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Der Glaube ist Voraussetzung                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 27. März 2005 (Ostersonntag)

Predigtteil 1 für Kinder

In den Kindergottesstunden der letzten Monate habt ihr oft Geschichten von Missionaren gehört. Missionare sind Männer und Frauen, die anderen Menschen weitererzählen, dass Jesus lebt und jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben bekommt.

Mission geht vom allerersten Ostern aus. Von dem Tag, als Jesus von den Toten auferstanden ist. Ich lese Euch jetzt einen Abschnitt aus dem Osterevangelium vor und ihr müsst mir anschließend sagen, welche Personen darin Missionare waren.

1 Als der Sabbat vorüber war, am frühen Sonntagmorgen, gingen Maria von Magdala und die andere Maria hinaus an das Grab.
2 Plötzlich fing die Erde an zu beben, und ein Engel Gottes kam vom Himmel herab, wälzte den Stein, der das Grab verschloss, beiseite und setzte sich darauf.
3 Er leuchtete hell wie ein Blitz, und sein Gewand war weiß wie Schnee.
4 Die Wachtposten stürzten vor Schrecken zu Boden und blieben wie tot liegen.
5 Der Engel wandte sich an die Frauen: «Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.
6 Er ist nicht mehr hier. Er ist auferstanden, wie er es vorhergesagt hat. Kommt und seht euch die Stelle an, wo er gelegen hat.
7 Dann beeilt euch, geht zu seinen Jüngern und sagt ihnen, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Er wird nach Galiläa gehen, um euch dort zu treffen. Diese Botschaft soll ich euch ausrichten.»
8 Erschrocken liefen die Frauen vom Grab weg. Gleichzeitig erfüllte sie unbeschreibliche Freude. Sie wollten sofort den Jüngern alles berichten, was sie erlebt hatten.
9 Sie waren noch nicht weit gekommen, als Jesus plötzlich vor ihnen stand. «Seid gegrüßt!» sagte er. Da fielen sie vor ihm nieder und umklammerten seine Füße.
10 Jesus beruhigte sie: «Fürchtet euch nicht! Geht, sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa kommen! Dort werden sie mich sehen.»

[Frage an die Kinder: Welche Personen sind hier Missionare?]

Nun möchte ich Euch eine Geschichte von einem Jugendlichen, der vor ungefähr hundert Jahren in Indien lebte, erzählen. Er wurde Missionar als er erlebte, dass Jesus lebt.

Der Jugendliche hieß Sundar Singh. Er war ein Kind reicher Leute und er wuchs wohlbehütet auf. Seine Eltern waren keine Christen, aber sie waren sehr gerecht und liebevoll dem Jungen gegenüber. Doch als er ungefähr fünfzehn Jahre alt war, geschah etwas schlimmes in seinem Leben. Seine Mutter, die er sehr geliebt hatte und sein großer Bruder starben innerhalb kürzester Zeit hintereinander.

Sundar war furchtbar traurig und niedergeschlagen. Er sehnte sich so sehr nach den beiden. So gerne hätte er noch einmal mit ihnen gesprochen, hätte sie in seiner Nähe gehabt. Sie fehlten ihm so.

Aber seine Religion konnte ihn nicht trösten. Sie sagte ihm, dass die Seelen seiner Verwandten in irgendeiner anderen Form auf die Erde zurückkehren würden. Möglicherweise als ein anderer Mensch, vielleicht auch als ein Tier, vielleicht als ein anderes Wesen. Nur eines war klar – er würde sie nie wieder finden in dem unendlichen Meer der Lebewesen. Und das machte sein Herz unendlich traurig.

Damals kamen Christen in den Ort in dem er wohnte und eröffneten eine Schule. Sein Vater schickte ihn in diese Schule und er hörte zum ersten Mal von Jesus. Aber er ärgerte sich so darüber, dass er nach einem Jahr die Schule verließ. Ja, seine Wut war so groß, dass er eine Bibel, die er bekommen hatte vor seinem Vater und vor anderen Leuten aus seinem Dorf zerriss und verbrannte. Und er meinte dabei, er hätte etwas Gutes dabei getan. Auch sein Vater lobte ihn dafür.

