Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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ein Gott, der alles weiß                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 13. Februar 2005

Liebe Gemeinde,

wenn man mal aufmerksam die Medien liest, wird man eines feststellen: Die Bedeutung der Religion im täglichen Leben nimmt immer mehr zu. In den USA hat praktisch die religiöse Ausrichtung der Politik die letzte Wahl entschieden. Südamerika, China, Korea und Ostasien insgesamt sind geprägt von einem unglaublichen Anwachsen von protestantisch-charismatischen Gruppen und Kirchen. Russland ist geprägt von einem Wiedererstarken der orthodoxen Kirche. In den arabisch geprägten Ländern bekommt der Islam eine immer größere Bedeutung und in Indien wächst der Einfluss des Buddhismus stark an.

Ausnahme ist Europa. Dort spielt die traditionelle Religion eine immer kleinere Rolle. Doch auch hier ist die Suche nach Spiritualität auf dem alternativen Weltanschauungsmarkt unwahrscheinlich angewachsen.

Ich möchte es so formulieren:

Eines der größten Bedürfnisse von uns Menschen ist: Gott zu kennen.

Ein Mensch möchte Gott kennen lernen. Er sehnt sich nach ihm und ist auf der Suche nach ihm. Keine Moderne, keine noch so atheistische Weltanschauung konnte diese Sehnsucht nach Gott ausrotten.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass der Gott, an den wir glauben aus seiner Person kein Geheimnis macht.

Er versteckt sich nicht hinter irgendwelchen Tempelmauern, oder Geheimzirkeln von Priestern. Er gibt sich sehr deutlich zu erkennen. In der Bibel. Und im Lauf der ganzen Geschichte gab es die verschiedensten Menschen, die sich auf den Gott der Bibel eingelassen haben und ihn auch so kennen gelernt haben, wie er in der Bibel beschrieben ist.

Leider sind wir Christen aber manchmal wie blind dafür und wir basteln uns lieber irgend ein eigenes Bild von Gott zurecht, das dann meist sehr schief, grausam, oder kraftlos ist.

Doch je besser man Gott kennen lernt um so mehr liebt man ihn und um so mehr kann der Glaube und die Anbetung wachsen.

Im Wesen Gottes liegt die Kraft unseres Glaubens. Bei ihm findet unsere Suche und Sehnsucht nach Gott sein Ziel.

Meine Seele ist unruhig in mir, bis sie ruhig wird in Dir hat einmal Augustin nach einer jahrzehntelangen Suche nach Gott gesagt.

Gott besser kennen lernen – das ist eigentlich Ziel und Sinn jedes Gottesdienstes.

In den folgenden Lobpreisgottesdiensten soll es besonders um verschiedene Wesenszüge Gottes gehen.

Heute geht es darum, dass wir an einen Gott glauben, der alles weiß. Es geht um die Allwissenheit Gottes.

Wenn die Bibel davon spricht, dass Gott allwissend ist, dann bedeutet das nicht, dass Gott im menschlichen Sinne besonders klug und intelligent ist, wie beispielsweise ein Nobelpreisträger oder ein kluger Manager.

Es geht um sein ewiges, umfassendes und absolut perfektes Wissen. Es gibt nichts Neues für Gott.

Gott weiß, wie alle Dinge funktionieren. Er kennt alle Geheimnisse der Biologie, der Geologie, der Physik, der Medizin, der Genetik. Er kennt die Anordnung der Himmelskörper, den Lauf der Sonne, des Mondes und der Wolken.

Sein Wissen ist zeitlich überhaupt nicht begrenzt. Er sieht die Zukunft genauso deutlich wie die Vergangenheit. Gott weiß genauso sicher, wie wir in fünfzig Jahren sein werden, wie er weiß, wie wir vor zehn Jahren waren.

Gott weiß nicht nur, warum und wie die Dinge funktionieren, er kennt auch minutiös alle Details unseres täglichen Lebens. Er kennt unsere Erbsubstanz, die Bahn unserer Moleküle, unser ganzes Leben. Von jedem einzelnen von uns. Von mir und Dir. Dabei verliert er das größte und das kleinste nicht aus dem Blick. Genauso wie er die Milliarden Sterne des Weltalls kennt, genauso wenig fällt ohne sein Wissen ein einziger kleiner Vogel zu Boden.

