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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 29. Juni 2002
Liebe Gemeinde,
der Bibelabschnitt, der dieser Predigt zugrunde liegt, steht
in 2 Thess. 3,1-5. Dort schreibt der Apostel:
Weiter, liebe Brüder, betet für uns, dass das Wort des Herrn laufe und
gepriesen werde wie bei euch. Und dass wir erlöst werden von den Falschen und
bösen Menschen; denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Aber der Herr ist
treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen. Wir haben das Vertrauen
zu euch in dem Herrn, dass ihr tut und tun werdet, was wir gebieten. Der Herr
aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi.
Man staunt ja immer wieder, wenn man bedenkt, was der Apostel Paulus alles
geleistet hat. Durch ihn haben hunderte, wenn nicht sogar tausende von Menschen
den Weg zu Jesus gefunden. Doch bei all diesen großen Missionserfolgen sollte
man eines bedenken: Paulus hatte im Hintergrund als Unterstützung immer Menschen
gehabt, die für ihn beteten.
Ja, er hat auch immer wieder Menschen darum gebeten, ihm
durch Gebet Rückendeckung zu geben. So auch hier in unserem Bibelabschnitt.
„Betet für uns“, und mit „uns“ meinte er wahrscheinlich sich
und sein Missionsteam. Paulus war sich bewusst, dass er mit dieser
Gebetsunterstützung doppelt so effektiv ist.
Dieses Prinzip gilt bis heute noch so.
Ein kleines Beispiel: Christian Schwarz schreibt in seinem
Buch: Grundkurs Evangelisation folgendes Erlebnis:
... In einem Seminar über Evangelisation entschloss ich
mich ein Interview durchzuführen... Bei diesen Interviews hatte ich besonders
viel Spaß an Fabian, einem Studenten Anfang 20, dem Gott ganz offensichtlich die
Gabe der Evangelisation gegeben hatte. Er erzählte der Gruppe in sehr beredten
Worten davon, wie er Menschen zum Glauben führt, wie viel Freude ihm dieser
Dienst macht und dass er am liebsten gar nichts anderes täte, als mit
Nichtchristen über Jesus zu reden.
[kleine Anmerkung: solche Menschen, die Händchen dafür haben,
andere zum Glauben zu führen, gibt es in jeder Gemeinde – solch ein Mensch war
auch Paulus – solche Menschen sollte man auch besonders für diesen Dienst
freistellen und freisetzen!]
Fabian nannte uns auch die Namen von vier Menschen, denen er während der
letzten eineinhalb Jahren zu einem Anfang im Glauben verholfen hatte. Drei von
ihnen waren nun aktive Mitglieder dieser Gemeinde, einer nahm sogar als
Mitarbeiter an diesem Seminar teil. Die Gruppe staunte, was Gott durch einen
einzigen Menschen, der bereit ist, seine Gabe einzusetzen, alles tun kann.
Nach Fabian interviewte ich Maja, eine 23 jährige
Krankenschwester, der Gott nicht die Gabe der Evangelisation gegeben hat. Ich
fragte sie, welche Gaben während des Seminars bei ihr ans Tageslicht gekommen
seien, und sie nannte unter anderem die Gabe des intensiven Gebets. Im
Unterschied zu Fabian war Maja rhetorisch nicht sehr begabt. Sei war ein
stillerer, mehr introvertierter Typ. Es fiel ihr [auch] gar nicht so leicht,
spontan auf meine Fragen zu antworten. ...
Es stellte sich aber heraus, dass Maja für drei der vier
Personen, die Fabian in letzter Zeit zum Glauben führte, über Monate regelmäßig
gebetet hatte – und zwar ohne, dass irgendjemand in der Gemeinde davon gewusst
hätte! Gerade noch hatte Fabian noch erzählt, es sei ihm „relativ leicht
gefallen“, diesen Menschen zu einem Anfang mit Jesus zu verhelfen, weil sie ihm
einfach „gut vorbereitet“ schienen. Und hier war die Ursache für diese Phänomen:
Die Gebete von Maja hatten offensichtlich diese „Vorbereitung“ bewirkt!“
- soweit Christian Schwarz“ -
Liebe Gemeinde – wir können mit äußeren Anreizen Menschen zu etwas begeistern.
