alles wohl gemacht. Die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.

Amen

 

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Stand: 04. Juni 2010