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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 20. Februar 2005Matthäus 12, 38-42 38 Da fingen einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern
an und sprachen zu ihm: Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen. Liebe Gemeinde, in den Tagen des Mose erlebte das Volk Israel große Zeichen und Wunder. Es erlebte, wie Gott sie mit starker Hand aus der Sklaverei befreite. Mose warf seinen Stab zur Erde und sie wurde zur Schlange. Er berührte mit seinem Stab das Wasser des Nils und es wurde zu Blut. Mit mächtigen, ja zerstörerischen Wunder erwies sich Gott als der Stärkere und Mose als der Gesandte Gottes. Der kleine Hirte, der von den Bergen des Sinai kam, und nur noch gebrochen ägyptisch sprach beeindruckte den großen Pharao. Immer wieder musste er der großen Macht Gottes, die sich durch Mose zeigte klein beigeben – doch kaum löste sich der Druck, schon war seine Gesinnung wieder die alte. Er erlebte zwar eindeutige Machterweise Gottes, doch sein Herz wurde davon nicht berührt. Ja, es heißt sogar: Er verstockte sein Herz. Sein Herz wurde durch diese Machterweise noch viel verschlossener Gott gegenüber als zuvor. Viele Jahre später tritt Jesus auf. Jesus provoziert mit seinem Auftreten die etablierte Religion auf ähnliche Weise, wie Mose den Pharao. Zum Beispiel sagte er zu Gott Abba, das heißt Papi. Damals erwähnte man nicht einmal mehr den Namen Gottes. Jesus dagegen redet ganz familiär und vertrauensvoll zu ihm. Außerdem die Predigt Jesu. Das Wörtchen "Vielleicht" gab es bei ihm nicht. Auch nicht das gegeneinander Abwägen von Auslegungen. Nein, er tritt mit einem unumstößlichen Anspruch auf. Er sagt: Amen, ich sage euch. Das heißt, da gibt es nichts zu rütteln. So ist es! Eine nie da gewesene Vollmacht steckte hinter seinen Worten, die bis heute die Menschen geradezu elektrisiert. Dann ging Jesus öffentlich auf Menschen zu, die für die Frommen seiner Zeit Personen non grata sind. Also Menschen, mit denen man sich auf keinen Fall öffentlich abgibt. Dann sagte er zu Menschen: Dir sind deine Sünden vergeben. Dieser einfache Satz stellt den ganzen Tempelkult mit seinen vielen Sündopfern in Frage. Sein ganzes Auftreten, seine ganze Lehre stellt das so schön gesetzlich ausgeklügeltes System der Gesetzesreligion, ja die Vertreter dieses Systems selbst in Frage. Und das macht ihnen Angst. Darum gehen sie in die Offensive. Sie fordern einen eindeutigen Machterweis von Jesus. Ähnlich wie Mose sich vor dem Volk Israel und vor dem Pharao durch ein Wunder ausgewiesen hat, ähnlich soll auch Jesus sich ausweisen. Doch Jesus verweigert eine Show. Schon der Teufel forderte ihn heraus: Hüpf von der hohen Zinne des Tempels, dann sehen die Leute, dass Du Gottes Sohn bist. Du hast doch sonst nichts vorzuweisen. Wenn dann Engel gekommen wären und ihn aufgefangen hätten, dann hätte man ihn bejubelt. Aber eben nur bejubelt wie man einen Sportler bejubelt, der einen Weltrekord aufgestellt hatte. Diese Form von Bewunderung ist so leicht. Man klatscht, aber man kann mit seiner Seele und seinem Leben im Hintergrund bleiben. Ebenso wären die Gegner Jesu beeindruckt gewesen, doch ganz tief in ihrem Herzen wären sie weiter Gegner geblieben. Ja, ich glaube, dass durch ein Wunder ihr Herz ähnlich wie das Herz des Pharaos nur noch härter geworden wäre für die Liebe Gottes. In den Worten Jesus wird deutlich, dass er die Vollmacht hätte, dieses Zeichen zu tun, aber er verweigert es. Dafür geht Jesus zum Angriff über. Zuerst sagt er ihnen ganz deutlich, was er in ihrem Herzen liest: Ihr seid ein böses und treuloses Geschlecht. Ihr seid Menschen, die sich von Gott innerlich abgewandt haben. Die Gegner Jesu suchen