Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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Abendmahl                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 6. März 2005 

Ich lese aus Johannes 6 die Verse 51 bis 63:

 

51. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt.

52 Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?
53 Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.
54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.
55 Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank.
56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.
57 Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.
58 Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.
59 Diese Worte sprach Jesus, als er in der Synagoge von Kafarnaum lehrte.

Die Spaltung unter den Jüngern

60 Viele seiner Jünger, die ihm zuhörten, sagten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?
61 Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß?
62 Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war?
63 Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben.

Liebe Gemeinde,

wenn man sich einmal Gedanken über die Werbung macht, wie ein bestimmtes Produkt angepriesen wird. Dann wird weniger gesagt, wozu das Produkt gut ist und wo man es günstig kaufen kann, sondern die Werbung erzählt oft eine kleine Geschichte von irgendwelchen unglücklichen, traurigen und liebesbedürftigen Menschen. Diese Menschen sind in Not, doch schnell kommt durch das angepriesene Produkt eine Wende. Das Produkt löst dann die Probleme, die Not, die Einsamkeit des Menschen in der kleinen Geschichte.

Früher gab es einmal eine Zigarettenreklame: Ein Mann hatte ein Problem und ging in die Luft. Dann wurde ihm eine Zigarette gereicht. Und plötzlich geht es ihm besser. Das Produkt hilft den Menschen praktisch wieder zum richtigen Leben vorzustoßen.

Durch das Produkt wird ihr Leben wieder schön, angenehm und voller Liebe.

Irgendwie wissen wir alle, dass das so nicht stimmt und funktioniert. Keine Zigarette, keine Flasche Bier, kein Waschmittel, kein Shampoo kann einen Menschen wirklich glücklich und froh machen. Dennoch sprechen diese kleinen Geschichten uns Menschen an. Irgendwie sehnen wir uns nach solch einem Mittel, das unser Leben lebenswert macht, das uns zu neuen Menschen macht, die ihre Probleme in den Griff bekommen.

Jesus behauptet nun ganz nüchtern und trocken, ohne irgendeine Werbegeschichte, dass er selbst so ein Mittel ist, das einem Menschen das Leben in Fülle bringt. Ewiges Leben, das heißt ein Leben, das nicht durch die Widerlichkeiten unserer Wirklichkeit zerstört werden kann. Ein Leben, das an der himmlischen Herrlichkeit Anteil hat. Ein Leben in Liebe.

Viele, die Jesus zuhören, können das nicht akzeptieren. Diese Rede lehnen sie ab. Sie ist zu hart, um sie anzunehmen. Es ist ihnen unbegreiflich, dass ein Mensch aus Fleisch und Blut, die Brücke zu Gott ist. Sie wollen nicht annehmen, dass Jesus das Mittel ist, das uns in die Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott setzen kann. Dass in ihm die Liebe Gottes Gestalt bekommen hat.

Wie geht es uns damit? Können wir sie annehmen?

Ich möchte in vier Schritten ein wenig erläutern, worum es Jesus geht:

1. Hier auf der Erde braucht alles eine gewisse Gestalt.

Zunächst ein Beispiel. Es gibt herrliche Kompositionen von großen Musikern. Wunderbare Musik. Doch diese Kompositionen brauchen ein Medium, eine Gestalt, damit wir sie wahrnehmen können. Wenn unser Organist Herr Fleu nicht da wäre, wenn er kein Instrument hätte, dann würde uns sein Choralvorspiel überhaupt nichts bringen. Keiner könnte diese Musik hören.

Ähnlich ist es mit der Liebe. Liebe braucht eine Gestalt. Die Liebe zu meiner Frau würde wohl kaum wachsen, wenn ich nicht mit ihr sprechen könnte, wenn sie mich nie anschauen würde, wenn ich sie nie fühlen könnte.

Darum ist Gott Mensch geworden, um seiner Liebe eine Gestalt zu geben, um uns Menschen ganz handfest seine Liebe zu geben. Diese Liebe heißt Jesus Christus.

