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Predigt von Pfarrer Darius Tomczak am 20. März 2005 (Palmsonntag)
Predigttext: Mk 14, 3-9
Die Salbung in Betanien
3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des
Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit
unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf
sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll
diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert
Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie
an. 6 Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein
gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr
wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat
getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt für mein Begräbnis.
9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da
wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.
Liebe Gemeinde.
Wenn wir die Bibel richtig lesen, dann finden wir, dass Jesus
ziemlich viele Jünger hatte. Nicht alle Jünger wanderten mit Jesus, es gab auch
solche Jünger, die ständig zu Hause waren. An mehreren Orten Israels haben diese
Jünger gewohnt.
Zu diesen Jünger gehörte auch Simon der Aussätzige. Er trug diesem Beinamen,
weil er früher einmal aussätzig war. Jesus war diesmal zu Gast bei diesem Simon
dem Aussätzigen in Betanien. Betanien war ein Ort und dieser Ort lag östlich vom
Ölberg.
Und als Jesus so bei dem Simon war, da ereignete sich ein besonderer Fall: Eine
Frau kam, die hatte ein Glas mit echtem und kostbarem Nardenöl. Und sie zerbrach
das Glas und goss es auf sein Haupt. Nach dem johanneischen Evangelium war diese
Frau Maria, die Schwester Martas und Lazarus.
Ölgefäße spielten im Leben des Alten Orients eine große Rolle. Wohlriechende Öle
waren das Parfüm in biblischer Zeit. Die kostbare Öle verstand man als eine Art
Kapitalanlage. Vor allem Frauen wussten etwas davon.
Heute hat sich im Grunde genommen nicht viel geändert. Auch heute geben viele
Frauen gern Geld für Kosmetik aus. Kosmetik kommt aus dem griechischen Wort
Kosmos und Kosmos bedeutet das Schöne, das Geordnete im Unterschied zum Chaos.
Auch Wein wurde damals als Symbol für Reichtum gesehen. Nach meiner Ansicht,
erkennt man schnell einen wohlhabenden Mann an den Inhalt seines Weinkellers.
Welche Absicht hatte die Frau, als sie ihn das Öl auf das Haupt Jesu goss? Nach
der damaligen Sitte, wollte sie zuerst Jesus als Gast ehren. Sie salbte sein
Haupt. Nach dem johannischen Evangelium salbte sie auch die Füße Jesu. Warum
handelte diese fromme Frau so? Was bewog sie, ähnlich wie die Sünderin im
Lukasevangelium aufzutreten?
Ich denke, diese Salbung hat drei wichtige Merkmale.
Erstens, die Frau salbte Jesus zu seinem Begräbnis. Das erfahren wir aus
dem Vers 8:
Sie hat getan, was sie konnte, sie hat meinen Leib im
voraus gesalbt für mein Begräbnis.
Eins ist sicher, die Frau, die Jesus salbte, musste im Glauben mit ihm aufs
engste verbunden gewesen sein. Mit dem kostbaren Salböl hat sie alles gegeben,
was sie hatte und vermochte. Welches Vorbild ist sie geworden. Sie hat wohl
nicht gewusst, dass Jesus bald sterben werde. Sie hat nicht gewusst, dass man in
zwei Tagen den Leib Jesu begraben wird. Diese Handlung der Frau muss also von
uns prophetisch gesehen werden. Wir müssen uns erinnern, dass man in damaliger
Zeit die Toten sehr oft einbalsamiert hat. Dadurch wurde der schlechte Geruch
eines Toten gemildert. Was tun heute die Menschen, wenn sie sterben? Viele
lassen sich verbrennen. Dadurch wollen sie dem schlechten Geruch entgehen.
Vielleicht auch den Würmer. Werden sie das schaffen? Kaum, denn ihr Geist wird
niemals diesem schlechten Geruch entgehen, wenn sie das Evangelium Christi
ablehnen.
Denn die Schrift sagt im 2. Korintherbrief: Wir sind für Gott ein Wohlgeruch
Christi, unter denen, die gerettet werden, und unter denen, die verloren werden
ein Geruch des Todes zum Tode.
Übrigens finde ich nirgendwo in der Bibel, dass die Christen
sich verbrennen lassen sollten.
Liebe Gemeinde, überlegen Sie sich das noch einmal gut wenn sich jemand von
Ihnen in Zukunft verbrennen lassen möchte.
Zweitens, Maria salbte Jesus, weil sie ihn für den Messias hielt und an die
baldige Errichtung seines Reiches glaubte.
