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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 22. März 1998 in
Neu-Moresnet (Jugendgottesdienst)
2. Kor. 1,3-7
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus,
der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes. Der uns tröstet in aller
unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind,
mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott. Denn wie die Leiden
Christus reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch
Christus. Haben wir aber Trübsal, so geschieht es euch zum Trost und Heil. Haben
wir Trost, so geschieht es zu eurem Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr
mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden. Und unsre Hoffnung
steht fest für euch, weil wir wissen, wie ihr an den Leiden teilhabt, so werdet
ihr auch am Trost teilhaben.
Liebe Gemeinde,
Ein beliebtes Gesprächsthema sind Urlaubserlebnisse. Meistens
berichtet man dabei ausgiebig über die Unterkunft. War es ein schöner Urlaub,
lobt man das Hotel: Man preist an, welchen Komfort das Haus bot – dass es so und
so viele Sterne verzeichnet und was sich hinter diesen versteckt.
Dann erzählt man, was man dort erlebte: wie freundlich man dort behandelt wurde,
wie vorzüglich die Mahlzeiten geschmeckt haben, was es im einzelnen zum Essen
gab, wie preiswert das Quartier doch war. Und vieles mehr.
Wir Menschen loben also etwas, wenn wir mit etwas sehr zufrieden sind und wenn
uns etwas Freude macht, und gerne daran denken. Mit unserem Lob machen wir
automatisch andere auf das, worauf wir stolz sind aufmerksam.
Unser Bibelabschnitt für heute ist ein solches Lob. Und zwar lobt der Apostel
Paulus unseren Gott.
Wenn man ein Hotel lobt, dann erwähnt man zuerst einmal ganz sachlich, welche
Annehmlichkeiten die Einrichtung zu bieten hat. Man erklärt die einzelnen
Sternkategorien. Was also die Sterne im einzelnen zu bieten haben.
Ähnlich beginnt Paulus sein großes Lob mit dem, was unser Gott für die, die sich
auf ihn einlassen, bereithält. Er nennt drei Kategorien – nennen wir es einfach
einmal Sterne.
"Gelobt sei Gott,
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Stern 1: der Vater unseres Herrn Jesus Christus."
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Stern 2: Der Vater des Erbarmens."
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Stern 3: Der Gott allen Trostes."
Zu Stern 1: Der Vater unseres Herrn Jesus Christus:
Warum ist das denn so wichtig? Vater unseres Herrn Jesus
Christus.
Das muss ich ein wenig ausführen: Niemand von uns kann Gott sehen. Darum gibt es
die unterschiedlichsten Vorstellungen von Gott. Manche halten ihn für einen
lieben Opa, der aber etwas schwerhörig ist und im Grunde nichts ausrichten kann.
Wieder andere halten ihn für einen unberechenbaren, grausamen Tyrannen, der mit
seinen vielen Forderungen und Strafen den Menschen das Leben nur noch schwerer
macht, als es ohnehin schon ist. Es gibt unzählige Gottesvorstellungen und
Religionen. Manche ähneln sich, manche sind grundverschieden. Wie können
Menschen erkennen, wie Gott in Wirklichkeit ist bei all den vielen
Vorstellungen?
Letzten Sonntag sagte Pfarrer Ullmann: „Kinder sind ein Spiegelbild ihrer
Eltern.“ Wenn nun Paulus Gott als den Vater Jesu Christi bezeichnet, so sagt er
damit: In Jesus spiegelt sich Gott selbst wider. Schaue ich auf Jesus, dann sehe
ich darin Gott selbst.
Ein Beispiel:
Ich möchte wissen, was Gott am wenigsten leiden kann. Ein
Blick auf das Spiegelbild – Gottes Sohn: Jesus Christus -, da erfahre ich: Jesus
wird sehr wütend, wenn Menschen Frömmigkeit heucheln. Also kann ich sagen: Gott
mag keine Heuchler.
Oder frage ich, wen mag Gott besonders gern – ein Blick auf den Sohn – das
Spiegelbild genügt: Jesus mag gerne kleine Kinder (die heucheln wenigstens noch
nicht) und Menschen, die unerschütterlich seiner Kraft vertrauen.
Wenn du also den Gott der Bibel erkennen willst, von dem wir glauben, dass er
Himmel und Erde geschaffen hat und der alles in seiner Hand hält, dann schau auf
Jesus Christus – in ihm haben wir den Vater.
Zu Stern 2: Der Vater der Barmherzigkeit
Was heißt Barmherzigkeit? Dieses Wort geht auf das hebräische
Wort „rechem“ zurück. Und das bedeutet auch: Bauch, Eingeweide, Mutterleib. Wenn
Gott nun als der Vater der Barmherzigkeit bezeichnet wird, dann könnte man
sagen: „In seiner Hand sind wir weich umgeben, so wie ein kleines Baby im Bauch
seiner Mutter. Jeder Stoß von außen wird gemildert und abgefangen. Nichts
Spitzes, Kaltes, Hartes und Verletzendes ist bei ihm. Bei ihm sind wir geborgen.
