Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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Dies ist mein Gebot...                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 4. November 2001

Liebe Gemeinde,

der Predigtabschnitt für heute steht in Joh 15,9-12:

„Wie mein Vater mich geliebt hat, so habe ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote bewahrt, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich meines Vaters Gebote bewahrt habe und in seiner Liebe bleibe. Das habe ich euch gesagt, damit meine Freude euch erfülle und so eure Freude vollkommen werde. Dies ist mein Gebot: Dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe“.

Liebe Gemeinde,

echte Liebe findet man nur selten. Manche verwechseln Liebe mit verliebtsein. Verliebtsein ist, wenn man völlig begeistert von einem anderen ist, nur noch an ihn oder sie denkt, wenn man meint, man habe nun das Ziel des Lebens erreicht, den Partner fürs Leben gefunden, wenn man für eine gewisse Zeit irgendwie sich ganz anders verhält.
Beispielsweise, wenn ein eingefleischter Morgenmuffel schon um fünf Uhr morgens hellwach und putzmunter ist. So war es bei mir damals der Fall.
Aber, was meinen Sie – bin ich immer noch morgens um fünf putzmunter? Nein – Das gehört zum Verliebtsein, dass es verrauscht. Es dient dazu, dass man sich näher kommt. Wenn die erste Begeisterung verebbt ist, dann beginnt erst der schöne und mühsame Weg der Liebe.

Ebenso erlebe ich dies hin und wieder in der Gemeinde. Menschen sind begeistert von unserer Gemeinde und engagieren sich eifrig. Doch, wenn dann die erste Begeisterung verklungen ist, dann erlebe ich sie oft sehr enttäuscht.

Leider macht sich nach der ersten Begeisterung oft eine große Gleichgültigkeit breit. Und das ist eine große Krankheit unserer Zeit. Der andere ist nur interessant, wenn er etwas zu bieten hat, wenn er berauschen kann. Kann er nichts mehr bieten, dann wird er nicht mehr beachtet und man lässt ihn links liegen.

Leider auch bei uns. Immer wieder höre ich Mitarbeiter klagen, die sagen: „Zum Helfen bin ich ja gut genug, aber sonst fragt keiner nach mir.“

Liebe Gemeinde, das ist ein ganz miserables Zeugnis für eine Kirchengemeinde. Da ist unsere Versetzung in den Himmel gefährdet, wenn Jesus wiederkommt.

Wenn wir weiterkommen wollen in der Liebe, wenn wir in seiner Liebe bleiben wollen, müssen wir uns Gedanken machen wie echte Gottesliebe aussieht und sich zeigt. Damit haben wir ein Vorbild wie wir uns gegenseitig lieben können.

Entscheidend bei der echten Liebe im Gegensatz zum Verliebtsein und zur Gleichgültigkeit, ist die bewusste Entscheidung, dass man lieben will. Ich nehme mir bewusst vor, eine Person zu lieben. So liebt Gott uns Menschen. Wir sind ihm nicht gleichgültig. Er kennt unsere Schwächen sehr gut, wir brauche ihm nichts vorzumachen. Und trotzdem liebt er uns. Das ist großartig.

Wie sieht diese Liebe aus? Ich will nun in vier Punkte betrachten, wie Gott, sichtbar an Jesus Christus Menschen liebt. Diese Punkte sind Anhaltspunkte, wie wir unsere Schwestern und Brüder in der Gemeinde lieben können. Denn die Liebe zu den anderen ist die Antwort, die sich Gott auf seine Liebe hin wünscht.

1. Die Liebe Gottes nimmt sich Zeit für den anderen

Jesus nahm sich Zeit für seine Jünger. Er war zu Fuß mit ihnen unterwegs, dabei war jede Menge Gelegenheit Fragen zu stellen. Jesus antwortete geduldig, er erklärte ihnen, wenn sie etwas nicht verstanden hatten, er betete mit ihnen zusammen, aß und feierte mit ihnen zusammen. Für die, die ihm nachfolgten, hatte Jesus intensiv Zeit.

