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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 31. Dezember 2002Liebe Gemeinde, Der Bibelabschnitt für den Altjahrabend steht in Lk 12,35-37. Dort sagt Jesus zu seinen Jüngern: Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen
und seid gleich Menschen, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen wird
von der Hochzeit, damit, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich auftun.
Glücklich sind die Diener, die der Herr, wenn er kommt wachend findet. Wahrlich,
ich sage euch: Er wird sich schürzen und wird sie zu Tisch bitten und kommen und
ihnen dienen. In diesem Bibelabschnitt ist von Dienern, so genannten Haushaltern die Rede. In der Zeit Jesu hatte ein vornehmer Herr, ein Großgrundbesitzer viele Diener und Angestellte. Der Herr arbeitete in der Regel sehr wenig, sondern kümmerte sich vor allem um die Verwaltung seines Gutes. Wenn ein Herr nun sein Haus beispielsweise zu einer längeren Reise verließ, dann betraute er einen Diener in seinem Haus zu seinem Stellvertreter. Im Beispiel von Jesus ist der Gutsherr zu einer Hochzeit eingeladen. Und die Reise zu der Hochzeit eines entfernten Verwandten konnte zur Zeit Jesu recht lange dauern und niemand konnte auch genau den Zeitpunkt der Rückkehr nennen. Der Hausverwalter war dann für die Bewirtschaftung, Leitung
und Verantwortung des Gutes verantwortlich. Er musste sich darum kümmern, dass
Saat und Ernte zur rechten Zeit in Angriff genommen wurden, dass das Personal
ausreichend versorgt ist, und dass es effizient arbeitet, dass nichts auf dem
Gut geklaut wird, dass die erzeugten Produkte verkauft wurden, dass Haus und Hof
sauber und in Schuss blieben. An anderer Stelle heißt es: Er betrank – machte sich also
über den Weinkeller seines Herrn her - und schlug das restliche Personal. Er
tyrannisierte die anderen und schlief den ganzen Tag über – er war also faul und
untreu. Jeder, der Jesus als seinen Herrn in seinem Leben annimmt,
ist automatisch solch ein Verwalter der Güter Gottes. Es liegt in jedes Christen
Ermessen, wie er mit den ihm anvertrauten Gütern umgeht. Kümmert er sich um sein
geistliches Leben. D.h. kümmert er sich um das Wachstum seines geistlichen
Lebens. Wächst die Liebe? Wachsen die Früchte des Geistes wie Freude, Friede,
Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut in meinem Leben – oder gleiche ich
einem unbestellten Acker um den sich niemand kümmert. Herr Fleu wird nun einige Minuten ruhige, leise Musik
spielen. Wir können in diesen Minuten nachdenken, ob wir unserer Berufung,
unserem Auftrag treu waren, oder ob wir uns an seinen Gütern zwar erfreut haben,
aber nicht damit „gewuchert“ haben und außerdem noch unseren Mitknechten das
Leben schwer gemacht haben. Nüchterne Bilanzen sind wichtig, um Konsequenzen für
den weiteren Weg zu ziehen. Liebe Gemeinde, während meines Studiums lehrte man mich, dass die Jünger und die ersten Christen, Jesu Kommen sehnlichst und unmittelbar erwarteten. Insofern seien die Stellen in der Bibel von seinem Kommen zu verstehen. Heute aber nach 2000 Jahren vergeblichen Wartens, bräuchte man darauf keinen so großen Wert legen. Liebe Gemeinde, je länger je mehr ich darüber nachdenke, um
so mehr empfinde ich es umgekehrt. Ich meine, dass wir heute noch viel mehr
Anlass haben, mit dem Kommen von Jesus zu rechnen. Die Zeichen der Zeit, die in
der Bibel angedeutet werden, sind deutlicher denn je. Dort ist die Rede von
vielen Kriegen und Kriegsgeschrei, von großen Naturkatastrophen, von der
Rückkehr des Volkes Israel in sein Land, von einer wachsenden staatlichen
Kontrolle und Gängelung, von einem Verfall der Werte wie Familie, Recht und
Ordnung und von einem riesigen Anwachsen der Anzahl an Christen. All dies sind
Dinge, die in unseren Tagen geschehen. Und ich kann mir gut vorstellen, dass wir
Jesu Ankunft erleben werden. Man stelle sich einen Verwalter vor. Er weiß, dass der Herr
jeden Augenblick kommen kann. Er schaut immer wieder nach draußen auf den Weg,
sucht den Horizont ab, ob eine Staubwolke in Sicht ist. Doch nichts. Es wird
Abend. Die Nachbarn ringsherum verschließen die Türen, machen sich bettfertig,
ziehen sich aus und löschen die Lichter. Damals gab es ja noch keine Feuerzeuge.
So schnell ging das nicht mit Feuermachen. Wenn die Öllampen aus waren, dann war
es im Grunde stockdunkel bis zum nächsten Morgen. In Neumondnächten konnte
kommen wer wollte, man konnte nicht viel tun, bis zum nächsten Morgen. Wir sollen nun nicht unseren Glauben schön ablegen, wie ein Kleid, das wir tagsüber trugen. Wir sollen auch nicht das Licht des Wortes Gottes und das Feuer des Heiligen Geistes in uns erlöschen lassen, sondern wir sollen gerade an unserem Glauben und unserem Vertrauen festhalten, auch in der Dunkelheit unserer Zeit. Und wenn tausend Leute schreien, dass man das mit dem Glauben
heute nicht mehr so sehen kann, so lassen sie uns dennoch festhalten am Glauben
und am Wort Gottes und lassen Sie uns darauf warten, dass Jesus noch in unseren
Tagen wiederkommt. Jesus sagt: Glücklich sind die Diener, die der Herr, wenn er kommt wachend findet. Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich schürzen und wird sie zu Tisch bitten und kommen und ihnen dienen. Wenn Jesus wiederkommt, dann kommt er nicht wie ein wütender Tyrann, dass man jetzt erst recht schuften und sich abrackern muss, sondern er kommt sanftmütig, demütig in seiner unendlichen Liebe. Stellen sie sich vor, es kommt der Herr der Herren, der König aller Könige. Dem alle Engel, alle Mächte und alle Gewalten dienen, der mit einem Wort die Macht des Bösen zunichte machen wird. Dieser Herr kommt zu mir persönlich. Er freut sich, wenn ich, seine Dienerin oder Diener, auf ihn warte und mit ihm gerechnet haben. Er wird gar nicht einmal die Kassenbücher sogleich sehen wollen, sondern er freut sich, wenn die Tür offen ist. Dann wird er seinen Diener in den Arm nehmen und an seinen Herrentisch einladen. Dann geht er in die Küche und bereitet ein köstliches Feiertagsmenü zu. Und er allein wird Zeit für seinen Diener haben. Dann wird all die Mühe und die Not, die wir mit den Mitknechten gehabt haben, all die Schwere der Verantwortung, all das Bangen und Kämpfen ein Ende haben. Es wird einfach herrlich sein. Liebe Gemeinde, lassen wir uns diese Zusage nicht nehmen, halten wir diese Bilder von seiner Wiederkehr immer in uns wach, denn sie werden das Licht am Brennen erhalten. Wieder wird Herr Fleu besinnliche Musik spielen. In dieser
Zeit können wir uns vor Augen malen, wie wohl die erste persönliche leibhafte
Begegnung mit ihm aussehen wird. Diese Hoffnung wird uns Kraft schenken, dass
das Licht des Glaubens auch im kommenden Jahr nicht erlöschen wird. |
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