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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 13. November 2005Liebe Gemeinde In diesem Jahr gab es in der Fußballwelt einen großen Skandal. Verschiedene Fußballspieler und ein Schiedsrichter hatten sich heimlich mit Managern eines Wettbüros getroffen. Man bot ihnen ein paar Tausend Euro und als Gegenleistung sollten sie ihrerseits dafür sorgen, dass das Spiel so ausgeht, wie das Wettbüro es möchte. Mit diesem Handel haben die Beteiligten die Mitspieler, die Fans, die Leute, die Wetten abschlossen, betrogen. Als der ganze Schwindel aufflog, war alle Welt entsetzt. Man war richtig wütend auf diese Leute, die nicht fair spielten, die sich nicht an die Spielregeln hielten. Als Folge wurden sie bestraft und von weiteren Spielen ausgeschlossen. Ähnlich ärgert man sich, wenn ein Sportler beispielsweise mit Doping sich anderen gegenüber Vorteile verschafft. Man fragt sich, was dann der Sport überhaupt noch soll, wenn sich die Beteiligten nicht an die Regeln halten. Dann geht man lieber gleich ins Theater. Dort weiß man wenigstens, dass es nach einem Drehbuch geht. Was ich damit sagen will: Wir Menschen haben in uns ein feines Empfinden für Gerechtigkeit. Wir wünschen uns, fair und gerecht behandelt zu werden und wir ärgern uns, wenn wir übervorteilt werden. Jeweils am 2. Mittwoch des Monats findet im Pfarrhaus von Neu-Moresnet mit Behinderten ein Spieleabend statt. Da höre ich oft den Satz: "Ned fudele." Das ist Kelmiser platt und ich glaube, das heißt so viel wie: "Halt dich an die Spielregeln." Das ist unser Thema heute: Wir glauben an einen Gott, der sich an die Spielregeln hält. Wir glauben an einen Gott, der nicht fudelt. Oder theologisch ausgedrückt: Wir glauben an einen Gott, der gerecht ist. Wir können uns exakt darauf verlassen, dass er uns nicht hintergeht, dass er plötzlich andere Gesetze aufstellt, oder irgendetwas zu seinem Vorteil dreht. Gott hasst das Unrecht genauso wie echte Fußballfans ein Spiel das getürkt wurde. Die Bibel ist unsere Quelle, in der Gott uns mitteilt, wie er denkt und wie er ist. Sie steckt voller Belege für Gottes Gerechtigkeit. Drei kleine Beispiele: "Der Herr ist gerecht, er liebt gerechte Taten; wer rechtschaffen ist, darf sein Angesicht schauen." (Ps 11) So wie gute Sportler, die wirklich fair kämpfen, die Lieblinge des Publikums sind, so liebt Gott diejenigen, die wie er das Recht lieben. Sie dürfen in seiner Nähe sein. Oder: Ps 111: "Gottes Gerechtigkeit hat Bestand für immer." Gott wechselt nicht ab. Er ist nicht heute mal gerecht, morgen wieder etwas schläfrig, so dass ihm sein Recht egal ist und übermorgen sogar ungerecht. Nein, so wie er zur Zeit des Alten Testamentes das Recht liebt, so liebte er es zur Zeit Jesu und so wird er es auch in allen Zeiten lieben. Aus Ps 7: "Gott ist ein gerechter Richter, der Herz und Nieren prüft." Gott ist keiner, der mit zweierlei Maß richtet, der Leute nach Sympathie oder nach Spenden beurteilt. Er prüft uns auf Herz und Nieren und wir brauchen uns bei Gott keine Sorgen zu machen, dass er uns ungerecht behandeln wird. Am Ende wird jeder zu seinem Recht kommen. Anhand der Naturgesetze finde ich kann man Gottes Liebe und Treue zu seinen Gesetzen erkennen. Ich staune immer und immer wieder, wie exakt die Naturgesetze funktionieren. Gott hat das Weltall