Doch in seinem Herzen geschah dabei etwas schlimmes. Er fühlte sich noch viel trauriger und elender als vorher. Seine Depressionen wurde nun ganz schlimm. Am Abend des dritten Tages, nachdem er die Bibel verbrannt hatte, hielt er es nicht mehr aus und wollte sich das Leben nehmen.

Er betete: „Wenn es einen Gott gibt, dann soll er sich mir zeigen.“ Und er war entschlossen, wenn Gott sich nicht zeigen sollte, seinem Leben ein Ende zu setzen. Er betete die ganze Nacht darum, dass Gott sich zeigen sollte und gegen halb vier Uhr morgens erstrahlte im Zimmer ein Licht, das immer stärker wurde. Er schaute nach draußen, um zu sehen, woher das Licht kam, aber draußen war es immer noch stockdunkel. Jetzt wusste er, dass etwas Übernatürliches geschah.

Er dachte: Jetzt sehe ich Krishna, oder Buddha, oder einen anderen Gott. Doch da sah er Jesus, den er für tot gehalten hatte.

Und Sundar schreibt: „Bis in alle Ewigkeit werde ich nie sein herrliches und liebendes Gesicht vergessen noch die wenigen Worte, die Er sprach: „Warum verfolgst du Mich? Siehe, Ich bin am Kreuz für dich und der ganze Welt gestorben.“ Diese Worte wurden wie mit einem Blitz in sein Herz gebrannt und er fiel vor Jesus zu Boden. Gleichzeitig wurde sein Herz mit Freude und Frieden erfüllt und sein ganzes Leben war vollständig verwandelt.

Sundar schrieb dazu: „Da starb der alte Sundar Singh, und ein neuer Sundar Singh wurde geboren, damit er dem Lebendigen Christus diene.“

Er war so glücklich darüber, dass er von nun an allen Leuten von Jesus weitererzählte. Er begann gleich am anderem Morgen damit bei seinem Vater. Der schimpfte mit ihm und hielt ihn für verrückt. Doch Sundar Singh ließ sich nicht abbringen. Er wurde ein Missionar und konnte viele Menschen den Frieden und die Freude weiterschenken, die er vom lebendigen Christus bekommen hatte.

Nur sehr wenige Menschen dürfen Jesus in dieser Zeit sehen. Doch ich bin überzeugt, dass einmal der Tag kommt, an dem ihn alle sehen werden. Und die, die heute schon an ihn glauben, werden dann ganz besonders glücklich sein.

Amen.

Predigtteil 2 für Erwachsene

Liebe Gemeinde,

An Karfreitag habe ich über den großen Glauben des Schächers am Kreuz gepredigt. Dieser Mann vertraute darauf, dass Jesus der Herr war, obwohl alle anderen Leute sich über Jesus lustig machten, obwohl Jesus einen qualvollen Tod am Kreuz starb und alles andere darauf hinwies, dass er der Fürst des Lebens ist.

Dieser Glaube hat dem Mann in seiner Todesstunde das Paradies eingebracht. Der Glaube war die Voraussetzung, in das Himmelreich zukommen.

Drei Tage später, am Tag der Auferstehung ist es ebenfalls Glaube, eine wichtige Voraussetzung, um dem Lebendigen Jesus zu begegnen.

Früh am Morgen ist für diejenigen, die Jesus liebten, die Welt immer noch sehr trostlos: Worauf sie hofften, woran sie glaubten war zerstört worden. Die Frauen, die zum Grab gingen, wollten noch ein Letztes an Liebe für Jesus tun. Sie waren an einem Punkt angelangt, wo man überhaupt nicht mehr hofft und auch nicht mehr wagt, irgendetwas zu glauben. Der Prozess und die Hinrichtung nahmen ihren Lauf, ohne dass Gott eingegriffen hätte. An Karfreitag war kein Engel gekommen, um Jesus zu retten. Warum hat Gott nicht geholfen? Warum hatte er Jesus verlassen? Ich kann mir vorstellen, dass durch solche Warum-Fragen ihr Glaube damit auf dem Nullpunkt angekommen war.

