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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 28. September 2003 in
Neu-Moresnet im Lobpreisgottesdienst
Immer wieder kann
man in Umfrageergebnissen von Wirtschaftsmagazinen lesen, dass Ehrlichkeit die
Eigenschaft ist, die Angestellte an ihren Chefs am meisten schätzen und
umgekehrt, dass Arbeitgeber sich am meisten Leute wünschen, die ehrlich sind und
denen man vertrauen kann.
Menschen, die auf Partnersuche sind, suchen nach einem Menschen, der zu seinem
Wort steht, dem man glauben kann. Niemand wünscht sich einen Partner, der einen
ständig anlügt und zum Narren hält. Man kann einfach nicht mit ihm
zusammenleben. Jegliche Liebe verschwindet, wenn die Lügen zutage treten.
Und jeder, der ein einigermaßen funktionierendes Gewissen hat, fühlt sich nach
einer Lüge sehr mies. Meist geht eine Lüge ganz glatt über die Zunge, aber
hinterher brennt sie wie Feuer im Herzen. Man kann dem anderen nicht mehr
richtig in die Augen sehen. Schnell versucht man die Lüge irgendwie zu
vertuschen oder zu beschönigen, nur um dieses blöde Gefühl loszuwerden.
Aber hilft das wirklich? Lügen mit weitern Lügen zu vertuschen? Letztlich wird
dadurch nur das Gewissen abgestumpft.
Der Schaden, den Lüge anrichtet ist immens. Immer, wo Menschen zu Schaden
gekommen sind, immer wo es Leid und Ungerechtigkeit unter uns Menschen gibt,
steht am Anfang eine Lüge.
Viele Leute beklagen sich darüber, dass ihr Leben nicht so läuft, wie sie es
geplant hatten; immer scheinen ihnen zerbrochene Träume, zerplatzte Hoffnungen
und versäumte Ziele dazwischen gekommen zu sein. In vielen Fällen kann man diese
Enttäuschungen zurückverfolgen, bis man auf die unmissverständlichen Spuren
einer Lüge stößt.
Gott selber hasst Lügen.
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Du sollst nichts
Unwahres über Deinen Nächsten sagen.“ heißt es im 8. Gebot
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In Sprüche
6,16-19 werden sieben Dinge aufgezählt, die Gott besonders verabscheut. In der
Einleitung heißt es: „Sechs Dinge hasst der Herr und diese sieben sind ihm ein
Gräuel: Zwei von diesen sieben drehen sich um Lüge: „Eine falsche Zunge“ und
V.19: „Eine Zunge, die frech Lügen verbreitet.“
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Hannanias und
Saphira sind weniger wegen ihres Geizes getötet worden, sondern weil sie die
Gemeinde belogen haben.
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Und Jesus selbst
sagt: Eure Rede sei Ja, ja und nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.
Im Johannesevangelium sieht Jesus hinter jeder Lüge den Teufel. Er sagt: „Der
Teufel steht nicht in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn
er Lügen redet, so spricht er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der
Vater der Lüge.“
Gott wusste von
Anfang an, - schon bevor Adam und Eva belogen wurden, dass ohne eine radikale
Hinwendung zur Wahrheit unsere Ehen zerbrechen, unsere Freundschaften kaputt
gehen, unsere Geschäfte in Konkurs gehen, unsere Gemeinden sich spalten und
unsere Regierungen scheitern würden.
Wie sieht es mit Dir aus? Hast Du in letzter Zeit gelogen, die Halbwahrheit
gesagt? Falsche Versprechungen gemacht, Dein Wort nicht gehalten?
Es ist eine vernünftige Entscheidung, wenn man der Lüge in sich den Kampf
ansagt. Es ist eine Entscheidung zu einem Leben gegen den Strom, zu einem
froheren und freieren Leben. Ja, ein Leben ohne Angst entlarvt zu werden, ein
Leben, das in sich stimmig ist.
Möchtest Du das?
Dann gibt es drei
Schritte, die man gehen kann, um seiner Lüge den Kampf anzusagen:
1. Durch Erkennen
2. Durch Bekennen
3. Durch Vermeiden.
1. Lügen erkennen:
Lügen, die man als
Lüge erkennt, sind eigentlich nicht mehr sehr gefährlich. Es gibt
Lügengeschichten von dem so genannten Lügenbaron Münchhausen, der z.B.
behauptete, er habe sich aus einem tödlichen Sumpf gerettet, indem er sich an
den Haaren herauszog. Jeder weiß, dass das nicht geht und darum kann man über
solche Lügen einfach nur lachen.
Insofern ist es
wichtig, Lügen, als solche zu erkennen.
Eine Lüge ist so
etwas wie ein ungedeckter Scheck. Auf dem Papier steht ein Betrag, den es in
Wirklichkeit gar nicht gibt.
So ist auch ein Wort, das sich mit der Wirklichkeit nicht deckt, eine Lüge.
Darum sind Lügen eher im Zwielicht möglich. Wenn alles ganz klar ist, wenn man
die Wirklichkeit vor Augen hat, oder sie leicht nachprüfen kann, haben Lügen
keine Chance. Lügen halten in der Regel einer harten Prüfung nicht stand. Die
Wahrheit dagegen immer. Wer also Lügen aufdecken will, der sollte sich selbst
unangenehme Fragen stellen.
Z.B.:
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Stimmt das
wirklich, was ich über die Presbyter, über meine Gemeinde, über meinen
Arbeitskollegen gesagt habe?
