Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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Der Herr ist auferstanden                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 4. April 1999, Ostersonntag

(Lk 24, 13-35)

Liebe Gemeinde,

ich lese noch einmal die Geschichte der Jünger, die nach Emmaus wandern, aus dem Evangelium nach Lukas.

Am selben Tag wanderten zwei Jünger nach Emmaus, einem Dorf, das ungefähr zehn Kilometer von Jerusalem entfernt liegt. Unterwegs redeten sie über nichts anderes als über die Ereignisse der letzten Tage. Während sie miteinander sprachen gesellte sich Jesus zu ihnen. Aber wir mit Blindheit geschlagen, konnten sie ihn nicht erkennen. „Worüber unterhaltet ihr euch?“ fragte sie Jesus. Die Jünger blieben traurig stehen, und verwundert bemerkte Kleopas, einer von den beiden: „Ich glaube, du bist der einzige in Jerusalem, der nichts von den Ereignissen der letzten Tage gehört hat.“  „Was ist denn geschehen?“ wollte Jesus wissen. „Du hast nichts von Jesus gehört, dem Mann aus Nazareth?“ antworteten die Jünger. „Er war ein Prophet, den Gott geschickt hat. Jeder im Volk konnte das an seinen Worten und Taten erkennen. Aber unsere Hohenpriester und Männer vom Hohen Rat haben ihn an die Römer ausgeliefert. Er wurde zum Tode verurteilt und dann ans Kreuz geschlagen. Dabei hatten wir gehofft, dass er der von Gott verheißene Retter ist, der Israel befreien sollte. Das war vor drei Tagen. Heute morgen wurden wir sehr beunruhigt durch einige Frauen, die zu uns gehören. Schon vor Sonnenaufgang waren sie zum Grab gegangen; aber sein Leichnam war nicht mehr da. Ihnen seien Engel erschienen, die sollten gesagt haben: „Jesus lebt!“ Einige von uns sind gleich zum Grab gelaufen. Es war tatsächlich leer, wie die Frauen berichtet hatten. Aber Jesus haben sie nicht gesehen.“ Darauf sagte Jesus zu ihnen: „Wie unverständig seid ihr doch! Warum begreift und glaubt ihn nicht, was die Propheten vorhergesagt haben? Musste Christus nicht all dies erleiden, bevor Gott ihn zum Herrn über alles einsetzt?“ Dann erklärte ihnen Jesus, was in der Heiligen Schrift über ihn gesagt wird – von den Büchern Mose angefangen bis zu den Propheten. Inzwischen waren sie kurz vor Emmaus. Es sah aus, als wollte Jesus weitergehen. Deshalb drängten ihn die Jünger: „Bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt.“ So ging er mit ihnen ins Haus. Als sie sich zum Essen gesetzt hatten, nahm Jesus das Brot, dankte dafür, brach es in Stücke und gab es ihnen. Da plötzlich erkannten sie ihn. Doch er wurde er unsichtbar vor ihren Augen. Jetzt fiel es ihnen wie Schuppen von ihren Augen: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete und uns die Heilige Schrift erklärte?“ Ohne Zeit zu verlieren, liefen sie sofort nach Jerusalem zurück. Dort waren die elf Jünger und andere Freunde Jesu zusammen. Von ihnen wurden sie mit den Worten begrüßt: „Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Petrus ist er erschienen.“ Nun erzählten die beiden, was auf dem Weg nach Emmaus geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, als er das Brot brach.

Was hat uns diese schöne Ostererzählung zu sagen? Ich möchte drei Dinge herausgreifen:

1. Der Auferstandene ist uns näher als wir denken.

Da sind zwei Anhänger Jesu unterwegs. Völlig frustriert und enttäuscht. Ihr Glaube hatte Schiffbruch erlitten und ist baden gegangen. Sie hatten all ihre Hoffnung auf Jesus gesetzt und das Kreuz hatte alles zunichte gemacht. Ja, sie hatten zwar etwas gehört, dass er nicht mehr im Grab liegt. Doch damit konnten sie nichts anfangen. Da tritt der Auferstandene zu ihnen und begleitet sie als ein Fremder. Und Jesus fragt nach. Wie schön, obwohl er ja alles am besten weiß, lässt er die zwei erst einmal ihre Enttäuschung und ihren Kummer von der Seele reden. Damit beginnt der erste Schritt, sie aus ihrer vorösterlichen Frustration und Trauer zu befreien.