Und so hat Jesus auch für uns heute immer Zeit. Wir können zu ihm kommen wann wir wollen. Wir können zu ihm beten, bei Tisch ihn einladen und sagen: Sei unser Gast. Sein Geist lässt uns seine Nähe spüren, wenn wir mit ihm reden.

Liebe Gemeinde, wenn wir unsere Schwestern und Brüder lieben wollen, dann müssen wir uns Zeit nehmen für sie. Das ist so eine Sache mit der Zeit. Die hat man ja nur begrenzt. Und dann gibt es so viele Angebote und reizvolle Dinge mit denen man die Zeit füllen kann. Von einem riesigen Fernsehprogramm angefangen bis hin zu vielen Gemeindetätigkeiten. Es gibt so viele Angebote, überall sollte und möchte man dabei sein. Aber die Zeit füreinander bleibt auf der Strecke. Wenn wir wirklich lieben wollen, dann müssen wir an unserem Terminplan arbeiten, ja und etwas von unserer Zeit opfern. Wir müssen Prioritäten setzen, auf das ein oder andere verzichten und sagen: Ich will die Schwester oder den Bruder lieben, darum nehme ich mir diese Zeit.

2. Gottes Liebe macht Geschenke

Machen Sie sich einmal die Mühe und schreiben Sie ihre ganz konkreten Bitten, die sie an Gott haben auf. Wenn Sie dann nach einer Weile die Anliegen lesen, dann werden Sie staunen, wie viel Gott ihnen geschenkt und erfüllt hat. Gott ist wirklich ein sehr großzügiger Gott – nur sind unsere Augen hin und wieder verblendet, dass wir seine schenkende und verströmende Liebe nicht erkennen.

Das größte Geschenk hat uns Jesus gemacht. Er schenkt uns praktisch eine Eintrittskarte in den Himmel und hat dafür nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen teuren Blut und seinem unschuldigen Leiden und Sterben dafür bezahlt. Wir sind reich beschenkt, weil wir geliebt sind.

In diesem Sinne sollen wir auch großzügig sein und uns Gedanken machen, was man einer Schwester oder einem Bruder schenken kann. Eine Geschenk – ob groß oder klein, ob zum Geburtstag oder zwischendurch sagt:: „Du bist mir wichtig, ich mag Dich, ich will Dir eine Freude bereiten.“

3. Gottes Liebe hilft und dient

Das ganze Leben Jesu auf Erden könnte man umschreiben, dass durch ihn Gott half. Unzählige Menschen half Jesus. Blinde konnten durch ihn wieder sehen, Lahme gehen, Besessene befreite er und Niedergeschlagenen machte er neue Hoffnung, dass Gott ganz nahe ist, ja selbst Hochzeitsleuten rettete er aus einer ziemlich peinlichen Situation, weil der Wein beim Fest ausgegangen war und verhalf ihnen zu ausgezeichnetem Wein. Aber er machte nicht nur schnips und es war da, er legte auch selbst Hand an. Er band sich einen Schurz um, nahm eine Schüssel Wasser und wusch allen seinen Jüngern die dreckigen Füße, eine Arbeit, die sonst nur Sklaven verrichteten.

Liebe Gemeinde, auch wir können unsere Schwestern und Brüder lieben, indem wir ihnen einen Gefallen tun, wenn wir ihnen mit unseren Gaben dienen können, indem wir ihnen helfen, wenn sie unsere Hilfe brauchen.
Es war letzten oder vorletzten Winter, wir alle lagen krank im Bett. Und es war einfach schön zu erleben, aufgefangen zu werden. Leute aus der Gemeinde kochten für uns, nahmen die Kinder in Obhut. Liebe, die sich so ausdrückt, tut einfach gut.

4. Gott bekundet seine Liebe in guten Worten

Einmal brachten die Leute Kinder zu Jesus. Die Jünger wollten sie fortschicken. Doch Jesus nahm sie in die Arme und segnete sie. Segnen bedeutet wörtlich übersetzt: Gutes Reden. Ein gutes Wort kann Wunder bewirken und die Bibel ist voll dieser guten Worte, die einem Kraft geben.