Das einzige, was ihnen wohl geblieben war, war ihre große Liebe zu Jesus. Und die konnte ihnen niemand nehmen.

Wie mussten daher die Frauen erschrocken sein, als ihnen plötzlich eine übernatürliche Weise ein Engel erschien. Damit hätten sie wohl an diesem Morgen zuallerletzt gerechnet.

Liebe Gemeinde, Gott ist immer und immer wieder für Überraschungen gut. Gerade dann, wenn wir mit unserer menschlichen Kraft und unserem Latein am Ende sind, dann plötzlich taucht Gottes Hilfe auf.

Für die Frauen war das Eingreifen Gottes eine freudige Überraschung. Und trotzdem fürchten sie sich zuerst vor dem Engel. Vielleicht, weil er eine große Macht und Majestät ausstrahlte, vielleicht, weil ihnen plötzlich bewusst wurde, wie kleingläubig sie über Gott gedacht hatten.

Und der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.  Er ist nicht mehr hier. Er ist auferstanden, wie er es vorhergesagt hat. Kommt und seht euch die Stelle an, wo er gelegen hat.

Selbst bei der übernatürlichen Begegnung mit einem Engel wird bei den Frauen der Glauben herausgefordert. Der Engel zeigt ihnen das leere Grab und die Dinge, die auf die Auferstehung hinweisen. Aber Jesus, den Auferstandenen sehen sie erst einmal noch nicht. Sie müssen also den Worten des Boten Gottes vertrauen. Obwohl es in diesem Augenblick wenig Raum für Zweifel gibt, ist dennoch ihr Glaube gefragt. Die Wachen haben ja ähnliches erlebt, doch in ihnen verschließt sich das erlebte, weil sie nicht glauben wollen.

Die Frauen gehorchen den Worten des Engels und machen sich auf den Weg zu den anderen Jüngern. Auf dem Weg des Gehorsams und des Glaubens begegnet ihnen Jesus und sie erkennen ganz klar, dass alles wahr ist, was Jesus noch zu seinen Lebzeiten in alter Gestalt gesagt hatte und auch was der Engel sagte.

Ähnlich ist es bis heute geblieben. Wenn wir uns auf den Weg machen, wenn wir dem Auftrag gehorchen, den Gott für uns bestimmt hat, wird unser Glaube stärker und sicherer.

Nun sind die Jünger an der Reihe, dem Wort der Frauen zu vertrauen. Aber das tun sie nicht. So können es nicht glauben und Jesus muss ihnen auf die Sprünge helfen und zeigt sich ihnen. Bei aller Freude des Wiedersehens, schimpft er sogar mit ihnen wegen ihres Unglaubens.

Heute bin ich zwar froh, dass die Jünger ein wenig gezweifelt haben. Das erhöht für mich die Glaubwürdigkeit der biblischen Überlieferung.

In den Medien wird ja jedes Mal um Ostern herum gegen die Zuverlässigkeit der biblischen Überlieferung zu Felde gezogen. Angeblich stimmt das alles gar nicht und die Auferstehung sei eine erfundene und erlogene Geschichte der Jünger.

Doch die Jünger selbst konnten es kaum glauben. Wie können sie dann eine solche Geschichte erfinden? Sie haben es erlebt, sie haben Jesus gesehen, sie haben Jesus gehört, sie haben Jesus berührt. Er lebt.

Nun liegt die Herausforderung an uns.

Wollen wir den Worten der Jünger Jesu vertrauen, die im Neuen Testament stehen? Wenn ja, dann haben wir die schönste Botschaft. Jesus lebt und mit ihm dürfen auch wir leben. Er schenkt uns ewiges Leben in seinem ewigen Reich. Wenn ja, dann wartet auf uns keine böse Erwartung, wenn wir ihn eines Tages mit eigenen Augen sehen werden, sondern eine freudige. Wenn ja, dann dürfen auch wir seine Boten sein, wie der Engel, wie die Frauen, wie die Jünger und unseren Schwestern und Brüdern und allen anderen Menschen von unserer lebendigen Hoffnung weitererzählen. Und wenn es uns ähnlich wie den Frauen geht, dann wird uns Jesus noch auf unserem Weg begegnen.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010