Ich glaube, jeder Christ, ist manchmal in einer ähnlichen Situation wie die beiden Männer. Da hat man schon tausendmal gehört, dass Jesus nicht mehr im Grab liegt und die Sünde, der Tod und das Böse keine Macht mehr haben, doch 10.000 mal bekommen wir die Macht des Todes zu spüren. Wir erfahren, wie wir und andere Christen versagen, wie wir gefangen sind in unseren Gewohnheitssünden, wie uns Krankheiten und Schwächen niederdrücken, wie drohendes oder erlebtes Sterben eines lieben Menschen uns die Macht des Todes beweisen.

Gehen wir in Jesu Namen ein Stück des leidvollen Weges mit dem andern mit, bieten wir ihm Raum zur Klage, und hören ihn geduldig an. So befinden wir uns auf dem Weg heraus aus der Trauer. Und vielleicht ist der Auferstandene uns ganz nahe, bevor wir es überhaupt wahrnehmen.

2. Der Auferstandene ist uns näher als wir denken, beim Hören auf Gottes Wort.

Als die zwei Wanderer ausgeredet hatten, beginnt Jesus zu erklären. Nicht irgendwelche Geheim- und Sonderlehren, sondern er öffnet ihnen die Heilige Schrift. Er zeigt ihnen, wie Gesandte Gottes, von eigenen Leuten verraten werden und bedrängt werden, dem Tode nahe sind und dennoch Gottes Hilfe und Herrlichkeit erfahren. All dies sind wie Hinweisschilder und Wegzeiger auf den, der einmal für die Sünden der Menschen leiden und sterben wird, den aber Gott nicht im Tod lässt, sondern neues Leben schenkt. So führt Jesus sie langsam und behutsam aus ihrer Trauer heraus und öffnet ihnen den weiten Horizont Gottes.
Ich glaube, dass unser Denken ebenfalls aus der Traurigkeit befreit werden kann, wenn wir auf sein Wort hören, uns die Heilige Schrift von ihm öffnen lassen und so Stück für Stück einen weiten Horizont bekommen, für Gottes Pläne, auch wenn wir immer wieder ein schweres Kreuz zu tragen haben und viele unsere Hoffnungen und Wünsche durchkreuzt werden. Und so ist uns Jesus näher, als wir denken, beim Hören auf die Worte der Heiligen Schrift.

3. Jesus ist uns näher als wir denken, wenn das Brot gebrochen wird.

Die zwei Wanderer laden Jesus zu sich ein und essen mit ihm. Jesus wird plötzlich der Hausherr, er nimmt das Brot, dankt, bricht es und gibt es den Jüngern. Und plötzlich erkennen sie ihn. Sie entdecken: Er lebt, er ist da, er ist bei uns, er selbst. Er hat den Tod wirklich besiegt, er ist tatsächlich auferstanden. Dann aber ist er wieder unsichtbar.

So kann mir Jesus plötzlich nahe sein, wenn ich ihn in mein Haus einlade, wenn er der Hausherr werden darf über mein Wollen, über mein Tun, über meine Zeit. Und wenn ich zu seinem Mahl komme, wo das Brot gebrochen wird, ist es möglich, dass ich für einen ganz kleinen Augenblick deutlich seine Liebe und seine Gegenwart spüre. Ganz wirklich. Wenn man einen schönen Augenblick erlebt, möchte man eventuell gekniffen werden, um festzustellen, dass es kein Traum, keine Einbildung ist. Das Brot und der Wein sollen uns die Sinne wecken, dass Jesus gegenwärtig ist.

Ich wünsche, wir spürten ihn so nah, so nah, wie Brot und Wein, wenn wir zusammen das Heilige Mahl feiern. Und ich wünsche, sein Geist fülle uns mit solcher Freude, dass wir wie die Emmausjünger zu den anderen zurückeilen, um einander gegenseitig zuzujubeln:

„Der Herr ist auferstanden. Der Herr ist wahrhaft auferstanden. Halleluja.

Amen

 

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Stand: 04. Juni 2010