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Dankbarkeit                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 30. November 2003, Adventslobpreisgottesdienst

In den letzten Lobpreisgottesdiensten predigte ich über Weisheit. Auch heute will ich über ein Thema predigen, das zu einem weisen Lebensstil gehört. Weisheit könnte man ja beschrieben: Die Kunst ein gutes Leben zu führen, das Gott gefällt und dadurch ein glückliches Leben wird. Unser Thema heute führt uns ganz besonders zu einem glücklichen Leben: Das ist die Danksagung.

Dazu ein paar Gedanken:

1. Wer dankt steht im Einklang mit dem Willen Gottes

In 1. Thess. 5, 18 schreibt Paulus:

"Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch."

Ist Euch das schon einmal bewusst geworden, dass Gott es sich wünscht, dass Du als Christ dankbar bist in allen Dingen? Alles, was Du tust und sagst, soll in Dankbarkeit geschehen. Es kann sein, dass Du den Ruf Gottes für Dein Leben vernommen hast und Du Christ geworden bist, es kann sein, dass Du ein gerechtes Leben nach den 10 Geboten führst, es kann sein, dass Du in allem versuchst, Gott gehorsam zu sein, aber wenn Du Gott nicht in allem dankst, dann bist du nicht im Einklang mit seinem Willen.

Vielleicht hast Du immer wieder das Gefühl, irgendwie bin ich nicht am richtigen Platz, irgend etwas fehlt mir noch, irgendetwas stimmt nicht. Dann probier es einfach mal mit Dankbarkeit. Dank Gott für alles.

Paulus schreibt: Seid dankbar in allen Dingen.

Das heißt nicht, dass man für Bosheit, für Sünde, für Gottlosigkeit danken soll. Ich soll Gott nicht danken für eine Sünde, die ich begangen habe. Man soll Gott nicht für seinen Vollrausch danken. Aber in jeder Situation, auch wenn sie noch so schrecklich ist, gibt es auch einen Grund zum danken, gibt es eine Art Bewahrung, eine Hilfe, ein Lichtblick.

In ihrem Buch: „Die Zuflucht“ erzählt Corrie ten Boom von fürchterlichen Zuständen in dem Konzentrationslager, in dem sie eingesperrt war, weil sie Juden versteckt hatte. Besonders leidet sie unter den Läusen. Sie fragt Gott, wie sie für die schrecklichen Quälgeister denn danken sollte. Bald bekam sie die Antwort von einer anderen Frau, sie sagte: Sei froh, dass Du Läuse hast, denn die Läuse schützten uns vor sexuellen Übergriffen unserer Wärter.

In der Regel ist ein Mensch von Natur aus nicht dankbar. Er nimmt alles Gute, was er bekommt, gedankenlos hin und über alles Negative mault er. Zumindest ist das bei Kindern so – Wir Eltern geben uns oft die größte Mühe geben, dass es ihnen gut geht, dass ihre Wünsche erfüllt werden, dass sie eine gute Ausbildung bekommen, dass sie es schön haben sollen – je besser sie es haben, desto mehr nehmen sie das als eine Selbstverständlichkeit hin. Aber wehe, sie bekommen einmal nicht sofort ihren Willen, dann geht das Geschrei los. Weil Kinder nicht von Natur aus dankbar sind, darum versuchen Eltern ihren Kindern „Dankbarkeit“ beizubringen. Denn „Danke“ sagen zu können gehört zur Höflichkeit.

Ebenso will Gott uns zu dankbaren Menschen erziehen. Er will unseren Blick dafür schärfen, was er uns schenkt, er will uns öffnen für seine Gnade. Und weil wir seine Kinder sind, weil wir Königskinder sind, will er uns himmlische Höflichkeit beibringen. Und zu dieser himmlischen Höflichkeit gehört das „Danke – sagen“. Und darum erzieht er uns zu Dankbarkeit. Unsere Danksagung ist sein Wille

Wenn Gott von uns will, dass wir danke sagen, dann ist Dankbarkeit eine Willenssache und eine Sache der Selbsterziehung. Eine kleine Hilfe, wie man sich in Danksagung üben kann, ist das Aufschreiben.

In meiner Gebetszeit mache ich mir Gedanken in vier Bereichen, in denen ich Gott danken möchte und schreib sie auf.

1. Ich mache mir Gedanken, welche Gebete Gott erhört hat. Es vergeht kaum ein Tag, in dem er nicht eine Bitte erfüllt hat.

