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Das Zeichen des Jona                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 18. Februar 1999

Liebe Gemeinde

Ninive ungefähr 750 Jahre vor Christus. Zentrum der damaligen Weltmacht Assur. Ein Marktplatz voll lärmender Menschen, spielende Kinder, feilschende Händler, schreiende Wagenlenker, patrouillierende Soldaten, arbeitende Sklaven, plaudernde Marktfrauen.

Und mitten in dieser Menge steht plötzlich ein unbekannter Mann und ruft mit einem hebräischen Akzent:

„Liebe Bürger von Ninive, hört mir zu. Ich habe euch etwas von dem Gott Israels auszurichten: Noch vierzig Tage und eure Stadt ist ein Trümmerhaufen.“

Dann erzählt er:

„Mit diesem Gott ist nicht zu spaßen. Das kann ich euch aus eigener Erfahrung sagen. Ich wollte vor diesem Gott übers Meer nach Spanien fliehen. Ich hatte keine große Lust, euch den Untergang anzukündigen. Doch auf dem Meer schickte Gott einen Seesturm und unser Schiff drohte zu zerbersten. Die Mannschaft fand heraus, dass ich verantwortlich für das Unwetter war. Nach langem Zögern warfen sie mich ins Meer. Doch Gott errettete mich aus den Fluten. Die Tiefen des Meeres wollten mich verschlingen und ich sah bereits wie das Tor des Totenreiches sich hinter mir zu schließen drohte. Doch da schickte Gott ein riesiges Meerungeheuer, das mich verschlang und nach drei Tagen wieder an Land spuckte. Darum bezeuge ich euch: – Gott lässt sich nicht verspotten: Noch vierzig Tage und Ninive ist ein Trümmerhaufen.“

Liebe Gemeinde – Wie würden sie reagieren, wenn ein Ausländer in der Aachener Fußgängerzone so etwas verkündigen würde. Würden sie ihm glauben?

Ich würde denken – der ist verrückt – ein Wichtigtuer mit einer Profilierungsneurose. Wahrscheinlich würde ich achtlos an ihm vorübergehen und glauben würde ich ihm kein Wort.

Doch die Bürger von Ninive hören diesem Mann – Jona hieß er - aufmerksam und nachdenklich zu. Sie nehmen seine Botschaft ernst und beginnen sich zu fragen: „Was können wir tun, dass dieser Gott der Hebräer sein Vorhaben noch einmal ändert? Sie vertrauen auf das, was Jona sagt und darum beginnen sie zu fasten, zu beten, Sünden zu vermeiden und Gutes zu tun, in der Hoffnung Gott könnte sich noch einmal umstimmen lassen.“ Und tatsächlich – Gott ist ihnen gnädig und verschont die Stadt.

Die Reaktion der Bürger von Ninive soll uns ein Vorbild sein. Hören wir, was Jesus dazu sagt: Ich lese aus Mt 12, 38-41:

Da entgegneten einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern: „Meister, wir wollen ein Zeichen von dir zu sehen bekommen!“ Er antwortete ihnen: „Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht will ein Zeichen sehen; doch ihm wird kein Zeichen gegeben werden – nur das Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona im Bauche des Fisches war, drei Tage und drei Nächte, so wird der Menschensohn im Herzen der Erde sein, drei Tage und drei Nächte. Die Männer von Ninive werden auferstehen am Tage des Gerichtes zusammen mit diesem Geschlecht und das Verdammungsurteil über es sprechen; Denn sie sind auf die Predigt des Jona hin umgekehrt – Doch siehe, hier ist mehr als Jona!

Jesus redet hier zu Menschen, die ihm nicht über den Weg trauen. Sie halten ihn für einen Scharlatan, ja sogar für einen, der mit dem Teufel im Bunde ist. Am liebsten möchten sie Jesus aus dem Weg räumen. Darum versuchen sie ihn bloßzustellen. Sie fordern: „Gib uns einen eindeutigen Beweis, damit wir glauben können, dass du wirklich im Auftrag Gottes unterwegs bist – dann wollen wir an dich glauben.

Immer wieder muss Jesus diese Forderung hören. Zuletzt noch als er am Kreuz hängt, rufen sie voller Spott: „Steig doch runter, dann werden wir an dich glauben.“

Dort merkt man: Sie suchen kein Zeichen, weil sie innerlich an Jesus zweifeln, weil sie gerne glauben möchten, aber aus menschlicher Schwachheit nicht können. Sie zweifeln nicht, wie jener Mann, der sagte: „Herr ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ Sie wollen ein Zeichen, weil sie das, was Jesus sagt nicht akzeptieren, weil sie ihn nicht Herr sein lassen wollen.

Nun, was wäre geschehen, wenn Jesus seinen Wanderstab auf den Boden geworfen hätte, der sich dann zu einer Schlange verwandelt hätte. Oder wenn er das Wasser des See Genezareths zu Blut gezaubert hätte, oder wenn er Feuer vom Himmel hätte fallen lassen, das eine römische Streife vernichtet hätte. Dann würden diese Leute zähneknirschend vor ihm niederknien und ihm huldigen. So wie Saddam Hussein für eine Weile klein bei gibt, wenn seine Feinde mal wieder etwas Feuer vom Himmel haben fallen lassen. Aber von Herzen Jesus vertrauen, ihn lieben, ihn an die erste Stelle ihres Lebens setzen – das würden sie auch auf diese Weise nie. Jesus durchschaut ihr Herz. Und darum nennt er sie schonungslos ein böses, ehebrecherisches Geschlecht, obwohl sie äußerlich gesehen fromme, anständige Menschen sind. Es sind Leute, die sich unbemerkt von dem Liebesbund mit Gott gelöst haben – so wie ein Ehegatte, der heimlich seine Frau hintergeht. Diese Menschen, die von vornherein Jesus ablehnen, trifft darum ein hartes Urteil: Die Leute von Ninive, werden über sie zu Gericht sitzen.

