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Bittet, so wird euch gegeben                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 1. Mai 2005

Predigt:

als ich noch ein kleines Kind war, brachte mir meine Mutter einmal eine schmerzliche Lektion bei. Wir waren bei lieben Bekannten zu Besuch und weil sie so nett waren, bettelte ich, ob ich nicht irgendetwas zum Naschen bekommen könnte. Meiner Mutter war diese Situation sehr peinlich und auf dem Nachhauseweg sagte sie mir sehr streng und deutlich, dass Betteln eine Schande sei und ich das nie wieder tun dürfe. Diese Lektion blieb mir bis heute in Erinnerung.

Auf weltlicher Ebene hatte meine Mutter sicher recht. In der Welt ist es besser, nicht zu betteln. Doch auf geistlicher Ebene lehrte Jesus genau das Gegenteil. Es macht Gott nichts aus, wenn wir ihn so richtig bedrängen. Ja, er scheint dies zu mögen, wenn wir ihn bestürmen und nicht nachlassen mit unseren Bitten. Ich lese Lk 11:

5 Dann sagte Jesus zu den Jüngern: «Stellt euch vor, einer von euch hat einen Freund. Mitten in der Nacht geht er zu ihm, klopft an die Tür und bittet ihn: 'Leihe mir doch bitte drei Brote.
6 Ich habe unerwartet Besuch bekommen und nichts im Haus, was ich ihm anbieten könnte.'
7 Vielleicht würde der Freund dann antworten: 'Stör mich nicht! Ich habe die Tür schon abgeschlossen und liege im Bett. Außerdem könnten die Kinder von dem Lärm wach werden. Ich kann jetzt nicht aufstehen und dir etwas geben.'
8 Das sage ich euch: Wenn er schon nicht aufstehen und dem Mann etwas geben will, weil er sein Freund ist, so wird er schließlich doch aus seinem Bett steigen und ihm alles Nötige geben, weil der andere ihm einfach keine Ruhe lässt.
9 Darum sage ich euch: Bittet, so wird euch gegeben. Sucht, so werdet ihr finden. Klopft an, so wird euch aufgetan.

10 Denn wer bittet, der wird bekommen. Wer sucht, der findet. Und wer anklopft, dem wird geöffnet.
11 Welcher Vater würde seinem Sohn denn eine Schlange geben, wenn der ihn um einen Fisch bittet,
12 oder einen Skorpion, wenn er ein Ei haben möchte?
13 Wenn schon ihr hartherzigen, sündigen Menschen euren Kindern Gutes gebt, dann wird doch der Vater im Himmel erst recht denen seinen Heiligen Geist geben, die ihn darum bitten.»

1. Bete mit Ausdauer und Hartnäckigkeit:

Im ersten Teil des Abschnittes erzählt Jesus von einem Mann, der in Not gerät. Er braucht dringend Brot und hat keines mehr. Aber der Mann weiß, wo im Dorf noch etwas zu finden ist, nämlich bei einer befreundeten Familie und darum geht er mitten in der Nacht dort hin. Ist das nicht eine äußerst peinliche Situation?

Wer traut sich das, selbst bei guten Freunden?

Aber selbst, wenn man sich es traut, wer von uns hier, würde sich nach dem ersten Anlauf, nach dem ersten Klopfen, wenn der Bekannte sagt: "Du kommst mir äußerst ungelegen" - wer würde dann noch einmal klopfen?

Ich glaube keiner von uns.

Doch Gott möchte genau, dass wir für unser Gebetsleben diese kühne Einstellung bekommen.

Jesus möchte, dass wir um das Brot bitten, das wir brauchen um unsere Freunde, die müde und erschöpft sind, sättigen zu können.

Wir selber können dieses Brot nicht auf Vorrat haben – bei Gott ist es rund um die Uhr zu haben. An allen Tagen im Jahr und 24 Stunden am Tag.

Im Matthäusevangelium ist die Rede von vier Freunden, die nicht so richtig an Jesus ran kommen und darum steigen sie ihm buchstäblich auf’s Dach. Sie tragen den Gelähmten auf die Decke des Bungalows, in dem sich Jesus befindet, und decken das Dach ab, um ihren Freund Jesus zu bringen, dass er ihn heilt. Ist das nicht unverschämt.

Aber genau diese Kühnheit, diese Ausdauer wünscht sich Jesus, wenn es darum geht, dass wir unsere Freunde satt machen wollen.

Denken Sie an einen Menschen, den sie sehr gerne haben und der noch nicht vom Brot des Lebens, von Jesus gekostet hat.

Haben Sie Gott schon bedrängt. Haben Sie ihn gebeten, er solle Ihnen die richtigen Worte, die passenden Worte geben? Worte des Trostes, der Liebe, der Hoffnung und des Glaubens an Jesus. Worte die helfen und heilen?

Jesus möchte, dass wir kühn sind im Gebet, damit unser Gebet unsere Mitmenschen geistlich satt macht. Das ist der priesterliche Dienst eines Christen.

