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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 20. Februar 2000
Liebe Gemeinde,
der Bibelabschnitt für den heutigen Gottesdienst steht in Lk
17,7-10
Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das
Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz
dich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das
Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe;
danach sollst du auch essen und trinken? Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan
hat, was befohlen war? So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen
ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun
schuldig waren.
Liebe Gemeinde,
diese Worte Jesu stoßen hart auf. Denn zum einen empfinden
wir ein Sklavenschicksal als ungerecht und unmenschlich. Doch zur Zeit Jesu
empfand man die Einrichtung der Sklaverei als etwas völlig normales. Niemand
nahm Anstoß daran. Wenn man einen Sklave besaß, konnte man über ihn verfügen,
wie man wollte. Der Sklave selber hatte nicht viel zu sagen. Er war dazu da,
verschiedene Arbeiten auf dem Feld und im Haus zu erledigen. Das war ganz
selbstverständlich. Das war die feste Ordnung.
Wir haben heute keine Sklaven mehr und das ganze ist uns fremd. Aber vielleicht
kann ich die Selbstverständlichkeit der Arbeit eines Sklaven an einem Beispiel
deutlich machen. Zwar halten wir keine menschlichen Sklaven mehr aber dennoch
gibt es in unseren Haushalten Diener, die uns viel Arbeit abnehmen.
Nehmen wir z.B. die großartige Dienerin Waschmaschine. Wie sind wir froh über
sie. Man kauft sie sich im Elektrogeschäft, stellt sie auf und dann ist sie dazu
da, dass sie unsere verschmutzte Kleidung wäscht. Für jeden von uns ist es
selbstverständlich, dass Waschmaschinen Wäsche waschen. Keiner käme auf den
Gedanken zu seiner Maschine zu sagen: „Danke schön Clementine, dass du unsere
Wäsche, so schön gewaschen hast.“
Genauso wenig kam man früher auf die Idee sich bei einem Sklaven zu bedanken.
Auch kommt niemand von uns auf den Gedanken, eine Waschmaschine nach einem
Waschgang anzuhalten und zu ihr zu sagen: „So liebe Waschmaschine – für heute
hast du genug gearbeitet. Das schleudern übernehme ich für dich.“
Ebenso wenig konnte ein Sklave erwarten, dass ein Herr zu ihm sagte, wenn er von
der Feldarbeit nach Hause kam: „Komm gleich her, mach es dir gemütlich, ruh dich
aus – iss und trink.“
Und haben sie je schon einmal daran gedacht, ihre Waschmaschine zu belohnen?
Haben Sie schon gedacht: Jetzt hat sie ein ganzes Jahr lang für uns gewaschen,
jetzt soll sie doch einmal drei Wochen Ferien bekommen. Die Wäsche bringen wir
in dieser Zeit in die Wäscherei. Dieser Gedanke klingt geradezu komisch.
Genauso konnte sich damals nicht vorstellen, einen Sklaven zu belohnen oder zu
beurlauben. Ein Sklave hatte seine Pflicht zu tun und jeder fand das richtig.
Klar - ein anständiger Mensch, behandelte seine Sklaven gut. Er achtete, dass
sie ausreichend ernährt, dass sie mit ihrer Arbeit nicht überlastet wurden.
Aber das tun wir ja auch mit unseren Maschinen. Wir achten darauf, dass die
Trommel nicht überfüllt wird und geben Weichspüler in die Waschmittelschublade
und keine Salzsäure.
Doch alles in allem: Ein Sklave hatte keine Rechte – sondern nur Pflichten. Und
es war selbstverständlich, dass er diese Pflichten erfüllte, so
selbstverständlich, wie heute eine Waschmaschine unsere Wäsche wäscht.
Und jetzt kommt der zweite Punkt, was an den Worten Jesu hart aufstößt: Für
Jesus ist es selbstverständlich, dass ein Mensch ein Sklave Gottes ist. Für
Jesus ist es ganz natürlich, dass ein Mensch Gottes Eigentum ist. Gott hat das
Recht über einen Menschen zu bestimmen, wie er will.
Ein Mensch dagegen hat zu tun, was Gott von ihm verlangt. Das ist der Auftrag,
die Pflicht und die Bestimmung eines jeden Menschen. Das ist selbstverständlich.
Wenn jemand etwas für Gott tut, dann braucht er sich nichts einzubilden. Er
braucht nicht auf Lohn zu spekulieren und auch nicht meinen, dass er sich einen
besonders tollen Platz im Himmel ergattert. Manchem ist viel anvertraut, von dem
wird auch viel erwartet. Niemand kann vor Gott mit irgendwelchen Leistungen
angeben. Im Gegenteil, darüber ärgert sich Gott. Denn es sollte
selbstverständlich sein, dass jeder Mensch für Gott da ist.
