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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 5. Juni 2004 anlässlich des 75. Geburtstages von Pfarrer Bernhard RolffsLiebe Gäste, lieber Bernard, Ich hab hier eine Öllampe mitgebracht. Scheinbar brennt diese Lampe so mühelos vor sich hin. Doch wenn diese Lampe kein Öl hätte, dann wäre sie innerhalb kürzester Zeit verloschen und der Docht wäre abgebrannt. Das Geheimnis des Leuchtens dieser Lampe ist das Öl. Ähnlich ist es mit dem Christenleben. Paulus befiehlt seinen Freunden in Ephesus: Seid Kinder des Lichtes – leuchtet inmitten einer dunklen Welt. Jeder, der praktizierender Christ ist, der weiß, dass das ganz schön anstrengend sein kann. Ich kann mir vorstellen, dass Du, lieber Bernhard weißt, dass Christsein ganz schön anstrengend sein kann. Du bist als Sohn eines Pfarrers gewissermaßen in einem Profichristenhaushalt aufgewachsen. Du hast durch die Tätigkeit deines Vaters in der bekennenden Kirche mitbekommen, dass Christsein sogar lebensgefährlich sein kann. Und als Du selbst im Dienst als Pfarrer standest hast Du Höhen und Tiefen dieses Amtes erlebt und durchlitten. Du und Deine liebe Frau Elfriede musstet praktisch von Amtes wegen "Licht" sein. Warum seid ihr nicht ausgebrannt – wie kommt es, dass ihr heute immer noch bewundernswert aktiv seid? Ich glaube – ihr habt den Rat des Apostels befolgt, der einen halben Vers vor unserem Bibelwort in Epheser 5, 19 und 20 steht: "Füllt euch mit Heiligem Geist". Bildlich gesprochen: Ihr habt Eure Lampen immer wieder mit Öl aufgetankt. Ich denke, nicht umsonst hast Du dieses Bibelwort für diese Feier ausgesucht. Ich lese Epheser 5,18b-20 in einer Übersetzung von Fritz Rienecker: Füllt euch mit Heiligem Geist, indem ihr füreinander redet in Psalmen und Hymnen und geistlichen Gesängen indem ihr in eurem Herzen dem Herrn singet und spielet, indem ihr allezeit für alles im Namen unseres Herrn Jesu Christi dem Gott und Vater dankt. Der Apostel gibt hier drei verwandte Möglichkeiten, wie wir Christen mit Öl – mit Heiligem Geist auftanken können. 1. Heiliger Geist kann man Tanken durch gemeinsames Loben Gottes. Ich fragte mich, was wohl der Unterschied zwischen Psalm, Lobgesang und geistlichem Lied ist. Keiner der Ausleger schrieb ein Wort darüber. Wahrscheinlich gibt es keinen. Der Apostel wollte mit diesem dreifachen Ausdruck wohl sagen: Lobsingt, lobsingt und abermals sage ich: Lobsingt. Wenn ich die alten Gesangbuchlieder sehe, dann staune ich, wie viele Strophen sie enthalten. Auch die Alten haben dieses Wort beherzigt. Aber auch heute sehe ich, wie viele Christen auch aus unserer Gemeinde sehr viel Kraft schöpfen, ja Geist tanken, indem sie miteinander Loblieder singen. Es kann ihnen gar nicht lange genug gehen. Wichtig finde ich auch das füreinander und miteinander. Der Heilige Geist liebt es, wenn Christen zusammenkommen, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, dort kann er seine Kraft entfalten, dort kann er sich ausgießen. Niemand anderes auf der Welt kann dies tun. Kein Fernseher, kein Arzt – das kann nur die Gemeinde. 