Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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das Himmelreich gleicht einem Schatz                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 12. August 2001

Mt 13, 44-46

Liebe Gemeinde,

Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

Von zwei Männern ist heute die Rede, die beide Glück haben. Betrachten wir das ganze einmal näher.

Zunächst zum Landarbeiter:

Er hat vielleicht, um seine Familie ernähren zu können, noch irgendwo ein Feld bei einem reichen Grundbesitzer gepachtet. Er ist arm und muss hart arbeiten um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Er geht an die Arbeit wie eh und je. Nie im Traum denkt er daran, dass er plötzlich ein reicher Mann sein könnte. Da macht es plötzlich brch – sein Pflug bleibt stecken. Ich höre, wie der Bauer in seinen Bart brummelt: So eine Sauerei. Er ärgert sich, dass seine Arbeit unterbrochen wird. Um weiterzukommen muss er das Hindernis aus dem Weg räumen. Er geht hin, gräbt die Erde ein wenig beiseite und da entdeckt er eine Kiste. Ist das ein Schatz? Von irgend einem reichen Menschen, der vor vielen Jahren sein Vermögen begrub, um es zu schützen. Verflogen ist sein Unmut. Hastig gräbt er die ganze Kiste frei, öffnet sie erwartungsvoll und da: ein unermesslich großer Schatz liegt darin. Wie er wohl mit großen Augen staunt, wie sein Herz höher klopft und es kaum fassen kann, was er da entdeckt hat. So etwas hätte er sich nie träumen lassen.

Kommen wir zum anderen Mann.

Der andere Mann scheint im Gegensatz zum Landarbeiter gut betucht zu sein. Denn er kann einer großen Leidenschaft nachgehen. Er sammelt wertvolle Perlen. Und echte Perlen waren in der Antike, der kostbarste Wertgegenstand, den es gab. Dieser Mensch durchwandert die Basare und sucht nach auserlesenen, besonders schönen Perlen. Er ist weit und viel in Sachen Perlen gereist und ist ein Kenner auf seinem Gebiet. Doch eines Tages haut es ihn von den Socken. Er entdeckt die Perle seines Lebens. Eine Perle die alle Erwartungen übertrifft. Er kennt sich aus und weiß: Solch eine schöne Perle gibt es nie wieder. Dieser Sammler staunt – er hat plötzlich die schönste Perle entdeckt, das kostbarste, was es überhaupt gibt.

Liebe Gemeinde,

wenn ein Mensch mit der Gnade und Liebe Gottes in Berührung kommt, dann ist das überwältigend. Dann spürt man: So etwas kostbares, wie Gottes Liebe, gibt es nirgendwo wieder. Es ist so großartig, dass es alle Erwartungen übertrifft. Diesen Schatz bekommt man nicht vererbt, er kann auch nicht durch gute Werke verdient werden. Man hat es nicht im Griff, wann man ihm begegnet und hat schon gar kein Anrecht darauf. Man kann es nur entdecken.

Das kann wie hier im Gleichnis auf zweierlei Weise geschehen. Man kann bei der Arbeit sein, mitten im Alltag. Man ist vielleicht überhaupt nicht interessiert an religiösen Dingen. Und vielleicht ist man sogar im ersten Augenblick etwas sauer, weil es einen im gewohnten Arbeits- und Alltagsablauf unterbricht. Aber dann entdeckt ein Mensch plötzlich unverhofft die Gnade Gottes. Er ist völlig überrascht und überwältigt.

Es kann aber auch sein, dass man jahrelang sucht. Man ist ein religiöser Mensch, man geht zur Kirche, liest in der Bibel. Man kennt viele gute Gebete und Texte. Doch irgendwie ist man mit dem, was man hat, nicht zufrieden. Irgendetwas fehlt noch. Innerlich ist man auf der Suche nach etwas besonderem. Und dann plötzlich entdeckt man die Liebe, die Gnade Gottes, wie überwältigend sie ist. Und man ist vor Freude ganz außer sich.

Auf diese Entdeckung gibt es im Gleichnis nur eine Möglichkeit: Alles tun, um diesen entdeckten Schatz zu besitzen.