Und das gilt für das Leben jedes einzelnen Menschen.

Denn es fällt z.B. kein Haar von unserem Haupt ohne Gottes Wissen.

Dem Beter und Autor von Psalm 139 wurde dies einmal besonders deutlich bewusst. Dazu lese ich die Verse 1-6:

1 Herr, du durchschaust mich, du kennst mich durch und durch.
2 Ob ich sitze oder stehe - du weißt es, aus der Ferne erkennst du, was ich denke.
3 Ob ich gehe oder liege - du siehst mich, mein ganzes Leben ist dir vertraut.
4 Schon bevor ich rede, weißt du, was ich sagen will.
5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine schützende Hand über mir.
6 Dass du mich so genau kennst - unbegreiflich ist das, zu hoch, ein unergründliches Geheimnis!

Was David in diesem Psalm so überwältigt hat, war die plötzliche Erkenntnis, dass Gottes Allwissenheit auch ihn, den kleinen Hirten, der irgendwo in den Bergen Judäas ein paar Schafe hütete, persönlich kennt:

Du durchschaust mich, du kennst mich durch und durch.

Diese Erkenntnis betrifft auch unser routinemäßiges Alltagsleben, sogar so scheinbar unwichtige Tätigkeiten wie Hinsetzen und Aufstehen: "Ob ich sitze oder stehe, du weißt es". Gott entgeht nichts. Ob wir beim Singen stehen oder sitzen – wir sind das Objekt seiner Aufmerksamkeit.

Wir Menschen beobachten gerne irgendwelche berühmten Leute. Wir kaufen uns Zeitschriften, die über sie berichten, schauen uns deren Hochzeiten an usw.. Kürzlich kam zum Beispiel in den Nachrichten, dass der Kronprinz von England wieder heiraten wolle. Scheinbar ist diese Tatsache von so großem Interesse, dass es sogar hier in den Nachrichten kommt.

Ähnlich interessiert Gott sich für uns, weil wir ihm so wichtig sind.

"Gott, du kennst meine Pläne von ferne." Gott kennt alle unsere Gedanken. Wenn wir nachts im Bett nicht schlafen können und grübeln, wenn wir in der Schule oder bei der Arbeit uns Gedanken zu irgendeinem Problem machen, wenn wir in der Stille beten. Niemand sonst kann so die Gedanken lesen wie Gott.

In Vers drei erkennt David, dass Gott unsere Wege verfolgt: "ob ich tätig bin oder ausruhe, du siehst mich; jeder Schritt, den ich mache ist dir bekannt." Egal, wo wir hingehen: Gott kennt unsere Wege.

Gott kennt auch unsere Worte: Vers 4: Noch ehe ein Wort mir auf die Zunge kommt, hast du, Herr, es schon gehört." Noch bevor wir sie aussprechen, erfasst Gott unsere Worte und sogar die Gefühle, die hinter diesen Worten stehen.

Gott hat den Überblick über unsere Gemütsschwankungen! Er spürt wie Ärger in uns hoch steigt. Er bemerkt, wenn uns Furcht gefangen nehmen will und sieht, wenn sich Vertrauen breit macht.

Und David kann nur noch staunen. So schreibt er: Dass Du mich so vollständig kennst, das übersteigt meinen Verstand; es ist mir zu hoch, ich kann es nicht fassen."

Ich kann es auch kaum fassen - doch ich möchte noch kurz auf direkte Folgen für unser Glaubensleben zu sprechen kommen.

1. Gott kennt meine Schuld – Leugnen ist zwecklos

Als ich noch ein kleiner Junge war, da kam am 6. Dezember zu uns immer der Nikolaus. Er trug einen Sack bei sich, in dem er ein goldenes Buch, eine Rute und Süßigkeiten hatte. Mit strengen, durchdringenden Augen schaute er uns ängstliche Kinder an. Zuerst holte er das goldene Buch hervor und las daraus vor. Und ich konnte nur staunen, was der Nikolaus alles wusste und in sein goldenes Buch geschrieben hatte. Er wusste immer ziemlich genau, was ich alles angestellt hatte. Und weil er es so genau wusste, war Leugnen zwecklos.

Heute weiß ich natürlich, dass meine Eltern mich gut kannten und alles wussten und nicht der Nikolaus. Es war also ein Trick dahinter.