Wir planen ja eine große Evangelisation für nächstes Jahr. Mit vielen
Einladungen und mit Rahmenveranstaltungen wollen wir viele Menschen
herbeilocken. Auf einer großen Leinwand wird auch ein glänzender Redner
sprechen, der sicher ganz großartige Worte finden wird, um den Glauben an Jesus
Christus schmackhaft zu machen.
Aber wenn wir das ganze ohne die Rückendeckung des Gebetes tun würden, dann wird
letztendlich nicht viel geschehen. Denn die Worte und das Programm dringen nur
bis zu den Ohren, erreichen den Verstand. Dass eine Predigt auch vom Kopf ins
Herz rutscht und nicht wieder zum anderen Ohr hinaus, dazu braucht es Gottes
Geist, der an die Herzenstür eines Menschen behutsam anklopft. Und der Geist
Gottes wirkt besonders da, wo er gebeten wird. Darum ist es so wichtig, dass die
Verkündigung des christlichen Glaubens mit Gebet verbunden ist.
Außerdem ist das begleitende Gebet so wichtig, weil es eine starke Waffe ist,
Hindernisse beiseite zu räumen. Der Glaube ist tatsächlich nicht jedermanns
Ding. Und es gibt viele Menschen, die sehen ein rotes Tuch, wenn es darum geht,
dass evangelisiert wird, dass Menschen zum Glauben kommen usw.. Und so setzen
sie alle möglichen Hebel in Bewegung, dass dies nicht geschehen soll. Das
braucht man nicht zu bedauern, das ist einfach so. Doch wenn wir beten, dann
können uns diese Intrigen und Machenschaften gar nicht viel anhaben, dann kommt
die Sache Gottes durch uns dennoch zum Zug, egal, wie andere Menschen auch toben
und schimpfen.
Durch das Gebet kommt also das Wort Gottes erst so richtig zum Laufen. Es geht
dann von einem Menschen zum anderen, von einem Haus zum anderen. Es erfüllt die
Menschen mit einer unglaublichen Freude. Sie finden einen Schatz, der größer ist
als alle Schätze der Erde. Und dadurch loben und preisen immer mehr Menschen
Gott. Sie freuen sich und werden Heil. Einen der wichtigsten Beiträge zu diesem
letzten Schritt ist das Gebet.
Ich habe ein Gebet vorbereitet, wie man für andere Menschen beten kann, dass Sie
zum Glauben kommen. Sebastian wird es gleich, wenn die Kollekte eingesammelt
wird austeilen.
Aber das Gebet bewirkt nicht nur bei den anderen etwas, es wirkt auch innerhalb
der betenden Gemeinde selbst. In der Fürbitte für andere, steht man auch selber
unter dem Schutz Gottes. Durch Gebet werden wir stark gegenüber inneren und
äußeren Anfeindungen und man wird nicht so leicht aus der Bahn geworfen.
Paulus schreibt: „Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren
vor dem Bösen.“
Wer wünscht sich das nicht, so richtig innerlich stark und gefestigt zu werden.
Nun ist es bei Menschen, die in ihrem Leben viel zu kämpfen hatten, oft so, dass
sie zwar sehr stark geworden sind aber auf der anderen Seite auch sehr hart. Sie
lassen sich nicht so schnell etwas sagen, zeigen keine Gefühle.
Das Gebet für andere bewirkt, dass wir selbst stark werden.
Doch gleichzeitig bewirkt es auch, dass wir für Jesus weich werden.
Paulus schreibt: Wir haben das Vertrauen zu euch in dem
Herrn, dass ihr tut und tun werdet, was wir gebieten. Der Herr aber richte eure
Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi.
Bei aller Härte gegenüber eigener Weichlichkeit und gegenüber dem Feind, sorgt
das Gebet nun, dass man weich und liebevoll gegenüber Gott bleibt.
Das Gebet ist keine Einbahnstraße. Wenn ich zu Gott rufe,
dann öffne ich mich ihm gleichzeitig. Und wenn ich mich ihm öffne, dann heißt
das, dass seine Liebe und sein Geist in mich hineinfließen können. Und was gibt
es schöneres, als wenn ein Herz mit Liebe für andere überströmt.
Amen.
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