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Predigt von Vikar Darius Tomczak am 25. März 2007Predigttext: Matthäus 15, 32-39 Die Speisung der Viertausend 32 Und Jesus rief seine Jünger zu sich und sprach: Das Volk jammert mich; denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen; und ich will sie nicht hungrig gehen lassen, damit sie nicht verschmachten auf dem Wege. 33 Da sprachen seine Jünger zu ihm: Woher sollen wir so viel Brot nehmen in der Wüste, um eine so große Menge zu sättigen? 34 Und Jesus sprach zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Sie antworteten: Sieben und ein paar Fische. 35 Und er ließ das Volk sich auf die Erde lagern 36 und nahm die sieben Brote und die Fische, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk. 37 Und sie aßen alle und wurden satt; und sie sammelten auf, was an Brocken übrig blieb, sieben Körbe voll. 38 Und die gegessen hatten, waren viertausend Mann, ausgenommen Frauen und Kinder. 39 Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er ins Boot und kam in das Gebiet von Magadan. Liebe Gemeinde, Heute möchte ich davon sprechen, wie Jesus anderen Menschen Mitgefühl entgegen bringt und dem entsprechend handelt. Darum werde ich heute nicht, wie im Kindergottesdienst, über Brot und Fische sprechen, nein, ich möchte heute unsere Aufmerksamkeit auf etwas ganz anderes richten. Wenn ich manchmal über mein Leben nachdenke, dann kommt mir der Gedanke in den Sinn, wie ich Christus in dieser Welt repräsentiere… Was für ein Christ bin ich? Was für ein Zeugnis gebe ich von Jesus ab? Aber dann ertappe ich mich gleich wieder dabei, dass ich viel zu viel über mich selbst nachdenke: Ich will treu mit dem Herrn wandeln, ich will Gott jeden Tag erfahren, ich, immer wieder ich. Aber ist in meinem Leben noch Platz für diejenigen, die keine Kraft mehr haben an Gott zu glauben? Ich kenne Menschen, die vom Glauben abgefallen sind und bestimmt kennt ihr auch solche Menschen. Ich kenne Menschen, die niemals die Wahrheit gefunden haben und die den Herrn Jesus nicht kennen, die Ungläubigen, die Gott nicht kennen. Und ich kenne Menschen, die keine Kraft mehr haben an Gott zu glauben. Hier frage ich mich, ob wir noch Mitgefühl für solche Menschen haben. Ist es uns wichtig, ob unsere Mitmenschen auch zum ewigen Leben gelangen, oder sind wir so sehr auf uns selbst fixiert, und damit beschäftigt, dass wir das Ziel erreichen? Es ist sehr einfach, Mitgefühl mit einem kleinen Kind zu haben. Viele haben Erbarmen mit Waisenkindern - aber nicht alle sind bereit ihnen zu helfen. Viele bemitleiden Arme und Bedürftige - aber nicht alle wollen sie unterstützen. Und wie reagiere ich auf die, die in ihrem Leben völlig versagt haben: auf Alkoholiker, Drogenabhängige und Verbrecher? Es gibt Christen, die - wenn sie zum Glauben kommen - ein starkes Verlangen haben, Gott aus vollem Herzen zu dienen. Sie gehen Dinge mit Enthusiasmus an und sorgen dafür, dass die christliche Botschaft in der Welt weiter verbreitet wird. In ihrem Herzen haben sie auch viel Mitgefühl für ihre Mitmenschen. Sie scheuen keine Mühe, stellen ihre eigenen Interessen zurück, denn die Not eines anderen motiviert sie zu handeln. Aber leider hält sich dieses Interesse nicht immer, und selbst während man Gott anbetet, sein Wort liest, in der Gemeinde dient und seinen Dienst an Menschen fortsetzt, mag es vorkommen, dass das Mitgefühl, das einst reichlich im Herzen vorhanden war, mehr und mehr in den Hintergrund rückt und einen weniger anspornt an anderen zu handeln. Es