nach bestimmten Ordnungen geschaffen und diese Ordnungen funktionieren. Stellt euch einmal vor, Gott wäre launisch und ließe die Sonne plötzlich ein paar Tage nicht mehr scheinen. In der Welt ginge alles drunter und drüber. Aber Gott hat zugesagt, dass die Sonne jeden Tag scheinen soll und darum hält er sich auch daran und wir können uns darauf verlassen. Egal, wie wir uns verhalten – Gott lässt Morgen wieder die Sonne aufgehen, weil er zu seinen Gesetzen und Ordnungen steht. Wir tun gut daran, wenn wir uns an Gottes Gesetze halten. Die Technik hat in den letzten 200 Jahren eine riesige Entwicklung durchgemacht. Geräte und Werkzeuge sind entwickelt worden, die uns das Leben unglaublich angenehm machen. Die ärmsten Leute bei uns heute, leben komfortabler und luxuriöser als die mächtigsten Könige des Mittelalters noch wenige hundert Jahre zuvor. Warum? Weil sich Naturwissenschaftler und Techniker ernsthaft und diszipliniert die Mühe gemacht haben, die Naturgesetze zu erforschen und sich sich genauestens an sie zu halten. Aufgrund ihrer Resultate wurden Maschinen, Geräte und Produkte entwickelt, die uns das Leben erleichtern. Leider verlief es in den letzten 200 Jahren bei den Moralgesetzen anders herum. Die Wissenschaftler und Intellektuellen haben Schritt für Schritt Gottes Gesetze für das menschliche Zusammenleben lächerlich gemacht und relativiert. Ich bin überzeugt, dass wir Menschen sozial im größten Luxus, Frieden und Glück leben würden, wenn wir uns an die Maßstäbe Gottes halten würden. Und manchmal sagten Leute zu mir: Aber Herr Pfarrer, in der Kirche redet man immer vom Kampf gegen die Sünde. Das Leben wäre doch langweilig, wenn es das Böse nicht gebe, wenn man nicht auch ein bisschen Schummeln und sündigen würde. Da kann ich nur zurückfragen: In welchem Staat würdest du lieber leben. In einem Staat, in dem die Behörden willkürlich Steuern eintreiben und die Bevölkerung ausbeuten, in einem Staat, in dem man anders Denkende einsperrt und foltert, in dem die Richter und Verantwortlichen bestechlich sind oder willst du lieber in einem Land leben, in dem sich die Behörden vor anderen Behörden verantworten müssen, wo eine Rechtsordnung für alle gültig ist, wo man sich wehren kann, wenn man ungerecht behandelt wird, wo man seine Meinung äußern darf. Oder wo willst du lieber leben. In einer Familie, in der der Vater das Geld in der Kneipe versäuft und verspielt, seine Frau mit anderen Frauen betrügt, nicht nach seinen Kindern fragt, keine Steuern bezahlt, so dass der Steuereintreiber häufig zu Gast ist und auf den Möbeln der Kuckuck klebt. Oder lebst du lieber in einer Familie, in der ein Mann seine Rolle als treuer Ehegatte und guter Familienvater wahrnimmt? Mit welcher Firma würdest du lieber ein Haus bauen? Mit einer Firma, die nie das tut, was sie zugesagt hat, die nicht zu dem Zeitpunkt kommt, wann man sie braucht, die Rechnungen ausstellt für Leistungen, die sie gar nicht erbracht hat und die so baut, dass nichts richtig funktioniert. Oder eine Firma, auf die man sich verlassen kann? Willst du lieber dein launisches Ich, das nie zufrieden ist, als Gott Oder willst du einen Gott, der durch und durch gerecht ist und auf den du dich verlassen kannst. Ich sage dir, das Leben wird schöner und interessanter, wenn du es nach Gottes Spielregeln lebst und wenn der gerechte Gott, dein Gott