Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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Der Weg zum Glück                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 2. Januar 1999

Der Bibelabschnitt, der dieser Predigt zugrunde liegt steht im Johannesevangelium Kap 14, 1-6. Dort sagt Jesus:

Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn´s nicht so wäre, würde ich dann zu euch gesagt haben: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, so will ich wieder kommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. Und wo ich hingehe – den Weg wisset ihr. Spricht zu ihm Thomas: „Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; und wie können wir den Weg wissen?“ Jesus spricht zu ihm: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

Liebe Gemeinde,

„Viel Glück im Neuen Jahr“ – jeder von uns hat wohl solch gute Wünsche beim Jahreswechsel mit auf den Weg bekommen und auf den Weg gegeben. Wie stellen wir uns dieses Glück vor, das wir uns wünschen? Glück hat viele verschiedene Facetten. Ich bin z.B. glücklich, wenn ich in Einklang lebe mit mir selbst und mit meinen Mitmenschen.

Ich fühle mich gut, wenn ich dem, was ich gerne sein möchte auch in Wirklichkeit entspreche. Oder:

Ich bin guter Stimmung, wenn ich unter Menschen weile, die mich verstehen, die mich lieb haben, die ähnliche Ansichten teilen, die mir nichts böses antun wollen. Mit ihnen zu feiern führt zu ausgelassener schöner Stimmung. Jeder von uns denkt gerne an solch glückliche Stunden zurück.

Doch stets ist unser Glück gefährdet – wäre es stabil, müsste man es nicht wünschen.

Denn sehr schnell entspricht man nicht mehr seinem eigenen Lebensgefühl, weil man krank wird, versagt hat, oder die finanziellen oder geistigen Mittel dafür nicht reichen. Dann ist man unzufrieden und hat an allem etwas auszusetzen.

Schnell keimen Streit und Missgunst unter Menschen auf – ein einziges Wort genügt oft aus, und aus besten Freunden werden erbitterte Gegner. Gerade in der Weihnachtszeit, gibt es oft handfesten Streit in unseren Familien. Die Vereinigung deutscher Rechtsanwälte hat eigens für diese Feiertage eine Hotline errichtet, um den so zahlreichen Wünschen nach Ehescheidung und Testamentsänderungen rasch entsprechen zu können.

Ja – Glück und Glas, wie leicht bricht das!

Darum versuchen wir Menschen unserem zerbrechlichen Glück ein Haus zu bauen. Mit verschiedenen Ablenkungen, mit Essen und Trinken, oder auch mit einem vollen Terminkalender verschafft man sich das Gefühl gut zu sein und baut dadurch seiner Seele eine Zuflucht.

Mit geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen und guten Umgangsformen regeln wir unser Zusammenleben, um größere Zusammenstöße zu vermeiden. Und dadurch können wir unserem Zusammenleben ein Zuhause bieten.

Doch auch diese Häuser über unserem Glück können auf die Dauer sehr baufällig werden. Und ein Krieg, ein Unglück – kann alles in kürzester Zeit zerstören und Menschen in die Flucht jagen und unglücklich werden lassen.

Auch den Jüngern Jesu droht ein solcher Zusammensturz. Die Jünger hatten nämlich ihr Glück gefunden. Sie hatten Jesus gefunden. Und von ihm kamen sie nicht mehr los. Von ihm waren sie begeistert, bei ihm fühlten sie sich verstanden, er erfüllte ihre Hoffnungen. Gerne wollten sie diesem Glück mit Jesus ein Haus bauen. Sie wollten Jesus zum König machen – für sein Reich kämpfen. Doch Jesus hatte sich nicht von Menschen so ein Haus bauen lassen wollen und sich stets entzogen.

Und nun dieser verwirrende Abend. Jesus erzählt: „Ich werde verraten und verkauft, und gekreuzigt. Und jetzt nehme ich Abschied von euch.“

Das schöne Gedankengebäude, von der Herrlichkeit Jesu, in dem sich die Jünger eingenistet hatten, bricht zusammen. Schrecken und Chaos vor ihren Augen. Angst und Unsicherheit vor dem was kommt.

Liebe Gemeinde, scheint ihr kleines Häuschen vom Glück rissig, baufällig oder Einsturz gefährdet? Fürchten Sie sich vor dem, was kommt?

Dann hören Sie hin, denn Jesus spricht in eine solche Situation hinein zu seinen Leuten: „Erschreckt nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich. In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen!!“

So als wollte er sagen: Auf meinen Vater, sowie auf mich könnt Ihr Euch verlassen. Augenscheinlich bricht euer Glück zusammen – eure Selbstsicherheit ist in Frage gestellt, die Verbundenheit und Freundschaft unter uns bricht auseinander und Gott hüllt sich in Dunkel. Erschreckt deswegen nicht, sondern vertraut mir über den Augenschein hinweg. Vertraut darauf, dass ich eure Zuflucht bin, auch wenn alles einzustürzen droht. Denn dort, wo ich zuhause bin, bei meinem Vater, dort lebt das Glück sicher. Und dort ist genug Platz auch für euch.

