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Predigt von Vikar Darius Tomczak am 25. Dezember 2005Predigttext: Lk 2,14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. Frohe Weihnachten liebe Gemeinde, es ist lange her, dass die Tage des Advents Tage der Stille waren. Es ist, als wäre das Geheimnis der Erscheinung Christi verloren, überflutet von Lichtern und überlärmt von Worten, vom Gerede über das Fest. Noch unter dem Einfluss der Puritaner im 18. Jh. wurde die Advents- und Weihnachtszeit zu einem stillen und besinnlichen Fest. Doch der Brauch des Beschenkens am Weihnachtstag setzte sich immer mehr durch. Weihnachten wurde zunehmend romantischer, in evangelischen Kirchen trat der Christbaum seinen Siegeszug an. Man versuchte dadurch sich von der katholischen Sitte des Krippen-Aufstellens abgrenzten. Heute finden wir die Krippe in fast jeder christlichen Familie, ebenso auch den Christbaum. In Fortsetzung dieser Tradition wurde Weihnachten immer mehr zum Fest der bürgerlichen Familie. Sogar die Atheisten feiern Weihnachten. Und seit einigen Jahren steht Weihnachten in der Gefahr, zu einem Konsumfest zu werden. Dazu eine wahre Geschichte aus den Vereinigten Staaten. Der Vorfall ereignete sich vor nicht zu langer Zeit während eines Sommers in Brooklyn New York. Bill Wilson beschreibt ihn so: "Ein plötzlicher Stromausfall stürzte Brooklyn achtundvierzig Stunden lang in Finsternis. (...) Randalierer schlugen überall die Fensterscheiben ein und erstürmten mehr als tausend Geschäfte. Unzählige Massen von Plünderern schleppten alles davon, was nicht niet- und nagelfest war, angefangen von tief gefroren Puten bis hin zu Fernsehgeräten. (...) Nagelneue Autos wurden durch die Fensterscheiben der Ausstellungsräume nach draußen auf die Strasse gefahren. Horden von Männern, Frauen, Teenagern und Kindern liefen voll bepackt durch die Strassen und riefen laut: Weihnachten! Weihnachten!". Liebe Gemeinde, die Konsumgesellschaft hat das Denken vieler Menschen so weit gebracht, dass sie Weihnachten nur noch mit Konsumartikel assoziieren können und wollen. Wie anders war das noch vor 200 Jahren. Die Geschichte, die ich Ihnen erzählen möchte, geschah während der napoleonischen Kriegen in Dänemark. Dieses kleine Land bemühte sich zuerst seine Neutralität zu wahren. Doch bei der Seeschlacht von Kopenhagen erlitten die Dänen schwere Verluste. Darum erklärten sie den Engländern den Krieg. Es war kurz vor Weihnachten. Einige dänischen Männer hielten an der Nordküste Wache. Es war kein Vergnügen um diese Zeit Wache zu halten. Es war fürchterlich kalt und stürmisch. Es regnete und hagelte. Die Männer mussten sich mit den Armen um die Brust schlagen. So hielten sie sich wenigstens ein bisschen warm. Alle wünschten sich nur eins: Möge sich der Frieden der Weihnachtszeit über Land und Meer ausbreiten! Möge der Friede der Weihnachtszeit den Sturm zur Ruhe bringen! Frühmorgens am Heiligen Abend, als es noch dunkel war, hörten die Wachen Lärm. Es klang wie kräftige Schüsse in der Dunkelheit. War da ein Schiff in Seenot? Die Wachen liefen alle hinab zum Strand. Sie sahen über das Meer hinaus. Sie sahen, es handelte sich tatsächlich um einen Schiffsbruch. Holzstücke, Kisten, alles Mögliche wurde durch die Brandung an Land gespült. Und dort, an ein rundes Holz geklammert, glitt ihnen ein Mensch entgegen. Ein lebendiges Gesicht, ein Körper mit Händen und Füssen, der sich mit letzter Kraft am Holz festhielt. Die Wachen bekamen ihn schnell zu fassen und retteten ihn an Land. Und alles ging jetzt ganz schnell. Ein weiterer Seemann wurde gerettet. Die Wachen gingen am Strand entlang, um zu sehen, ob noch mehr Überlebende zu finden waren. Und da, auf einem primitiven Floss von