Fliehen wir in diese Barmherzigkeit, dann kann uns nichts passieren. Dort kann
uns die zornige, drohende, richtende und gefährliche Seite Gottes nichts
anhaben, dort werden wir mit allem Guten versorgt. Und dort ist Gott, wie er zu
uns Menschen auch sein möchte: nämlich barmherzig.
Dann nennt Paulus noch einen dritten Stern: Der Gott allen
Trostes.
Wenn man sich verletzt hat und blutet, dann hilft ein
Pflaster, die Wunde zu verschließen. Ein Pflaster ist eine Hilfe für die
verletzte Haut. Es hilft mit der Wunde fertig zu werden.
Im seelischen Bereich nennt man einen Verband für geschlagene Verletzungen:
Trost. Trostpflästerchen für leichtere Verwundungen im seelischen Bereich sind
z.B. ein Stückchen Schokolade, oder ein Telefongespräch mit einem lieben
Menschen. Sie helfen uns über manchen Frust hinweg.
Aber Trost bei schweren seelischen Verletzungen, bei tödlichen Wunden, die uns
zugefügt wurden, bei abgrundtiefen Hass, der uns wie eine offene und eiternde
Wunde quält, gibt es nur bei dem einen, bei dem Gott allen Trostes. Er kann
diese schweren Verletzungen sachgerecht verbinden, so dass sie wieder verheilen.
Gelobt sei Gott, der Vater Jesu Christi
Der Vater des Erbarmens.
Der Gott allen Trostes.
Ich finde Paulus hat recht. Ein Gott mit solchen Eigenschaften ist wirklich ein
großartiger Gott. Ja, von solch einem Gott muss man einfach gut reden, den muss
man einfach loben.
Paulus fährt nun mit dem Lob fort, indem er berichtet, wozu ihn dieser Gott noch
ausrüstet. Ich zitiere den Apostel nochmals anhand einer modernen Übersetzung:
„Auch wenn ich viel durchstehen muss, gibt er mir immer
wieder Trost. Darum kann ich auch andere trösten, die Ähnliches durchstehen
müssen. Ich kann sie trösten, so wie Gott mich getröstet hat. Ich teile die
Leiden Christi in reichem Maß. Aber ebenso reich ist der Trost, der mir durch
ihn geschenkt wird. Wenn ich leide, so geschieht es zu eurem Besten, damit ihr
getröstet werdet. Und wenn ich getröstet werde, so geschieht es, damit ihr Mut
bekommt, die gleichen Leiden wie ich geduldig zu ertragen.“
Paulus musste kurz bevor er diesen Brief schrieb Schreckliches erlebt haben. Er
wurde so drangsaliert, dass er sogar nicht mehr weiterleben wollte. Es ging über
seine Kraft, so dass er am Leben verzagte. Er wurde von seinen Volksgenossen
angefeindet, man sperrte ihn ins Gefängnis. Er schwebte in Todesnot – man nimmt
an, dass er in einer Arena gegen wilde Bestien zu kämpfen hatte, er wurde von
seinen Freunden verlassen und enttäuscht. Und das schlimmste von allem war ein
böser Streit mit seiner Lieblingsgemeinde in Korinth. Doch in dieser schweren
Zeit erfährt er die Nähe und die Liebe Gottes. Er erfährt solch großen und
herrlichen Trost, dass es sich lohnt die Leiden zu ertragen.
Paulus ist an dem Leid nicht zerbrochen, sondern dank Gottes Güte gewachsen und
gereift. Nun kann er andere trösten. Allen voran auch die, die ihm im Streit
Schmerzen bereitet haben.
Liebe Gemeinde – normalerweise rühmt man nichts, was einem das Leben schwer
macht.
Niemand käme auf die Idee eine Unterkunft zu loben, bei der es durch das Dach
regnet, das Essen kalt und ungenießbar ist, die Zimmer schmutzig, das Personal
unfreundlich.
Doch Paulus lobt Gott, obwohl er in der Nachfolge Jesu auch sehr viel Leid
erfährt. Da müsste er doch eher schimpfen, oder wenigstens ein bisschen jammern.
Warum kann er Gott trotzdem so frei heraus loben?
Antwort: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es
allein; Wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.
Paulus hat die Wahrheit dieses Wortes erfahren: Die Trübsal, das Leiden, der
Kampf hat ihm gezeigt:
Aus all dem wächst große Frucht – Frucht für seine geliebten Gemeinden und
Frucht für Gott.
Ist solch ein großer Gott nicht zu loben, der selbst das Leiden und Sterben
verwandeln kann in Freude und Leben!
Amen
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