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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 25. Januar 2003 anlässlich der
ökumenischen Woche zur Einheit der Christen
Liebe Gemeinde,
2. Korinther / Kapitel 4, 6-8
Denn so wie Gott einmal befahl: "Es werde Licht!", so hat
er auch die Finsternis in uns durch sein helles Evangelium vertrieben. Durch uns
sollen alle Menschen Gottes Herrlichkeit erkennen, die in Jesus Christus
sichtbar wird. Diesen kostbaren Schatz tragen wir allerdings in einem
zerbrechlichen Gefäß. Denn so wird jeder erkennen, dass die außerordentliche
Kraft, die in uns wirkt, von Gott kommt und nicht von uns selbst.
Ein Schatz in irdenen Gefäßen. So lautet das Motto der diesjährigen ökumenischen
Woche zur Einheit der Christen.
Ein Schatz das ist etwas, was mich reich macht, was für mich großen Wert hat,
wonach sich auch andere sehnen. Manchmal verlieren wir Christen den Blick für
die großen Güter, die uns anvertraut sind. Darum möchte ich ein wenig über die
Himmelsschätze erzählen.
1. Wir haben ein Bürgerrecht im Himmel – d.h. unsere Namen sind im Himmel
aufgeschrieben.
Ich habe einen Studienfreund, der einige Zeit in Jordanien lebte. Und in dieser
Zeit schrieb er mir dem Sinn nach folgendes: „Das Elend unter den irakischen
Flüchtlingen, die vor ihrer Regierung fliehen mussten, ist unbeschreiblich groß.
Wenn sie erfahren, dass ich deutscher Staatsbürger bin, leuchten ihre Augen auf.
Ihr größter Wunsch wäre, Bürger eines solchen Landes zu werden.“
Ja, es gibt in heutiger Zeit viele Menschen, die geben ihre
letzten Ersparnisse an irgendwelche Schlepperbanden, verschulden sich in weite
Zukunft, nehmen die schlimmsten Strapazen einer manchmal tödlichen Reise in
Kauf, verkaufen ihre eigene Haut, nur um Bürger eines freien, reichen Landes mit
einem geregelten Sozialsystem zu werden und um im Schutz dieses Landes leben zu
dürfen.
Liebe Gemeinde viel herrlicher und schöner ist das Himmelreich. Es ist eine
Heimat, aus der uns niemand vertreiben kann, in der es kein Leid, kein Geschrei,
kein Unrecht, keine Verletzungen, keine Not, kein Elend geben wird. Ein Land in
dem der kleinste und niedrigste Bürger von den Reichen und angesehenen geachtet
werden, als wäre es der König selber. Es gibt kein größeres Vorrecht hier auf
dieser Erde, als ein Bürger des Himmels zu gelten.
Man achtet Menschen die einen Dr. Titel haben, oder deren Adel durch ein „von“
oder „zu“ ausgedrückt wird. Der höchste Adel, den ein Mensch bekommen kann, ist
ein Himmelsbürger zu sein. Jesus sagte einmal zu seinen Jüngern: „Freut euch am
meisten darüber, dass eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind. Dieses
Bürgerrecht hat Jesus Christus uns geschenkt. Wir selber könnten diesen
kostbaren Schatz nie bezahlen. Und damit kommen wir zur zweiten Kostbarkeit, die
uns geschenkt ist:
2. Die Schuld ist uns vergeben
Im Islam sagt man: Auf den Schultern eines jeden Menschen
sitzen zwei Engel. Auf der rechten Schulter sitzt ein weißer Engel, der alle
guten Taten und Worte notiert und auf der linken Seite ein dunkler Engel, der
jede kleine Sünde aufschreibt. Am Tag des Gerichts wird dann abgerechnet. Wer
seinen Kontostand überzogen und ein zu großes Soll hat, der wird in die Hölle
geworfen.
Auch wir Christen kennen die Vorstellung, dass wir für unser Tun Rechenschaft
ablegen müssen und dass wir verantwortlich sind, für das was wir versäumten zu
tun.
Und hier kommt der große Reichtum, der uns geschenkt ist. Gottes Sohn bezahlt
für unsere Schuld. Jesus ging für mein Unrecht, das ich getan habe in den Tod.
Mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben und seinem heiligen teuren Blut, hat
er meine Schuld bezahlt. So viel bin ich, sind Sie ihm wert. Die Liste des
schwarzen Engels, des Anklägers ist gestrichen. Da steht Null darauf, wenn wir
unsere Schuld Jesus übergeben haben.
