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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 25. Dezember 2001Liebe Gemeinde, der Bibelabschnitt für Weihnachten steht in dem Brief an die Galater Kapitel 4, 4-7: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn,
geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem
Gesetz waren erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr nun Kinder
seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsere Herzen, der da ruft:
Abba, lieber Vater! So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber
Kind, dann auch Erbe durch Gott.“ stellen Sie sich vor, in der Zeitung würde ein plakativer
Werbeslogan stehen mit dem Titel: „Erbe gesucht!“ Und die Unterüberschrift würde
heißen: „Es werden Menschen gesucht, die bereit sind ein großes und reiches Erbe
anzutreten. Bitte melden beim Testamentsverwalter Evangelisches Pfarramt in
Eupen. Tel. 087 / 74 21 95. Ja! Nun, ich wäre eventuell bereit, etwas zu erben. Aber können
Sie mir mal sagen, wie das funktioniert, an welche Bedingungen diese Erbschaft
geknüpft wird. Muss ich da irgendjemanden pflegen? Und was genau werde ich
erben? „Sie müssen sich von diesem Kind befreien lassen.“ „Wa - a - a - s?” fragt Otto Normal Zeitungsleser erstaunt.
„Wieso soll ausgerechnet ein Kind mich befreien können? Ich bin doch frei.“ „Ich wollte unbedingt ein neues Auto. Das hab ich vor zwei Jahren gekauft.“ „Und waren sie dann glücklich?“ „Nun, drei Wochen später dachte ich, wenn ich mit diesem Auto in den Urlaub fahren möchte, bräuchte ich noch eine Anhängerkupplung und einen Wohnwagen dazu. Den schenken wir uns dieses Jahr zu Weihnachten.“ „Und wenn sie den Wohnwagen haben, sind sie dann glücklich?“ „Mmh“ sagte Otto Normalzeitungsleser, weil er nicht zugeben wollte, dass er bereits von einem neuen Auto träumte und er mit dem Erbe sich gerne ein neues Auto dann gekauft hätte. Die Stimme am Telefon sagt: „Von diesem „Immer-mehr-haben-wollen, von diesem „was-springt-dabei-heraus-denken“ will gerade dieses Kind, das Sie bedingungslos liebt, befreien. Otto Normal Zeitungsleser fühlte sich ertappt, konnte aber nichts erwidern, weil die Stimme am Telefon gleich weiterredete: „Ich versuch es ihnen zu erklären: In der Regel sind wir
Menschen gefangen, von der Jagd nach „immer-mehr-zu-wollen“ Wir meinen, wenn wir
das eine haben, dann sind wir glücklich, haben wir es, dann merken sie sehr
schnell, dass noch etwas anderes fehlt. Dann muss das andere her. Und so jagen
wir hinter Dingen her, die unser Herz nie erfüllen können, weil unser Herz etwas
anderes sucht. Es sucht Liebe. Das ist nicht nur bei materiellen Dingen so.
Ähnlich bei den spirituellen Werten. Paulus nennt das den Fluch des Gesetzes.
Man will ein frommer Mensch sein. Man stellt fromme Gesetze auf, man engagiert
sich da und dort, opfert da von seiner Zeit und dort etwas Geld, und jedes Mal
denkt man: Wenn ich das noch schaffe, dann bin ich ein toller Mensch vor Gott.
Aber hat man es geschafft, dann fällt einem noch eine weitere Übung ein. So
Hundertprozentig schafft man es nie. Dann schiebt man sein schlechtes Gewissen
meist auf andere. Von dieser Gefangenschaft – der Jagd nach mehr, ob das jetzt
materiell oder spirituell ist, müssen wir uns befreien lassen. Die Antwort am Telefon: „Die Zeit dafür ist erfüllt. Durch die Geburt Jesu sind die Vorraussetzungen dazu geschaffen. Nun liegt es an Ihnen: Sind Sie bereit, dieses Kind in ihr Herz zu schließen? Wenn Sie diesen Schritt ehrlich getan haben, können Sie heute schon Gott „Papa, lieber Vater nennen.“ Er wird schrittweise ihr Leben sortieren und von vielen Dingen erlösen, die sie gefangen nehmen. Sie werden bereits schon hier etwas schmecken von einem erfüllten Leben. Wann sie dann mündig sind, um das volle Erbe anzutreten ist nur noch eine Frage der Zeit. Aber der wichtigste Schritt heißt: Sind Sie bereit, dieses Kind anzunehmen? Amen. |
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