mag tausend verschiedene Dinge geben, die einen dazu veranlassen, das eigene Herz ein wenig mehr zu verschließen, als es zuvor der Fall war. Vielleicht ist man von jemandem beleidigt worden, vielleicht fiel irgendwo ein böses Wort, vielleicht gab es ein Gerücht, vielleicht gab es einen Streit… Und so haben Millionen von Menschen zwar Mitgefühl mit anderen, aber handeln nicht. Jesus selbst zeigt sein Mitgefühl nicht nur zutiefst, sondern er tut etwas für die Menschen um ihn herum. Jesus ist nicht nur dazu vom Vater gesandt worden, um den Menschen zu predigen und um im Nachhinein zu schauen, ob die Menschen nach seinem Wort leben oder nicht. Jesus kam und lebte unter uns ein Leben vor, an dem unser Leben sich orientieren soll. Und Jesus spricht: "Mich jammert das Volk, denn sie haben nun drei Tage bei mir ausgeharrt und haben nichts zu essen." Das Wort "jammern " hat hier eine doppelte Bedeutung: Erstens hat man das Wort "Jammer" früher benutzt um jemanden anzusprechen, der sehr nahe mit einem verwandt war und zweitens, wenn jemand innerlich bewegt war und sich Sorgen um seinen Mitmenschen machte. Jesus war innerlich sehr bewegt über die vier Tausend Männer, dazu Frauen und Kinder, und was er gegenüber dieser Volksmenge fühlte, fühlt er auch heute gegenüber dir und mir. Seine Liebe hat sich nicht geändert. Was er damals gegenüber den Armen, Kranken, Einsamen empfand, empfindet er auch heute für uns. Was mit uns hier auf der Erde geschieht, ist ihm nicht gleichgültig. Aber wir sind gewöhnt das zu hören: dass Gott uns liebt, dass er sich um uns kümmert und dass er uns segnen will. Gott liebt uns aber lieben wir auch unsere Mitmenschen? Gott hat Mitgefühl für uns, aber haben wir es für andere? Gott ist barmherzig mit uns, aber sind wir barmherzig anderen gegenüber? Was können wir von Jesus lernen? Erstens: Seinem Mitgefühl für die Menschen folgten immer Taten. Jesus jammerte nicht nur über die anderen, sondern er wandte sich ihnen zu. Jesus war den Menschen gegenüber nie gleichgültig: Markus 1,40-42 40 Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. 41 Und es jammerte ihn und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will's tun; sei rein! 42 Und sogleich wich der Aussatz von ihm und er wurde rein. Jesus kümmerte sich um die müden Herzen der Menschen. Und so sollten auch wir sein. Denn wie viel ist der Glaube eines Menschen wert, der nur mit frommen Wünschen zu uns kommt aber dabei nichts tut? Der Glaube muss lebendig sein und uns zu Taten motivieren. Zweitens: Jesus schaut auf die Motivation der Menschen. So erfüllte er z.B. die Zeichenforderung der Pharisäer nicht. Wir lesen in unserem Bibeltext: Markus 8,11-12 11 Und die Pharisäer kamen heraus und fingen an, mit ihm zu streiten, versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel. 12 Und er seufzte in seinem Geist und sprach: Was fordert doch dieses Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich, ich sage euch: Es wird diesem Geschlecht kein Zeichen gegeben werden! Wenn meine Gebete egoistisch formuliert sind, werde ich das, um was ich im Himmel bitte, nicht empfangen. Schauen wir denn nicht auch auf die Motivation unserer Kinder, wenn sie uns um etwas bitten? Und so schaut der Herr sich nicht unsere Bitten an, sondern er schaut sich den Bittenden an, was seine wahre Motivation ist. Ist seine Motivation egoistisch, wird der Herr solcher Bitte nicht folgen. Wir sollten also damit aufhören nur davon zu erzählen: Jesus liebt mich und er will mich segnen. Wir sollten anfangen Jesus zu bitten, dass er uns gebrauchen kann um anderen zu helfen. Und Jesus sprach: Markus 8,3 3 Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen. Der Herr sieht wie viel Weg jeder von uns gelaufen ist. Er weiß, dass wir ohne seine Speise nicht weiter gehen können. Über das Brot des Lebens, haben wir in der letzten Predigt gehört. Markus 8, 5-7 5 Und er fragte sie: Wie viel Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. 