Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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Bereitet dem Herrn den Weg                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 9. Dezember 2001

Heute soll nur ein Bibelvers für die Predigt betrachtet werden. Er steht in Jesaja 40, 3:

Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe, der Herr kommt gewaltig.

Liebe Gemeinde,

wenn ich so hin und wieder eine längere Strecke auf der Autobahn unterwegs bin, dann staune ich immer wieder über die gigantische bautechnische Leistung einer Autobahn. Große Täler sind überbrückt und kleinere Unebenheiten einfach ausgeglichen. Kleine Hügel sind abgetragen und in der Schweiz hat man hohe Berge einfach durchbohrt. Es gibt keine Schlaglöcher, man kann gut überholen, kein Gegenverkehr und keine Kreuzungen behindern mich. Auf solch einer Straße kommt man gut voran und rasch ans Ziel.

Straßenbau, das soll für uns ein Vorbild sein, dass Jesus Christus bei uns gut und rasch ans Ziel kommt. Denn es heißt: “Bereitet dem Herrn den Weg.“ Innerlicher Straßenbau könnte man das Thema des Adventes nennen.

Auf drei Dinge muss man achten, wenn man eine Straße bauen will:

1. Die Straße muss durchgängig sein
2. Die Berge, Hügel, Felsbrocken müssen abgetragen werden
3. Die Löcher und Täler müssen aufgefüllt werden.

Die Straße muss durchgängig sein

Stellen sie sich vor, sie fahren auf einer wunderschönen, herrlich ausgebauten Autobahn. Doch plötzlich hört der Asphalt auf, zwei Kilometer holpern sie langsam noch auf einem Feldweg dahin und dann stehen sie plötzlich an einem Fluss, der so tief und so reißend ist, dass sie nicht drüber kommen. Auf dieser Straße werden sie nie ans Ziel kommen.

Ebenso wird auch Jesus bei uns nie ans Ziel kommen, wenn wir unser inneres Wegebauprojekt nicht durchgängig durchführen. Wenn wir nur die leichten und einfachen Gebiete bei uns ausgebaut haben und die anderen Teile haben wir einfach stehen lassen. Da kann Jesus nicht weiterkommen.
Ich denke, das ist eher die Gefahr bei Christen, die lange im Glauben sind. Man hat sich über viele viele Jahre gemüht  und ist ganz gut gewachsen, man vergleicht sich mit anderen und denkt stolz: so weit wie ich, sind die mit ihrer Straße noch nicht. Dann kommt man gerne in Versuchung und meint: Nun bin ich vollendet. Und man wird bequem und arbeitet nicht mehr an sich.

Jesus nachzufolgen, heißt immer wieder lernen, immer wieder an sich arbeiten, immer wieder auf andere schauen und von ihnen lernen. Lassen Sie uns da nicht müde werden und meinen, wir hätten schon alles, wir hätten schon die ganze Wahrheit gepachtet.

Die Höhen, Hügel, Felsbrocken abtragen

Unter dem Hohen verstehe ich die Begabung, die Größe, das Besondere eines Menschen. Jeder Mensch hat seine Gaben, seine Stärken, seinen Reichtum. Doch lässt man diese Naturmonumente stolz so stehen, sind sie Jesus im Weg. Will man den Weg zu Jesus ebnen, muss man sie für Gott, für den Dienst am nächsten einsetzen und abgeben.

Ein Beispiel ist der so genannte reiche Jüngling. Da kommt ein toller junger Mann zu Jesus. Ich stell mir diesen Menschen als einen gut aussehenden jungen, vornehmen, äußerst gebildeten, anständigen, ehrlichen jungen Mann vor. Ein Mann mit ausgezeichneten Beziehungen, einer, der alles hat und dabei nicht völlig weltlich ist, sondern auch nach Gott fragt. Der kommt zu Jesus und Jesus verlangt von ihm, seinen hohen Berg abzutragen: „Verkaufe deine Güter, gib sie den Armen und folge mir nach.“ - Paff – da hat er aber ja gar nichts mehr womit er angeben kann, keine Sicherheit mehr. Aber genau dadurch muss er Jesus vertrauen und dies ebnet den Weg für ihn. Leider will der junge Mann das nicht. Diese Größe, diese Höhe will er behalten. Er wendet sich traurig ab. Und so findet Jesus den Weg nicht zu ihm. Auch Jesus ist sehr, sehr traurig darüber.

Wo sind meine Stärken? Worin liegt meine Größe, worin bin ich etwas besonderes? Herr, zeige mir, wie ich es abtragen kann, indem ich es Dir abgebe.