Liebe Gemeinde, diese Tilgung der Schuld ist von unermesslichem Wert. Jeder, der
von seinem Gewissen schon einmal so richtig geplagt wurde und dem vergeben
wurde, weiß dies zu schätzen und würde diesen Schatz für nichts in der Welt
wieder hergeben.
3. Eine dritte Kostbarkeit des Schatzes in irdenen Gefäßen ist die Vaterliebe
Gottes.
Wodurch entstand unserer Meinung nach das Universum? Durch
einen Urknall? Wenn ja, bleibt die Frage, welcher Knall als nächstes kommt, um
uns alle auszulöschen! Ist der „Knall“ nur eine seelenlose Kraft, die ohne
Rücksicht auf Sinn und Ziel und Gefühl wirkt? Oder ist er ein Vater?
Wenn wir glauben und begreifen, dass hinter jeder Form von Leben die Vaterschaft
Gottes steckt, dann werden wir andere Menschen sein. Wir werden eine große
Geborgenheit und Gelassenheit spüren. Ich las von einem Mann, der einmal spät
nachts durch die Straßen einer Großstadt ging. Er fühlte sich so einsam und
meinte er hätte sich verirrt. Er war sich nicht sicher, ob er den Weg zurück zu
seiner Unterkunft noch finden würde. Er blieb an einer Straßenecke stehen und
sagte immer wieder „Vater..., Vater..., Vater...“. Da spürte er, dass er sich
wieder sicher fühlte, obwohl alles um ihn herum kalt und trostlos war. Er
wusste, dass er ein Kind Gottes in dem Universum war, das Gott für seine Kinder
geschaffen hat. So fand er die Ruhe wieder und kam zu seinem Quartier zurück.
Die Vaterliebe Gottes zu spüren gibt Sicherheit und Geborgenheit. Aber sie
schenkt uns auch ein großes Selbstwertgefühl. Es gibt viele Menschen, die sich
nicht für besonders wertvoll erachten und sehr darunter leiden. Sie haben ein
schlechtes Bild von sich selbst, weil ihr leiblicher Vater sich nicht um sie
gekümmert hatte.
Diesen Menschen gilt besonders, was in 1. Joh. 3,1 steht: Seht, welch eine Liebe
uns der Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heißen sollen und wir sind
es!“, Diese göttliche Vaterliebe schenkt uns ein ganz neues Selbstwertgefühl und
gesunde Identität. Ich wünschte mir so, die christlichen Gemeinden würden diesen
Schatz einmal wieder ganz neu entdecken.
Liebe Gemeinde, ich würde noch gerne weiter erzählen von den vielen Schätzen,
die Gott uns schenkt, von Gebetserhörungen, von Heilungen, von Wundern, von der
Gemeinschaft mit anderen Christen bis zu Gaben, die uns der Heilige Geist
schenkt. Es gibt viele Schätze und ich wünsche mir, dass wir als Gemeinde sie
immer wieder entdecken, einander zeigen.
Doch ich will noch etwas zu den Gefäßen sagen:
Gott legt diese Schätze in zerbrechliche, manchmal recht unscheinbare und
gewöhnliche Gefäße. Und mit diesen Gefäßen sind wir gemeint. Wir haben zwar ein
Bürgerrecht im Himmel, doch bleiben wir hier von Zweifeln, von Anfechtungen, vor
Durststrecken nicht bewahrt.
Uns ist zwar die Schuld vergeben, doch geschehen uns immer mal wieder Fehler,
Lieblosigkeiten und wir fallen in sündige Verhaltensmuster zurück. In uns muss
der Heilige Geist gegen allerhand ankämpfen, was gegen Gottes Wille ist.
Und wir dürfen die Vaterliebe Gottes spüren, wir sind geborgen in seiner
Fürsorge, alle Dingen müssen uns zum Guten dienen, doch der Vater erzieht uns.
Das heißt nicht jedes Kreuz bleibt uns erspart und so hat noch jeder sein von
Gott bestimmtes Kreuz zu tragen.
Das bedeutet wir Christen bleiben zerbrechliche Gefäße. Das ist auch ganz gut
so. Wären wir hier schon direkt Superfrauen und Supermänner, dann würde uns der
große anvertraute Reichtum vielleicht in den Kopf steigen. Wir würden uns zuviel
auf uns selbst einbilden.
Es ist auch gut so, weil nämlich ein Trost in diesen Worten mitschwingt. Es sagt
nämlich, Gott will seinen Reichtum gerade mir schenken, mir, der ich so toll
bin, wie ich gerne wäre. Mir mit meiner Armut, meinen Schattenseiten. Meine
Schwachheit stößt ihn nicht ab, sondern seine Güte und sein Reichtum erscheint
dadurch nur noch heller.
Amen
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