Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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Auf festem Fundament bauen                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 19. März 2005, Bekenntnisfeier mit Taufen

Liebe Gemeinde,

Jesus sagt in Mt. 7, 24-27:

24 «Wer meine Worte hört und danach handelt, der ist klug. Man kann ihn mit einem Mann vergleichen, der sein Haus auf felsigen Grund baut.
25 Wenn ein Wolkenbruch niedergeht, das Hochwasser steigt und der Sturm am Haus rüttelt, wird es trotzdem nicht einstürzen, weil es auf Felsengrund gebaut ist.
26 Wer sich meine Worte nur anhört, aber nicht danach lebt, der ist so unvernünftig wie einer, der sein Haus auf Sand baut.
27 Denn wenn ein Wolkenbruch kommt, die Flut das Land überschwemmt und der Sturm um das Haus tobt, wird es mit großem Krachen einstürzen.»

Ein altes Sprichwort sagt: Glück und Glas, wie leicht bricht das.

Wir Menschen machen immer wieder die Erfahrung, dass unser Leben, besonders wenn es gut verläuft, wenn es glücklich ist, sehr zerbrechlich ist.

Ich kenne jemand, der hat einen sehr guten Beruf, der ihm richtig Spaß macht und bei dem er gut verdient, eine Frau, mit der er sich sehr gut versteht und zwei nette Kinder, die ihm viel Freude bereiten.

Doch eines Tages fühlt er sich plötzlich nicht so gut, das Essen schmeckt ihm nicht mehr so richtig. Er geht schließlich zum Arzt. Und dann bekommt die Diagnose: Krebs.

Alles Glück kann in einem solchen Moment zerbrechen. Glück und Glas, wie leicht bricht das.

Es gibt so viele Faktoren in unserer Welt, die unser Glück zerstören können. Naturkatastrophen, Krankheiten, Seuchen, soziale Unruhen, Kriege, politische Umwälzungen, Streitigkeiten in der Familie, Streitigkeiten mit dem Nachbarn – kein Mensch kann in Frieden leben, wenn es der Nachbar nicht will.

Auch unsere Seele ist immer wieder bedroht von Depressionen, von Überheblichkeit und irrationalen Ängsten.

In unserer Sehnsucht nach Geborgenheit und Sicherheit versuchen wir uns irgendwie abzusichern, einen festen Grund zu finden.

Jesus erzählt uns von einem Mann, der war fleißig und konnte super gut organisieren. In seinem kleinen Betrieb erwirtschaftete er gute Erträge. Der Mann investiert und baut seinen Betrieb weiter aus. Zuletzt hat er seinen Besitz immens vergrößert und riesige Vorräte angereichert. Sich nach allen Seiten abgesichert. Und dabei fühlt er sich so richtig glücklich. Dann sagt er zu sich: Nun Seele, freu Dich und habe guten Mut."

Aber Gott antwortet ihm: "Du Narr, was ist, wenn man heute Nacht Deine Seele einfordern würde? Kein Mensch lebt davon, dass er so viele Güter hat.

Dieser Mann hat sein Leben auf den Sand gesetzt.

Und so gibt es viele Möglichkeiten das Lebenshaus in den Sand zu setzen.

Mein großer Bruder ist von Beruf Bauingenieur. Er erzählte mir mal: Es gibt keinen schöneren Baugrund als Sand. Man kann so richtig schön ohne große Hindernisse ein Loch graben, man kann einen wunderbaren Keller bauen. Im Sand zu bauen geht am leichtesten.

(Das wissen nicht nur die Bauingenieure, sondern auch die kleinen Kinder im Sandkasten.)

Leider, so sagte mein Bruder, ist Sand auch der gefährlichste Baugrund für ein Haus. Selbst wenn man die Fundamente möglichst tief vergräbt, so besteht immer die Gefahr, dass bei einem Unwetter oder bei einer Überschwemmung die Fundamente unterspült werden und das ganze Gebäude in einem Augenblick zusammenbricht.

Und genau das meint auch Jesus. Es gibt so viele verlockende Angebote der Welt, die uns sagen wollen, dass wir unser Lebenshaus auf einen billigen und einfachen Baugrund setzen. Auf ein oberflächliches Leben.

Und im ersten Augenblick scheint dieser Baugrund auch überzeugender zu sein. Es geht doch alles viel leichter, das Leben ist doch als nicht Christ so viel einfacher. Schnell mal dem anderen eins auszuwischen und seine Rache auszuleben, eine schnelle Mark zu machen und dabei andere über den Tisch zu ziehen, in der Schule abzuschreiben, statt zu lernen. Schnell mal zu lügen, statt die Wahrheit zu sagen.

