Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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Einheit der Christen                                    

   

Predigt von Vikar Darius Tomczak am 10. Juli 2005

Liebe Gemeinde,

Unser Predigttext wurde als Brief vom Apostel Paulus an die Gemeinde in Korinth verfasst. Die Christen lieferten sich dort einen Konkurrenzkampf, wer zu welchem Leiter gehört.

Denn wenn der eine sagt: Ich gehöre zu Paulus, der andere aber: Ich zu Apollos-, ist das nicht nach Menschenweise geredet? (1.Kor 3,4)

Das war die Not in der korinthischen Gemeinde. In dieser Gemeinde sind verschiedene Parteien entstanden. Wir wissen aus der Kirchengeschichte, dass im Laufe der Zeit viele Parteien unter den Christen entstanden sind.

Wir nennen sie heute "Konfessionen". Der eine bekennt sich zur lutherischen Kirche und folgt Luther, der andere bekennt sich zur reformierten Kirche und folgt Calvin, und noch ein anderer bekennt sich zur katholischen Kirche und folgt dem Papst.

Ich sage nicht, es ist etwas falsches Lutheraner zu sein, etwas falsches reformiert zu sein, oder etwas falsches Katholik zu sein. Haben Sie aber jemals darüber nachgedacht, wie viel Konfessionen nach menschlichen Führern benannt wurden?

Oder nach einer bestimmten Theologie entstanden worden sind?

Die Methodisten berufen sich auf John Wesley, die Baptisten berufen sich auf ihre Taufe durch völliges Untertauchen, und die Adventisten berufen sich auf ihren Sabbat als Ruhetag.

Innerhalb der Gemeinde Jesu gab es bis jetzt sehr viele Spaltungen. Darum haben wir in der Gemeinde Jesu auch so viele unterschiedliche Konfessionen. Ich sage nicht, es ist etwas falsches so viele Denominationen zu haben.

Aber auf diese Weise, wenn wir uns einer Partei oder einer anderen anschließen, erlangen wir nicht die Einheit, von der Jesus gesprochen hat. Jesus betete zu seinen himmlischen Vater: "Vater, heilige sie in der Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit, (...) damit sie alle eins seien".

Im Vers 3 und 4 erwähnt Paulus zwei Dinge, die in der Korinther Gemeinde aufgetaucht sind: Zuerst gab es Spaltungen unter ihnen, da war Eifersucht und Zank und zweites: sie folgten menschlichen Führern.

Sie erkannten Jesus nicht als ihren wahren Führer, sondern sie schauten zu den Menschen. Sie blickten auf Paulus, und auf Apollos.

Auch heute blicken viele Christen auf die großen Prediger. Und wenn diese Prediger gute Leiter sind, kann man auch solchen Männer folgen, solange sie selbst Jesus folgen. Aber wenn diese Prediger aufhören Jesus nachzufolgen, dann müssen wir aufhören ihnen nachzufolgen.

Mein Professor, der mich im Neuen Testament unterrichtete, sagte einmal: Drei Dinge können einen guten Prediger kaputt machen. Und alle diese drei Dinge beginnen mit drei nachfolgenden Buchstaben im Alphabet: E, F und G. Erfolg, Frauen und Geld.

Und wenn die großen Prediger sündigen, dann verlieren viele Menschen ihren Glauben. Warum? Weil sie den Führern nachgefolgt sind und nicht Christus. Und wie beschreibt Paulus diese Leute? Es sind fleischliche Christen.

Fleischlich zu sein, bedeutet viel mehr als nur zu sündigen, es bedeutet vor allem den Menschen nachzufolgen und nicht Jesus den ersten Platz einzuräumen.

Wenn wir in unseren Gemeinden bestimmten Leitern oder Traditionen nachfolgen, anstatt Christus nachzufolgen, sind wir fleischlich.

Es ist wichtig zu wissen, was das Wort "fleischlich" im NT bedeutet und was das Neue Testament mit dem Ausdruck "Fleisch" besagen will. Manchmal ist der Körper dabei gemeint, aber an den meisten Stellen ist die Bedeutung anders.