Rundhölzern kamen weitere fünf Männer heran. Auch sie wurden gerettet. Andere Leute aus der Gegend waren jetzt geweckt worden, und sie kamen hinzu mit Pferd und Wagen, Decken und Schnaps. Aber es gab nur wenige, die da gerettet wurden. Die Überlebenden waren sehr traurig. Sie hatten viele Freunde verloren. Die Schiffbrüchigen waren ja eigentlich Feinde der dänischen Bevölkerung. Sie trugen Gesicht und Namen des englischen Feindes, aber in der Nacht an den Strand gespült erwiesen sie sich als das, was sie zu allererst waren: Mitmenschen, die an einer fremden Künste gestrandet waren. Und die Dänen gaben ihnen Unterkunft und Speise. Und die Fremden wurden auch ein Teil ihrer Weihnachtsfeier. Sie kamen auf die Höfe und in die kleinen Lehmhütten. Sie kamen hinein in den Geruch vom dänischen Roggenbrot und Bier. Auf einmal waren die Engländer und die Dänen von weihnachtlicher Atmosphäre erfüllt. Die Feinde bekamen Wärme statt Kälte. Freundliche Worte statt Kugeln. Und als Weihnachtsgeschenk: Ein Teller mit Essen. In unserem Predigttext sprachen die Engel: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. Die Engel sprachen Friede aus, - nicht nur für die Hirten. Nicht nur für ihre Familienangehörige, sondern für das ganze Volk. Eine Botschaft des Friedens also auch für unsere Feinde. Denn Frieden heißt: nicht im Hass leben. Nicht in Vorwürfen leben gegen andere Menschen. Es heißt: Freundlichkeit geben und nehmen. Vertrauen schaffen und Vertrauen genießen. Und es heißt: nicht sich beunruhigt lassen, durch das, was geschehen ist. Frieden heißt sich mit allem, was war, was ist, was kommt, in die Hände Gottes legen. Vor seinem Tode sagte Jesus: "Meinen Frieden gebe ich euch. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht" Joh. 14,27 Die Weihnachtsbotschaft verheißt uns also eine wunderbare Zukunft. Und es ist notwendig, dass wir uns begeistern lassen von dieser Verheißung. Dass wir Gott unsere Hände, unsere Stimme, unsere Ohren leihen, zum Handeln, zum Beten, zum Hören. Indem wir Frieden stiften. Indem wir für die beten, die uns leiten. Indem wir ein offenes Ohr haben für die Schwachen. Und ganz besonders, dass wir die Menschenwürde achten. Auch die Menschenwürde der ungeborenen Kindern. Ein Kind ist etwas Wunderbares. Eine Geburt ist etwas Fröhliches. Was gibt es Schöneres, als mit einem Kind beschenkt zu werden? Doch weltweit werden jährlich Millionen von Kinder abgetrieben. Auf diesem blauen Planeten werden jährlich mehr Kinder abgetrieben, als man Menschen im 2. Weltkrieg getötet hat. Das sechste Gebot sagt aber: Du sollst nicht morden! Aber die Mörder gab es schon immer. Schon Herodes wollte das Jesuskind umbringen. Vor einem Monat war ich in Bethlehem. Heute würden Maria und Josef mit dem Esel nicht so einfach nach Bethlehem gelangen. Denn rund um Bethlehem haben die Israelis eine riesige 8 Meter hohe Mauer gebaut. Maria und Josef müssten sich also zuerst einen so genannten Checkpoint suchen. Auch die drei Weisen aus Arabien mit ihren Kamelen wären vor der Mauer Bethlehems stecken geblieben. Bei den Checkpoints wird man streng kontrolliert, hat man nicht alle Papiere dabei, wird man zurückgeschickt. Ist alles mit den Papieren in Ordnung, hat sich aber ein Attentat irgendwo im Land ereignet, dann werden sofort alle Checkpoints geschlossen. Kein Mensch kommt dann durch. Dann bleibt Bethlehem mehrere Tage getrennt von dem Rest der Welt. Manchmal dauert es noch länger bis die Checkpoints wieder eröffnet werden. Die Mauern wurden von den Israelis gebaut um die Stadt Jerusalem vor den moslemischen Selbstmordattentätern zu schützen. Dies scheint auch wirksam zu sein, denn die Zahl der moslemischen Selbstmordattentate hat rasant abgenommen. Während unserer Reise