Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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Ich bin das Brot des Lebens                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 26. März 2001

Liebe Gemeinde

Der Bibelabschnitt, der dieser Predigt zugrunde liegt, steht in dem Evangelium des Johannes Kapitel 6,47-51. Ich lese:

Amen, Amen ich sage euch: Wer glaubt hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.

Liebe Gemeinde,

was tun wir nicht alles, um unser tägliches Brot zu bestreiten? Man geht rechtzeitig schlafen, um bei der Arbeit ausgeruht und fit zu sein, man arbeitet hart und gibt oft sein letztes, um im Schweiße seines Angesichtes sein Brot zu verdienen. Viele Menschen müssen um ihren Arbeitsplatz bangen. Darum tut man oft gegen seinen eigenen Willen Dinge, die ein Brötchengeber verlangt. Viele setzen ihre Gesundheit aufs Spiel. Schließlich heißt es ja: Wes Brot ich esse, des Lied ich singe. Für das tägliche Brot opfern wir 2/3 der verfügbaren Lebenszeit.

Brot ist Sinnbild für das, was wir zum Leben brauchen. Brot ist die Energie, die unser Körper benötigt, um zu leben. Brot stillt unseren Hunger. Und darum ist uns das Brot so viel wert. Darum arbeiten wir so hart, um Brot zu erhalten. Darum darf der Brötchengeber unser König sein – ebenso wie die Volksmenge Jesus zum König machen wollte, als er 5000 Menschen satt gemacht hat. Denn ohne unser täglich Brot, verhungern wir.

Das wissen wir Menschen sehr gut, besonders diejenigen unter uns, welche schwere Zeiten der Not durchlebt haben. Zeiten als Eltern den Brotkorb hoch an die Decke hängen mussten, damit die hungrigen Kinder nicht drankamen. Wir brauchen das tägliche Brot. Es erhält uns am Leben.

Und dennoch: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Er ist mehr als Fleisch und Blut, er ist mehr als ein Kaninchen, das mit einem Stück Brot und etwas Stroh zufrieden ist. Der Mensch ist ein geistliches Wesen. D.h. er lebt aus der Verbindung mit Gott. Er braucht Gottes Wort um zu überleben. Ohne Gott geht ein Mensch zugrunde. Er wird schwach, er verwahrlost und verroht, seine Seele verkümmert, verhungert und zuletzt fährt zur Hölle.

Das größte spirituelle Bedürfnis der Menschen ist: Gott kennen zu lernen. Danach hungern sie. Um diesen Hunger zu stillen tun wir Menschen alle möglichen und unmöglichen Dinge.

Inwiefern braucht der Mensch mehr als sein Essen und seine Sicherheit?

Ich versuche dies an einer traurigen Geschichte zu verdeutlichen. Es war zur Zeit von Kaiser Friedrich Barbarossa. Damals stritt man, welches denn die älteste Sprache der Menschen sei. War es Latein – die damalige Gelehrtensprache? War es Griechisch, die Sprache des NT oder war es Hebräisch? Man wollte unbedingt herausfinden, welches dieser drei Sprachen die älteste ist. Um dies zu erforschen startete man ein Experiment. Man nahm einige Findelkinder, also kleine Babys, die ausgesetzt worden waren und die niemandem gehörten und man gab diesen Babys eine königliche Versorgung. Sie hatten wirklich alles. Doch sie wurden nur von taubstummen Pflegekräften versorgt. Sie hatten keinen Kontakt mit redenden Menschen. Was meinen Sie, wie sah das Ergebnis dieses Versuchs aus?

Die Kinder starben alle der Reihe nach. Denn sie hatten keine Ansprache, sie hatten keine Liebe. Ein Mensch braucht jemand, der ihm sagt, wer er ist, der ihn lobt, ihn anspricht, ihn liebt. Der Mensch braucht ein Gegenüber – und dies ist letztendlich Gott.

Doch wo ist er zu finden, wo spricht er uns an, wo zeigt er uns seine Liebe. Wo ist er das Brot, das wir eigentlich brauchen? Und da sagt Jesus: Ich bin das Brot.

„Ich bin das Brot des Lebens.“

Ich bin das, was ihr zum Leben braucht. So wie euer Leib die Speise braucht, so braucht euer Geist mich, um zu Leben. Vielleicht denkt mancher insgeheim: Jesus, stimmt das wirklich, was du da sagst? Bist du wirklich das, was jeder Mensch zum Leben braucht? Bist du Gottes Wort?

Und Jesus sagt: „Wer glaubt, hat das ewige Leben.“ Es ist wie bei dem Brot. Du musst in das Brot beißen, es zerkauen und schlucken, um festzustellen, dass es Deinen Hunger stillt und Dir Energie gibt. So auch ich: Du musst meinem Wort vertrauen, du musst Dein Herz öffnen, damit ich Zugang habe. Ohne Vertrauen, ohne Entscheidung für mich, ohne Glauben wirst Du nicht feststellen, dass das wahr ist, was ich sage.“

In unserem Bibelabschnitt heißt es: „Dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.“

Ebenso wie ein Weizenkorn ziemlich Schweres durchmachen muss, damit es für Menschen genießbar wird, so muss auch Jesus leiden. Körperlich leiden. Zunächst ist da ein Weizenkorn, das wird in die Erde geworfen, es stirbt, das neue Leben, das daraus hervorkeimt wird schon bald von den Schnittern abgeschnitten. es wird gedroschen, gesiebt, gemahlen, durchgeknetet und in großer Hitze gebacken. Dann wird es zu dem gut verträglichen Lebensmittel.

So ähnlich auch Jesus. Sein Weg geht in das Dunkel des Todes, er wird verleumdet, verraten, gequält und zu Tode gemartert. Doch er tut das, für uns. Daran erkenne ich wie sehr er jeden Menschen liebt. Seine Gnade ist nicht irgend ein billiges Almosen, nein er gibt sein letztes, um mich aus meinem Dunkel herauszuholen. Um mir in meiner Todesnot beizustehen.

Und noch ein letztes: Durch Jesus Aussage, das dass er das Brot ist, setzt er ein Zeichen.

Es heißt: „Was der Mensch isst, das ist er auch.“ Wenn wir ein Stück Brot essen, dann nehmen wir es ganz in uns auf. Es geht in unser Blut über und wird in jede einzelne unserer Zellen transportiert, um sie mit Energie zu versorgen. Das, was wir essen prägt uns. Ähnlich will auch Jesus uns ganz erfüllen. Bis in den letzten Winkel unserer Existenz. In unsere tiefste Dunkelheit, in unseren Willen, in unser Denken, in unser Fühlen, er will uns verwandeln und zu neuen Menschen machen. Er will, dass wir wie er lieben und seine Liebe weiter tragen.

Im Anschluss an die Predigt gibt es Abendmahl. Da gibt es normales Brot, das der Küster beim Bäcker gekauft hat. Doch dieses kleine, ganz normale Stück Brot, soll ein Zeichen dafür sein, dass Jesus uns ganz nahe kommen will, dass er sich uns ganz hingeben will, wie ein Weizenkorn, das zu Brot wird. Es liegt nun an uns, dass wir uns für Jesus öffnen, dass wir ihn annehmen als Brot des Lebens, dass sein Geist uns erfüllen darf bis in die Haarspitzen hinein. Sind Sie dazu bereit – wenn ja, dann setzen Sie ihm ein Zeichen, indem Sie das Brot dankbar und lobpreisend nehmen.

Amen

 

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Stand: 04. Juni 2010