Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

Home Nach oben Gebet Konfirmation Musik Mitarbeiter Predigt Rundfunk Royal Rangers Archiv Inhalt Links

Als die Zeit erfüllt war...                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 25. Dezember 1999

Liebe Gemeinde

In Gal 4,4 wird die Botschaft von Weihnachten in einem einzigen Satz, ganz knapp ausgedrückt:

„Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen.“

Im folgenden soll entfaltet werden, was das Christfest und sagen kann.

Die Welt im Party-Fieber. Das Jahr 2000 rückt näher. Überall werden große Feste geplant. Ja, die Welt feiert – doch wen oder was feiert sie? Feiert sie eine runde Zahl?

Normalerweise steht bei einem Geburtstag ja nicht das Datum im Mittelpunkt, sondern das Geburtstagskind selbst. Christus jedoch kommt bei den meisten Millennium Partys nicht im geringsten vor. Im Jahr 2000 nach seiner Geburt scheint unsere Welt Jesus ziemlich abgeschrieben zu haben. Sie hat Wichtigeres zu tun, als sich Gedanken zu machen über einen Jesus, der unseren Kalender in vor und Nach Christus teilt. Dieses Jahrhundert hat Christus abgeschrieben und meint damit ein Problem loszuhaben. Doch andere Probleme handelt sie sich damit ein.

Ein Soziologe schreibt zusammenfassend für das 20. Jh.: Das 20. Jahrhundert war nicht nur das Jahrhundert der Kriege und Katastrophen. Es war auch das Jahrhundert zunehmender Ablehnung christlicher Werte. Und es ist das Jahrhundert der Einsamkeit.

Das Jahrhundert der Einsamkeit – wer Gott ablehnt, muss einsam sein. Dabei hat gerade auf das Problem der Einsamkeit der hilflose Säugling namens Jesus in einem schäbigen Stall in Bethlehem die entscheidende Antwort gegeben:

Der allmächtige Gott ist ein schwaches Baby geworden. Hat sich eingelassen auf eine unmenschliche Welt, hat alles menschliche Elend durchlebt und durchlitten bis in den Tod – all das nur, um Gemeinschaft zwischen Gott und den Menschen wieder möglich zu machen. Gott wird Mensch, um die Menschheit aus der Einsamkeit und Verlorenheit zu retten – indem er selbst den Weg in die tiefste Einsamkeit und Verlorenheit wählt.

Eine fast unglaubliche Geschichte, die seit 2000 Jahren begeisterte Zustimmung oder spöttische Ablehnung erntet. Ja, die Geschichte von Weihnachten provoziert. Ein Zeitgenosse drückte die Provokation einmal so aus:

„Da erscheint ein Engel einem 14jährigen Mädchen. Die wird daraufhin schwanger, ohne jemals mit einem Mann näheren Kontakt gehabt zu haben, dieses Mädchen reist auf einem Esel nach Bethlehem, um in einem Stall ein Kind zur Welt zur bringen. Und dieses Kind soll die Welt retten. Kann ich denn auf so eine Story mein Leben gründen?“

In der Tat, wenn man sich in die Weihnachtsgeschichte hineindenkt, dann hat sie wenig zu tun mit einer über alles erhabenen geradezu schwebenden Maria und ein strahlenden Wunderbaby zu tun. Als der Engel Maria begegnet, war sie aufgewühlt, ja sie hatte Angst. Und als der Engel die feierlichen Worte des Höchsten verkündete dessen Herrschaft kein Ende nehmen würde, ging Maria etwas ganz anderes, etwas viel weltlicheres durch den Kopf. Sie sagte: „Ich bin doch noch Jungfrau.“ Sie wusste, was eine solche Schwangerschaft in ihrer Umwelt bedeuten würde: Hohn und Verachtung. Auch ihr Verlobter, Josef hatte einige Probleme mit der unerklärlichen Empfängnis seiner jungen Braut. Matthäus schreibt, dass er Maria zwar nicht gleich anzeigen, aber doch verlassen wollte. Bis ihm ein Engel klarmachte, dass sie ihn nicht betrogen hatte.

Man könnte fast zittern bei der Vorstellung, dass das Schicksal dieser Welt in den Händen zweier Teenager vom Lande lag. Was haben die Großeltern Jesus wohl gedacht? Reagierten sie wie so viele Eltern unverheirateter Teenager heutzutage? Mit einem Ausbruch moralischer Entrüstung? Haben sie vielleicht großmütig angeboten, das Kind großzuziehen? Einige Monate peinliche Erklärungen und der Geruch von Schande und Skandal.

In einer orientalischen Gesellschaft ist ein uneheliches Kind eine Schändung der Familienehre. Ja es scheint, als habe Gott die erniedrigensten Umstände gewählt, um auf die Erde zu kommen. Niemand kann Gott vorwerfen, er habe Jesus bevorzugt.