Ich möchte es so beschreiben, das "Fleisch", dass ist die "Natur", die wir alle von Adam geerbt haben. Adam rebellierte gegen Gott und so ist jeder Nachkomme Adams ein "Rebell". Und die "Natur des Fleisches" bedeutet "Rebellion" gegen Gott.

Und noch mehr. Wir können sehr religiös, aber trotzdem immer noch fleischlich sein. In Galater 5, 20 werden die Werke des Fleisches genannt. Unter anderem wird dort Streit und Spaltung erwähnt. Denn jeder Streit und jede Spaltung ist ein Produkt des Fleisches.

Die Einheit in der Gemeinde kommt nicht aus dem Fleische. Wie kommt die Einheit in die Gemeinde? Durch den heiligen Geist. Denn dort wo keine Einheit herrscht, kann der Heilige Geist nicht wirken.

Ich glaube, dass ein Hindernis für die Einheit die Gemeinden sind, die ihren Bereich eifersüchtig verteidigen. Gemeinden die nach innen orientiert sind. Gemeinden, die sich als "Rivalen" zu anderen Gemeinden verstehen. Gemeinden, die behaupten, dass ihre eigene Gemeinde immer den Vorrang hat. Gemeinden die nur auf ihre theologischen Differenzen fixiert sind.

Bevor ich Ihnen jetzt aufzeigen werde, welche Faktoren die Zusammenarbeit unter den Gemeinden fördern können, möchte ich Ihnen den Psalm 133 vorlesen:

Segen der brüderlichen Eintracht

1 "Von David, ein Wallfahrtslied." Siehe, wie fein und lieblich ist's, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! 2 Es ist wie das feine Salböl auf dem Haupte Aarons, / das herabfließt in seinen Bart, das herabfließt zum Saum seines Kleides, 3 wie der Tau, der vom Hermon herabfällt auf die Berge Zions! Denn dort verheißt der HERR den Segen und Leben bis in Ewigkeit.

Liebe Gemeinde, wie viel verlieren wir, weil wir nicht vereinigt sind, wir Christen! Wie viel verlieren wir, wenn wir nicht in den Vordergrund stellen, was himmlisch ist?

Wenn uns nur dieses Gebäude, oder dieser evangelischer Gottesdienst vereinigt? Juristisch gesehen gehören wir als Ortsgemeinde der Vereinigten Protestantischen Kirche Belgiens an. Und ich bin stolz darauf, dass in unserer Vereinigten Kirche fast alle protestantischen Traditionen vereinigt sind.

Wir bauen auf die lutherische, reformierte, methodistische und freikirchliche Tradition. Aus allen diesen Traditionen schöpfen wir sehr viel wertvolles.

Aber ich sehe, den Psalm 133 wie eine gute Prophetie für unsere evangelische Gemeinde:

Siehe, wie fein und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! Für wen ist das gut? Es ist gut für uns evangelische und katholische Christen wenn wir einträchtig beieinander wohnen. Es ist gut für die ganze Gemeinde Jesu hier in Ostbelgien, und es ist gut für diese Welt, wenn wir als Christen eins werden.

Welche Einheit haben diese Brüder? Es ist wie das feine Salböl auf dem Haupte Aarons, das herabfließt in seinen Bart, das herabfließt zum Saum seines Kleides.

Bart heißt hier der Älteste, einer der predigt, der lehrt, der ermahnt, so haben das die Juden verstanden. Wer war der Mund von Moses? Aaron. Wer hat für Moses gesprochen? Aaron. Aaron war dieser, der für Israel gesprochen hat.

Und ich glaube, dass die Älteste heute oft für ihre Gemeinde sprechen. Und es ist wichtig, dass die Ältesten, die Pastoren und die Leiter einer Gemeinde die Einheit durch den Heiligen Geist mit anderen Gemeinden suchen. Denn im Vers 3 und 4 heißt es:

Es ist wie der Tau, der vom Hermon herabfällt, auf die Berge Zions

Denn dort verheißt der HERR den Segen und Leben bis in Ewigkeit.

