Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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auf dem richtigen Weg                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 6. Dezember 1998

Liebe Gemeinde

Wie wünschen Sie sich, dass die Zukunft sein soll? Ich könnte mir die Zukunft so vorstellen:

Die Menschheit lernt immer besser aus den Fehlern der Vergangenheit. Schritt um Schritt merkt sie, dass Kriege kein Mittel sind, um endgültigen Frieden zu schaffen. Der Medizin gelingt es immer besser schreckliche Krankheiten wie Krebs, Alzheimer und BSE niederzukämpfen. Die Gentechnik meistert Erbkrankheiten und erlaubt es friedliebende, charaktervolle, intelligente und schöne Menschen zu produzieren. Die gewissenhafte Arbeit von Soziologen und Politikern schafft es die Bevölkerungsexplosion in Griff zu bekommen. Dank intensiver Anstrengungen und neuen Technologien wird die Gefahr des Ozonloches abgewandt und neue, saubere Energiequellen werden erschlossen. Der zunehmende Wohlstand und die zunehmende Bildung sorgen dafür, dass die Güter und die Arbeit gerecht verteilt werden. Kein Kind muss mehr Hunger leiden. Vielmehr wachsen sie in glücklichen Familien auf und werden gemäß ihren Begabungen gefördert. Die Technologie erleichtert das alltägliche Leben immer mehr, lästige Arbeiten übernehmen Küchenmaschinen und Computer. Dafür haben die Menschen viel Zeit für ihr Vergnügen und für ihre Familie. Sie brauchen nur noch wenige Stunden zu arbeiten, können mehrmals im Jahr in den Urlaub fliegen. Täglich schöne Bücher lesen, gute Filme anschauen, viel Sport machen, sich mit Freunden treffen und gut unterhalten gehören zum Alltag in dieser zukünftigen Welt. Ja, so kann man ganz menschlich von der Zukunft träumen.

Hören wir aber einmal darauf, womit wir nach Meinung Jesu, in Zukunft zu rechnen haben:

Ich lese aus Mt. 24,3-14

Und als er auf dem Ölberg saß traten seine Jünger zu ihm und sprachen, als sie allein waren: Sage, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt? Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht jemand verführe. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus und sie werden viele verführen. Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da. Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort. Das alles aber ist der Anfang der Wehen. Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern. Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen. Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen. Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten. Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden. Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.

So wie kleine Kinder die Tage zählen und es kaum mehr erwarten können, bis endlich Weihnachten ist, so ähnlich konnten die Jünger Jesu das Ende der Welt kaum erwarten. Denn sie erhofften sich vom Ende, dass ihr geliebter Jesus, ihr Lehrer und Meister in großer Herrlichkeit vor aller Welt erscheinen werde. Wie der große Kaiser in Rom würde er in Jerusalem einziehen. Und er würde endlich die neue Weltzeit einleiten, ein Reich voller Freude und Frieden, voller Fröhlichkeit und Feiern. Eine Zeit ohne Kampf und Leid, ohne Krankheit und Tod, eine Zeit, ähnlich, wie ich sie vorhin vor Augen malte. Und wie Kinder gerne fragen: Wie lange ist es noch, wann ist es endlich soweit, so fragten auch die Jünger: „Wie lange noch, Jesus, wann ist es endlich soweit, woran können wir sehen, dass es nicht mehr lange geht.“

Doch merkwürdig, Jesus antwortet erst einmal gar nicht auf ihre Frage.

Wenn man jemand zu Besuch erwartet und ihn fragt: „Wann kann ich mit Ihrem Kommen ungefähr rechnen?“ Dann erwarte ich doch eine Zeitangabe wie z.B.: „Wir werden am Sonntag Abend gegen halb drei Uhr da sein“.

Jesus antwortet vielmehr mit einer Warnung: „Seht zu, dass euch niemand verführe.“

Damit möchte Jesus seinen Jüngern bis heute sagen: „Es kommt nicht so sehr auf den Tag und die Stunde an – die wird sowieso irgendwann kommen, wenn die Zeit dafür reif ist. Viel, viel wichtiger ist die Frage: „Bist du auf dem richtigen Weg, wenn das Ende kommt!“

Denn, wenn ich mich verführen lasse und auf Abwegen wandle im Rat gottloser Leute, wenn ich meine Lieblingssünde pflege und liebe, wenn ich mich zu den Spöttern setze, dann bringt mir das Ende der Welt keinen Frieden und kein Heil, sondern, wie Jesus das immer wieder sagt: Heulen und Zähneklappern.

Darum sollten wir uns gerade im Advent fragen: Gehe ich auf dem richtigen Pfad – gehe ich auf Jesus zu?
Ich sage nicht, dass wir ohne Fehler sein müssen, ich sage: „Sind wir auf dem Weg dorthin, oder geht unser Weg zurück in Richtung: Leben ohne Jesus.“

Und erst nach dieser ernsten Warnung beginnt Jesus vom Ende der Welt zu erzählen. Die Worte Jesu, hören sich zwar so an, als käme alles nun alles hintereinander, doch wenn man die Kirchengeschichte betrachtet, so begleiten diese Zeichen Teile der Christenheit von Anfang an bis jetzt.

Achten wir nun darauf, womit wir als Christen alles zu rechnen haben.

