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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 22. September 2002Liebe Gemeinde, Ich lese Eph. 4,1-6: So ermahne ich euch nun, ich, der ich um Jesu willen im
Gefängnis bin, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid.
Ertragt einer den anderen in Liebe. In aller Demut und Sanftmut, in Geduld.
Setzt alles daran, die Einheit wie sie der Heilige Geist schenkt, zu wahren
durch das Band des Friedens. Gott hat uns in seine Gemeinde berufen. Darum sind
wir ein Leib. In uns wirkt ein Geist, und uns erfüllt ein und dieselbe Hoffnung.
Wir haben nur einen Herrn, einen Glauben und eine Taufe. Und wir haben nur einen
Gott. Er ist der Vater, der über uns allen steht, der durch uns alle und in uns
allen wirkt. Es ist wie wenn man in eine Familie hineingeboren wird. Man
kann sich an seinen Geschwistern ärgern und reiben wie man will. Man ist
hineingeboren. Und jeder tut sich gut daran, das als eine gute Tatsache
anzunehmen auch wenn es schwierig ist. Genau so ist es mit der Gemeinde. Gott
hat uns in sie berufen. Da gehören wir hin, das ist unser Platz. Ohne sie werden
wir zu Rebellen oder verkümmern, werden zu geistlichen Straßenkindern. Wir bilden praktisch einen Leib. In einem Leib kann kein
Glied vom anderen sagen, der passt mir nicht, den will ich nicht haben, sondern
jedes Glied ist für das andere da. Das Auge und die Nase zeigen der Hand, wo es
etwas Gutes zu essen gibt, die Hand bereitet das Essen für den Mund zu, die
Zähne verkleinern die Nahrung für den Magen vor. Der Magen zersetzt sie so, dass
der die Nährstoffe im Darm ins Blut gelangen. Das Blut verteilt die Nahrung –
angetrieben vom Herzen – in alle Zellen, die wiederum zum Wohlbefinden des
Ganzen dienen. Nicht zuletzt wieder der Hand und dem Auge. Kein Glied kann vom
anderen sagen, das brauchen wir nicht. Ich hab keine Lust, der Hüter des anderen
zu sein. Der geht mich nichts an. Bei unserem Leib ist es sogar so, dass es den
Gliedern Freude macht, einander zu dienen. Wir gerne schiebt doch die Hand dem
hungrigen Bauch ein Butterbrot in den Mund und welch ein Genuss für die Zähne
ist es, dies zu zerkleinern. Und wenn ein Teil des Körpers krank ist, dann
leiden alle anderen Glieder mit. Selbst bei einem relativ leichtem Schmerz wie
Muskelkater in den Beinen, leidet schon der ganze Körper. Die evangelische Kirche ist ärmer dran, seit sie sich von den
römisch-katholischen Christen getrennt hat und der katholischen Kirche fehlen
die evangelischen Elemente. Uns ging der Gehorsam und die Demut abhanden, die
man oft bei katholischen Christen erlebt und ihnen ging der innige Umgang mit
der Bibel verloren. Es ist Gottes Geist, der in uns wirkte, als wir unser Leben
Jesus anvertrauten, es ist sein Geist der wirkt, wenn wir nach Gottes Willen
trachten und tun, es ist sein Geist, wenn ich mich an seiner Erlösung freue und
ihm meine Schuld bringe. Liebe Gemeinde, dieser Geist wirkt bei uns und er wirkt
auch in anderen Gemeinden und in anderen Christen. Alle, die an Jesus glauben, hoffen darauf, nach dem Tod, bei
Gott zu sein. Wir brauchen nicht zu meinen, dass Gott für die Orthodoxen
Christen einen anderen Himmel bereitet hat als für die Baptisten und der Himmel
der Pfingstler wird der gleiche sein wie für uns Lutheraner und Reformierte. Wer
meint, dass die anderen nicht in den Himmel kommen, nur weil sie ein anderes
Gesangbuch haben, der maßt sich Jesu Richteramt an. Die Gesellschaft dort ist sehr distanziert, sehr höflich, es gibt sehr viele Konventionen, alles hat seinen geregelten Gang. Gefühle zeigen, ist so ziemlich das letzte. In solch einem indonesischen Dorf kam eine Familie zum Glauben. Das Leben in der Familie änderte sich gründlich. Denn plötzlich gab es in dieser Familie laute Worte und richtigen Streit. Es ging oft drunter und drüber, man schimpfte laut miteinander so dass es die Leute auf der Straße hören konnten. Was war die Reaktion der Dorfbewohner? Der Häuptling kam nach einigen Wochen zu der Familie. Und der sagte zum Vater der Familie: Ich will auch Christ werden. Der Vater fragte ihn: Was hat Dich bewogen Christ zu werden? Der Häuptling antwortete: Ihr habt Frieden, den will ich auch. Diese Geschichte hab ich lange nicht verstanden. Bis mir klar wurde: Frieden heißt nicht: Schwamm drüber, über Differenzen reden wir nicht, Frieden heißt: Ich hab den anderen so lieb, dass ich ihm auch sage, wenn ich anderer Meinung bin. Und wenn wir uns auch streiten, so suchen wir doch, um der Liebe Jesu willen, nach einer Einigung, wir streiten uns, aber wir suchen die Versöhnung. Das ist das Band des Friedens. Augustin hat diesen Frieden sehr schön beschrieben: „Miteinander reden und lachen, sich gegenseitig Gefälligkeiten erweisen, zusammen schöne Bücher lesen, sich necken, dabei aber auch einander sich Achtung erweisen, mitunter sich auch streiten ohne Hass, so wie man das wohl einmal mit sich selbst tut, manchmal auch in den Meinungen auseinander gehen und damit die Eintracht würzen, einander belehren und voneinander lernen, die Abwesenden schmerzlich vermissen, die Ankommenden freudig begrüßen, lauter Zeigen der Liebe und Gegenliebe, die aus dem Herzen kommen, sich äußern in Miene und Wort und tausend freundlichen Geste, den Geist in Gemeinsamkeit entflammen, so dass aus den Vielen eine Einheit wird. Amen |
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