Liebe Gemeinde, genauso können und sollen wir unsere Liebe zum Ausdruck bringen. Wir sollen sie segnen, Worte der Güte über sie sprechen. Aber wir können auch direkt Gutes über den anderen Reden, ihn ermutigen und loben. Mit solch einem guten Wort zeigen wir, wie wertvoll der andere ist.
Leider erlebt man oft das Gegenteil. Die Dinge, die man schön und ordentlich macht, die werden ignoriert oder für selbstverständlich genommen, aber kaum hat man einen Fehler begangen oder eine Schwachstelle gezeigt, dann wird darauf herumgehackt und manchmal sogar hinterrücks gelästert. Das ist eine böse Unart, die sich sehr gern in christlichen Gemeinden einschleicht und die Atmosphäre vergiftet und die Liebe erkalten lässt.
Wenn wir eine liebende Gemeinde werden wollen, dann müssen wir viel stärker darauf achten, den anderen zu erwischen, wenn er etwas lobenswertes getan hat und ihn dann auch loben und nicht umgekehrt.

Liebe Gemeinde, lieben ist gar nicht so einfach. Man muss sich darin üben, um Meister darin zu werden.

Wissen Sie, wie üben geht. Man nimmt sich erst einmal ein Häppchen mit einem erreichbaren Ziel vor. Man wiederholt und wiederholt, bis man die Herausforderung fehlerlos bewältigt und geht dann einen Schritt weiter zum nächst höheren Ziel.

Darum habe ich, für jeden der möchte ein kleines Übungsblatt vorbereitet, eine Etüde, um Liebe zu üben:

Darauf steht: „ Lieber Gott – ich danke Dir für deine unendlich geduldige und große Liebe zu mir. Auch ich liebe Dich. Darum will ich meine Schwestern und Brüder in meiner Gemeinde lieben.

Ich nehme mir vor meine Schwester / meinen Bruder .................................(Name eintragen) zu lieben, indem ich bis zum ........................(Zeitpunkt festlegen) folgende Schritte der Liebe übe:

1. Ich verbringe eine Stunde Zeit mit ihm / ihr. (z.B. gemeinsam Essen, Kaffeetrinken, Spazieren gehen oder ein Gesellschaftsspiel machen).

2. Ich überlege mir, ein kleines Geschenk, um ihm / ihr eine Freude zu machen.

3. Ich biete ihm / ihr meine Hilfe an

4. Ich segne ihn / sie regelmäßig im Gebet und rede in dieser Zeit nur Gutes über sie/ihn.

Lieber Gott, von Natur aus bin ich eher ein Egoist, darum bitte ich Dich, um Deine Hilfe. Mach aus mir einen liebenden und liebevollen Menschen. So dass Du Dich an mir freust und deine Freude in mir vollkommen wird.

Gezeichnet am ...

Liebe Gemeinde, ein Pfarrer hat dies so ähnlich einmal in seiner Gemeinde vorgeschlagen,  dabei unterlief ihm aber ein Fehler. Er sagte: Man solle einer Schwester oder einem Bruder, mit der man es besonders schwer habe einen Kuchen backen. In der folgenden Woche bekam dann eine Schwester 15 Kuchen gebacken.

Bitten Sie, falls sie noch nicht wissen, an welchem Bruder oder welcher Schwester sie Liebe üben sollen, Gott um einen klaren Blick für den, der es gerade braucht.

Aber können sie sich vorstellen, was passiert, wenn wir beginnen so zu lieben, wenn es kein Strohfeuer ist, sondern eine Liebe, die der Liebe Gottes gleicht. Können Sie sich denken, wie die Engel im Himmel sich freuen, wenn auch wir wie Engel werden und Boten von seiner Liebe sind.

Ich glaube, dies würde unsere Gemeinde revolutionieren. Wir würden zu einer Oase der Liebe werden. Von überall kämen durstige Menschen, um bei uns aufzutanken und auch sie würden zu liebenden Menschen werden. Und nicht zuletzt würden wir Gottes Namen Ehre machen, die Menschen würden wieder auf uns hören, sein Reich würde wachsen und wir würden seinen Willen erfüllen. Darum – beginnen wir mit kleinen Schritten, geben wir nicht beim ersten Misserfolg auf und lassen Sie uns einander lieben, wie er uns geliebt hat.

Amen

 

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Stand: 04. Juni 2010