1. Wir müssen uns auf vermeintliche Heilsbringer und falsche Propheten einrichten.

Viele Herrscher, viele Meister, viele Revolutionäre hat die Welt gesehen. Sie versprachen Heil und Rettung, Wohlstand und Frieden. Viel Unheil richteten sie an, wenn sie an die Regierung kamen. Gegner, aber auch alle die anderer Meinung waren, wurden als Böse bezeichnet, argwöhnisch bespitzelt und blutig bekämpft und ermordet. Dabei dachten die Anhänger der falschen Christusse, noch, sie täten ein gutes Werk, beim Töten solcher Menschen. Jesu Worte klingen bedrohlich, aber sie sind wahr.

2. Wir müssen mit Kriegen, Revolutionen und Naturkatastrophen rechnen.

Kriege hat es schon immer gegeben und wird es auch weiterhin geben. Seit dem Zweiten Weltkrieg dürfen wir in Mitteleuropa – Gott sei Dank - in äußerem Frieden leben, doch seit 1945 verging kein Tag, an dem nicht irgendwo in der Welt geschossen und gekämpft wurde. Mit Krieg ist Flucht, Vertreibung und Hungersnot verbunden. Der Mensch hat so große Fortschritte erreicht, gebärdete sich gerade in unserem Jahrhundert so vernünftig und fortschrittlich, dass er sogar schon auf dem Mond herum spazierte. Dennoch gab es noch nie so viele Flüchtlinge wie in diesem Jahrhundert. Noch nie so viele Menschen starben an Hunger wie heute. Jesu Worte sind traurig, aber bitter wahr.

3. Als Christen haben wir mit Verfolgung zu rechnen.

Schon von Anfang an, wurden die Anhänger Jesu verfolgt. Das hat sich auch heute nicht geändert. Mir ist es immer wieder eine Gnade Gottes, dass wir in so großer Freiheit Gottesdienst feiern können, dass wir so großzügig unterstützt werden. Dass sie hier in einer warmen Kirche sitzen, dass Pfarrer, Organisten, Küster, und Reinigungsdienste bezahlt werden, das haben wir nicht unseren Kollekten und Spenden zu verdanken, sondern allein den öffentlichen Behörden. Doch selbstverständlich ist dies nicht. Es kann plötzlich ein Umsturz kommen, den niemand vorhergesehen hat, und plötzlich sieht es ganz anders aus. Dann werden Gottesdienste verboten, Verantwortliche der Gemeinde unter Druck gesetzt, Pastoren lächerlich gemacht, wer Kindern etwas von Jesus erzählt, kommt ins Gefängnis. Ja, es kann sein, dass wir getötet werden. Allein darum, weil wir Jesus gehören und sonst keinem anderen, weil sein Name auf uns liegt.

4. Als Christen haben wir mit großem Unheil innerhalb der Kirche zu rechnen.

„Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen. Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele Verführen. Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.“

Dazu möchte ich aus einem Bericht von Theo Lehmann eines Pfarrers der ehemaligen DDR vorlesen.

„Ich setzte für den Spätnachmittag am Sonntag [regelmäßig] einen Jugendgottesdienst an, in dem ich ohne Talar und Orgel, dafür mit Band und neuen Liedern predigte. Jahrelang hielt ich dort die gleiche Predigt wie am Vormittag, nur in der anderen Verpackung und mit dem einzigen Unterschied, dass ich vormittags „Sie“ und abends „Du“ sagte. Ergebnis: Abends kamen 1000, die zehnfache Menge von dem, was um 9 Uhr auf den Bänken hing. Es wunderte mich nicht, dass der Staat nervös wurde. [und wie ich später in Stasidokumenten las, ging ich auf sehr dünnem Eis]. Aber dass die Kirche – meine eigene Kirche, mein Bischof, mein [Presbyterium], meine Amtskollegen – mich mit schärfsten Mitteln bekämpften, das hatte ich nicht erwartet. Ich naiver Mensch musste unter großen Schmerzen lernen, dass der eigentliche Gegner nicht draußen sitzt, sondern drinnen.“

Ein kleines Beispiel dafür, dass Menschen, die mit ernst Christen sein wollen, sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen können.

Aufgrund dieser Streitereien und Spaltungen, aufgrund von Lieblosigkeit und Ungerechtigkeit innerhalb der Gemeinde Jesus verlieren Menschen den Kontakt zu Jesus, sie werden irre an ihrem Glauben. Und ihre Liebe erkaltet. Das ist das traurigste, aber wahr.

Jedem unter uns, dem es so geht, der sei mit Jesus Wort Jesu aufgemuntert: „Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden.“

Jesus Worte sind hart und beängstigend – wer von uns fürchtet sich nicht vor Krieg, Hunger, Verfolgung, Verrat und Enttäuschung. Doch Jesus will uns die Wahrheit nicht vorenthalten und will nicht, dass wir uns irgendwelchen Illusionen hingeben. Wir Menschen und auch wir Christen können das goldene Zeitalter niemals hervorzaubern.

5. Und trotz all dem dürfen wir vor Jesu Wiederkommen mit der Ausbreitung des christlichen Glaubens rechnen.

Trotz äußerer Katastrophen und Kriege, trotz falscher Propheten, trotz Verfolgungen und Hass auf die Christen, trotz Unfriede und Spaltungen innerhalb der Gemeinde. Die Kunde von Jesus und, dass er Sünde, Tod und Teufel besiegt hat, breitet sich unaufhaltsam aus, bis in den letzten Winkel der Erde. Bald wird das Neue Testament in allen menschlichen Sprachen übersetzt sein.

Die von Jesus genannten Anzeichen verdichten sich. Jesus sagt in V. 14: „Dann wird das Ende kommen.“

Darum will ich nochmals fragen: Bin ich auf dem richtigen Weg, ihm entgegen?

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010