2. Die Liebe Gottes ist lebensnotwendig

Es gibt wohl kaum jemand unter uns, der nicht jeden Tag ein Stück Brot isst. Brot ist unser Grundnahrungsmittel. Wir essen jeden Tag davon, um satt zu werden, um Energie zu haben, unsere Aufgaben zu erledigen.

Jesus sagt nun: Ich bin das lebendige Brot, das Brot des Himmels. Das Brot, das uns die Energie und die Nahrung des ewigen Lebens gibt.

Jesus spricht hier sehr handfest vom Essen. Im griechischen wird ein sehr derber Ausdruck dafür verwendet. Man will damit einfach vermeiden, dass das ganze ins geistliche abrutscht.

Es kommt nun die Frage auf: Gut, Jesus war in Gestalt auf dieser Erde, aber nun ist er doch nicht mehr zu sehen. Jesus kann man Gottes Liebe doch gar nicht mehr richtig wahrnehmen.

Ich deute darum das Wort vom Brot auf das Abendmahl.

Ich sprach vorhin davon, dass Musik einen Musiker und ein Instrument benötigt. Doch heute kann man Musik auf kleine Scheiben formatieren und mit CD Spielern auch zum klingen bringen.

Ähnlich halte ich das Brot und den Wein des Abendmahles als das Mittel, mit dem Jesus sich uns, nahe sein möchte, durch die Jesus uns mit seiner Liebe berühren möchte.

Wie das Brot, von unserem Verdauungssystem aufgenommen wird und dann über das Blut in jede Zelle transportiert wird, so möchte Jesus uns mit seiner Liebe erfüllen.

3. Die Gestalt ohne Inhalt ernährt uns nicht.

Wenn eine CD nicht bespielt ist, dann kann man die beste Stereoanlage haben, man kann keine Musik damit hören.

Jesus sagt: Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts.

Ähnlich ist es beim Abendmahl. Das Brot, das wir essen, ist ganz gewöhnliches Brot, das irgendein Bäcker gebacken hat. Es ist ein Brot, das einen Menschen wieder hungrig werden lässt.

Doch durch die Zusage Jesu, durch sein Wort und durch den Heiligen Geist wird dieses gewöhnliche Stück Brot zu einem Transportmittel der Liebe Gottes.

Ähnlich wie eine kleine gewöhnliche Scheibe Plastik zum Transportmittel herrlicher Musik werden kann, so kann das Abendmahl in uns Gottes Liebe zum klingen bringen.

Gottes Geist macht also den Inhalt des Abendmahls aus und nicht das Brot selbst.

4. Liebe möchte empfangen werden.

Wenn man auf dem Mond eine riesige Musikanlage aufstellen würde und dort täglich Musik spielen würde, dann würde das überhaupt nichts und niemanden bewegen. Denn niemand kann die Musik dort hören.

Aber wenn auf der Erde Menschen Musik hören, dann werden sie davon bewegt und so sie ihnen gefällt glücklich und froh darüber.

Ähnlich ist es mit der Liebe. Gottes Liebe sucht ein Gegenüber. Und dieses Gegenüber sind wir Menschen. Seine Liebe möchte uns durchfließen, sie möchte uns ausfüllen, uns heilen, uns neu gestalten, sie möchte uns erfreuen und erfrischen, sie möchte uns Kraft geben für unsere Aufgaben.

Wir Menschen haben die Möglichkeit, uns dieser Liebe zu öffnen, oder zu verschließen.

Viele der Leute, die Jesus zuhörten, lehnten seine Worte ab. Sie konnten ihm zu diesem Zeitpunkt nicht glauben, darum konnten sie auch seine Liebe nicht empfangen.

Wenn wir dagegen Jesus und seine Worte glauben, dann öffnen wir uns für seine Liebe, dann empfangen wir sie. Wenn wir Jesus Worten glauben, dann kann uns seine Liebe erreichen. Dann nehmen wir auch gerne sein Medium an, an das er sein Wort gebunden hat. Brot und Wein. Wir vertrauen darauf, dass er uns dadurch erfüllt.

Und so werden wir selber zu seinen Gefäßen der Liebe. Wir selber dürfen dann wie Brot und Wein werden und Menschen um uns herum mit seiner Liebe beschenken.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010