Aber wenn ich so in unsere Runde blicke, dann ist unter uns keiner, der Jesus ablehnt. Keiner, der nichts mit Jesus zu tun haben möchte, keiner, der zu diesem bösen und ehebrecherischen Geschlecht zählt. Und dennoch wünschen wir uns nicht auch manchmal ein Zeichen? Wünschen wir nicht auch manchmal, dass wir etwas von der Herrlichkeit und Kraft Jesu, die wir glauben, zu sehen bekommen? Wünschen wir nicht auch, Wunder zu sehen. Das Wunder, dass ein Mensch für den wir beten, sich zum Guten wendet, umkehrt und ein guter Christ wird. Das Wunder, dass ein Kranker, für den wir beten, wieder gesund wird. Das Wunder, dass Gott uns ganz deutlich den Weg zeigt, den wir einschlagen sollen bei schweren Entscheidungen.

Ja, wir wünschen uns auch Zeichen – aber nicht, weil wir Jesus ablehnen und ihn nicht akzeptieren, so wie seine Gegner. Vielmehr wollen wir ihn von Herzen gern akzeptieren und ihm vertrauen. Doch wir haben einen kleinen, schwachen Glauben. Wir wünschen etwas zu sehen von dem, was wir glauben. Wenn wir solch ein Wunder sehen, dann fällt uns das Vertrauen wieder leichter. Wir wünschen ein Zeichen, wie praktisch jede Ehefrau immer ein Zeichen wünscht, das ihr zeigt, dass ihr Mann sie noch lieb hat. Ein liebes Küsschen, eine kleine Aufmerksamkeit, ein gutes Wort - nicht viel aber deutlich. Doch auf Dauer ohne Zeichen zu leben, das fällt schwer. In diesem Sinne ist für die Glaubenden das Zeichen des Jona gegeben. Es soll ein Zeichen sein, um unsere Liebe und unser Vertrauen zu ihm zu stärken.

Drei Ausrichtungen hat das Zeichen des Jona.

1. Der Tod – das Kreuz

Das Meer um Jona tobte und wütete und wollte nur diesen einen Mann verschlingen. Und dieser eine Mann ließ sich freiwillig von diesem Meer verschlingen zur Rettung für die, die auf dem Schiff waren.

Um Jesus herum tobte und schrie die Menge: „Kreuzige ihn, kreuzige ihn“ – die Mächte der Hölle hatten alles mobilisiert, um diesen Mann zu bekommen. Und er lieferte sich freiwillig dem Abgrund aus und ließ sich von ihm verschlingen. Damit, die, die sich ihm anvertrauen gerettet werden.

Ich habe mir von reifen Christen immer wieder sagen lassen: „In den schwersten Stunden des Lebens, ist der Blick auf das Kreuz, der stärkste und beste Trost. Alles andere, womit man sich sonst tröstet ist wie Spreu und wirkt nicht.“

Ja, auch dann, wenn ich nichts von Gottes Liebe erkennen kann, dann kann ich hier erkennen, dass er freiwillig in den Tod ging, um mich zu retten.

Die zweite Blickrichtung des Jonazeichens ist: Das Leben – die Auferstehung:

Der große Fisch – im Alten Testament das Bild für den Herrscher des Meeres und des Abgrundes musste Jona wieder ausspucken. Er durfte ihn nicht für sich behalten und verdauen. Er hatte keine Macht über ihn. Der Tod packt jeden Menschen und verschlingt ihn. Man könnte das ganze Leben des Menschen unter dem Aspekt betrachten als ein Leben im Kampf gegen den Tod. Doch früher oder später erwischt der Tod jeden und er gibt keinen wieder heraus. Eine alte Frau in Grünewalde sagte immer: Vom Friedhof ist noch keiner zurück gekommen. Doch dieser Herrscher über den Friedhof muss Jesus wieder rausrücken. Der Stein vor dem Grab ist weggerollt und das Grab ist leer. Jesus lebt. Gibt es ein größeres Zeichen souveräner Macht als dieses. Der größte Zauberkünstler unserer Tage, die mächtigsten Männer, die Feuer vom Himmel fallen lassen können, die Seen in Blut verwandeln können. Sie alle gibt der Tod nicht raus. Doch Jesus musste er wieder hergeben – und mit Jesus, alle die ihm angehören.

Und der dritte Blickwinkel des Jonazeichens ist die Mission.

Jona verkündigte in Ninive Gottes Gericht und die Menschen dort änderten ihr Leben und kehrten um.

Jesus beauftragte seine Jünger in alle Welt zu gehen um die frohe Botschaft zu verkünden. Und siehe, in aller Welt kehren Menschen um und ändern ihr Leben um dieser Botschaft willen. Sie nehmen sie ernst und vertrauen darauf. Dass wir hier zusammengekommen sind, ist ein Ergebnis des Jonazeichens. Das Zeichen der sichtbaren Liebe Jesu zu uns.

Amen

 

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Stand: 04. Juni 2010