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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 25. Dezember 1999Liebe Gemeinde In Gal 4,4 wird die Botschaft von Weihnachten in einem einzigen Satz, ganz knapp ausgedrückt: „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen.“ Im folgenden soll entfaltet werden, was das Christfest und
sagen kann. Normalerweise steht bei einem Geburtstag ja nicht das Datum
im Mittelpunkt, sondern das Geburtstagskind selbst. Christus jedoch kommt bei
den meisten Millennium Partys nicht im geringsten vor. Im Jahr 2000 nach seiner
Geburt scheint unsere Welt Jesus ziemlich abgeschrieben zu haben. Sie hat
Wichtigeres zu tun, als sich Gedanken zu machen über einen Jesus, der unseren
Kalender in vor und Nach Christus teilt. Dieses Jahrhundert hat Christus
abgeschrieben und meint damit ein Problem loszuhaben. Doch andere Probleme
handelt sie sich damit ein. In der Tat, wenn man sich in die Weihnachtsgeschichte hineindenkt, dann hat sie wenig zu tun mit einer über alles erhabenen geradezu schwebenden Maria und ein strahlenden Wunderbaby zu tun. Als der Engel Maria begegnet, war sie aufgewühlt, ja sie hatte Angst. Und als der Engel die feierlichen Worte des Höchsten verkündete dessen Herrschaft kein Ende nehmen würde, ging Maria etwas ganz anderes, etwas viel weltlicheres durch den Kopf. Sie sagte: „Ich bin doch noch Jungfrau.“ Sie wusste, was eine solche Schwangerschaft in ihrer Umwelt bedeuten würde: Hohn und Verachtung. Auch ihr Verlobter, Josef hatte einige Probleme mit der unerklärlichen Empfängnis seiner jungen Braut. Matthäus schreibt, dass er Maria zwar nicht gleich anzeigen, aber doch verlassen wollte. Bis ihm ein Engel klarmachte, dass sie ihn nicht betrogen hatte. Man könnte fast zittern bei der Vorstellung, dass das Schicksal dieser Welt in den Händen zweier Teenager vom Lande lag. Was haben die Großeltern Jesus wohl gedacht? Reagierten sie wie so viele Eltern unverheirateter Teenager heutzutage? Mit einem Ausbruch moralischer Entrüstung? Haben sie vielleicht großmütig angeboten, das Kind großzuziehen? Einige Monate peinliche Erklärungen und der Geruch von Schande und Skandal. In einer orientalischen Gesellschaft ist ein uneheliches Kind eine Schändung der
Familienehre.
Ja es scheint, als habe Gott die erniedrigensten Umstände gewählt, um auf die
Erde zu kommen. Niemand kann Gott vorwerfen, er habe Jesus bevorzugt. Ich will mich Gott ganz zur Verfügung stellen. Alles soll so geschehen, wie du
es mir gesagt hast. Gleichzeitig mit ihrer Freude empfindet sie schon den
tiefen Schmerz der Ablehnung Jesu durch ihre Umwelt.
Maria war die erste, die Jesus zu seinen Bedingungen angenommen hat, ungeachtet
dessen, welchen Preis sie dafür bezahlen musste. 1. Gott ist Mensch geworden Jesus zeigt uns: Gott hat sich ganz eingelassen auf die Menschen. Der
allmächtige Herr kam nicht als strahlender König, nicht als verwüstender
Wirbelsturm oder als verschlingendes Feuer auf die Erde. Hindus opfern ihren Göttern im Tempel. Moslems verbeugen sich so tief in
Richtung Mekka, dass ihre Stirn den Boden berührt. In den meisten Religionen ist
Angst das vorherrschende Gefühl, wenn man sich Gott nähert. Auch in Israel war
Anbetung immer mit Furcht verbunden. Man wagte nicht einmal, Gottes Namen
auszusprechen.
Doch dieser Gott überrascht die Menschen. Er kommt als Kind.
Was kann weniger Furcht einflößen als ein Neugeborenes? Durch Jesus kann ein
Mensch sich Gott nähern, ohne dass Angst aufkommt. Schon das Baby in Bethlehem
weist darauf hin, dass Gott eine Beziehung zu uns Menschen sucht. Noch heute
ist Beziehung zu Gott möglich, weil Jesus von der Krippe bis zum Kreuz sein
Leben für die Menschheit gegeben hat. In unserer Medienwelt sind die Schönen, die Reichen, die Mächtigen gefragt. Die
Geburt Jesu aber zeigt eine andere Haltung. Gott selbst erleidet Benachteiligung
und wendet sich gleichzeitig den Benachteiligten besonders zu. Es gehört viel Mut, um auf einem Planeten zu leben, der berühmt-berüchtigt ist
für seine unverhohlene Gewalt zu einem Volk, das bekanntermaßen seine Propheten
ablehnt.
Hätte Gott etwas Tollkühneres vollbringen können? Amen. |
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