Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

Home Nach oben Gebet Konfirmation Musik Mitarbeiter Predigt Rundfunk Royal Rangers Archiv Inhalt Links

Die Verantwortlichen einer Gemeinde                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 7. Mai 2000

Liebe Gemeinde

Der Predigtabschnitt für den heutigen Sonntag passt ganz gut zu unserem heutigen Sonntag. Es geht um die Verantwortlichen in der Gemeinde.

Ich lese aus dem 1 Petrusbrief 5,1-5

Die Ältesten unter euch ermahne ich als Mitältester und Zeugen der Leiden Christi, der auch an seiner Herrlichkeit teilhaben wird, wenn diese enthüllt werden wird: Weidet die Herde Gottes bei euch – nicht gezwungen sondern freiwillig, so wie Gott es will; nicht gewinnsüchtig, sondern aufopfernd; auch nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder für die Herde. Dann werdet ihr auch, wenn der Erzhirte erscheinen wird, mit einem unverwelklichen Kranz von Herrlichkeit geschmückt werden. Ebenso auch ihr Jüngeren: Seid den Ältesten gehorsam.

Liebe Gemeinde,

Schafe sind Tiere, die ohne menschliche Pflege nicht überleben können. Sie brauchen einen Hirten. Ohne Hirten sind sie verloren. Aber auch mit einem schlechten und faulen Hirten, der sich wenig um seine Tiere kümmert, werden sie krank und gehen zugrunde. Schafe brauchen äußere Hilfe.

Es ist zwar nicht schmeichelhaft das wir Christen mit Schafen verglichen werden. Und wer will schon ein „dummes“ Schaf sein.

Dennoch veranschaulicht dieser Vergleich manchen geistlichen Sachverhalt.

Denn da ist Jesus Christus unser großer guter Hirte, der sich mit unendlich viel Mühe und Liebe um seine Schäflein kümmert. Jesus Christus, der mit seinem teuren Blut und seinem unschuldigen Leiden und Sterben – dich und mich teuer erworben und zu seinem unveräußerlichen Eigentum gemacht hat. Jesus Christus, der unsere Seele weidet auf grünen Auen – Er spricht uns durch sein Wort Trost, Hoffnung, Ermahnung, Wegweisung zu. Er sorgt für all das, was wir zum Wachsen und Gedeihen im Glauben brauchen. Der gute Hirte, der uns zum frischen Wasser des Heiligen Geistes führt. Dass wir Gottes Liebe spüren und unser Lebensdurst gestillt wird. Jesus Christus, der jeden einzelnen seiner Herde, hat er sich einmal verirrt, sucht und zurück zur Herde trägt. Er, der uns Frieden und Zuversicht schenkt, selbst wenn Gegner oder falsche Lehrer wie Wölfe uns zu zerreißen drohen.

Der gute Hirte, der aus uns, die wir wie Schafe dazu neigen großen Flurschaden anzurichten, Menschen macht, die viel Frucht bringen und ein Segen für unsere Umwelt macht.

So sorgt Jesus Christus für seine Gemeinde. Wir tun gut, wenn wir uns ihm anvertrauen. Vor allem seinem Wort anvertrauen, denn meistens ernährt, tröstet, hilft, sammelt es uns und macht uns fruchtbar, wenn wir uns ihm anvertrauen. Wir sind nah an Jesus dran, wenn wir treu auf sein Wort hören. Wenn wir treu und aufmerksam die Worte der Bibel lesen. Wenn wir treu gehorchen und auch das tun, was er uns mit seinen Worten sagt.

Am Wort dran bleiben, das ist so wie wenn ein Schaf immer ganz in der Nähe von seinem Hirten bleibt. Dort ist es am sichersten, am besten aufgehoben und gedeiht am besten.

Christen, die vieles besser wissen als das, was in der Bibel steht und sich nicht groß um Jesu Worte kümmern, verkümmern und begeben sich in Gefahr, sich in Dornengestrüpp zu verheddern, oder von einem falschen Propheten aus der Gemeinde herausgerissen zu werden.

Ja, Jesus Christus, der gute Hirte, er weidet seine Herde durch sein Wort. Wir tun uns gut daran an ihn – an sein Wort zu halten.

Und dann weidet Jesus die Gemeinde, indem er auch noch Helfer für die Gemeindeleitung einsetzt. Man könnte sagen: Pfarrer, Presbyter, Verwaltungsräte.

Was sind das für Menschen, mit deren Hilfe Jesus, der Oberhirte Gottes Herde weidet. Welche Voraussetzungen müssen sie mit sich bringen, um solch eine schwere Verantwortung tragen?

Da ist einmal Petrus. Der Briefschreiber. Er bezeichnet sich als Mitältester. Rein äußerlich betrachtet hatte er bestimmt gute Managerqualitäten. Denn meist war er der Wortführer unter seinen Freunden. Doch hinter einer großen Klappe verbirgt sich bei Petrus, wie bei den meisten anderen Großmäulern viel, viel Luft. Als es darauf ankam und Petrus für Jesus hätte eintreten können, versagte er schmählich.

