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Predigt von Pfarrer Jürgen Ullmann am 22. Februar 2004 im Lobpreisgottesdienst in Neu-MoresnetEpheser 4,22-24 Wir stecken mitten in der Karnevalszeit. Ich habe mich einmal gefragt: Woher kommt eigentlich Karneval? Es gibt verschiedene Vermutungen darüber. Aber ein Artikel, den ich in einer Zeitschrift gelesen habe, ging davon aus, dass Karneval eigentlich einen christlichen Ursprung hat. Und zwar haben etwa im 14.Jhdt. Franziskanermönche Predigten gehalten, nicht indem sie Ansprachen hielten, sondern indem sie den Leuten etwas vorspielten. Das war so eine Art Straßentheater. Man führte die Theaterstücke aber auch in den Kirchen auf. Die Franziskanermönche verkleideten sich, um den Menschen gewissermaßen einen Spiegel vorzuhalten. Sie wollten den Zuschauern zeigen: So seid ihr. So sieht es im Menschen aus. Da verkleideten sich die Mönche z.B. als Esel. Man sagt den Eseln ja nach, dass sie stur und träge seien. Und mit dieser Verkleidung machten die Mönche deutlich: So sind die Menschen. Faul und träge, wenn es um Gottes Sache geht. Oder sie zogen geflickte Kleidung an. Damit zeigten sie, wie geizig der Mensch ist. So geizig wie ein Mann, dem sein Geld zu schade ist, um sich anständige Kleider zu kaufen. Und all die anderen negativen Eigenschaften, die in uns Menschen stecken, haben diese Mönche dargestellt durch Verkleidung. Ein Mann mit einem dicken Bauch stellte den Luxus dar, die Üppigkeit, die Völlerei. Der Löwe oder der Teufel waren ein Symbol für Stolz. Der Wolf oder die Kröte waren ein Bild den Neid. Aber dann kam das Entscheidende. Nachdem die Mönche ihre Verkleidung vorgeführt hatten, zogen sie ihre Kostüme aus und zogen sich ordentliche Kleider an. Damit zeigten sie: Wir wollen mit all diesen schlechten Eigenschaften nichts mehr zu tun haben. Durch Jesus sind wir neue Menschen geworden. Das erinnert an den Bibeltext, den wir vorhin gehört haben. Paulus schreibt: "Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch betrügerische Begierden zugrunde richtet...und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit." Legt den alten Menschen ab und zieht den neuen Menschen an. So wie die Mönche damals in den christlichen Theaterstücken ihre Kostüme auszogen (...diese Kostüme, die all das Böse darstellten, das in uns steckt...) und dann neue Kleider anzogen, so sollen wir unser altes Leben ablegen...unseren alten Menschen ausziehen...und ein neues Leben mit Jesus beginnen. Und das ist eigentlich Karneval. Das Wort Karneval ist vom Lateinischen abgeleitet. Es heißt - wenn man es ganz ausspricht: "Carne vale dicere". Und das heißt auf deutsch: Dem Fleisch Lebewohl sagen. Varne vale dicere - dem Fleisch Lebewohl sagen. Dem Fleisch Lebewohl sagen, das heißt nicht, dass man keine Wiener Schnitzel und kein Gulasch mehr essen darf. Sondern das Wort "Fleisch" bezeichnet in der Bibel unsere sündige Natur...all die scheußlichen Eigenschaften, die in uns stecken und die die Mönche durch ihre Spiele im Mittelalter dargestellt haben. Unsere egoistische, unsere begierige, unsere antigöttliche Veranlagung...für all das steht in der Bibel das Wort "Fleisch". Die meisten von euch kennen wahrscheinlich den Vers: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Da sieht man: mit Fleisch kann hier kein Rumsteak gemeint sein. Sondern es ist eben unsere Veranlagung, die von Natur aus böse ist. Und dieser Veranlagung sollen wir Lebewohl sagen. Wir sollen sagen: Fleisch, ich will mit dir nichts mehr zu tun haben. Ich will mich nicht mehr beherrschen lassen von meinen Begierden und meinem Egoismus. Sondern mit Jesus habe ich ein neues Leben begonnen. Als Jesus in mein Leben kam, da habe ich mein altes Kostüm abgezogen. Und ich habe ein neues Kleid angezogen. Ich habe ein neues Leben begonnen. Und das ist Karneval im eigentlichen Sinne. Karneval ist nicht der Moment, wo man das Faschingskostüm anzieht. Sondern es ist der Moment, wo man es auszieht und ein neues Leben beginnt. Carne vale dicere heißt: Dem Fleisch Lebewohl sagen...sich trennen vom alten Menschen. Zieht den alten Menschen aus, heißt es im Epheserbrief. Im Kolosserbrief wird es noch radikaler ausgedrückt. Da