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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 29. Dezember 2001
Liebe Gemeinde,
als Grundlage für unsere Jahreswechselbetrachtung sollen uns
heute einige Verse aus dem Loblied des Zacharias dienen. Zacharias sprach dies
wunderschöne prophetische Gebet, als er den Namen seines Sohnes Johannes
bestätigte:
In seinem Gebet: Lk. 1, 68-79 heißt es:
1:68 «Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Er ist zu
unserem Volk gekommen und hat es befreit.
1:69 Aus dem Königshause seines Dieners David hat er uns den starken Retter
geschickt.
1:70 So hatten es seine heiligen Propheten schon vor langer Zeit verkündet:
1:71 Er wird uns von unseren Feinden erretten und aus der Hand aller Menschen,
die uns hassen.
1:72 Gott war mit unseren Vorfahren barmherzig. Er vergisst seinen heiligen Bund
nicht,
1:73 den Eid, den er unserem Vater Abraham geschworen hat und der auch für uns
gilt.
1:74 Er befreit uns aus der Hand unserer Feinde, damit wir ihm ohne Furcht unser
Leben lang dienen,
1:75 als Menschen, die ihm gehören und nach seinem Willen leben.
[....]
1:78 Gott vergibt uns, weil seine Barmherzigkeit so groß ist. Aus der Höhe kommt
sein Licht zu uns.
1:79 Dieses Licht wird allen Menschen leuchten, die in Finsternis und Schatten
des Todes sitzen;
es wird uns auf den Weg des Friedens führen.»
Liebe Gemeinde, Zacharias beginnt sein Gebet mit Lob. Er lobt Gott für all das,
was er schon Gutes getan hat. Er erinnert sich an Gottes Treue lange Zeit
zurück. Er beginnt mit dem Vater des Volkes, mit Abraham, der Gottes Liebe
spüren durfte.
Liebe Gemeinde, diese Form der Rückbesinnung sollte bis heute
auch ein Vorbild für unser Beten und Loben sein. Wir sollten immer wieder
lobend, dankend und betend uns erinnern, was Gott alles Gutes an uns getan hat.
Diese Form von Gebet wird unser Vertrauen zu ihm stärken. Denn mir wird bewusst,
wie treu, wie stark, wie weise Gott ist. Außerdem freut sich auch Gott über ein
solches Gebet. Es ist ähnlich, wie wenn Sie jemandem einmal ein schönes Geschenk
gemacht haben. Sie haben mit diesem Geschenk einen Volltreffer gelandet und der
andere hat sich riesig darüber gefreut. Und immer, wenn Sie ihn besuchen, sehen
Sie, dass er von dem Geschenk Gebrauch macht und immer wieder erzählt er ihnen,
wie froh er daran ist und sich immer noch freut. Dann sind auch Sie zufrieden
und freuen sich. Ähnlich denke ich freut sich Gott, wenn er sieht, dass wir uns
über seine Geschenke freuen.
Darum will ich einfach ein paar Dinge nennen, über die ich sehr froh und dankbar
bin, die ich als Geschenke Gottes sehe.
Es ist nur eine kleine Auswahl:
Als irgendwann mal eine neue Person in die Bibelstunde kam,
machten wir eine Vorstellungsrunde und eine Teilnehmerin sagte: „Ich bin so froh
darüber, dass ich hier in der Gemeinde sein kann.“
Ich denke, dafür sollten wir Gott sehr danken. Wir müssen als
Christen nicht isoliert leben, es ist nicht so, dass der nächste Christ fünfzig
Kilometer weit entfernt wohnt. Wir haben hier wirklich sehr viele liebe und gute
Geschwister an der Seite. Man findet hier immer Leute, mit denen man beten kann,
die man mal besuchen kann, denen man etwas anvertrauen kann, die helfen, wenn
man in Not ist, die betend zur Seite stehen. Und Leute, die einfach lieb zu
einem sind, auch wenn man so seine Eigenheiten hat. Das ist großer Grund zum
Danken.
Wir haben auch im vergangenen Jahr Höhepunkte erlebt. Spontan fallen mir die
Osternacht, die Konfirmandenfreizeit und Konfirmation ein, der schöne
Gottesdienst, den wir mit dem Huzenbacher Chor erlebten, den Distriktkindertag
in Eupen – ich hoffe, Sie können bei der Jahresversammlung im Mai das Video
anschauen - den musikalischen Gottesdienst mit dem Sängerensemble Euterpe, der
Radiogottesdienst am Reformationssonntag, das herrliche Musical mit den Kindern.
Gott hat gerade auch bei den großen Veranstaltungen seinen Segen dazu gegeben.
Ich bin auch sehr dankbar, dass sich immer wieder Menschen finden, die
Verantwortung übernehmen und tragen für die vielfältigen Aufgaben, die immer
wieder in der Gemeinde anfallen. Ich freue mich sehr über das Team von
Mitarbeitern, das die Kindergottesdienste hält, für die Leute, die unsere
Kinder- und Jugendgruppen betreuen, für unsere Küster, die mit so viel Liebe
ihren Dienst tun, für unser Presbyterium und Verwaltungsrat, für unsere
Hauskreise, den Büchertisch, den Chor.
Nicht zuletzt ist es sehr schön, dass die öffentliche Hand einen Großteil
unserer Ausgaben und das Gehalt der Pfarrer bestreitet.