In Israel gibt es eine Wüste, und jeder Israelit weiß, wie kostbar der Tau für sein Land ist. Denn wo es Wasser gibt, gibt es auch Leben.

In vielen Ländern Europas gibt es heutzutage auch eine solche Wüste. Diese Wüste ist geistlich. Denn es gibt hier so viele Menschen, die Jesus Christus nicht kennen. Gott spielt bei solchen Menschen überhaupt keine Rolle.

Solche Menschen sind meistens "Ich" bezogen und sie kennen Jesus Christus nicht als ihren persönlichen Heiland und Erlöser.

Und ich glaube, dass es diese geistliche Wüste hier gibt, weil der Heilige Geist nicht am Werk ist. Christen sind immer noch nicht eins, und verhindern dadurch, dass der Segen Gottes über Europa wie der Tau herabfallen kann.

Darum es ist so wichtig, dass wir jetzt drei Faktoren kennen lernen, die uns Christen helfen können eins zu werden:

1. Gemeinsames Gebet.

Am letzen Montag habe wir im Hauskreis in Raeren über das Thema Israel gesprochen. Und was mich am meisten beeindruckt hat, war das Gebet eines katholischen Bruders.

Und ich freue mich jedes Mal, wenn katholische Geschwister kommen um ihre Stille Zeit in der Friedenskirche zu verbringen. Wenn sie um 6.00 Uhr morgens kommen um mit uns gemeinsam für diese Stadt zu beten.

Und ich bin überzeugt, wenn wir eine gute gemeinsame Gebetsgemeinschaft in dieser Stadt halten, wird Gott sich hier noch stärker offenbaren. Und es werden noch mehr Wunder und Zeichen geschehen, solange wir diese tiefe Gemeinschaft aller Christen hier in Eupen praktizieren werden.

Aber ich weiß, dass dies nicht einfach ist. Denn wenn ich morgens um 6.00 Uhr in die Kirche gehe um meine Stille Zeit mit Gott hier zu verbringen, dann will das mein "Fleisch" nicht. Meine Hände und meine Beine sind am Morgen müde, aber meine Seele will es, darum komme ich hier um mit anderen Christen gemeinsam zu beten.

2. Wachsende Freundschaft und Liebe.

Gestern Abend gab es im Pfarrhaus eine Geburtstagsfeier meiner Ehefrau, und zu dieser Feier haben wir viele Christen aus der Gegend eingeladen. Auch der katholische Dekan Helmut Schmitz ist zu uns gekommen.

Und was mich sehr bewegt hat, war was er über die Beziehung zwischen dem Pastor und der Gemeinde gesagt hat. Er sagte: "Es ist wichtig, dass jeder Christ weiß zu welcher Gemeinde er gehört und wer sein Pastor ist".

Und ich finde diese Aussage sehr gut. Denn auch ich verstehe unter Einheit keinen Einheitsbrei aller Konfessionen. Jede Gemeinde soll so weiter bestehen, wie sich das der HERR gewünscht hat. Mit ihrem Bekenntnis, mit ihrer Identität, und mit ihrem eigenen Pastor. Und jeder Pastor und jeder Pfarrer soll wissen, für wen er (und manchmal sie) geistlich verantwortlich ist.

Ich bin persönlich überzeugt, dass die Gemeinden Jesu sich zuerst befreunden müssen bevor sie eins werden.

Viele Christen kennen leider den Unterschied zwischen der Zusammenarbeit und der Einheit immer noch nicht. Wenn z.B. in 9 Tage eine christliche Band in Neu-Moresnet auftreten wird, wirbt die evangelische und die katholische Gemeinde mit Plakaten in ihren Kirchen, damit möglichst viele Christen von diesem Angebot Gebrauch machen können.

Dieser Event wird von beiden christlichen Gemeinden unterstützt. Auch die FEG Eupen unterstützt dieses Konzert. Ich finde diese Zusammenarbeit ausgezeichnet. Nun aber, wenn dieser Event zu Ende ist, wird jede Gemeinde voraussichtlich wieder ihren eigenen Weg gehen.