heißt es: Tötet den alten Menschen. In manchen Gegenden hat sich auch dieser Vers in einem Faschingsbrauch niedergeschlagen. Da wird nämlich am Ende der Faschingszeit eine Strohpuppe verbrannt. Diese Strohpuppe stellt den alten Menschen dar mit seinen Begierden. Und dieser alte Mensch, der sich von seinem Egoismus beherrschen lässt, soll getötet werden. Er wird verbrannt. Mit dem will man nichts mehr zu tun haben, wenn man Christ geworden ist. Bei den ersten Christen wurde das auch in der Taufe so dargestellt. Wenn jemand sich entschlossen hatte, mit Jesus zu leben, dann ließ er sich taufen. Man tauchte ihn unter im Wasser. Und das hieß: Der alte Mensch soll ertränkt werden. Man will ihn töten. Man zeigte: Ich will mit meinem früheren Leben nichts mehr zu tun haben. Dann holte man den Getauften wieder aus dem Wasser heraus und er durfte ein neues Leben beginnen. Ein Leben, in dem er sich nicht mehr von seinen Begierden beherrschen lässt, sondern in dem er sich von Jesus beherrschen lässt. Das heißt Karneval. Carne vale dicere - dem Fleisch Lebewohl sagen. Alle diese Bilder - das Bild von dem Kostüm, das man auszieht, die verbrannte Strohpuppe, der Mensch, der ertränkt wird - alle diese Bilder machen deutlich, dass eine radikale Änderung in uns vorgehen muss, wenn in unserem Leben etwas anders werden soll. Es gibt Menschen, die sehen zwar ein, dass in ihrem Leben vieles nicht so ist, wie es sein sollte. Und sie geben sich große Mühe, in Zukunft einiges anders zu machen. Aber oft stellen sie dabei fest, dass sie damit nicht sehr weit kommen. Wie schreibt Paulus? "Legt von euch ab den alten Menschen und zieht den neuen Menschen an." Vergleichen wir diesen alten Menschen einmal mit einem Mantel, der schon voller Risse und Löcher ist. Er ist ganz zerfranst und schäbig. Manche Menschen versuchen nun diesen alten Mantel ein wenig zu verschönern. Sie wollen ihn ausbessern. Sie versuchen, die Risse zuzunähen oder ein paar Flicken auf die Löcher zu kleben. Und tatsächlich kann auch hier und da an manchen Stellen etwas ausgebessert werden, aber es bleibt doch immer noch der gleiche alte Mantel. Vielleicht erinnert dieses Bild einige an etwas, was Jesus einmal gesagt hat. Jesus sagte: "Niemand flickt einen Lappen von neuem Tuch auf ein altes Kleid; sonst reißt der neue Lappen vom alten ab, und der Riss wird ärger" (Mk.2,21). Damit sagt Jesus: Es hat keinen Sinn, wenn wir an unserem alten Leben herumreparieren und versuchen, es zu verschönern. Unsere Wurzel, unser Herz, unser Ich ist schlecht und daran können wir durch alle Verschönerungsversuche nichts ändern. Es hat keinen Sinn, wenn wir versuchen, den alten Mantel zu reparieren. Sondern wir müssen einen völlig neuen Mantel anziehen. Es muss eine grundlegende Änderung mit uns geschehen. Und zwar eine Änderung, die wir selbst nicht zustande bringen. Wenn irgendetwas an uns neu werden soll, dann kann nur Gott das bewirken. Und genau das will Gott tun, indem er uns mit seinem Heiligen Geist erfüllt. Wenn wir Jesus bitten, in unser Leben zu kommen und ihm erlauben, unser Leben in seine Hand zu nehmen, dann schenkt uns Gott den Heiligen Geist. Und durch den Heiligen Geist fängt Jesus an, an uns zu arbeiten. Er fängt an, uns innerlich zu verändern. Der Apostel Paulus sagt: Ist jemand in Christus, dann ist er eine neue Kreatur...eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. In den alten Luther-Bibeln hieß dieser Satz: Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden. Aber diese Übersetzung ist missverständlich. Denn so könnte man meinen, dass nun tatsächlich alles mit einem Schlag anders wird, sobald man ein neues Leben mit Jesus begonnen hat. Als ich Christ wurde, da habe ich auch gedacht, dass nun mit einem Schlag alles anders werden müsste. Ich dachte, wenn ich mit dem Heiligen Geist erfüllt werde, dann sind all die negativen Gedanken und Wünsche verschwunden, die Gott nicht gefallen. Und ich habe mich sehr gewundert, als ich feststellte, dass in mir eben nicht alles neu geworden ist. Es hat zwar etwas Neues begonnen - das ganz bestimmt. Ich hatte tatsächlich neue Ziele für mein Leben. Für mich waren jetzt andere Maßstäbe wichtig und ich hatte andere