Davon geht Jesus aus. Das will Jesus mit diesem Gleichnis sagen. Und er hat
recht: Gott hat die Erde geschaffen, sie ist sein Gut. Gott hat den Menschen das
Leben gegeben auch sie sind sein. Er ernährt sie – durch der Sonne Licht, des
Wassers Leben, des Windes Odem, der Erde Fruchtbarkeit.
Der Mensch soll nun als Eigentum Gottes ein treuer Verwalter
sein. Er soll die Erde bebauen und vor dem Chaos bewahren, er soll Kinder groß
ziehen, denn Gott scheint besondere Freude an Kindern zu haben, er soll Gott
lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit seinem Gedanken und mit allem,
was er hat. Und er soll für andere Menschen da sein und ihnen helfen auch Gott
zu dienen.
Jeder einzelne Mensch hat von Gott bestimmte Fähigkeiten für seine Aufgaben
bekommen. Es sollte selbstverständlich für ihn sein, Gott mit allem was ihm zur
Verfügung steht, zu dienen.
Hier sollte nun jeder sich selbst fragen: Diene ich Gott? Bin ich treuer
Verwalter, der Güter, die er mir zur Verfügung gestellt hat?
Oder sehe ich meine Zeit, mein Geld, meine Gesundheit, meine Fähigkeiten als
etwas an, das nur mir allein gehört und dass Gott allenfalls ein klein wenig
zusteht?
Ich kenne zwei vorbildliche und treue Diener Gottes. Das sind Willy und Rosmarie
Flückiger. Für sie war es selbstverständlich, dass ihr ganzes Leben ein Dienst
für Gott sein sollte. Sie haben ihre Kraft, ihre Zeit, ihre Ideen, ihr
Familienleben, ihre Wohnung, ihr Geld immer wieder in den Dienst der Gemeinde
gestellt. Ja, man könnte sagen: Leben und für Gott da sein ist bei ihnen eine
Einheit. Dies wurde mir bei der letzten Geburtstagsfeier bewusst. Dias wurden
gezeigt. Ich dachte, nun sehe ich Rosmarie als junge Frau, die junge Familie
während des Urlaubes in der Schweiz, ein Bild vom Sonntagsspaziergang, die
Hochzeitstorte bei der silbernen Hochzeit. Doch es kam anders. Ich sah einen
Diavortrag über das Leben unserer Gemeinde in den letzten dreißig Jahren und
dieses Leben, war gleichzeitig auch das Leben der Familie. Da sein für Gott und
für Menschen, die ihre Hilfe brauchen, das ist für sie selbstverständlich.
Ich weiß, Gottes Aufträge für den einzelnen sind unterschiedlich, nicht jeder
kann diesen Einsatz bringen, den Willy und Rosmarie gebracht haben. Und dennoch
gilt: Für einen Menschen sollte es selbstverständlich sein für Gott da zu sein
und ihm zu dienen und zwar 100% und in allen Bereichen des Lebens. Das ist in
einer Zeit, in der Privatleben, Freizeit, Spaß und Selbstverwirklichung an der
Spitze der Ideale stehen eine harte Botschaft. Aber nur wer Gott dient, der lebt
seine Bestimmung, der verwirklicht sich selbst. Wer Gott nicht achtet, der
verfehlt seinen Lebensauftrag.
Vielleicht sind diese Worte kein großer Ansporn Gott zu dienen. Darum möchte ich
auf unseren Herrn hinweisen, dem wir dienen. Vielleicht bekommt der ein oder
andere dann Mut, Gott zu dienen.
Kommen wir dereinst von unserer Arbeit und der Last unseres Lebtages müde nach
Hause. Dann ruft Jesus, der Herr, uns zu:
„Kommt schnell, es ist mir ein großes Verlangen, mit Euch zusammen etwas gutes
zu Essen und Trinken!“ Er läuft uns weit entgegen, nimmt uns etwas von unserem
schweren Gerät ab, das wir zu tragen haben, so dass die Last erträglich wird und
er sagt: „Kommt zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch
erquicken. Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“
Dann bittet er uns zu Tisch. Macht es euch bequem und ruht euch aus. Er zieht
eine Schürze an und kommt mit einer Schüssel warmen Wasser, dann wäscht er
behutsam unsere schmerzenden, müden und schmutzigen Füße und reibt sie mit einem
frischen sauberen Handtuch gründlich trocken.
Anschließend setzt er sich zu uns an den Tisch, er teilt Brot des Lebens aus,
damit wir satt werden. Und er reicht uns den Wein der Freude und den Kelch des
Heils, den er mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben für uns erworben hat.
Er, der Herr aller Herren, dem alle Engel und Erzengel, alle Gewalten und Mächte
untertan sind, dient uns und ist für uns da. Er macht uns, die wir eigentlich
nur armselige Sklaven sind, die nichts zu erwarten haben zu seinen Freunden und
zu Gottes Kindern.
Sollten wir nicht solch einem guten und großartigen Herrn gerne dienen?
Amen.
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