Jede Gemeinde wird ihren eigenen Weg gehen, bis ein neuer Anlass die christliche Gemeinden in Eupen zusammenruft.

Diese Art der Kooperation, diese wachsende Freundschaft zwischen den Christen aus so unterschiedlichen Konfessionen ist sicher ein guter Schritt zur Einheit. Doch die völlige Einheit, die volle Versöhnung aller Gemeinden wird dieser Event sicher nicht bewirken.

Denn die Einheit ist eine Offenbarung Gottes (Eph. 1.17-18), die Erkenntnis, dass Christen alle einander brauchen. Unsere evangelische Gemeinde kann nicht ohne den "christlichen Rest" existieren, denn sie ist nur ein kleines Stück eines "christlichen Puzzles".

Darum macht es Sinn, wenn wir uns nur als "Teilchen" richtig in das ganze Bild einer christlichen Kirche einfügen. Und diese Einfügung kann nur durch den Heiligen Geist geschehen. Denn der Heilige Geist schafft letztendlich die Einheit aller Christen und nicht wir.

Als evangelischen Christen haben wir aber die große Verantwortung zu erkennen, dass unsere Stärken die Schwächen unseren katholischen Geschwister decken und umgekehrt.

Meine katholischen Brüder und Schwestern leben das, was ich nicht lebe, und umgekehrt. Petrus sagt zu diesem Model der Einheit folgendes: Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. (1. Petr 4,10)

Wenn wir so leben werden, wenn unsere Beziehungen zu den katholischen Mitchristen voller Liebe sein wird, wie es in Johannes 4,21b heißt: "Wer Gott liebt, der liebe auch seinen Bruder" wird die Gesellschaft von uns beeindruckt sein.

Ich dränge niemanden zur Einheit, aber ich habe eine Vision, ich habe eine Vision, dass wir  evangelische Christen die katholischen, die orthodoxen und die freikirchlichen Mitchristen mehr lieben sollten.

Denn die Schrift sagt: Lasst uns einander lieb haben, denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht, denn Gott ist die Liebe. (1.Joh 4,7.8)

Das ist der richtige Weg um eins zu werden. Denn obwohl wir gute Pläne für die Zukunft schmieden können, wir uns noch besser organisieren könnten, werden wir nicht eins, so lange wir unsere Mitchristen nicht lieben.

3. Förderung der Einheit in der Verschiedenheit.

Warum tun sich die Christen so schwer mit der Einheit? Ganz einfach.

Eine Gemeinde will der andern gegenüber nur ihre Stärken, aber nicht ihre Schwächen zeigen.

Viele Gemeinden bilden sich etwas auf ihre Stärken ein und überheben sich über andere. Gott hat das aber ganz anders geplant. Nur zusammen kann die Gemeinde Jesu gegenüber der Welt stark sein.

Viele Gemeinden haben Angst vor Uniformität. Viele Pastoren fürchten sich um die eigene Identität und meinen ihre Schäflein zu verlieren, falls die Christen eins werden.

Doch es ist ein Trick des Feindes, uns als Christen voneinander getrennt zu halten. Denn dadurch kann sich die Kraft der vereinten Gemeinden nicht voll entfalten.

Gott sei Dank gibt es in vielen christlichen Gemeinden diese Trennung nicht mehr. So z.B. wenn es einen Katholiken gibt, der ein bisschen technisch begabt ist; und wenn in der evangelischen Gemeinde eine Kirchenzeitung zu machen ist, so ist es natürlich, dass der Katholik den Protestanten hilft.

Dieser Christ kann sich weiterhin als katholischer Bruder bekennen und er kann weiterhin dem Papst in Glaubensfragen folgen. Und niemand aus der evangelischen Gemeinde sollte ihn zum Konvertieren zwingen. Will er aber konvertieren, ist das seine persönliche Entscheidung.

So lernen die Christen aus unterschiedlichen Konfessionen einander zu ergänzen und miteinander zu leben. Und wenn wir dies entdecken, müssen wir uns bestimmt fragen: "Wie können wir immer noch unsere eigenen Wege getrennt voneinander gehen?". Der HERR segne Sie alle.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010