ist. Es ist eine teuflische Lüge, dass das Leben ohne Sünde langweilig wäre. Ungerechtigkeit zerstört unser Leben. Gerechtigkeit richtet es auf. Denn der Schöpfer des Lebens ist gerecht. Doch es gibt auch noch eine andere Seite von Gottes Gerechtigkeit. Wenn Gott gerecht ist, dann wird er dafür sorgen, dass sich sein Recht auch durchsetzt. Das heißt, Gott ist auch ein gerechter Richter. Und das heißt er wird sorgen, dass jeder zu seinem Recht kommt. Die berühmten Worte des Alten Testamentes sagen es uns: "Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Beule um Beule, Wunde um Wunde." 2. Mose 24,21 Wer einen anderen verletzt, wird selber verletzt werden, wer einen anderen betrügt, wird selber betrogen werden, wer einen anderen hintergeht, wird selber hintergangen. Gott richtet seine Gerechtigkeit auf, so exakt wie die Naturgesetze. Nicht immer sofort. Aber die Stunde der Gerechtigkeit kommt. Daran lässt die Bibel keinen Zweifel. Wohl dem, der sich nach Gottes Gesetzen gehalten hat. Denn wer unfair im Leben gespielt hat, der wird ausgeschlossen. Ausgeschlossen vom Leben, vom Licht, von der Liebe, vom Miteinander, so wie Fußballspieler, die foulen die rote Karte bekommen und nicht mehr spielen dürfen. Und keiner wird sagen können, das ist unfair. Jeder wird wissen: Das ist gerecht. Und für diesen Ausschluss hat die Bibel ein bestimmtes Wort. Es heißt Tod und Hölle. Hölle ist nichts anderes als die rote Karte fürs ewige Leben zu bekommen. Bekommst du jetzt Angst vor Gottes Gerechtigkeit? Hast du Angst vor der roten Karte, vor dem Ausschluss aus dem Spiel? Wenn ja, dann bist du auf dem richtigen Weg, wieder ins Spiel zu kommen. Denn es gibt viele Leute, die sagen sich: Ach, ich hab doch nichts Böses getan. Die anderen sind schuld. Meine Eltern haben mich immer so schlecht behandelt, mein Vater hat mich nie angenommen, meine Frau versteht mich nicht mehr, die anderen wollten, dass ich mitmache usw.. Auch Adam sagte: Die Frau, Gott, die du mir gegeben hast, die war schuld. Nein, ich war`s nicht, die Alte war’s. Und du hast mich ja mit ihr verkuppelt. Du bist doch selber schuld. Andere wieder relativieren ihre Schuld und sagen: Die anderen die Kindesschänder, die Kriegsverbrecher, der Adolf Hitler, das waren richtige Sünder. Dagegen bin ich doch ein Heiliger. Das bisschen Sünde in meinem Leben, das gibt noch lange keine rote Karte. Dann gibt es Leute, die fliehen vor der Schuld. Sie nehmen Drogen, trinken sich voll, nur um diese Last loszuwerden. Nach dem Motto: Aus den Augen aus dem Sinn. Aber all das hilft nichts. Aber nicht wir sind die Richter, Gott ist unbestechlicher Richter, der sich nichts vormachen lässt. Gott wird dafür sorgen, dass deine Schuld auf dich zurückkommt und er wird der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen. Aber in dem Augenblick, in dem du nicht mehr vor deiner Schuld davonläufst, zugibst, dass du Gottes Maßstab nicht gerecht wirst und ihn als deinen ewigen und gerechten Richter anerkennst und sagst: Ja, Herr, es stimmt. Ich habe mein Leben vor dir verwirkt. Ich habe die rote Karte, den Tod verdient, ich kann nur um Gnade bitten. Dann hast du eine Chance: Dann erhebt sich der Richter und verkündet: "Der Angeklagte hat seine Schuld eingestanden. Das Urteil lautet Tod." Aber dann kommt der Richter auf dich zu und sagt: Du hast um das Geschenk der