Im Alten Testament wurden Priester, Propheten und Könige
gesalbt. Gesalbt wird aber auch das Heiligtum Gottes. Jesus, der Sohn Gottes ist
das gekommene Heiligtum Gottes.
In anderen Worten: Maria will, den von Mose angekündigten messianischen
Propheten und den von vielen Propheten verheißenen königlichen Messias zum
Herrschaftsantritt salben. Sein Königtum soll jetzt beginnen. Der Einzug in
Jerusalem soll es offenbar machen. Sie wissen bestimmt, dass das deutsche Wort
Messias sich vom Hebräischen Wort Meschiah ableitet, und Meschiah bedeutet
einfach der Gesalbte. Christus ist der griechische Name für den Gesalbten
Gottes.
Im Hebräerbrief lesen wir dazu: Du hast geliebt die Gerechtigkeit und gehasst
die Ungerechtigkeit, darum hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl wie
keinen deinesgleichen.
Jesus als der Gesalbte Gottes, ist in die Welt gekommen das Evangelium den Armen
zu verkündigen. Gott hat seinen Gesalbten gesandt den Gefangenen zu predigen,
dass sie frei sein sollten, den Blinden, dass sie sehen sollten und den
Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollten.
Drittens, Maria salbte Jesus weil er ihr wichtiger war als ihr Besitz.
Sie bringt Jesus ihre ganz Liebe und Wertschätzung entgegen.
Sie lässt sich vor Jesus demütigten. Durch diese Tat wird sie von Jesus geehrt.
Denn in Vers 9 sagt Jesus von ihr folgendes: Wo das Evangelium gepredigt wird in
aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan
hat.
Heute in der ganzen Welt werden die Worte von dieser Frau gelesen und gepredigt.
Auch bei uns in der Friedenskirche. Ist das nicht wunderbar? Diese Frau sollte
der ganzen Welt als Vorbild dienen.
Jesus rechnet schon damals mit einer Weltmission. Jesus wusste, dass viele
Millionen aus allen Nationen Teil seiner Gemeinde werden würden. Bald wird er
gerechtes Gericht über die üben, die ihn verachten.
Unsere Aufgabe als Christen ist Jesus nachzufolgen und den Nationen das
Evangelium zu verkündigen. Alle unsere Aktivitäten sollten wir zuerst der
Gemeinde Jesu widmen und wir sollten die Mission unter den Nichtgläubigen
weiterführen. Denn Jesus wird bald in die Welt kommen. Seine Worte von dieser
Frau haben sich erfüllt.
Gestern am Samstag gab es in dem Konfirmandenunterricht hier in Eupen etwas ganz
besonderes. Da wurde das Passahmahl gefeiert. Das Passahmahl ist ein Fest, bei
dem das Volk Gottes an die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten erinnert
werden soll. Passahmahl ist ein also ein Gemeinschaftsmahl.
Als ich vor einem Jahr unter den ultraorthodoxen Juden in Brooklyn mit meiner
Familie war, da habe ich die Vorbereitungen zum Passahmahl mit eigenen Augen
gesehen.
Da wurde direkt vor den jüdischen Häuser und zwar auf den Strassen zwischen den
amerikanischen Autos altes Brot und Palmblatt angezündet.
Sie wissen, dass die Juden direkt nach dem Passahmahl noch das Fest der
ungesäuerten Brote feiern. Dieses Fest sollte sie an den Auszug aus Ägypten
erinnern.
Nach dem Auszug aus Ägypten bekam das jüdische Volk die Zehn Gebote von Gott.
Diese Gebote sind sehr wichtig für unseres Leben. Denn unsere Gesetze in Europa
richten sich immer noch nach diesen Geboten.
Du sollst nicht töten. Du sollst nicht stehlen. Du sollst kein falsches Zeugnis
reden etc. Auch die Teilung der Woche auf sieben Tage mit einem Ruhetag geht auf
das vierte Gebot zurück.
Dass Passahmahl, der Auszug aus Ägypten, die Zehn Geboten haben die globale
Bedeutung. Und niemand kann das leugnen. Darum ist das Passahmahl so wichtig für
alle Menschen.
Als ich also vor einem Jahr das Passahmahl in New York beiwohnte, hätte ich
nicht gedacht, dass ich in einem Jahr das Passahmahl in Eupen feiern werde.
Das Passahmahl unter den Konfirmanden wurde so gefeiert wie Jesus das Passahfest
selbst zum letzen Mal gefeiert hat. Denn neben der Salbung kam noch die
Waschung. Und zwar die Fußwaschung.