6 Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte und brach sie und gab sie seinen Jüngern, damit sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. 7 Und sie hatten auch einige Fische, und er dankte und ließ auch diese austeilen. Er fragte sie: "Wie viele Brote habt ihr"? Bei Jesus endet alles nicht nur beim Klagen, sondern er nahm die sieben Brote, dankte und brach sie und gab sie weiter. Das ist das, was Gott mit unserem Leben tun möchte, mit deinem und meinem Dienst. Das ist es, worauf ich jetzt unsere Aufmerksamkeit lenken möchte. Jesus nahm, dankte und brach das Brot und gab es seinen Jüngern, damit sie es austeilten, und sie teilten es unter das Volk aus. Wenn wir von Gott gesegnet werden wollen, wenn wir ein Segen Gottes für andere sein wollen, so müssen wir uns ganz in Gottes Hände geben. Auch wenn du meinst, du bist so klein, und die Volksmenge ist so groß, denke daran: das Dankgebet des Herrn, wird den Segen Gottes bewirken und der Geist Gottes wird auf dich kommen, und Jesus wird dich auf herrliche Weise zum Wohle der anderen gebrauchen. Jetzt möchte ich etwas ganz Wichtiges sagen: Wir können nicht ganz von Jesus gebraucht werden, wenn wir ihm nicht erlauben, dass er aus unserem Leben etwas nimmt und bricht: unsere Pläne, unsere Zeit, unser Leben, und bricht das, was wir sind - und gibt dort, wo er es geben möchte und teilt zum Wohle der anderen aus. Das ist die wichtigste Lebenslektion, die die großen Missionare dieser Welt gelernt haben. Gott nahm aus ihrem Leben, so wie bei Hudson Taylor. Sein Sohn sowie auch seine Frau starben auf der Missionsstation, aber Gott segnete sein Leben und teilte es ganz unter den Chinesen aus. Millionen von Chinesen folgen heute Jesus nach, weil es einen Mann gab, der bereit war, sein Leben ganz in Gottes Hände hinzugeben. Liebe Gemeinde, manchmal erfahren wir voller Schmerz dieses Brechen unseres Lebens, aber gerade auf diese Weise sind die Lebensgeschichten der wichtigen Männer und Frauen Gottes geschrieben worden. So sah das Leben derjenigen aus, über die wir heute so gerne in den christlichen Biographien nachlesen. Sie lernten vor ihrem Herrn zu stehen und zu beten: Nimm, Herr, mein Leben und teile es unter anderen aus. Dionys, Bischof aus Alexandrien, beschreibt den Dienst der Christen im 3. Jahrhundert, als eine schreckliche Seuche in seiner Stadt ausbrach auf folgende Weise: "Die meisten von unseren Brüdern zeigten Treue und Liebe bis zum allerletzten Ende. Keiner von ihnen schonte sich den Dienst an den Bedürftigen zu tun, als die Seuche in der ganzen Stadt umherging. Sie nahmen sich der Kranken an und sie pflegen sie mit großer Hingabe. Als sie selbst krank wurden, gaben sie ihr Leben mit großer Freude auf. Wir haben während dieser Zeit alle Presbyter, Diakone und Mitarbeiter verloren, als sie in ihrem Dienst an den Nächsten die Kranken salbten, ihnen Kleider wuschen, ihre Augen zumachten und sie begruben. Die Heiden taten das Gegenteil: Sie verließen ihre Familienangehörigen und ihre Freunde, sobald diese ein kleinstes Anzeichen der Krankheit bekamen. Die Sterbenden