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Habe ich etwas
dazugedichtet?
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Stimmt es, was
ich in der Steuererklärung bei Einkommen eingetragen habe, oder war da noch
irgendeine Sache dabei?
Nebenbei möchte ich
sagen, dass man auch beim Singen und Beten lügen kann. Wenn ich singe:
Herr, ich gebe Dir alles hin, und lege nur ein paar Cents in die Kollekte, dann
war mein Lied eine Lüge. Glaubt nicht, dass Gott daran Freude hat. Ebenso wenig,
wenn Du im Vater unser z.B. betest: wie auch wir vergeben unseren
Schuldigern und du bist nicht bereit irgendwelchen Leute zu vergeben, die Dir
Unrecht getan haben, dann lügst Du Gott an. Glaub nicht, dass Gott dann an
diesem Gebet einen Gefallen findet.
Prüft euch, dann werdet ihr Eure Lügen entdecken und entlarven können.
Noch einen Punkt zum Lügen aufdecken:
Jesus hat seiner
Gemeinde den Heiligen Geist zur Seite gestellt. Der Heilige Geist will uns in
alle Wahrheit leiten, und zum Licht führen. Wir können unseren himmlischen Vater
bitten, dass er uns den von Jesu verheißenen Geist schicken soll, dass er unsere
Lügen aufdeckt. Er wird es tun. Keine Angst. Ich bitte ihn regelmäßig, mir Lügen
zu zeigen und er tut es sehr behutsam. Eine Lüge nach der anderen.
Kommen wir zum zweiten Schritt im Kampf gegen die Lüge:
2. Lügen
bekennen:
Kürzlich hatte mich
der Heilige Geist mal wieder behutsam auf eine Lüge hingewiesen. Ich betete:
Herr, es tut mir leid. Vergib mir im Namen Jesu. Das ist ja die frohe Botschaft
des Evangeliums: Wir können unsere Lüge unsere Sünde Jesus abgeben, ihm bekennen
und dann nimmt Jesus diese Sünde, diese Lüge auf sich und sie ist weg, vor Gott,
als hätte ich nie gelogen.
Nun, ich hatte in einer Sache meiner Frau die Unwahrheit gesagt, um sie nicht
aufzuregen. Doch die Stimme des Heiligen Geistes in meinem Gewissen sagte leise:
„Du musst es auch Beate bekennen.“
Ich bat: „Herr, lass es noch dieses eine Mal so durchgehen.“ - Das Gewissen
antwortete ungefähr so: „Wenn Du es nur dieses eine Mal bekennst, wird es euch
sehr viel weiterhelfen.“
Mir war ziemlich mulmig zumute und es dauerte noch einige Stunden, bis ich einen
passenden Augenblick dafür fand. Ich erzählte meiner Frau die ganze Wahrheit.
Sie war ganz schön enttäuscht und auch ziemlich ärgerlich. Aber Gott hatte
Recht. So schmerzlich und unangenehm das Gespräch selbst war: Es hat letzten
Endes uns beide sehr viel weitergebracht. Seit diesem Zeitpunkt können wir über
dieses heikle Thema viel gelassener und ganz offen reden.
Das Bekennen vor einem Menschen, den man belogen hat, macht einen ganz schön
demütig. Es ist wirklich nicht sehr angenehm. Wenn man sich zu solch einem
Schritt mal durchgerungen hat, dann hütet man seine Zunge wie einen Augapfel im
Auge. Probiert es einfach mal aus.
Kommen wir noch zu dem dritten Schritt:
3. Lügen
vermeiden:
Ein guter Trick
steht in Spr. 10,19. Dort heißt es: Wo viele Worte sind, da geht’s ohne Sünde
nicht ab, wer aber seine Lippen im Zaum hält, ist klug.“
Das ist ein recht
guter Tipp. Der funktioniert sogar rechnerisch. Nehmen wir mal an, du führst 300
Gespräche in der Woche. Und du lügst dabei ungefähr 5 Mal. Bei 180 Gesprächen
pro Woche sind es dann nur noch drei Lügen und bei 60 Gesprächen eine Lüge. Ab
59 Gesprächen wird nicht mehr gelogen.
O.K. ich geb’ es zu, das ist vielleicht eine Milchmädchenrechnung.
Doch Tatsache ist, dass mit weniger Worten auch weniger gelogen wird. Und die
wenigen Worte kann man viel bedachter aussprechen.
Soweit die drei Schritte, um der Lüge im Leben den Kampf anzusagen.
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Erkennen
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Bekennen
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Und vermeiden.
Ich sagte Kampf,
weil es für Menschen, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, nicht
leicht ist.
Für diesen Kampf musst Du Dich klar entscheiden und sagen: Von jetzt an und in
alle Zukunft sage ich die Wahrheit. Meine Lippen und meine Zunge sollen der
Wahrheit dienen.
Und am besten nimmt man sich noch einen Verbündeten mit für diesen Kampf gegen
die Lüge. Das ist Gott selbst. Er liebt die Wahrheit. Jesus selbst ist die
Wahrheit. Dann sag Dir, wenn Du in Versuchung bist, mit Worten zu manipulieren,
zu tricksen, zu täuschen:
„Mit Gottes Hilfe will ich die Wahrheit sagen und nichts als die Wahrheit. Hilf
mir Jesus, sende Deinen Geist der Wahrheit“
Amen.
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