2. Ich danke Gott für schöne Erlebnisse oder schöne Begegnungen des vergangenen Tages

3. Ich danke Gott für seinen geistlichen Segen, ein Bibelwort, eine Erkenntnis, eine gute Predigt ...

Und 4. ich danke Gott für einen materiellen Segen, den er mir geschenkt hat.

Wenn ich hin und wieder meine Aufzeichnungen durchlese, dann werde ich von einem Gefühl der Dankbarkeit erfüllt.

Noch eine kleine Anmerkung zum folgenden Vers – Vers 19: Er lautet: „den Geist dämpft nicht.

Mir scheint es, als bestünde zwischen Dankbarkeit und Geistausgießung ein indirekter Zusammenhang. Wenn wir undankbar sind, dämpfen wir den Heiligen Geist in uns. Wenn wir Gott danken, dann kann er sich in uns so richtig entfalten und erfüllen.

2. Danksagung verleiht unseren Bitten Wirksamkeit

In Phil 4,6 schreibt Paulus:

Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung Gott kundwerden.

In Hergenrath lebt ein afrikanischer Asylbewerber, der in die afrikanische Gemeinde nach Aachen geht. Der hatte plötzlich ein großes Problem. Er hatte seinen Pass bzw. seine Aufenthaltsgenehmigung verloren. Das ist so ziemlich etwas vom schlimmsten, was einem Afrikaner in Europa passieren kann. Andy ist aber nicht in Panik ausgebrochen, sondern er begann zu beten. Andy aber bat nur einmal darum, dass er seinen Pass finden sollte, dann vertraute er darauf, dass Gott ihm zur rechten Zeit den Pass geben würde. Und so dankte er jeden Tag für seinen Pass. Merkt Ihr, danken – ist ein Ausdruck des Glaubens. Ja, sie ist die Grundhaltung des Glaubens. Dank ist die Antwort auf die Güte Gottes, auch wenn ich sie noch nicht sehe. Und je intensiver der Glaube ist, desto größer auch die Gebetserhörungen. Tatsächlich tauchte der Pass auch wieder auf. Eine Bekannte fand den Pass. Andy selbst hätte ihn wahrscheinlich aus eigener Kraftanstrengung nicht gefunden.

Auch Jesus ging so vor. Als er 5000 Menschen satt machte, da wurde er nicht übergeistlich, da sprach er nicht heftige Gebete – sondern er schaute zum Himmel auf und dankte seinem Vater. Ebenso bei seinem größten Wunder. Sein Freund Lazarus, der schon vier Tage tot war, rief er aus dem Grab. Wie sah sein Gebet zuvor aus? Er dankte!!! Danksagung setzt Wunder frei.

Das gleiche Prinzip gilt auch, wenn ich für Personen bete. Gott freut sich, wenn wir danken für die Menschen, die er in unsere Umgebung gestellt hat. Dann wird er gerne seine Hilfe und seine Engel senden, dass sie die Situation verbessern. Seit ich bewusst Gott für meine Familie, für meine Kinder und meine Frau danke, habe ich sie noch viel mehr lieb. Auch wenn die Kinder mir mal etwas auf die Nerven gehen, dann danke ich Gott dafür, dass sie so lebendig sind, dass sie gesund sind, bevor ich anfange zu schimpfen.

Bei jedem Menschen gibt es Gründe zum danken, durch Dank bekommen wir Zutrittsberechtigung bei Gott, für diese Person zu bitten. Ein verhängnisvoller Fehler, den wir beim Gebet machen können, ist sich bei Gott über unsere Nächsten und insbesondere über Gottes Leute zu beklagen. Wir bauen dadurch eine geistige Mauer um den anderen auf, der ihn in sein Fehlverhalten einzementiert.

Außerdem übernehmen wir durch das Klagen über Menschen die Arbeit Satans. Satan wird „der Ankläger der Brüder“ genannt. Wollt ihr Satan bei seiner Arbeit helfen? Das braucht ihr nicht, das kann Satan ausgezeichnet und allemal besser als wir.

Lasst uns eher wie Jesus werden, der Tag und Nacht für seine Schwestern und Brüder einsteht.