wurden von ihnen auf der Straße liegen gelassen, die Toten wurden aus Angst vor der Seuche nicht begraben, aber auch trotzt all diesem, konnten sie ihr Leben nicht retten". Das war es, was die Christen damals in Alexandrien durch den Dienst an ihren Nächsten bezeugten. Das war mehr als nur zu wissen dass Gott mich liebt und mich segnen will. Und solange wir nicht lernen mit anderen Mitgefühl zu haben und an den Bedürftigen zu handeln, werden wir die Liebe Gottes nie vollkommen erleben. Darum muss manchmal Gott auch unser Leben brechen, unser Egoismus, unser Ich, bevor er sein Werk mit uns beginnen kann. Von Jesus sollten wir nicht lernen über Wasser zu gehen, von Jesus sollten wir lernen den Menschen zu helfen und sie zu lieben. Wie gern sprechen wir über die Stillung des Sturmes oder darüber, wie Jesus auf dem See zu seinen Jüngern kam, über Wunder und Zeichen. Aber lasst uns zuerst damit beginnen, die Menschen so zu lieben, wie Jesus sie geliebt hat, der immer aus einem Herzen voller Mitgefühl heraus an ihnen handelte. Matthäus 9,36–38 36 Und als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben. 37 Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. 38 Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende. Es jammerte ihn, und so ermutigte er seine Jünger, für mehr Arbeiter zu beten. Danach sandte er die 12 Apostel aus, um den Bedürftigen zu helfen. Matthäus 10,1 Und er rief seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Macht über die unreinen Geister, dass sie die austrieben und heilten alle Krankheiten und alle Gebrechen. Wiederum sehen wir, dass Jesus etwas unternimmt. Ein Herz voller Mitgefühl fühlt nicht nur mit dem anderen, sondern greift ein und hilft. Jesus Christus sagte, dass wir die gleichen Werke tun können und sollen, die er tat. Unzählige Menschen haben große Bedürfnisse, und die Zahl der echten Arbeiter mit einem Herzen voller Mitgefühl ist begrenzt. Gott erwartet von uns, seinen Kindern, dass wir andere lieben und die Liebe bringt Taten mit sich. Wir können Gottes Liebe erfassen, wenn uns bewusst wird, dass Jesus Christus sein Leben für uns gab. Gott erwartet nun von uns, dass wir unser Leben für die Brüder geben. Wir sollen nicht nur über die Liebe reden oder Gott nach der Liebe fragen, sondern in der Liebe handeln. 1. Johannes 3,16–18: 16 Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. 17 Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder darben und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt dann die Liebe Gottes in ihm? 18 Meine Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit. Ich kann mich hier an die letzte Worte eines russischen Christen, der zum Tode im Gefängnis verurteilt wurde, erinnern. Weil er ein Herz voller Mitgefühl für seine Mitgefangenen hatte und ihnen bei jeder Gelegenheit das Wort Gottes weitergab, konnte er bei der Hinrichtung zu seinen Henkern folgende Worte sagen: Ihr habt jetzt schon verloren, denn - wenn ihr mich frei lasst, werde ich vor allen Menschen bezeugen, dass Jesus mich befreit hat, aber wenn ihr mich tötet, werden alle Gefangenen davon weiter erzählen, dass ich Jesus bis zum Ende geliebt habe. Ihr habt also schon jetzt verloren… Liebe Gemeinde, wenn wir also Gottes Männer und Frauen sein wollen, müssen wir uns nach Jesu Vorbild unseren Mitmenschen voller Mitgefühl zuwenden und ihnen helfen, so wie Jesus ihnen geholfen hat. Christus hat keine Hände außer den unseren. Gott segne eure Hände. Amen. |
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