2. Füllt euch mit dem Heiligen Geist, indem ihr im Herzen singt und spielt. Auf der anderen Seite soll dieser Lobpreis auch etwas ganz persönliches sein. Es soll im eigenen Herzen stattfinden. Man kann wirklich gute Musik machen, man kann ein toller Virtuose sein, eine wundervolle, ausgebildete Stimme haben. Aber wenn diese Musik nicht Gott die Ehre gibt, dann ist sie, wie Johann Sebastian Bach es einmal etwas forsch ausgedrückt hat, nur ein teuflisches Geplärr und Geleier. Das Herz muss bei diesem Lobpreis mitgehen, es soll sich öffnen für Gott. Der Heilige Geist fließt gerne in ein Herz, das sich auf das Lob Gottes eingestimmt hat. Ein Herz, das in Schwingung kommt, wenn Gott gelobt wird, ist ein Herz, das auf den Grundton des "Ehre sei Gott in der Höhe", des Halleluja basiert. Das muss dann nicht einmal Musik sein. Ein für Lobpreis offenes Herz spürt den Lob Gottes, wenn ein sanfter Regen übers Land geht und die Erde befeuchtet, wenn abends die Sonne mild ins Haus scheint, wenn ein Lufthauch die Blätter eines Baumes bewegt, wenn eine Lärche in die Höhe steigt und ein Loblied auf ihre Art erschallen lässt, nachdem sie ein Körnchen aus des Schöpfers Hand empfangen hat. Kommen wir noch zum dritten: 3. Man kann Heiligen Geist tanken, indem man Gott allezeit für alles dankt. Danken ist nicht die natürliche Haltung des Menschen. Ich sehe es, dass man Danke sagen dem Kindern mühevoll als Höflichkeitsformel beibringen muss. Wenn sie etwas bekommen, dann sage ich regelmäßig zu ihnen: "Wie sagt man?" Danke! Ebenso müssen wir Christen wie Kinder uns darin üben und lernen für alles zu danken. Die Jugendlichen in der Schule, die das Leben aus einem ganz anderen Blickwinkel sehen als ich, stritten kürzlich mit mir. Sie sagten: Alles im Leben muss man bezahlen. Und zitierten das Sprichwort: Nichts ist umsonst nur der Tod und der kostet das Leben." Sie waren der Meinung, dass es eigentlich gar nichts gibt wofür man danken kann, weil man ohnehin alles bezahlen muss. Ich erwiderte: "Alles Lebenswichtige ist umsonst und geschenkt. Die Sonne scheint umsonst, die Luft zum Atmen ist umsonst, der Regen regnet umsonst, die Erde bringt ihre Früchte umsonst hervor, ja selbst die Fürsorge der Eltern und ihre Liebe ist umsonst. Man könnte es ohnehin nicht bezahlen. Alles ist Geschenk." Wenn wir mit Heiligen Geist uns füllen wollen, dann müssen wir diesen Blickwinkel des Staunens bekommen. Den Blick für das, was Gott uns alles schenkt. Je mehr wir uns darin üben, je mehr wir uns der Güte Gottes anvertrauen, um so mehr können wir auch für widrige Dinge danken. Corrie ten Boom, die während der Nazizeit Juden in ihrem Haus versteckt hatte und ins KZ musste, als sie verraten wurde, litt sehr unter der Läuseplage im Lager. Durch die Läuse schien sie fast unter ihrem Schicksal zu verzagen. Bis eine Mitgefangene zu ihr sagte: "Sei froh über diese Tiere, denn sie schützen uns vor Übergriffen der Soldaten." Man soll natürlich nicht für Sünde und für Tod danken – Nein! Aber in allem und selbst im Schlimmsten kann man immer einen kleinen Grund zum Danken finden. Vertrauen heißt: Ich glaube, dass Gott nur das Beste für mich Sinn hat. Gott lässt nur das zu, was zu meiner Reifung und Vollkommenheit in meinem Christsein dient und er gibt mir das, was genau richtig für mich und mein Leben zu seiner Ehre ist. Darum kann man im Glauben auch für widrige Umstände danken. Man kann allezeit für alles danken. Dieser Dank wiederum öffnet das Herz für die Kraft des Heiligen Geistes. Liebe Gäste, eine Lampe leuchtet nur, wenn sie mit Öl gefüllt ist – ein Christ kann nur Licht in unserer Welt sein, wenn Gott seinen Geist in uns gießt. Darum lassen sie uns diese drei Ratschläge des Apostels beherzigen: Wir öffnen uns für den Heiligen Geist,
Amen. |
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