kein Wunder, weil sie in Not waren, sondern im Gegenteil, weil sie sich nicht auf Jesus einlassen wollten. Und dann verheißt Jesus das Zeichen, das er ihnen geben wird. Er redet vom Zeichen des Jona. Jona war von Gott zu den Menschen der Stadt Ninive geschickt worden. Die Leute von Ninive hatten so sehr Gott provoziert, dass das Maß voll war und das Gericht Gottes über die Stadt ergehen sollte. Da Jona nicht bereit war, dorthin zu gehen, erlebte er unfreiwillig ein ähnliches Schicksal wie Jesus. Er wurde von einem Meerungeheuer verschlungen, wurde aber nach drei Tagen wieder ausgespuckt. Dann war er bereit nach Ninive zu gehen. Ähnlich, so prophezeit Jesus, werde auch ich vom Tod verschlungen und nach drei Tagen wieder ins Leben geholt. Das Zeichen Jesu, womit er sich ausweist, dass er von Gott kommt ist ein Kreuz und seine Auferstehung. Was das bedeutet möchte ich noch etwas näher erläutern. 1. Das Kreuz ist das Zeichen größter Erniedrigung, aber gleichzeitig auch größter Liebe. Die Leute wollten, dass Jesus der große Star sein sollte. Doch setzte ein ganz anderes Zeichen. Er zeigte, dass er bereit ist, nach ganz unten zu gehen. Er geht dorthin wo ein Mensch ganz verloren, verachtet und ausgestoßen ist. An den Ort der Brutalität, der Schande, des Spottes. An den Ort, wovor sich jeder Mensch fürchtet. Dass Jesus dorthin geht, ist das Zeichen seiner unendlichen Liebe. Er zeigt damit: Ich bin ganz bei Dir, bei Dir Mensch, der Du ein so kleiner Wurm, so ein kleines Würstchen bist, oft so hilflos, oft so den Gewalten der Geschichte und Natur ausgeliefert. Ich komme dort in Deine Not und bin bei Dir. So sehr liebe ich Dich. Du bist Mensch bist mir wichtiger als mein eigenes Leben, als meine himmlische Herrlichkeit. Wenn ein Mensch dieses Liebeszeichen Jesus versteht, dann macht das in der Regel sein Herz ganz weich, ganz offen für die Liebe Gottes. 2. Das Kreuz ist auch ein Zeichen der Wahrheit. Mit dem Kreuz wird ganz deutlich, was in den Herzen dieser Frommen und gelehrten Leute steckt. Ein abgrundtiefer Hass auf Gott. Diese Leute sind bereit, einen Menschen, der anderen nur geholfen, der viel Gutes getan hat, der ein anerkannter Rabbi war, brutal ans Messer zu liefern. Und nicht nur das, sie kommen zu seiner Kreuzigung und lachen ihn aus. Am Kreuz zeigt sich, was in diesen nach außen so frommen Leuten steckt. Sie sind ein böses und treuloses Geschlecht. 3. Das Kreuz und die Auferstehung ist ein Zeichen zur Umkehr. Die so genannten Frommen und Gesetzeslehrer bauten sich eine Religion zurecht, bei dem sie nach außen den Schein von Gottesfurcht und Rechtschaffenheit, aber innerlich Gott mit seiner Liebe, mit seiner Güte, mit seiner Großzügigkeit, mit seiner Barmherzigkeit und Langmut nicht ins Herz lassen wollten. Aber immer, wo das Wort vom Kreuz gepredigt wird. Wo man von Jesus Zeugnis gibt, der sich für uns dahingegeben hat, öffnen Menschen ihre Herzen für ihn. Ich stelle immer fest, dass es die Menschen sind, von denen ich es am wenigsten erwartet hätte. Und ich sehe, wie sie voller Liebe zu Jesus sind und voller Begeisterung. Es tut mir weh, wenn gerade sie von anderen, die schon länger im Glauben stehen herablassend und abschätzig behandelt werden. Jesus sagte, dass gerade diejenigen, die von ganz weit weg kommen, die so richtig tief im System der sündigen Welt gefangen waren, wie die Leute von Ninive, die sich aber von Gottes Liebe und seiner Gnade berühren ließen und ihm glaubten, dass diese Leute zu Gericht sitzen werden über die Insider und ganz Frommen. Ich sagte, das Kreuz ist ein Zeichen der Umkehr. Wir tun gut daran, wenn wir dieses Zeichen Jesus annehmen und unser Herz ihm öffnen. Amen. |
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