Für den Landarbeiter heißt das: Die ganze Habe zusammenkratzen, alles, was auch irgend einen Wert hat zu versilbern, um diesen Acker zu kaufen und damit den Schatz, den dieser Acker birgt.

Ich kann mir vorstellen, wie die anderen Leute im Dorf sein Handeln nicht so ganz verstehen können. Man diskutiert, ob der Acker diesen Wert auch wirklich hat. Aber im Nachhinein wird jeder verstehen, warum der Mann diesen Acker gekauft hat. Denn nun ist er reich.

Noch mehr werden sich die anderen Leute beim Reichen verwundert haben. Ich höre, wie sie tuscheln: „Wie kann der nur seinen ganzen Besitz, seine Häuser, seine Güter, seine Länderein, sein Geschäft, alles hergeben, nur, um so eine olle Perle zu haben. Ist der denn übergeschnappt?“ Aber für diesen leidenschaftlichen Sammler gibt es nur eins: Er muss diese Perle besitzen, egal was sie kostet. Er kann sich kein Leben ohne diese Perle vorstellen. Nachdem er diese Perle entdeckt hat, scheint ihm jeder Tag ohne sie, wie verloren.

Liebe Gemeinde, so ist es, wenn ein Mensch dem lebendigen Gott in Jesus Christus begegnet. Er kann kaum glauben, dass es wahr ist, dass er durch und durch, unendlich geliebt ist, dass ihm persönlich die Vaterliebe Gottes gilt, ja, dass er sein Kind sein darf, dass seine Sünden ihm vergeben sind, dass er sich den Himmel nicht durch gute Werke verdienen muss – nein, dass er ihm geschenkt wird, dass er eine lebendige Hoffnung auf das Himmelreich hat, lebendige Hoffnung auf ewiges Leben.

Liebe Gemeinde, wenn ein Mensch dies plötzlich entdeckt, so ist er voller Freude außer sich. Und er kann nur staunen, dass ihm dies widerfährt.

Alle anderen Werte, seien es Perlen oder Ländereien sind Groschen im Gegensatz zu diesem unermesslichen Schatz.

Liebe Gemeinde,

wenn ich mir diese beiden Leute anschaue, wie freudig und begeistert sie von dem Evangelium sind, dann frage ich mich, was ist bei uns faul, dass jede kleinste Hingabe, jedes kleinste Opfer nur unwillig gegeben wird, was ist fahl, dass ausschlafen wichtiger ist, als Gottes Wort im Gottesdienst zu hören und die Gemeinschaft zu erleben, dass die unerledigte Arbeit wichtiger ist, als Gottes Sonntagsruhe, dass das eigene Konto wichtiger ist als eine Spende für die ärmsten Brüder Jesu, dass eigene Bequemlichkeit und der Fernsehabend viel mehr Gewicht hat, als ein Einsatz für die Gemeinde oder ein gutes Gespräch mit einem einsamen Menschen.

Was ist aus uns und unserer Botschaft geworden, dass wir überhaupt keinen Glanz, keine Kostbarkeit des Glaubens mehr ausstrahlen? Sind das nur Durststrecken?

Schauen wir noch einmal die beiden Männer im Gleichnis an:

Sie sind sich gewiss, dass sie nichts verlieren durch diesen Schatz. Sie wissen, dass sie einen riesengroßen Gewinn machen.

Möglich, dass unsere Augen blind geworden sind, für den Schatz, den wir früher einmal entdeckt haben. Denn, um ihn in Besitz nehmen zu können, muss man das ein oder andere drangeben. Letzten Endes muss man sein altes sündiges Ich, sich selbst Gott bedingungslos ausliefern.

Aber genau darin liegt der große Gewinn. Wie bei den beiden Schatzgräbern. Sie haben nichts verloren, sie haben einen riesigen Gewinn gemacht.

Ich wünschte mir, dass Gott uns allen, der ganzen Gemeinde die Augen öffnen würde für diesen großen Schatz, dass wir erkennen zu welcher Herrlichkeit berufen sind und alles andere nichtig und klein erscheint. Dass wir die Freude ausstrahlen, die ein Mensch empfindet, der solch einen Gewinn gemacht hat.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010