Doch bei Gott ist kein Trick dahinter, er weiß wirklich alles, was ich angestellt habe. Darum ist Leugnen zwecklos. Ich brauche meine Schuld nicht zu beschönigen, nicht wegzudiskutieren, niemandem anderen aufzuhalsen.

Ich kann einfach zu Gott hingehen und sagen: Gott, du weißt es, ich habe das und das falsch gemacht, es tut mir leid, bitte vergib mir.

Und sobald ich bereit bin, sie ihm zu bekennen, kann er mich auch davon befreien. Und das tut wirklich sehr gut, seine Schuld und Sünde ihm zu sagen und zu bekennen. Das erfrischt die Seele so richtig.

Manchmal bitte ich Gott darum, dass sein Geist mir doch Sünden aufdecken möge, damit ich sie bekennen kann. Das tut er und jedes Mal spüre ich eine Erleichterung und Befreiung.

2. Gott kennt alle meine Verletzungen, meine innere Not, meine Tränen.

Besonders, wenn man unter etwas leidet, dann tut es noch mehr weh, wenn nahe stehende Menschen einen überhaupt nicht verstehen und vielleicht sogar noch auf Verletzungen herumtrampeln. Umso mehr tut es gut, wenn es jemanden gibt, der einen gut kennt, der einen versteht, der um die Not weiß.

Gott weiß, was Dich drückt, was Dich verzagt macht. Man kann zu ihm laufen, sich in Gedanken auf seinen Schoß setzen, ihm alles erzählen und er versteht mich, meine Not, meine Probleme. Und das tut gut zu wissen.

3. Gott kennt mein Dienen:

Manchmal ist man ein wenig entmutigt, wenn man viel gegeben hat, viel den anderen gedient und geholfen, vielleicht sogar im verborgenen und die anderen nehmen es gar nicht war, oder schätzen es überhaupt nicht. Wenn es einfach niemanden kümmert. Dann sollte man wissen, dass Gott mein Dienen kennt. "Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen". Gott beobachtet Dich aufmerksam. Er merkt es, wenn Du Dich auf die Zunge beißt, um ein übles Gerücht über einen Mitmenschen nicht weiter zu erzählen. Er sieht jedes Mal, wenn Du einen Fremden grüßt, oder jemanden im Krankenhaus besuchst. Unser allwissender Gott beobachtet jede verborgene Charakterregung, jede unausgesprochene Überzeugung, jedes Zeichen von Mut.

Gott wir uns selbstverständlich wegen unserer guten Taten nicht mehr lieben, denn seine Liebe hat selbst wenn wir ihm den Rücken kehren das volle Maß der Liebe erreicht. Aber es ist gut zu wissen, dass Gott unsere guten Werke würdigt, auch wenn andere sie nicht wahrnehmen.

4. Gott schenkt sein Wissen weiter

Als Christen kommen wir manchmal in ganz schöne Sackgassen und wissen gar nicht weiter. In solchen Situationen können wir Gott um Rat und Hilfe bitten und Gott wird uns weiterhelfen.

Gott wird zwar nicht unbedingt Schülern, die auf ihre Abfrage nicht gelernt haben, helfen, da er nicht ihre Faulheit unterstützen möchte.

Aber bei Gespräche merke ich immer wieder wie Gott mich leitet und lenkt. Es gibt Menschen, die haben wirklich eine Not und wissen nicht weiter und fragen dann mich. Ich bete dann im Stillen: Herr gib mir bitte Deine Worte, lass mich das antworten, was Du an meiner Stelle antworten würdest. Und dann erlebe ich tatsächlich, wie mir eine Antwort gegeben wird.

Bittet Gott um Weisheit, so schreibt Jakobus, er ist ein Gott der gerne schenkt und gibt sie uns weiter.

Ich fasse noch einmal kurz zusammen:

  • Gott weiß alles und interessiert sich besonders für jeden einzelnen für uns.

  • Das bedeutet, dass Leugnen zwecklos ist, dass er meine Not kennt und mich versteht, dass er mein Dienen sieht und dass er mir gerne von seiner Weisheit schenkt.

Ich finde, solch ein Gott ist ein großartiger Gott.

Lasst ihn uns loben.

Amen .

 

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Stand: 04. Juni 2010