Wünsche und Interessen als bisher. Aber ich stellte fest, dass es gar nicht so einfach ist, dem Fleisch Lebewohl zu sagen. Sondern es ist immer wieder ein Kampf, der in uns stattfindet. Auch Paulus spricht von dem Kampf zwischen Geist und Fleisch. Dieser Kampf ist nicht beendet, wenn jemand Christ wird. Sondern im Gegenteil, dann geht er erst los. Beendet ist er erst mit unserem Tod, wenn wir von unserem sterblichen Körper befreit sind und unseren Auferstehungskörper bekommen. Ich möchte einmal versuchen, unsere Situation als Christen an einem Beispiel deutlich zu machen. Vergleichen wir einmal unser Leben oder unseren Körper mit einem großen Schiff. Die einzelnen Glieder unseres Körpers sind die Mannschaft des Schiffes. Der Eigentümer dieses Schiffes ist Gott, denn er hat uns ja erschaffen. Aber nun hat auf diesem Schiff ein sehr grausamer Kapitän die Herrschaft an sich gerissen. Dieser Kapitän ist Satan. Der Kapitän hasst den Eigentümer des Schiffes. Er behandelt das Schiff so, als würde es ihm selbst gehören. Die Mannschaft hält er in völliger Knechtschaft. Die Mannschaft ist diesem Kapitän ganz ergeben, denn sie hatte nie eine andere Herrschaft gekannt. Sie weiß gar nicht, was wahre Freiheit ist. Eines Tages aber setzt der Eigentümer des Schiffes einen neuen Kapitän ein. Das ist der Moment im Leben eines Menschen, wo er sich bekehrt und mit dem Heiligen Geist erfüllt wird. Das Schiff hat nun einen neuen Kapitän, nämlich Jesus. Jetzt fängt die Mannschaft langsam an, den Unterschied zu ihrem früheren Dasein herauszufinden. Der neue Kapitän hat die Herrschaft über das Steuer übernommen, auch die Herrschaft über die gesamte Ladung des Schiffes. Aber - und das müssen wir auch sehen - der alte Kapitän bleibt an Bord. Der neue Kapitän hat ein Instruktionsbuch mitgebracht. Wir nennen es die Bibel. In diesem Buch steht unter anderem, dass der alte Kapitän gerichtet und verurteilt worden ist. Aber das Urteil kann erst durch die zuständigen Gerichte vollzogen werden, wenn der Hafen erreicht ist. Die Mannschaft kann also den alten Kapitän weder an Land setzen noch über Bord werfen. Er bleibt noch auf dem Schiff, aber er führt das Schiff nicht mehr. Dennoch versucht er von Zeit zu Zeit, wieder die Herrschaft über das Steuerrad zu bekommen. Manchmal gelingt es ihm auch, seinen alten Einfluss auszuüben, indem er unter einigen Besatzungsmitgliedern Missmut erregt. Denn er kennt ja noch gut ihre Schwächen aus der Zeit, in der er über sie herrschte. Gelegentlich verführt er einige von ihnen zum Ungehorsam, den sie hinterher sehr bedauern. Doch an die Schiffspapiere kann der alte Kapitän nicht mehr kommen. Die sind ganz außerhalb seines Bereiches. Das heißt, er kann weder die Fahrtrichtung des Schiffes ändern noch den Heimathafen, den es ansteuert. Einst war die Schiffsmannschaft ein gehorsames Werkzeug für den alten Kapitän. Sie führte stets seinen Willen aus. Aber jetzt ist keines ihrer Glieder mehr verpflichtet, seinen Befehlen zu gehorchen. Sie müssen seine Autorität nicht mehr anerkennen. Sie können es natürlich noch, wenn sie wollen. Aber sie sind von allen Verpflichtungen gegenüber dem früheren Befehlshaber befreit und folgen den Anweisungen des neuen Kommandanten. Die Schiffsmannschaft darf in der Gewissheit leben, dass der alte Kapitän bereits verurteilt ist. Er wartet nur noch auf die Vollstreckung des Urteils. Dieses Beispiel kann unsere Situation als Christen ein wenig veranschaulichen. Wenn wir bewusst eine Entscheidung für Jesus treffen, dann feiern wir Karneval im eigentlichen Sinn. Wir sagen dem Fleisch Lebewohl. Wir wollen uns nicht mehr von unseren egoistischen Trieben, sondern von Jesus beherrschen lassen. Unseren Körper und unsere Glieder wollen wir Jesus zur Verfügung stellen. Aber das geht nicht automatisch. Sondern es braucht in konkreten Situationen immer wieder eine bewusste Entscheidung, nicht dem alten Herrn, sondern dem neuen zu dienen. Aber auch wenn das Alte immer wieder hochkommen will, so dürfen wir doch wissen, dass Jesus das Ziel für unser Leben festgelegt hat und dass wir das Ziel sicher erreichen werden, wenn wir an ihm festhalten. Amen |
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