Mir wurden die Füssen von meinem Pfarrkollegen gewaschen und gesalbt. Ich habe
danach ein sehr angenehmes Gefühl bekommen. Das kann man nicht richtig
beschreiben, man muss es selbst erlebt haben.
Diese, die unter Ihnen das erlebt haben, wissen bestimmt wovon ich rede. Auch
die Konfirmanden haben sich gegenseitig die Füße gewaschen und mit Öl
eingerieben.
Ich glaube, dass jeder von Ihnen sich heute Morgen die Füße gewaschen hat. So
dachte ich auch gestern, dass alle, die ins Pfarrhaus gekommen sind, sich die
Füße gewaschen haben. Und bestimmt haben sich auch alle gewaschen. Davon bin ich
100% überzeugt.
Wir leben heute im 21. Jh. Und in dieser modernen Welt haben wir Zugang zum
fließenden Wasser. Deswegen können sich die Menschen waschen, so oft wie sie
wollen. Der Mensch lebt heute hygienisch. Die Lebensmitteln werden hygienisch
verpackt und an den Kunden verkauft. Man lässt die Toten schön hygienisch
verbrennen. Auch bei dem Fremdgehen verkehrt man schön hygienisch und zwar mit
einem Gummi.
Was mich aber bedenklich machte, war das schmutzige Wasser nachher. Das Wasser
war zwar nicht dunkel, aber es war auch nicht sauber. So ist auch in unserem
Leben. Wir denken oft, wir sind sauber, denn wir bemühen uns nicht zu sündigen.
Dennoch kann unser Lebensweg durch diese Welt schmutzig werden.
Und darum ist der Gesalbte Gottes, das ist Jesus Christus in unsere Welt
gekommen. Jesus will unsere irdische Füße abwaschen, und er will unseren Geist
von jeder Sünde reinigen.
Durch sein Blut, das er am Kreuz von Golgatha für uns vergossen hat können wir
rein werden. Es gibt keinen anderen Weg seelisch rein zu werden, als sich im
Blute Jesu reinigen zu lassen.
Kommen wir zu unserer Geschichte zurück. Wie reagierten die Jünger nach der
Salbung Jesu? Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll
diese Vergeudung des Salböl? Man hätte dieses Öl für mehr als 300 Silbergroschen
verkaufen können und das Geld den Armen geben können. Und sie fuhren sie an.
Man versteht die Empörung der Jünger besser, wenn man Vers 5 liest. Demnach war
dieses Salböl mehr als 300 Silbergroschen wert. Ein Silbergroschen entsprach dem
Tageslohn eines Arbeiters. Mehr als 300 Tageslöhne also – grob gesprochen: ein
Jahresverdienst eines Arbeiters – war dieses Salböl wert.
Wie viele Möglichkeiten zur sozialen Tat. Judas verwaltete nach dem
johanneischen Evangelium für Jesus und die 12 Aposteln den Geldbeutel. Und Judas
hat öfters Zahlungen an die Arme geleistet. Das erfahren wir alles aus dem
Kapitel 13 des Johannesevangeliums.
Judas Iskariot, der Jesus verraten sollte, dachte und handelte sozial. Weil er
aber keine Nächstenliebe hatte, trocknete sein soziales Tun und Helfen aus. Dort
wo Gott nicht mehr an der Spitze ist, ist Sozialismus zum Scheitern verurteilt.
In dem Land, in dem ich geboren wurde, herrschte eine lange Zeit der
Sozialismus. Und dieser Sozialismus - mit einer gottlosen Regierung - machte
mein Land während 50 Jahren fast bankrott.
Auch viele Christen im Westen sind heute beeinflusst durch die Normen des
sozialen Denkens. Viele Christen nehmen das was ihnen die Welt anbietet.
Unsere Denkweise ist heute manchmal so stark vom sozialen Denken beherrscht,
dass wir dabei die Gottesliebe fast vergessen. Denn sobald wir die soziale Tat
auf Platz eins setzen, verstoßen wir gegen das Erste Gebot.
Wir müssen zurückzukehren zu den Normen der Heiligen Schrift. Viele suchen einen
einfachen Weg zu Gott. Doch es gibt keinen leichten Weg zu Gott. Durch soziales
Denken und Tun werden wir diesen Weg zu Gott nicht finden. Nur durch die Person
Jesu können wir diesen Weg zu Gott finden.
Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeboren Sohn gab, damit
alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
Amen.
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