im Heiligen Land hat sich zum Beispiel kein Attentat ereignet. Bethlehem, die einstmals ganz christliche Stadt, hat heute nur noch etwa 12% Christen. Viele Christen wandern aus, denn es kommen fast keine Pilger nach Bethlehem. Die Gefahr ist groß, dass die christliche Präsenz in Bethlehem vollständig verschwindet. Bethlehem ist der Geburtsort Christi, jener Ort, an dem Gott Fleisch angenommen hat. Das ist ein zentrales Geheimnis unseres Glaubens. Bethlehem liegt uns deshalb ganz besonders am Herzen. Darum auch das Bethlehem-Licht in unserer Kirche, das uns an diese Stadt erinnern soll. Doch das Bethlehem-Licht wird die Welt nicht verändern. Jesus befahl uns nicht das Bethlehem-Licht in der Welt herumzutragen sondern das Evangelium zu predigen. Zum Schluss möchte ich Ihnen deshalb erzählen, was die Predigt des Evangeliums bewirken kann. Vor hundert Jahren begaben sich in einer kleinen Kirche in Schottland die Diakonen zu ihrem Pastor und erklärten: "Wir haben den Eindruck, es ist an der Zeit, dass Sie als Pastor unserer Gemeinde zurücktreten. Letztes Jahr haben Sie nur einen Menschen zum Herrn geführt, und das war ein neunjähriger Junge". Der Pastor predigte die Umkehr zur Vergebung der Sünden. Er wusste, dass in seiner Gemeinde viele fromm aufgewachsene aber nicht bekehrte Christen waren. Doch die Diakonen wünschten sich, dass immer mehr Menschen zum Gottesdienst kommen würden. Die Diakonen wollten eine große Erweckung an diesem Ort. Dabei vergaßen sie, sich selbst dabei zu heiligen. Sie vergaßen, dass Gott die vertikale Erweckung eines Christen mehr schätzt als die horizontale Erweckung der halbbekehrten christlichen Masse. Nun also gab es keine Erweckung an diesem Ort, der Pastor wurde entlassen und er musste gehen. Doch fast zwanzig Jahre später war aus dem Jungen, der sich bei dem Pastor bekehrt hat, ein bedeutender Theologe geworden. Sein Name war Robert Moffat. Robert Moffat wurde zu einem Mann, dessen Anliegen schließlich sogar bei Königen Gehör fand und der auf der ganzen Welt als Vater der Auslandmission bekannt wurde. Bei einer Ansprache an einer englischen Universität erklärte Moffat: Im Norden Afrikas gibt es ein Land, das bisher mit dem Evangelium nicht erreicht wurde. Ich sah den Rauch von tausend Dörfern, die noch nie die Botschaft des Evangeliums gehört haben." Dann sagte er: "Irgend jemand muss dort hingehen." Hinten, in der zweitletzten Reihe auf der rechten Seite, saß ein Student unter den Zuhörern. Dieser junge Mann sagte zu sich selbst: "ich will dieser Mann sein." Der Name des jungen Mannes war David Livingstone. Jahrelang schien niemand an seiner Arbeit im Dschungel von Afrika Interesse zu zeigen. Auf seinem Weg durch Afrika erkrankte er an Malaria und wurde von einem Löwen angegriffen und verletzt. Dennoch war er unermüdlich, die Eingeborenen, die er am Weg traf das Evangelium zu predigen. Man nennt David Livingstone deshalb Vater der Mission in Afrika. Als er anfing war Afrika zu 4% christlich, heute fast bekennen sich die Hälfte der Afrikaner zum christlichen Glauben. Viele Jahre zuvor hatten viele geglaubt, der entlassene Pastor wäre ein Versager. Sie ahnten damals nicht, welchen Einfluss seine Hingabe an ein einziges Kind auf Tausende von Missionaren und Menschen, die sich bekehren würden, in der Zukunft hätte. Lasst uns heute, am Weihnachtsfest, Gott dafür danken, dass er uns in Bethlehem so reich beschenkt hat. Lasst uns danken, dass Gott uns das Evangelium also die frohe Botschaft geschenkt hat. Und lasst uns daran mithelfen, dass auch andere etwas von diesem Geschenk erfahren. Lasst uns heute unsere Kinder davon etwas spüren. Gott liebt Sie, Gott segne Sie alle. Amen. |
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