2. Bete und du wirst empfangen:

Gott schenkt uns viel – jeden Tag und ohne dass wir darum bitten und fragen und meist ohne, dass wir erkennen, was er uns Gutes getan hat. Er weiß auch genau, was wir brauchen. Ähnlich wie Eltern ihre Kinder versorgen.

Aber in manchen Dingen möchte Gott gebeten werden. Ich versuche das immer mit einem Antrag zu erklären. Als kinderreiche Familie hat man in Belgien das Recht, bei Bahnfahrten nur den halben Preis zu bezahlen. Man braucht dafür einen bestimmen Ausweis. Doch der Ausweis wird einem nicht automatisch zugeschickt. Man muss ihn beantragen. Man muss am Schalter eines Bahnhofes nach einem Formular fragen, es ausfüllen, beglaubigen lassen und dann wieder zum Schalter bringen.

Ähnlich sollten wir unsere Gebete verstehen. Gott ist bereit uns unendlich viel zu schenken. Doch wir sollen ihn darum bitten, quasi einen Antrag stellen für das, was er für uns bereithält.

Der Vergleich mit einem Antrag hinkt ein wenig. Denn einen Antrag zu stellen, ist lästig und es fördert nicht immer die Sympathie gegenüber unserer Verwaltung. Das führt uns zum nächsten Punkt:

3. Bitte und lerne Geber besser kennen.

Durch unser Bitten, will nämlich Gott, dass wir den Geber der Guten Gaben besser kennen lernen. Jesus sagt:

9 ...Bittet, so wird euch gegeben. Sucht, so werdet ihr finden. Klopft an, so wird euch aufgetan.

10 Denn wer bittet, der wird bekommen. Wer sucht, der findet. Und wer anklopft, dem wird geöffnet.

Hinter diesem Satz steckt das Bild eines orientalischen Bettlers. Er saß an der Straße und bat die Menschen um milde Gaben. Wenn nun ein reicher Mann kam, der sehr nett und freundlich zu ihm war, der mit ihm sprach und dann noch ein besonders großzügigen Geldbetrag spendete, dann wurde der Bettler auf den Geber neugierig.

Er fragte andere Leute, wo denn dieser liebe Mann wohnte, und er suchte, möglichst in die Nähe dieses Mannes zu kommen. Es war aber nur möglich das Haus des gnädigen Herrn zu finden, wenn er sich aufmachte und nach ihm suchte.

Vielleicht bettelte der Bettler dann möglichst in der Nähe dieses Hauses und wenn sich ein freundschaftliches Verhältnis entwickelte, so konnte es sein, dass sich der Bettler ein Herz fasste, beim seinem Gönner anklopfte und dort auch noch Unterkunft bekam. So wurde er sozusagen zum Hausgenossen des Schenkenden und gehörte zu seiner Familie.

Ähnlich möchte Gott uns durch seine Großzügigkeit zu seinen Hausgenossen machen.

Zunächst durch bitten, dann durch suchen und zuletzt durch anklopfen. Die Initiative muss aber von unserer Seite ausgehen. Wir sollen bitten, wir sollen ihn suchen, wir sollen anklopfen. Denn wenn wir nicht unsere Not spüren, so sind wir Menschen meist undankbar wie kleine Kinder gegenüber ihren Eltern, die alles selbstverständlich sehen.

Doch das schöne ist, was Jesus verspricht: Es wird aufgetan.

Gott öffnet sich ganz unserem Bitten. Das ist eines der schönsten Versprechen der Bibel.

4. Bete um den Heiligen Geist

Jesus sagt noch, worum wir besonders bitten sollen. Um den Heiligen Geist. Warum ausgerechnet um den Heiligen Geist?

Einmal verwandelt uns der Heilige Geist zu Kindern Gottes. Der Heilige Geist in uns erklärt unserem menschlichen Geist, dass wir seine Kinder sind. Er schenkt uns sozusagen neues Selbstbewusstsein und er wird dafür sorgen, dass wir Jesus immer ähnlicher werden, bis wir vollkommen sind, wie der Vater im Himmel.

Außerdem ist der Heilige Geist in der Trinität sozusagen der Schatzmeister der Reichtümer Gottes.

Als Jesus auf der Erde war, hatte er kein Geld, keine Wohnung, keine Versicherung. Und trotzdem hatte er täglich mehr als genug und konnte noch eine ganze Mannschaft hungriger junger Männer versorgen, eine Party mit Getränken ausstatten und bei einem Kongress die Bewirtung übernehmen. Warum, weil er Gott bat, damit er das bekam, was er brauchte. Und wer gab es ihm? Der Heilige Geist.

Wenn uns Gott den Heiligen Geist schenkt, dann werden wir eine Freude, eine Liebe zu Gott bekommen, dass Gott uns der höchste Schatz und das höchste Gut wird. Dann geht das Psalmwort in Erfüllung:

"Habe deine Freude und deine Lust am Herrn, so wird er dir geben, was dein Herze wünscht."

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010