Gnade gebeten. Es gibt eine Möglichkeit, dass du ins Leben zurückkehren kannst. Wenn du mir vertraust und dich mit mir vereinigst. Dann werde ich du und du wirst ich. Du bist in mir und ich in dir. Und wenn du dazu "Ja" sagst, dann macht sich Jesus für dich zum Sünder. Jesus geht als der sündige Martin, als der …, als der … geht er ans Kreuz und stirbt dort deinen Tod, den du verdient hast. Völlig einsam, schlimmer verspottet als ein Skandalsportler, voller Schmerzen. Und seine Wundmale an seinen Händen erinnern an die rote Karte, die du bekommen hättest. "Fürwahr er nahm auf sich unsere Krankheit Und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir hielten ihn aber für den, der geplagt Und von Gott geschlagen und gemartert wäre, aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt." Ist das gerecht? Ja, denn jeder, der sich nicht an die Spielregeln hält, kann auf die Dauer mitspielen. Er muss ausscheiden. Und Jesus ist zusammen mit mir und mit dir ausgeschieden. Und immer wenn du gesündigt hast, dann kannst du jetzt sagen: Ja, ich gebe den alten Mörder und Bruderhasser, den Ehebrecher und Lügner, denn missvergnügten Nörgler und zynischen Spötter, den ängstlichen Sorgengeist und alten Geizhals, den grausamen Rebellen und tyrannischen Tunichtgut in den Tod, in den Tod am Kreuz. Der hat nichts anderes verdient und alles andere wäre ungerecht, mit dem weiterzuspielen hätte keinen Sinn, weil er sich nie an die Regeln halten wird. [Das machen wir übrigens bei fast jedem Gottesdienst, wenn wir unsere Sünden am Anfang bekennen.] Aber genau dann passiert das Große, wenn du "Ja" zu Jesus sagst, und dein altes Ich in seinen Tod gegeben hast, dann kann Gott "Ja" zu dir sagen. Und mit Jesus wirst du vom Tod auferstehen. Dann wirst du neugeboren. Etwas "Neues", etwas das ist wie Jesus kommt in dir zur Welt, ein Mensch mit einem neuen Herzen und mit einem neuen Geist wächst in dir heran. Zunächst ist es noch unsichtbar. Keiner von uns hat je schon mal unser wiedergeborenes Ich gesehen. Man sieht es nicht, man wird es erst mit unserer Auferstehung sehen. Aber seine Früchte kann man hier und da schon ein wenig sehen. Die Früchte sind eine liebevolle, ehrliche Herzlichkeit, Erbarmen und Mitgefühl mit Unrecht leidenden, Freundlichkeit und Dankbarkeit. Auch Geduld, Güte, Großzügigkeit und Sanftmut gehören dazu. Dein neues, wiedergeborenes Ich ist durch und durch gerecht. Es wächst heran und die Zeit wird kommen, dass das alte Ich völlig in Jesu Tod verschwunden ist und dann ist nur noch das gerechte Ich da. Dieses gerechte Ich darf beim Spiel des Lebens dabei sein. Das ist das ewige Leben in Jesu Reich. Ein Reich, in dem es kein Unrecht, keinen Streit, kein Geschrei, kein Lügen, keine Schiebereien und keine Fouls mehr geben wird. Und alle anderen dort, sind mindestens genauso nett und sympathisch. In Jesu Reich, wird das Leben erst so richtig Spaß machen. Dieses Reich und diese neuen Menschen sind die Krone der Schöpfung. Wie gut, dass Gott ein gerechter Gott ist, denn nur ein gerechter Gott kann dieses Reich der Gerechtigkeit errichten, und dank seiner Gnade gibt es für jeden die Chance mit im Spiel des Lebens dabei zu sein und ich wünsche mir, dass ihr alle mit dabei seid. Amen. [Nach einer Idee von Bill Hybels: Der Gott, den du suchst] |
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