Die Löcher, und Täler ausfüllen.

Ebenso wie jeder Mensch etwas hat, worauf er sich etwas einbilden kann, worauf er stolz sein kann, hat auch jeder Mensch innere Abgründe: Einer ist geizig, der andere steckt seine Nase überall rein, der dritte ist eitel, der vierte neidisch, der fünfte sucht ständig Streit, der sechste ist überängstlich, der siebte neigt zur Völlerei der achte ist faul, der neunte tratschsüchtig. Irgendwo hat jeder Mensch seine Macke, seine Probleme. Das ist gar nichts tragisches. Das ist menschlich.

Tragisch wird es nur, wenn ich so tu, als hätte ich dieses Problem nicht, wenn ich auf meiner Betriebsblindheit beharre, denn dann kann der Heilige Geist nicht an diesem Abgrund arbeiten und ihn füllen.

Sehe ich aber meinen Fehler ein, bringe ich ihn vor Gott und bitte ihn um Heiligung, dann kann der Heilige Geist aus jeder sündigen Neigung etwas Gutes machen. Aus Geiz kann eine gesunde Sparsamkeit werden, die zu einer guten Haushaltsführung und soliden Finanzen führt, so dass man auch immer etwas für besondere Projekte auf der hohen Kante hat. Aus Neugierde kann ein gesundes „sich um den anderen kümmern“ werden, wenn er in Not ist. Aus Eitelkeit kann ein gutes Verhältnis zum Schönen werden, dass solche Menschen ihre Umwelt besonders schön gestalten lernen. Aus Neid kann ein großer Gerechtigkeitssinn erwachen, streitsüchtige Menschen werden dringend gebraucht, um Konflikte durchzustehen – oder man braucht sie um für schwächere Menschen zu kämpfen, beispielsweise um bei den Behörden etwas durchzuboxen, der Ängstliche kann zum Vorsichtigen werden, der seine Nächsten vor Blauäugigkeit warnen kann, der Faule kann zu einem gelassenen Menschen werden, der in der Hektik unserer Zeit einen Sinn für Gemütlichkeit hat. Der zur Völlerei neigende kann seinen Kühlschrank für Freunde und andere öffnen und sie bei einem schönen Gespräch gut beköstigen und der Tratschsüchtige kann zu einer gesunden Kommunikation innerhalb der Gemeinde beitragen.

So kann jeder Abgrund, aus jeder Sünde, wenn man sie Jesus abgibt, noch etwas gemacht werden, was mir selbst und meinem nächsten nicht mehr schadet.

Liebe Gemeinde, wenn wir Jesus einen schönen Weg bahnen wollen, dann müssen wir unsere Macken wahrnehmen und sie uns sagen lassen. Denn meistens leiden die anderen unter ihnen. Und nicht so tun, als wären sie nicht da. Dann sollten wir darum beten, dass der Heilige Geist sie ausfüllt und zuletzt daran arbeiten in Zusammenarbeit mit den Menschen, die mit uns zusammen leben.

Ich hoffe nicht, dass sie jetzt stöhnen und sagen: Das schaffe ich ja nie.

Liebe Gemeinde, wenn unsere Regierung gesagt hätte: Die Autobahnen sind zu teuer, das Projekt ist uns zu groß, die bekommen wir ja nie hin, dann würden wir heute noch auf Feldwegen fahren müssen, die bei Regen so matschig wären, dass sie gar nicht mehr befahrbar wären. Aber man war sich bewusst, welch eine Chance und ein Reichtum eine gute Straße in sich birgt. Für ein Land bedeutet eine Straße: Reichtum, blühender Handel, Austausch in Bildung und Wissenschaft, Lebendigkeit, Reisen, Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum, ja sogar eine stärkere militärische Schlagkraft.

Ähnlich sollten auch wir bedenken, wenn es um den innerlichen Straßenbau geht, welche Chancen der geistliche Straßenbau nach sich zieht. Wir werden zu ausgeglichenen Persönlichkeiten, zu Vorbildern für andere Menschen, zu Menschen, welche die Welt reicher und lebenswerter machen.

Aber das wichtigste bleibt: Wir werden zu Menschen zu denen Jesus einen Zugang hat. Und das ist das herrlichste und größte und wichtigste überhaupt. Darum lasst uns an uns arbeiten und nicht bei jedem kleinen Hindernis aufgeben. Unsere Höhen abtragen lassen, indem wir unsere Stärken in den Dienst Jesu und der anderen stellen. Unsere Tiefen und Löcher ausgleichen lassen, indem wir ihn an unseren Schwächen und Abgründen arbeiten lassen.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010