Dann noch die äußeren Wohltaten Gottes: Er hat uns wieder einmal ein ganzes Jahr
äußeren Frieden geschenkt. Viele Millionen Menschen beneiden uns, dass wir in
Ländern leben, in denen Wohlstand herrscht. Wir wurden vor Hungersnot und
schlimmeren Katastrophen bewahrt. Ein Grund, Gott zu danken.
Wofür man auch immer wieder danken kann, ist Gottes geistlicher Segen. Wie es
Zacharias tut. Er sagt:
Aus der Höhe kommt sein Licht zu uns. Dieses Licht wird
allen Menschen leuchten, die in Finsternis und Schatten des Todes sitzen.
Er preist Gott für das Licht – ja vorausblickend auf Jesus Christus, der uns
geschenkt wird und durch den Gott seine Versprechen wahr macht.
An dieser Stelle heißt es auch: es leuchtet denen, die in
Finsternis und Schatten des Todes sitzen. Zacharias deutet hier an, dass
nicht alles eitel Freude, Friede und Sonnenschein ist.
Unsere Erde ist kein Paradies und wir Menschen sind keine
Engel. Weil wir einen kleinen Rückblick heute machen, möchte ich doch auch auf
einige Entwicklungen dieses Jahres das Augenmerk richten, die düstere Schatten
in die Zukunft werfen. Dies sind mehr persönliche Beobachtungen – keine
Glaubensgrundsätze. Darum will ich sie nicht von der Kanzel herunter predigen
und ich spreche von unten weiter.
Durch den Terroranschlag vom elften September wird sichtbar, dass der Islam an
politischer Bedeutung gewinnt. Bis vor sechzig Jahren hat dieser Religion
niemand mehr größere politische Bedeutung zugemessen. Heute kann man sagen, dass
sie im Grunde stark daran beteiligt war, die Sowjetunion zu stürzen und dass sie
der USA zu trotzen vermag, obwohl sie finanziell, von der technischen
Entwicklung und militärisch völlig unterlegen ist.
Wie wird sich der Islam weiterentwickeln?
Als Reaktion auf den Terrorangriff nimmt nun auch die elektronische Überwachung
der Bevölkerung zu. Ein ehrlicher Bürger mag denken: Das ist für mich gar kein
Problem, ich hab ja nichts zu verbergen, ich tu nichts Unrechtes. Aber was wird
sein, wenn uns eine Regierung verbietet, Glaubensgespräche zu führen. Dann kann
sich diese Überwachung ganz schnell auch gegen anständige Bürger, ja gegen
Christen wenden.
Einen ähnlichen Schatten sehe ich in der neuen Grundrechtscharta der
Europäischen Union. Sie hat keinen Bezug auf Gott, auf das Christentum oder das
Naturrecht. Stattdessen hat die Charta einen anderen Kern und das ist der
Artikel über das Verbot von Diskriminierungen. Natürlich ist jeder erst einmal
gegen Diskriminierungen. Aber stellen Sie sich einmal vor, man nennt als Christ
Sünde beim Namen, dann kann das als Diskriminierung ausgelegt werden.
Sie werden sagen: Aber das Recht auf Meinungsfreiheit besteht
doch. Aber dieses Recht wurde auch ausgehöhlt durch den Artikel 52. Dort heißt
es: die Grundrechte und Freiheiten (wie z.B. die Meinungsfreiheit) können
eingeschränkt werden, wenn es „notwendig“ ist und wenn es den „Zielsetzungen“
der EU entspricht. Unter diesem Gesetz kann man jedem den Mund verbieten, der
irgendwie eine klare Meinung hat.
Und der dritte Schatten, auf den ich hinweisen will, ist die Wirtschaftskrise in
Argentinien. Dort hat die Regierung eine erschreckende Maßnahme ergriffen. Und
zwar hat sie die Bargeldzahlung aufgehoben. Dort mussten alle Leute durch
Überweisung bezahlen und diese Überweisungen wurden vom Staat überprüft.
Jemand der mit der Apokalypse vertraut ist, horcht auf: Denn
dort heißt es von den letzten Tagen: Die Christen können dann weder etwas kaufen
noch etwas verkaufen. Sie werden vom Wirtschaftsleben ausgeschlossen. Damit will
man sie weich klopfen, damit sie Jesus verleugnen und das Zeichen des
Antichristen sich auf die Stirn oder die Hand brennen lassen. In Argentinien
wäre dies erstmals technisch möglich, eine ganze Gruppe aus dem Zahlungsverkehr
und dem Wirtschaftsleben auszuschließen.
Liebe Gemeinde, ich will ihnen keine Angst machen. Dies sind Schatten, die man
wahrnehmen kann. Aber wie das mit Schatten so ist, man kann an ihnen nicht
unbedingt die richtige Gestalt erkennen. Diese Entwicklungen müssen nicht
zwangsläufig auf eine Verschlechterung des Situation der Christen hinauslaufen.
Ich denke nur, dass man als wacher Christ seine Augen nicht verschließen sollte.
Und das eigentliche, was ich damit bezwecken will:
Wenn es auch dunkler werden sollte, so wird uns innerlich um
so heller leuchten das Licht aus der Höhe. Christus wird uns leiten auf dem Weg
des Friedens.
Amen
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