3. Danken versiegelt den Segen Gottes.

Charles Simson sagt: „Bei jeder christlichen Veranstaltung wartet ein Segensdieb vor der Tür.“ Ist euch schon einmal bewusst geworden, dass geistliche Erkenntnis, geistlicher Segen rasch wieder weggenommen werden kann. Es gibt so eine Art teuflische Krähen, die schnappen den guten Samen des Wortes Gottes sofort weg, sobald sie ihm habhaft werden können. Kaum ist man wieder draußen in der Welt, im Alltag schon versucht etwas Heilung, Erkenntnis, Liebe wieder wegzukrallen. Wenn wir Gott danken, dann ist das wie wenn wir den Segen vergraben. Er kann nicht so leicht mehr gestohlen werden, ja er wird wachsen und Früchte bringen.

Und noch ein letzter ernster Punkt: Was ist wohl das Gegenteil von Danksagung?

Murren.

Murren, das ist Unzufriedenheit, eine Haltung des Nörgelns, hinter Murren steckt die Ansicht, dass Gott einem etwas zumutet, was man gar nicht verdient hat. Nebenbei bemerkt ist murren etwas anderes als klagen. Klagen als Möglichkeit des Gebetes ist in der Bibel erlaubt. Klagen heißt, dass ich mit meiner ganzen Not direkt zu Gott gehe und ihm alles hinlege und sage: Ich kann nicht mehr. Hilf du mir weiter. Aber murren ist, wenn ich auch noch andere mit meiner Undankbarkeit anstecke, wenn ich es nicht direkt zu Gott sage, was mir nicht passt. Murren kann man auch gegen Eltern, gegen Vorgesetzte, gegen Autorität. Wer von Euch irgendwo ein Vorgesetzter ist, kennt das vielleicht. Man betritt einen Raum, die anderen verstummen plötzlich mit ihrem Gespräch, die Atmosphäre ist eisig. Da wurde gerade gemurrt. Murren meidet im Gegensatz zum Klagen anfänglich die offene Konfrontation. Wenn sie dann lange genug gekeimt hat, geht sie zur offenen Rebellion über.

Das Paradebeispiel für Murren steht in 4.Mose 21:

„Und das Volk war verdrossen auf dem Wege und redete wider Gott und wider Mose: Warum hast du uns aus Ägypten geführt, dass wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brot und kein Wasser hier, und uns ekelt vor dieser mageren Speise.

Beim Murren wird auch noch übertrieben und negatives hinzugedichtet. Aber wisst ihr, was dann passierte?

Da sandte der Herr feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben.

Gott ist sehr geduldig. Aber ähnliches kann auch uns passieren, wenn wir murren. Sei es über den eigenen Körper, sei es über deine Nächsten, sei es über Deine Gemeinde. Du wirst gebissen werden wenn Du murrst und sagst: „Warum bin ich zu dumm, warum bin ich zu klein, oder zu groß, zu dick. Dann schleicht ein Gift in deinen Körper und er wird krank.

Wenn Du über deine Gemeinde und deine Leiter murrst, dann wird sie noch spröder, noch streitsüchtiger noch unangenehmer. Wenn Du über Deine Eltern murrst, dann wird dein Leben schwer. Murren zerstört Dein Leben. Es ist schädlicher als Nikotin. Aber glücklichweise hat Gott ein gutes Heilmittel gegen dieses Schlangengift des Murrens gegeben.

Damals ist eine Schlange an einem Stab aufgerichtet worden. Das ist ein Bild für Jesus. Schaut Jesus an. Jesus, der alles hatte, der die höchste Stellung im ganzen Universum hatte, dem es an nichts fehlte, der es schöner hatte, als wir uns überhaupt vorstellen können – er wurde ohne Murren, ein armes Kind, er kam in eine kalte Welt, er wurde Flüchtling, Asylant, wuchs als Kind in asozialen Verhältnissen auf. Später wurde er verkauft, verraten, geschlagen, gequält. Er erlitt all das, was Menschen sich so einander antun.

Murrte er? Nein.

Und warum machte er das? Weil er Dich liebt. Er nahm all das Leid, all das Unglück, die Verlassenheit und Einsamkeit auf sich um dich von den feurigen Schlangen und deren Gift zu befreien. Er will die Ewigkeit mit Dir verbringen, er will, dass Du teilhast an seiner Herrlichkeit. Alles aus Liebe zu dir – darum nahm er all das auf sich. Ohne zu murren. Je mehr du auf ihn schaust, je mehr du verstehst, was das bedeutet, um so dankbarer wirst Du werden.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010