Auf solch einem Grund baut es sich leicht.

Aber, so lange das Wetter schön ist und alles gut läuft merkt man nicht auf welcher Zeitbombe man sitzt.

Denn irgendwann einmal kommen in jedem Leben Zeiten des Unwetters, Zeiten, in denen alles drunter und drüber geht, Zeiten, in denen an unserem Lebenshaus gerüttelt wird.

Deswegen sagt Jesus: Wählt euch einen guten Baugrund aus. Kommt zu mir, hört meine Worte und handelt danach.

Dann baut ihr auf einem Grund, der wirklich trägt.

Auf Fels zu bauen ist sehr anstrengend.

Jesus sagt: Tut Gutes, denen die euch fluchen; liebet eure Feinde. Das ist sehr anstrengend.

Christen sein bedeutet: Großzügig zu sein, zu teilen, zu geben, gastfrei zu sein, es bedeutet, sich mit Menschen abgeben, die in der Welt abgeschrieben sind, es bedeutet andere Prioritäten zu setzen, es bedeutet, Gott zu suchen, sich Zeit für ihn zu nehmen, zu beten, von anderen Christen lernen. Und vor allem bedeutet  es  auf jemanden zu vertrauen, den man noch nie gesehen hat. Jemanden zu vertrauen von dem man nur Worte hat

Liebe Täuflinge, ich will euch nichts vormachen, es ist anstrengend ein Christ zu sein. Manchmal ist es richtige Knochenarbeit, wenn man wirklich ein ernsthafter Christ sein möchte. Es ist so anstrengend, wie wenn man irgendwo auf einem felsigen Boden ein Loch mit Pickel und Schaufel gräbt, um einen Keller auszuheben.

Aber diese Arbeit lohnt sich.

Denn wenn die schweren Zeiten kommen, dann hat man eine sichere Grundlage, ein festes Fundament.

Dann spürt ihr, dass ihr beten könnt, dass euch jemand trägt. Wenn ihr einsam seid, könnt ihr beten und jemand ist bei Euch. Wenn ihr angegriffen werdet, steht euch jemand unsichtbares zur Seite. Dann merkt ihr, es gibt tatsächlich eine Sicherheit, eine Liebe, eine Geborgenheit, die durch nichts zerstört werden kann.

Heute lasst Ihr Euch taufen.

Im Bild unseres heutigen Bibelwortes heißt das: Ihr bekommt ein Stück Bauland auf dem Felsen Jesus Christus geschenkt.

In menschlichen Worten gesprochen ist das Bauland in der allerbesten Lage, im allerbesten Villenviertel. Und das bekommt ihr wirklich geschenkt. Das heißt Taufe. Durch die Taufe stellt ihr Euer Leben auf den Grund des Reiches Gottes.

Ihr wechselt die Front. Weg vom Sand, dem Bauland des Teufels, der euch zerstören will. Hin zum Bauland Gottes, der euch auferbauen will.

Es liegt nun an Euch, euer Leben, eure Entscheidungen, eure Zeit, euren Charakter auf dieses Bauland zu setzen und zu graben und zu bauen.

Leider mache ich immer wieder die Erfahrung, dass manche diesem guten Land doch nicht so trauen und wieder zurück auf ihr altes Grundstück gehen. Doch Umkehr ist möglich solange ihr lebt. Auf den Platz, den ihr heute bekommt, darf kein anderer bauen, diesen Platz wird euch niemand streitig machen solange ihr lebt. Gott wird immer darauf warten, dass ihr diesen Bau zur Vollendung bringt.

Und ich bitte euch, nutzt die Chance und fangt gleich an mit dem Bau. Jeder Tag ist kostbar.

Und noch ein kleiner Tipp. Mit dem Erwerb des Baulandes gibt uns Gott auch noch gratis den allerbesten Architekten dazu. Das ist der Heilige Geist.

Der Heilige Geist hilft uns beim Bau. Mit ihm geht alles viel einfacher und leichter. Er sorgt auch für Highlights, für frohe und helle Stunden. Für kleine Erfolgserlebnisse.

Bittet Gott um den Heiligen Geist, so wird er euch helfen, dieses Haus zu Bauen.

Und ich wünsche mir, dass wir einmal in der Ewigkeit uns gegenseitig in unseren Villen besuchen.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010