Aber genau so kann Jesus ihn brauchen. Als einer der erkannt hat: Ich bin kein toller Hecht – ich bin einer, auf den man sich nicht 100% verlassen kann, wenn es darauf ankommt. Petrus ist einer, der nicht zu hoch von sich denkt.

Und dann kommt noch das andere. Als dann der auferstandene Jesus Petrus trifft und die ganze Sache mit der Verleumdung aufgearbeitet und bereinigt wird.

Da fragt Jesus: „Hast Du mich lieb?“ Petrus: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe! Jesus: Simon, Johannes Sohn, liebst du mich? Petrus: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe! Darauf Jesus: Weide meine Schäflein!

Ja, weide meine Schafe!

Das ist die wichtigste Voraussetzung, eine Verantwortung zu übernehmen. Auf die Liebe zu Jesus. Ja, Herr, ich habe dich lieb. Das ist zusammen mit einer gesunden, ehrlichen und nüchternen Selbsterkenntnis, man kann es auch Demut nennen, das wichtigste, die Schafe Jesu zu weiden. Eigentlich ist das nicht viel und doch ist es etwas vom schwersten.

Diese Grundvoraussetzung: Liebe und Demut entfaltet Petrus im folgenden. Ich wiederhole: Weidet die Herde Gottes bei euch – nicht gezwungen sondern freiwillig, so wie Gott es will; nicht gewinnsüchtig, sondern aufopfernd; auch nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder für die Herde.

Aus Liebe sollten darum Verantwortliche ans Werk gehen. Aus Liebe, weil sie Gottes Willen erfüllen möchten.

Überlegen Sie einmal, Sie bräuchten dringend – weil sie krank sind - einen Helfer . Und der Pfleger macht ein richtig langes Gesicht und gibt Ihnen bei jeder Gelegenheit zu verstehen, wie ungern er ihnen hilft. Solche Pfleger der Gemeinde möchte Gott nicht. Auch die Gemeinde merkt sehr schnell, ob man sie gern hat, ob man etwas aus Liebe für sie tut oder nicht.

Auch soll man nicht gewinnsüchtig sein. Schließlich kann man aus so einem Dienst auch ganz schön Kapital schlagen. Die Pfarrer dürfen in einem schönen Pfarrhaus wohnen, Presbyter erfreuen sich ehrfürchtig begrüßt zu werden und als Geschäftsmann – ist man in solchen Gremien tätig – kann man sogar Aufträge an Land ziehen.

Dass Gott für einen sorgt ist klar, dass jeder seines Lohnes wert ist auch – doch es heißt aufopfernd. Das heißt, die Verantwortlichen sollten bereit sein, in die Gemeinde zu investieren. An Liebe, Zeit und Geld. Und nicht gleich danach fragen, was tut die Gemeinde für mich, was springt dabei für mich heraus.

Die Verantwortlichen sollten nicht als die Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder für die Herde auftreten. Gerade wir Pfarrer neigen leicht dazu eingebildet und arrogant zu werden. Vielleicht aus einer gewissen Unsicherheit heraus umgibt man sich mit einem Flair des Überlegenseins, des Besserwissens.

Kürzlich hörte ich davon, wie bei einer Distriktsitzung ein langjähriger treuer Christ einem neuem Pfarrer das „Du“ anbot. Der Pfarrer lehnte mit der Begründung ab: Ich duze mich nur mit Kollegen. Sie sind kein Kollege!

Das ist ein extremer Fall von Hochmut – doch der Hochmut fängt schon viel früher an: Ich habe mich schon ertappt, dass ich weise Ratschläge überhörte, weil mein hochmütiges Herz meinte, ich kenne mich besser aus.

Viele Gemeinden leiden unter solchen Herren, die keine andere Meinung zulassen.

Früher, als es noch kein Radio und keine Radiouhr gab, kannte man das Sprichwort: „Wenn die Kirchturmuhr falsch geht, dann gehen die Uhren im ganzen Dorf falsch.“ So auch die Gemeinde. Wenn die Verantwortlichen falsch gehen, dann steckt das die ganze Gemeinde an. Verantwortliche in der Gemeinde sollten Vorbilder sein. Ein Mensch ist des Menschen Lehrmeister. Wenn die Verantwortlichen vorbildlich leben, dann werden die anderen über kurz oder lang nachziehen. Das geschieht leider aber auch im negativen Sinn.

Am wichtigsten für die Verantwortlichen ist die Liebe zu Jesu und die Demut. Die Gemeinde sollte sich geliebt und angenommen wissen. Demut bedeutet zum Beispiel den ersten Schritt zur Versöhnung gehen.

So werden wir eine offene, lebendige und leuchtende Oase der Liebe und Vergebung, in der wir lieben und segnen mit Jesus als Quelle.

Amen.

 

Home ] Nach oben ]

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: webmaster@ev-Kirche-Eupen-NeuMoresnet.org 
Stand: 04. Juni 2010