|
|
|
|
Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 8. Mai 2005 (Bekenntnisfeier)Liebe Gemeinde, Ich lese aus Joh 15, 5: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Heute Abend ist sozusagen eure persönliche Konfirmation, euer persönliches Ja-Wort zu Jesus. Gestern sagte ich im Konfirmandenunterricht, dass man dieses Ja-Wort fast mit einer Ehe vergleichen kann. Man beschließt, dass man miteinander durchs Leben geht, dass man füreinander einsteht, einander vertraut und sich die Treue hält. Jesus sagt, wenn wir mit ihm verbunden bleiben, dann bringen wir viel Frucht. Frucht – was bedeutet das? Bei einem Weinstock bedeutet Frucht zum Beispiel, dass er in der Herbstzeit viele leckere Trauben trägt, an denen und deren Saft viele Menschen ihre Freude haben. Übertragen auf ein Menschenleben bedeutet das, dass unser Leben trotz aller Stürme, wir mit zunehmendem Alter Gott und viele Mitmenschen erfreuen werden. Es kommt das, was in uns angelegt ist zum Ziel. Ich weiß nicht, wie sehr ihr euch schon kennt, eure Gaben, eure Vorlieben, eure Stärken. Aber stellt Euch vor, dass ihr nicht über eure Stärken stolpert, sondern, dass sie so zum Zuge kommen, dass ihr selbst glücklich seid, dass ihr vielen Menschen damit eine Hilfe seid und dass ihr Gott damit ehrt. Das ist wie, wenn ein musikalischer Mensch, ein herrliches Lied schriebt, das viele Menschen neue Kraft gibt und Gott ehrt. Etwas schöneres kann es eigentlich nicht geben, als zufrieden auf sein Leben zurückzublicken und viel Frucht gebracht zu haben. Wollt ihr Frucht bringen? Jesus nennt zwei Bedingungen, damit unser Leben fruchtbar wird. 1. Wer in mir bleibt. Was meint Jesus damit: "In mir zu bleiben" Wie kann man in ihm bleiben? Was meint ihr? Im Neuen Testament wird die Gemeinde Christi Leib bezeichnet. Jeder einzelnen ist ein großes Glied von einem ganzen Körper, jeder Christ hat darin eine bestimmte Aufgabe, jeder ist auch für andere verantwortlich und zuständig. Ist jemand in der Gemeinde, dann ist er im Leib Christi. Dann ist er praktisch in ihm. Wenn ihr hier seid, wo wir uns als Christen versammelt haben, dann sind wir unsichtbar in ihm. Manchmal kommt es vor, dass ich es richtig vor Augen habe. Dann sehe ich, wie Jesus in einem Menschen Gestalt annimmt. Das sind wunderschöne Augenblicke. Mein Arm hier kann sich natürlich nicht entscheiden zum Körper zu gehören, mein Kopf, den habe ich schon manchmal irgendwo anders. Das ist dann sehr gefährlich. Kürzlich ging ich über die Straße und schaute auf ein Haus und dachte daran, dass ich dort mal wieder einen Besuch machen sollte, da machte es Bong und ich bin gegen ein Straßenschild gelaufen. Warum? Weil mein Kopf nicht bei seinem Körper war. Aber Spaß beiseite. Wir als Christen können, egal welche Funktion wir innerhalb der Gemeinde einnehmen, einfach wegbleiben. Was passiert mit meinem Arm, wenn er nicht bei mir ist? Er verblutet und stirbt. Und genau das passiert auch mit jedem Christen, der den Leib Christi verlässt. Ich sage nicht, dass ihr immer hier in unserer Gemeinde bleiben müsst. Aber ich sage euch, dass ihr immer die Gemeinschaft mit anderen Christen suchen müsst, sonst wird euer Glauben eintrocken und absterben und keine Frucht bringen. Kommen wir noch zum zweiten: 2. Und ich in euch. Wie kann Jesus in uns wohnen. Darüber haben wir gestern auch gesprochen. Jesus ist nicht mehr sichtbar auf der Erde. Dafür hat Gott seinen Heiligen Geist gesandt. Gottes Geist ist nicht an die Gesetze unserer materiellen Welt gebunden. Er kann überall gleichzeitig sein. Und so kann er gleichzeitig in mir, in Dir und in irgendwelchen Christen am anderen Ende des Globus sein. Wir werden mit Heiligem Geist beschenkt, wenn wir um ihn bitten. Je mehr wir ihm Raum in uns geben, um so mehr kann er uns erfüllen und durch uns Wirken. Drei kleine Tipps möchte ich Euch noch mitgeben, damit der Heilige Geist in euch nicht das Weite sucht, sondern sich bei euch wohl fühlt. Man muss ihn nämlich ein wenig pflegen und nähren. 1. Gottes Wort: Gottes Geist wirkt besonders gern in Verbindung mit Gottes Wort. Das ist sein Element. Darum lest so gut ihr könnt in der Bibel. Manche habe es nicht so mit dem vielen Lesen, dann rate ich wenigsten sich die Losungen anzuschaffen. Ein kleines Bibelwort pro Tag tut schon gut. Oder besorgt euch einen Andachtskalender. Ihr könnt mich gerne noch einmal danach fragen. Aber ich halte das Lesen in der Bibel als eines der wichtigsten Bestandteile eines Christenlebens. 2. Gehorsam: Wenn man in der Bibel liest, dann fängt sie an zu einem direkt zu sprechen und dann ist es wichtig, dass man das gelernte im Leben umsetzt. Ich kann mich noch erinnern, als ich anfing, die Bibel zu lesen, da las ich: "Wer zu seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichtes schuldig." Ich war ungefähr 12 Jahre alt und hatte gerade eine riesige Wut auf meinen kleinen Bruder. Zuerst dachte ich: "Mit diesem Wort ist jemand anderer gemeint. Nicht ich." – Und dann diese leise Stimme: Dein Bruder – wenn nicht dein Bruder, wer sonst? Aus heutiger Sicht würde ich sagen: Das ist typisch Heiliger Geist. Überhaupt nicht aufdringlich und ganz liebevoll, aber ganz sicher in der Sache. Von da an, gab ich mir Mühe, netter zu meinem Bruder zu sein. Gottes Geist wirkt immer zusammen mit meiner eigenen Entscheidung. Wenn ich mich für den Gehorsam gegenüber der Bibel entscheide, dann wird er sich in mir entfalten. 3. Gebet: Luther sagte: Das Gebet ist das Gespräch des Herzens mit Gott. Wenn ein Ehepaar nicht miteinander spricht, wenn es sich nicht erzählt, was es fühlt, was es denkt, dann leben sie sich auseinander. Ähnlich müsst ihr, wenn Jesus durch seinen Geist in Euch wohnen soll, Euch mit Jesus unterhalten. Erzählt ihm, was ihr denkt, was ihr fühlt, was ihr wollt, wovor ihr Angst habt, dankt ihm, wenn ihr euch freut, bittet ihn, wenn ihr etwas braucht. An manchen Stellen der Bibel ist die Rede davon, dass man denn ganzen Tag innerlich mit Gott im Gebet verbunden ist. Probiert es aus, dass ihr einfach innerlich immer mit Jesus redet, so wie wenn ihr mit euch selber sprecht. Ich will jetzt gar nicht mehr viel sagen. Nicht dass ihr das alles sonst vergesst. Ich fasse es nochmals zusammen: Wenn ihr ein Leben mit Frucht erleben wollt, dann fangt heute an:
Amen. |
|
Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an:
webmaster@ev-Kirche-Eupen-NeuMoresnet.org
|