|
|
|
|
Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 6. Juli 2003Liebe Gemeinde, der heutige Bibelabschnitt ist das sehr bekannte Gleichnis vom verlorenen Sohn. Es steht in Lk 15,11-32. Da der Abschnitt recht lange ist, werde ich gleich jeweils etwas dazu sagen. Dort heißt es: Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Jeder, der Kinder hat, ist hin und wieder überrascht, wie die Kinder ihre Liebe zeigen und einem Freude machen. Aber jeder macht auch die Erfahrung, dass sie manchmal sehr kalt, sehr anspruchsvoll, sehr fordernd sind. Liebe Gemeinde, gegenüber Gott sind wir Menschen nicht anders. Kalt und fordernd. Gib mir. Ich hab ein Recht darauf. Kein bitte, kein: was denkst Du darüber, kein mein lieber Vater. Liebe Gemeinde – wenn wir beginnen, Gott wie einen Kellner zu
behandeln, der so laufen und springen soll, wie wir wollen, aber mit dem wir
eigentlich nicht viel zu tun haben wollen, dann sind wir auf einem Weg, der von
ihm weg führt. Dann laufen wir Gefahr, Gott zu verlieren. Trotzdem dürfen wir
natürlich Gott um alles bitten. Bitten sind sehr, sehr wichtig. Gott möchte,
dass wir ihn bitten. Doch lassen Sie uns den Dank und die Anbetung, dass sein
Wille geschehe niemals vergessen. Wenn Gott gibt und ein Mensch ihn nicht liebt, dann
versilbert er seine Talente, sein Gut und entfernt sich sehr schnell von Gott.
Das Geld dient dann nur noch, um zu genießen, um sich feiern zu lassen. Die
ersten Hörer des Gleichnisses waren Juden. Sie hörten in dem Begriff fernes Land
auch gleich unreines Land. Ein Land, in dem zwischen heilig und unheilig nicht
mehr unterschieden wird. So kommen Menschen, die sich von Gott entfernen in ein
Land, in dem nicht mehr zwischen dem, was Gott will und nicht will unterschieden
wird. Es wird nicht mehr darauf geachtet, was einem nützt und einem schadet. Die
Gebote verlieren dort ihren Stellenwert. Das liebe Geld bringt das Gewissen zum
Schweigen. Das ist nun die Kehrseite der Medaille. Er fing an zu darben.
Liebe Gemeinde, wir Menschen meinen immer, in dieser Welt bekäme unsere Seele
Ruhe und Frieden. Man käme ganz gut ohne Gott klar. Das geht solange gut,
solange man genügend Geld und genügend Respekt vor den anderen hat. Auch mit
Geld muss die Seele darben. Nur merkt sie den Mangel nicht so, aber ohne diese
Mittel, muss sie darben. Die Welt kann den Hunger der Seele nicht stillen. Wo
die Liebe des Vaters verschmäht wird, müssen wir Hunger leiden. Der Sohn wollte so frei sein, so unabhängig. Nun gerät er in schlimmste Abhängigkeit. Er muss Säuen dienen. Und nicht einmal ekeliges Schweinefutter, Abfälle gönnt man ihm. Er ist nicht mehr der angesehene Sohn eines großen Gutshofes mit vielen Angestellten. Er ist nun Sklave, der Sklaven dienen muss. Liebe Gemeinde, das ist die Wahrheit. Wer Gott den Rücken
kehrt, der wird von seinen Leidenschaften und Begierden irgendwann einmal
versklavt. Das ist die Hölle – ob sie schon hier auf der Erde zu spüren ist,
oder erst nach dem Tod. Liebe Gemeinde, das ist einer der wichtigsten Punkte im Leben
eines Menschen. In sich zu gehen. Nicht immer die anderen, die Eltern, die
Umstände, die Männer, die Frauen, die Lehrer, die böse Welt für eine Sache
schuldig machen. Sondern in sich gehen. Und sich selber verantwortlich sehen. Zu
sehen: Ich bin diesen Weg gegangen. Und dann auch die Demut haben, wieder zurück
zu kehren. Und er küsst ihn. Den verschmutzen und dreckigen Sohn. Ein Kuss ist das Zeichen der Liebe. Das ist die Liebe Gottes. Die Liebe Gottes sieht den Menschen. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt
gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein
Sohn heiße. Der Vater beschönigt nichts, tut auch nicht so, als wäre nichts gewesen, denn er sagt: Mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden. Aber er legt die Betonung nun auf das Leben, auf das wieder da sein. Und darum freut er sich. Er lässt ihn auch nicht in seinem früheren Zustand. Er gibt ihm das beste Gewand. In biblischer Sprache ist dies die Gerechtigkeit Jesu, in der wir uns kleiden können. Er bekommt einen Ring an die Hand – Zeichen für seine Zugehörigkeit zur Familie. Jeder auf den Ländereien konnte am Ring sehen: Das ist ein Familienangehöriger und sie mussten ihm zu Diensten stehen. Und er bekommt neue Schuhe. Ein Zeichen von Adel und Würde, aber auch ein Zeichen für einen neuen Lebenswandel. Liebe Gemeinde, wenn wir auch als Christen Sünder waren und
hin und wieder fallen und ausrutschen, so heißt die Rückkehr ins Vaterhaus, dass
wir uns auch wie im Vaterhaus verhalten. Und zu diesem Verhalten gehört Freude
und Feiern. Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen und rief zu sich einen der Knechte. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Sieh, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre. Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. Was kennzeichnet den großen Bruder? 1. Er ist zornig und nicht bereit zu feiern. An pharisäischen
Menschen ist stets eine gewisse Aggressivität zu spüren. Sie sind immer ein
wenig unter Strom und können nicht ausgelassen feiern. beide Söhne sind verlorene Söhne. Beiden kommt der Vater mit viel Liebe entgegen. Ich weiß nicht wo Sie gerade stehen. Ob Sie gerade das Vaterhaus verlassen wollen, ob sie bei den Schweinen darben, ob sie draußen verbittert stehen und Gottes Gnade und Güte nicht wahrhaben wollen. Ich kann nur sagen: Der dreieinige Gott liebt Sie unendlich. Kommen Sie in seine Vaterarme, und Sie und wir und die Engel im Himmel werden herrliche Feste feiern. Amen |
|
Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an:
webmaster@ev-Kirche-Eupen-NeuMoresnet.org
|