Und weiter führt er aus – ich umschreibe es: „Ich werde es euch dort schön einrichten und gemütlich machen. Wir werden dort in unbeschreiblichem Glück beieinander sein können. Ich wäre nicht bei Euch, wenn es nicht so wäre. Den Weg dorthin habe ich immer wieder beschrieben, ihr müsst ihn kennen.

Doch Thomas, ein Jünger, der immer wieder nachfragt, wendet ein: „Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; und wie können wir den Weg wissen.“ Und manch einer von uns heutigen, möchte zu Thomas hinzufügen: „Dort, wo du hingehst, sehe ich absolut keinen Weg zum Glück, zu einer harmonischen Beziehung zu Gott, dort sehe ich nur Trümmer und die unwirtliche Steinwüste der dunkelsten Gottverlassenheit, nie und nimmer würde ich dort mein Glück suchen.“

Unsere menschlichen Vorstellungen von einem Weg zum Glück zerbrechen an dieser Stelle. Nur unzulängliche Bilder und Vergleiche können eine Erklärung bieten.

Und so kann ich auch hier nur ein unzulängliches Vergleich anführen.

Ich hörte kürzlich im Radio ein Interview mit einem Vater, dessen Frau und zwei Kinder bei dem schrecklichen Zugunglück in Eschede letztes Jahr ums Leben gekommen sind. Der vermögende Vater erzählte, wie sehr ihm seine Kinder fehlen. Er berichtete sinngemäß folgendes: „Ich versuche, um über den Schmerz hinwegzukommen mein Herz, mein Haus, meine Gaben für die Schule und die Klassenkameraden meiner Kinder zu öffnen – sofern diese es natürlich wünschen. In gewissem Sinne sind dies nun auch meine Kinder geworden, weil ich in ihnen, meine eigenen Kinder sehe.“

Ähnlich könnte man das Kreuz deuten: Durch Jesu Tod hat der Vater im Himmel sein Herz geöffnet für die Freunde von Jesus, weil sie sein Schicksal teilen. Somit öffnet der Vater sein ewiges Haus auch für die, die zu Jesus gehören wollen.

Über das Bild hinaus kann man sagen: Die Freunde und Jünger werden wie Jesus auferstehen und mit Jesus in der Einheit mit dem Vater in unbeschreiblichem und unzerbrechlichen Glück zusammenleben.

Die Schulkinder konnten sich die Zuwendung dieses einen Vaters nicht erarbeiten, sein Haus steht ihnen nicht offen, weil sie so hervorragende und anständige Kinder sind, sondern einzig und allein, weil es Freunde und Kameraden seiner Kinder waren.

So ist es auch mit dem Vaterhaus Gottes. Wir bekommen keinen Zugang, weil wir uns so abmühen, und weil wir so eifrig versuchen uns kleine Häuser für unser Glück zu bauen, sondern allein dadurch, dass wir Freunde und Bekannte Jesu sind. Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum ewigen Glück – in meines Vaters Hause außer durch mich.“

Über einen Weg kann man lange diskutieren, ob dieser Weg zum Ziel führt oder nicht.  Man muss aber dem Wegschild und auf die Aussagen glaubwürdiger Menschen vertrauen, ob es der richtige Weg ist. Aber erst, wenn man sich selbst auf die Socken macht und den Weg geht, wird man erkennen, ob er in die richtige Richtung zum Ziel führt.

So können die Menschen lange diskutieren, ob Jesus der Weg ist. Aber erst, wenn sie sich ihm anvertrauen, seinem Wort und seinen Zeugen Glauben schenken, werden sie die Wahrheit dieses Weges erkennen, der zum vollen Leben führt.

Darum lassen sie uns liebe Gemeinde, liebe Freunde von Jesus, liebe Schwestern und Brüder aufbrechen und auch in dem neuen Jahr auf diesen Weg machen. Lassen sie uns das Glück, das diese Welt uns bietet nur so genießen, als hätten wir es nicht. Wir wollen auch unser Leid und Unglück durch diese Vision vom Vaterhaus relativieren lassen.

Vertrauen wir uns ihm an – ganz und gar.

Hoffen wir auf die Heimat, die auf uns wartet. Auf das Leben in himmlischen Einklang mit uns, mit unseren Geschwistern, mit unserem dreieinigen Gott. Hoffen wir auf das ewige Glück. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen: Viel Glück im Neuen Jahr.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010