Maria jedoch reagierte entschlossen auf ihre ungeplante Mutterschaft. Sie hörte dem Engel zu, wägte die Folgen ab und entschied dann:

Ich will mich Gott ganz zur Verfügung stellen. Alles soll so geschehen, wie du es mir gesagt hast. Gleichzeitig mit ihrer Freude empfindet sie schon den tiefen Schmerz der Ablehnung Jesu durch ihre Umwelt. Maria war die erste, die Jesus zu seinen Bedingungen angenommen hat, ungeachtet dessen, welchen Preis sie dafür bezahlen musste.

Was mit der Geburt Jesu begonnen hatte, hat die Menschheit bewegt wie kein anderes Ereignis. Weltweit bezeugen noch heute Millionen die Wahrheit der biblischen Botschaft in ihrem eigenen Leben: „Gott ist in Bethlehem Mensch geworden. Meine Einsamkeit ist besiegt, weil Jesus die Einsamkeit des Kreuzes auf sich genommen hat. Er hat den Weg zu Gott wieder freigemacht, damit Mensch und Gott wieder in Beziehung leben können.

So kann die Geburt Jesu uns wichtiges über Gott sagen:

1. Gott ist Mensch geworden

Jesus zeigt uns: Gott hat sich ganz eingelassen auf die Menschen. Der allmächtige Herr kam nicht als strahlender König, nicht als verwüstender Wirbelsturm oder als verschlingendes Feuer auf die Erde.
Unvorstellbar – der Schöpfer der Erde macht sich ganz klein, so klein wie eine Eizelle, ein kleines befruchtetes Ei, das man mit bloßem Auge kaum sehen kann. Ein Ei, das heranwuchs, Gestalt annahm, ein Baby, das zu einem Teenager heranwuchs.
Paulus fasst es kurz zusammen: „Er wurde wie jeder andere geboren und lebte als Mensch unter Menschen.“

2. Ein Gott zum Anfassen

Hindus opfern ihren Göttern im Tempel. Moslems verbeugen sich so tief in Richtung Mekka, dass ihre Stirn den Boden berührt. In den meisten Religionen ist Angst das vorherrschende Gefühl, wenn man sich Gott nähert. Auch in Israel war Anbetung immer mit Furcht verbunden. Man wagte nicht einmal, Gottes Namen auszusprechen. Doch dieser Gott überrascht die Menschen. Er kommt als Kind. Was kann weniger Furcht einflößen als ein Neugeborenes? Durch Jesus kann ein Mensch sich Gott nähern, ohne dass Angst aufkommt. Schon das Baby in Bethlehem weist darauf hin, dass Gott eine Beziehung zu uns Menschen sucht. Noch heute ist Beziehung zu Gott möglich, weil Jesus von der Krippe bis zum Kreuz sein Leben für die Menschheit gegeben hat.

3. Gott kann Benachteiligung verstehen

In unserer Medienwelt sind die Schönen, die Reichen, die Mächtigen gefragt. Die Geburt Jesu aber zeigt eine andere Haltung. Gott selbst erleidet Benachteiligung und wendet sich gleichzeitig den Benachteiligten besonders zu.
„Er stürzt Herrscher von ihrem Thron, doch Unterdrückte reichtet er auf. Die Hungrigen beschenkt er mit Gütern und die reichen schickt er mit leeren Händen weg,“ sagt Maria in ihrem Lobgesang.
Wie sah ihre Situation aus? Ein mittel- und obdachloses junges Ehepaar auf der Suche nach Unterkunft, während sie eine lange Reise auf sich nehmen, um den harten Steuergesetzen Folge zu leisten. Sie lebten in einem Land, das sich von einem heftigen Bürgerkrieg erholte und noch immer in Aufruhr war.
Die Situation erinnert an Bosnien, Sudan und Tschetschenien. Jesus war von Anfang an mit Leid und Schwierigkeiten vertraut. Er kann jeden Kummer verstehen.

4. Gott macht Mut

Es gehört viel Mut, um auf einem Planeten zu leben, der berühmt-berüchtigt ist für seine unverhohlene Gewalt zu einem Volk, das bekanntermaßen seine Propheten ablehnt. Hätte Gott etwas Tollkühneres vollbringen können?
Gott hat es sich nicht einfach gemacht, der Menschheit Freundschaft anzubieten. Auf Bethlehem folgte Golgatha: Bis ins Totenreich ist er am Ende für uns hinab gestiegen. Das kann uns Mut machen, darauf zu vertrauen, dass er auch in Zukunft für uns da ist. Wir dürfen hoffnungsvoll nach vorne schauen, denn Gott steht weiterhin zu jedem, der auf ihn vertraut. Das sagt uns Weihnachten. Nehmen wir diese Botschaft mit ins Neue Jahr.

Amen.

 

Home ] Nach oben ]

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: webmaster@ev-Kirche-Eupen-NeuMoresnet.org 
Stand: 04. Juni 2010